Die Huldra ist Geist der skandinavischen Überlieferung.
Vorn die schöne Waldfrau, hinten Kuhschwanz und hohle Rinde.
Die Huldra, schwedisch Skogsrå, ist die schöne Waldfrau mit Kuhschwanz der skandinavischen Überlieferung, die Herrin des Waldes. Sie verführt Köhler und Jäger im Wald, belohnt Höfliche und bestraft, wer sie kränkt, mit Verirren oder Tod.
Die norwegische und schwedische Volksüberlieferung über sie ist umfangreich und wurde im 19. und 20. Jahrhundert breit erfasst; die samische Entsprechung heißt Ulda.
Typ: Waldfrau und Herrin des Waldes, ein rå-Geist
Herkunft: Norwegen und Schweden, samische Entsprechung Ulda
Texte: norwegische und schwedische Volksüberlieferung, im 19. und 20. Jahrhundert breit erfasst
Zeitraum: mündliche Überlieferung bis in die Gegenwart
Erscheinung: schöne junge Frau mit langem Haar, aber mit Kuhschwanz, schwedisch zusätzlich mit hohlem Rücken
Die umfangreiche norwegische und schwedische Volksüberlieferung wurde im 19. und 20. Jahrhundert breit erfasst und in den Legendenkatalogen der Folkloristik erschlossen.
Norwegen und Schweden; im samischen Norden entspricht ihr die Ulda. Ihr Bereich sind Wald, Köhlerplätze und die Einsamkeit der Männerarbeit im Forst.
Sehr gut: die Legendenkataloge von af Klintberg und Christiansen sowie die schwedische Forschung zu erotischen Naturwesen bei Ebbe Schön.
Nordisch: Der Name gehört zu einer Wurzel für verhüllt, verborgen, altnordisch hulda; die Huldra zählt zum Huldrefolk, dem verborgenen Volk, und ist etymologisch die Verhüllte. Der schwedische Name Skogsrå bedeutet Waldwesen oder Waldherrin, aus skog, Wald, und rå, dem wesenhaften Herrn eines Ortes, und stellt sie ausdrücklich in die Reihe der rå-Geister. Eine christliche Ursprungssage erklärt sie als Kinder Evas, die diese ungewaschen vor Gott versteckte.
Erscheinung
Vorderseite schön, Rückseite tierhaft mit Kuhschwanz oder hohl wie ein morscher Baumstamm: das Sinnbild der trügerischen Verlockung und der Doppelnatur der Wildnis. Der hohle, rindige Rücken macht sie buchstäblich zu einem Stück Wald. Wird der Schwanz beim Tanz oder in der Kirche entdeckt, ist der Zauber gebrochen.
Wirkung
Die Huldra lockt Männer in den Wald: Wer sie höflich behandelt, wird mit Jagdglück und Schutz belohnt, wer sie kränkt oder enttäuscht, wird in die Irre geführt oder getötet. Als Skogsrå ist sie Herrin über Wild und Wald; gegenüber Köhlern gilt sie meist als wohlwollend, wacht über die Meiler, während die Köhler schlafen, und wird dafür mit Speiseresten entlohnt. Zuweilen tauscht sie Kinder gegen ihre eigenen.
Die wichtigsten Aspekte der Waldherrin auf einen Blick.
Teil des Huldrefolks, des verborgenen Volkes Skandinaviens, und als Skogsrå zugleich rå-Geist: wesenhafte Herrin eines Ortes, hier des Waldes.
Köhler, Jäger, Holzfäller und einsame Männer im Wald: die Berufe, deren Waldeinsamkeit die Erzählungen von Verlockung und Strafe hervorbrachte.
Schöne junge Frau mit langem, oft goldenem Haar, aber mit Kuhschwanz; in Schweden zusätzlich mit hohlem Rücken wie ein morscher Baumstamm.
Herrschaft über Wild und Wald, Jagdglück und Schutz für Höfliche, Verirren oder Tod für Kränkende, Wache über die Köhlermeiler.
