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Ares — griechischer Gott des Krieges

Ares ist im griechischen Pantheon der Gott des Krieges, genauer gesagt: der Gott der ungezügelten, blutigen, rauschhaften Schlachtwut. Er steht in scharfer Opposition zu Athene, die die strategisch geordnete und polis-gerechte Kriegsführung verkörpert. Ares wird bei Homer durchgehend mit negativen Beinamen versehen: «mainomenos» (rasend), «brotoloigos» (Männervertilger), «andreïphontes» (Männertöter).

Doch diese homerische Disqualifikation entspricht nur einem Teil der griechischen Wahrnehmung; in Sparta, Theben und in Thrakien war Ares ein zentraler, hochangesehener Gott, dem ranghohe Tempel und Kulte gewidmet waren.

Erst die athenische Polis-Theologie hat sein Profil auf die destruktive Seite reduziert. Sein Beiname «Enyalios», eng mit der Kriegsgöttin Enyo verbunden, bewahrt eine ältere Schicht ungetrennter Schlachtgottheit.

Ares ist ein griechischer Gott und verkörpert die ungezähmte, blutige Seite des Krieges.

Inhaltsverzeichnis

Ares - Götter aus der Griechenland-Tradition, historisch-illustrativ

Mythos und Stammbaum

Hesiod nennt Ares in der «Theogonie» (Vers 921 bis 923) als Sohn von Zeus und Hera; geschwisterlich verbunden mit Hebe und Eileithyia. Damit gehört Ares zur ersten Generation der ehelich gezeugten olympischen Kinder, anders als die zahllosen außerehelichen Nachkommen des Zeus.

Diese genealogische Stellung wird in der Forschung als Hinweis auf eine ältere, vor-homerische Würdigung des Gottes gelesen: Wäre Ares ein bloßes Negativbild gewesen, hätte ihn die Tradition nicht als ehelichen Hauptsohn ausgewiesen.

Ares‘ Geliebte ist Aphrodite, mit der er die unehelichen Kinder Eros, Anteros, Phobos (Furcht), Deimos (Schrecken) und Harmonia zeugt. Diese Verbindung wird im berühmten Demodokos-Lied der «Odyssee» (VIII, 266 bis 366) als ehebrecherische Affäre dargestellt; ältere und nicht-homerische Traditionen kennen sie hingegen als legitime Verbindung.

Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia, beschrieben von Apollodor (III, 4, 2), wird zum Modell-Götter-Brautlauf für die thebanische Königsdynastie und bringt Ares zum Stammvater eines der wichtigsten griechischen Adelshäuser.

Aus den Verbindungen mit sterblichen Frauen entstehen die thrakischen Helden Diomedes (König der mannfressenden Pferde), Kyknos (von Herakles erschlagen), Tereus (König von Daulis), Phlegyas (Vater der Koronis und Großvater des Asklepios), Oinomaos (Vater der Hippodameia) und die Amazonenkönigin Penthesilea, die im Trojanischen Krieg auf trojanischer Seite kämpft.

Ares‘ Nachkommenschaft ist also überdurchschnittlich gewalttätig, was die genealogische Funktion des Gottes als Stammvater grimmiger Helden bestätigt.

Mykenische Linear-B-Belege aus Knossos nennen einen Gott «a-re», dessen Identifikation mit Ares wahrscheinlich, aber nicht völlig sicher ist. Die Belege deuten auf einen Empfänger einfacher Opfer hin, nicht auf einen Hauptgott.

Die ausgeprägte Verehrung des Ares in Thrakien (Herodot V, 7) und in Skythien hat Walter Burkert zur Vermutung geführt, dass das spätere homerische Negativbild teilweise auf eine ethnische Stigmatisierung zurückgeht: Der «Barbaren-Gott» der Thraker wurde von den ionischen Epikern als unwürdig hingestellt.

