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Chindi, der Rest, der beim Tod zurückbleibt

Chindi ist Geist der Navajo-Überlieferung.

Kein Geist des Toten, sondern sein ungelöster Rest. Zentral in der Überlieferung ist der Rest, der beim Tod zurückbleibt.

GeistNavajo

Inhaltsverzeichnis

Chindi, Geist der Navajo-Überlieferung
Chindi

Chindi ist der Totengeist der Diné, auch Navajo genannt: der bei Tod zurückbleibende Rest eines Menschen, alles Negative, das die Person zu Lebzeiten nicht ins Gleichgewicht bringen konnte. Er verlässt den Körper mit dem letzten Atemzug.

Kontakt mit ihm kann die gefürchtete Geisterkrankheit auslösen. Der Chindi hat keine feste Gestalt; in manchen Vorstellungen werden Staubwirbel und Windhosen mit ihm in Verbindung gebracht.

Auf einen Blick: Chindi

Typ: Totengeist, der disharmonische Rest eines Menschen nach dem Tod
Herkunft: Diné-Kosmologie (Navajo) im Südwesten der USA, zentrales Ideal von Harmonie und Gleichgewicht
Texte: publizierte Navajo-Ethnografie und Nachschlagewerke, Thema teils kulturell geschützt
Zeitraum: traditionell, bis heute lebendig
Erscheinung: meist kein festes Bild, teils mit Staubwirbeln und Windhosen assoziiert

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Die Vorstellung gehört zur bis heute lebendigen Diné-Kosmologie und stützt sich auf publizierte Navajo-Ethnografie und Nachschlagewerke.

Verbreitungsraum

Verbreitet ist der Glaube bei den Diné oder Navajo im Südwesten der USA.

Quellenlage

Teils ein geschlossenes Thema: Die Quellenlage stützt sich auf publizierte Ethnografie, während zeremonielles Detailwissen hier bewusst ungenannt bleibt.

Name und Varianten

Diné: Chindi bezeichnet in der Sprache der Diné, auch Navajo genannt, den bei Tod zurückbleibenden Rest eines Menschen: alles Negative, das zu Lebzeiten nicht ins Gleichgewicht gebracht werden konnte. Er verlässt den Körper mit dem letzten Atemzug.

Erscheinung und Symbolik

Erscheinung

Der Chindi hat keine feste Gestalt. In manchen Vorstellungen werden Staubwirbel und Windhosen mit ihm in Verbindung gebracht. Symbolisch verkörpert er den ungelösten, disharmonischen Rest eines Lebens.

Wirkung

Kontakt mit einem Chindi kann die sogenannte Geisterkrankheit auslösen, im Englischen als ghost sickness bezeichnet, mit Symptomen wie Übelkeit, Fieber, Erschöpfung und einem Gefühl des Erstickens. Der Chindi gilt so als Ursache von Unwohlsein und Unglück im Umfeld eines Todesfalls.

Steckbrief: Chindi

Die wichtigsten Aspekte des Totengeistes auf einen Blick.

Tradition

Teil der Diné-Kosmologie mit ihrem zentralen Ideal von Harmonie und Gleichgewicht, dem der Chindi als ausgestoßener Widerpart gegenübersteht.

Bezogen auf

Hinterbliebene und alle, die mit Toten oder Sterbeorten in Kontakt kommen.

Darstellung

Keine feste Gestalt; in manchen Vorstellungen mit Staubwirbeln und Windhosen assoziiert.

Wirkungsbereich

Bringt die Geisterkrankheit mit Übelkeit, Fieber und Erschöpfung, gilt als Ursache von Unglück im Umfeld eines Todesfalls.

Umgang

Strenge Meidungstabus, das Nichtaussprechen des Namens Verstorbener und Reinigungszeremonien zur Wiederherstellung des Gleichgewichts.

Verwandtes

Der wabanakische Skadegamutc und die hawaiischen Night Marchers als weitere Gestalten der Ahnenscheu, dazu der indische Bhoot.