Höflichkeit im Wald, Gaben am Meiler, Stahl und Eisen als Abwehr, Kirchenglocken und christliche Zeichen; ihr Zauber bricht auf geweihtem Boden.
Funktional das weibliche Äquivalent zum slawischen Leshy; die deutschen Verwandten behandelt die Seite zum Holzfräulein.
Der Name gehört zu einer Wurzel für verhüllt, verborgen, altnordisch hulda; die Huldra zählt zum Huldrefolk, dem verborgenen Volk, und ist etymologisch die Verhüllte. Der schwedische Name Skogsrå stellt sie ausdrücklich als Herrin des Waldes in die Reihe der rå-Geister, der wesenhaften Herren eines Ortes.
Eine christliche Ursprungssage erklärt sie als Kinder Evas, die diese ungewaschen vor Gott versteckte und die deshalb den Menschen für immer verborgen blieben. In der Überlieferung der Köhler und Jäger nimmt die Verborgene dann sehr konkrete Gestalt an: als schöne Frau am nächtlichen Meiler, deren wahre Natur erst der Blick auf Schwanz oder Rücken verrät.
Die Huldra ist sehr präsent in norwegischer und schwedischer Kultur, in der Bildwelt Theodor Kittelsens und der Nationalromantik, und in moderner Populärkultur, unter anderem im norwegischen Film Thale von 2012. Sie ist eine feste Größe der skandinavischen Folklore.
Religionswissenschaftlich ist die Huldra eine Wildfrau und Herrin des Waldes, ein rå-Geist, und eine verführerische Grenzfigur zwischen Zivilisation und Wildnis. Sie verkörpert die Gefahren und Verlockungen der Waldeinsamkeit für die Männerberufe der Köhler und Jäger.
Quellenfest sind die Höflichkeit im Wald, also freundlich und respektvoll aufzutreten und die Huldra nicht zu kränken, sowie Gaben wie Essensreste am Köhlermeiler. Stahl und Eisen, etwa ein Messer über der Tür oder eine Klinge im Feuer, gelten in der nordischen Überlieferung als Abwehr, ebenso Kirchenglocken und christliche Zeichen, deren Nähe sie vertreibt; ihr Zauber bricht, sobald sie geweihten Boden betritt oder ihr Schwanz erkannt wird.
Als Skogsrå ist die Huldra funktional das weibliche Äquivalent zum slawischen Leshy, dem Herrn des Waldes. Innerhalb der rå-Reihe steht ihr die Bergsrå zur Seite, die denselben Typus den Bergen zuordnet. Verwandt sind die griechische Baumnymphe, die Dryade, der nordische Troll und der samische Stallo sowie die deutschen Waldfrauen, das Holzfräulein und die Moosleute; im Kindertausch-Motiv berührt sie sich mit der slawischen Dziwożona.
Woran erkennt man die Huldra?
Am Kuhschwanz oder am hohlen, rindenbedeckten Rücken. Von vorn erscheint sie als schöne junge Frau mit langem Haar; erst der Blick auf die Rückseite verrät ihre Doppelnatur.
Ist die Huldra gefährlich?
Ambivalent: Sie belohnt Höflichkeit, besonders bei Köhlern, über deren Meiler sie wacht, und bestraft Kränkung mit Verirren oder Tod. Die Gefahr hängt ganz am Verhalten des Menschen.
Wie schützt man sich?
Durch Höflichkeit, Stahl und Feuer sowie Kirchennähe und Glocken. Ihr Zauber bricht, wenn sie geweihten Boden betritt oder ihr Schwanz erkannt wird.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Huldra in Norwegen und als Skogsrå in Schweden gilt die Herrin des Waldes Skandinavien bis heute als eine seiner vertrautesten Sagengestalten: schön von vorn, Wald von hinten, und stets Herrin über die Regeln ihres Reviers.
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