Symbole, Ikonografie und Attribute

Ares wird typischerweise als bärtiger oder bartloser Krieger mit Helm, Speer, Schild und Schwert dargestellt. Er trägt vollständige Rüstung; nur selten erscheint er ohne Panzer. Sein Wagen wird von vier Pferden gezogen, deren Namen Phobos, Deimos, Aithon und Phlogeos lauten.

Begleitet wird er von seinen Söhnen Phobos und Deimos sowie von seiner Schwester Enyo. In manchen Darstellungen erscheinen auch die Keren, dämonische Geister des gewaltsamen Todes.

Sein heiliges Tier ist der Geier, der wegen seines Aases von Schlachtfeldern als Begleitvogel des Kriegers galt. Daneben sind ihm Hund (besonders der scharfäugige Wachhund) und in Thrakien der Wolf zugeordnet.

Der Specht, der mit seinem Schnabel die Felsen aufhackt, gilt in der italischen Tradition als sein Vogel und stiftet die Verbindung zum römischen Mars, dessen Specht (picus) bei der Wahl des heiligen Frühlings (ver sacrum) die wandernden Stämme führte.

Die plastische Darstellung des Ares in der klassischen griechischen Kunst ist eigenartig zurückhaltend. Es gibt keinen großen Kultkoloss vergleichbar dem Zeus von Olympia oder der Athene Parthenos.

Die berühmteste antike Ares-Statue, der «Ares Borghese» (heute Louvre), zeigt den Gott bartlos, junghaft und in Kontrapost, ohne jede Aggression; die Statue gilt als römische Kopie nach einem griechischen Original des Alkamenes oder Polyklet.

Die «Ludovisi Ares» (heute Palazzo Altemps in Rom) zeigt den Gott rastend mit Helm und Schild, in einer Pose nachdenklicher Müdigkeit, die der homerischen Schlachtwut auffallend widerspricht.

In Sparta gab es eine archaische Holzstatue des Ares Enyalios in Fesseln; Pausanias (III, 15, 7) erklärt das Bild damit, dass die Spartaner so den Kriegsgott für immer in ihrer Stadt halten wollten.

Vergleichbar ist der bronzene Ares-Block im Tempel von Geronthrai, der ähnlich gefesselt war. Diese Fesselungsikonographie zeigt die ambivalente Stellung des Ares: Er muss gebunden werden, weil seine Kraft sonst auch die eigene Stadt zerstören könnte.

Kult und Verehrung

Der Ares-Kult war auf der griechischen Festlandschaft mäßig verbreitet, in einigen Regionen aber hochrangig. In Sparta hatten die Soldaten vor jeder Schlacht ein Hundeopfer für Ares Enyalios darzubringen, ein in der Antike sehr ungewöhnlicher Ritus (Pausanias III, 14, 9).

Das Hundeopfer galt als chthonisch und passte zum dunklen Profil des Gottes. Junge Spartaner, die das Pflichtalter erreichten, weihten ihm vor dem Eintritt ins Bürgerheer einen jungen Hahn.

In Athen lag der Areopag, der «Hügel des Ares», nordwestlich der Akropolis; nach attischer Tradition hatte Ares hier vor den Olympiern Rechenschaft abgelegt, weil er Halirrhothios, einen Sohn des Poseidon, getötet hatte, der seine Tochter Alkippe vergewaltigen wollte (Apollodor III, 14, 2).

Der Gerichtshof auf dem Areopag, der bis in das fünfte vorchristliche Jahrhundert die obersten Adelsgerichte Athens bildete, leitete von dieser Episode seinen Namen und seine kosmische Legitimation her.

In Theben war Ares Stammvater der königlichen Dynastie über Kadmos und Harmonia. Sein heiliger Hain mit dem ihm geweihten Drachen, den Kadmos erschlug, gehört zu den ältesten Gründungsmythen der Stadt.

In Tegea wurde Ares Gynaikothoinas («mit Frauen schmausend») verehrt, weil die Frauen der Stadt einst die Lakedämonier in einer Schlacht zurückgeschlagen hatten und allein das Opfermahl genossen (Pausanias VIII, 48, 4 bis 5). Diese ungewöhnliche Frauen-Kultversion ist religionsgeschichtlich auffällig.