Der ausgestoßene Gegenpart der Harmonie

Nach der allgemein publizierten Navajo-Vorstellung ist der Chindi der bei Tod zurückbleibende Rest eines Menschen und verlässt den Körper mit dem letzten Atemzug. Der religiöse Hintergrund ist die Diné-Kosmologie mit ihrem zentralen Ideal von Harmonie und Gleichgewicht; der Chindi ist gleichsam der ausgestoßene Widerpart dazu.

Tod und Totengeister sind bei den Diné ein kulturell sensibles, teils geschütztes Thema. Diese Darstellung bleibt deshalb bewusst allgemein: Sie folgt der publizierten Ethnografie, ohne zeremonielles Wissen auszuschmücken oder ins Detail zu gehen.

Hillerman-Romane und die Grenzen der Popularisierung

Der Chindi ist über die Navajo-Kriminalromane Tony Hillermans und deren Verfilmungen einem breiten Publikum bekannt geworden. Diese populäre Rezeption ist verständlich, aber vereinfachend gegenüber der komplexen Diné-Vorstellung.

Religionswissenschaftlich steht der Chindi im Schnittfeld von Totentabu und Harmonie-Kosmologie: Er ist nicht der Verstorbene, sondern der disharmonische Rest, der das Gleichgewicht bedroht. Die Meidungsbräuche sind funktional als Schutz der Lebenden vor der Geisterkrankheit zu verstehen.

Meidungstabus und ungenanntes Zeremonialwissen

Quellenfest und allgemein bekannt sind strenge Meidungstabus rund um Tod und Tote. Traditionell wurden Häuser, in denen jemand starb, verlassen oder zerstört, um Krankheit zu vermeiden; der Name eines Verstorbenen wurde lange nicht ausgesprochen, aus Sorge, der Chindi könne ihn hören.

Zum Schutz und zur Wiederherstellung des Gleichgewichts bestehen Reinigungszeremonien, in denen unter anderem Räuchern und Beifuß als Heilkraut eine Rolle spielen; ein getragenes Amulett gilt im Umgang mit dem Totengeist als Schutzzeichen. Über den genauen Ablauf der Zeremonien wird hier bewusst nichts ausgeführt, da es sich um kulturell geschütztes zeremonielles Wissen handelt.

Ein weltweites Muster, kein Namensvetter

Der Chindi entspricht dem weit verbreiteten Bild eines am Sterbeort haftenden, gefährlichen Toten-Rests. Die Vorstellung, dass Kontakt mit Toten krank macht, findet sich in vielen Kulturen in Totentabus und Meidungsbräuchen; ein typologischer Vergleich ist hier sinnvoller als ein Namensvergleich. Innerhalb der nordamerikanischen Totengeister-Überlieferungen dieser Sammlung steht ihm der wabanakische Skadegamutc gegenüber, dessen Gefahr nicht aus einem tabuisierten Rest, sondern aus einem bösen Schamanen selbst erwächst.

Häufige Fragen zum Chindi

Ist der Chindi der Geist des Verstorbenen?

Nein, nach der Vorstellung ist er nur der negative, ungelöste Rest eines Lebens, nicht die ganze Person.

Was ist die Geisterkrankheit?

Eine Krankheit, die dem Kontakt mit einem Chindi zugeschrieben wird, unter anderem mit Übelkeit, Fieber und Erschöpfung.

Warum wird der Name eines Toten gemieden?

Aus Sorge, der Chindi könne den Namen hören und herbeikommen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Reichard, Gladys A.: Navaho Religion. A Study of Symbolism. New York 1950.
  • Wyman, Leland C.: Blessingway. Tucson 1970.
  • Kluckhohn, Clyde / Leighton, Dorothea: The Navaho. Cambridge 1946.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Navajo-Totengeist bleibt der Chindi vor allem der disharmonische Rest eines Lebens: kein Wiedergänger im europäischen Sinn, sondern das Ungelöste, das nach Diné-Vorstellung mit dem letzten Atemzug zurückbleibt und im Kontakt die gefürchtete Geisterkrankheit, im Englischen ghost sickness genannt, auslösen kann.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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