In Halikarnassos, in einer karischen Stadt, war Ares zusammen mit Bellona und Enyo Hauptgott des Gemeinwesens.

In Thrakien, dem heutigen Bulgarien und europäischen Türkei, war Ares laut Herodot (V, 7) der oberste Gott der lokalen Bevölkerung; ein angeblich riesiger Eisenpfeiler markierte sein zentrales Heiligtum.

Die Skythen sollen nach Herodot (IV, 62) Ares in Gestalt eines alten eisernen Schwertes verehrt haben, das auf einem hohen Erdwall aufgesteckt war und dem Pferdeopfer mit Blut dargebracht wurde.

Diese Kulte zeigen, dass Ares im nördlichen und östlichen Randgebiet der griechischen Welt eine viel zentralere Stellung hatte als im klassischen Kerngebiet.

Wichtige Heiligtümer und Tempel

Der wichtigste athenische Tempel des Ares stand in klassischer Zeit nicht in Athen selbst, sondern wurde erst in römischer Zeit von Acharnai auf die Agora transferiert.

Der Acharnai-Tempel war ein dorischer Bau des fünften Jahrhunderts; Augustus oder ein Nachfolger ließ ihn Stein um Stein zur Agora bringen und dort neu aufbauen, als Gegenstück zum Hephaisteion. Die Fundamente dieses Tempels sind heute in der nördlichen Agora archäologisch identifizierbar.

In Geronthrai am Eurotas in Lakonien stand ein Ares-Heiligtum mit jährlichem Fest, an dem keine Frauen teilnehmen durften (Pausanias III, 22, 6 bis 7).

In Trozen bei dem Hellios-Hügel gab es einen Tempel des Ares Gynaikoboas («Frauen-zerbrechend»), in Sparta eines des Ares Theritas. In Tegea war der Tempel des Ares Gynaikothoinas mit dem Frauenfest verbunden.

In Halikarnassos befand sich das Hauptheiligtum auf der Akropolis, neben dem Mausoleum des Maussolos. In Sigeion in der Troas und in Olynth gab es Ares-Tempel, die wegen ihrer Bedeutung im athenischen Hegemonialkrieg von 358 bis 348 vor unserer Zeitrechnung politische Brennpunkte wurden.

Im hellenistischen Pergamon stiftete Eumenes II. dem Gott einen Bezirk im Rahmen des Asklepieions. Die thrakische Kultzentrale, von Herodot beschrieben, ist archäologisch nicht eindeutig lokalisiert; vermutlich lag sie im Gebiet der heutigen bulgarischen Schwarzmeerküste.

Mythen-Erzählungen

Im Trojanischen Krieg steht Ares wechselhaft auf beiden Seiten, geschlagen aber stets von Athene. Bei Homer (Ilias V, 859 bis 906) wird er von Diomedes verletzt, geführt durch Athene; Ares stößt einen Schmerzschrei aus, der wie der Lärm von neuntausend oder zehntausend Männern klingt, und flieht zum Olymp, wo er Zeus über die Ungerechtigkeit klagt.

Zeus weist ihn schroff zurück: «Mir verhasster bist du von allen Göttern, die im Olympos wohnen» (V, 890). Dieser Ausspruch des Göttervaters gegen den eigenen Sohn gilt als locus classicus für Ares‘ Schlechtbild im homerischen Epos.

Die «Theomachie» der Ilias XX und XXI sieht Ares erneut Athene gegenüberstehen; auch hier unterliegt er. Schließlich greift er, in Verkleidung eines sterblichen Trojaners, in die Kämpfe ein, wird aber wiederum zurückgedrängt.

In der jüngeren Tradition verliebt sich Ares‘ Tochter Penthesilea, Königin der Amazonen, in Achill, der sie tötet und bei ihrem Anblick selbst Trauer empfindet; dieses Motiv prägt die Kestner-Vase und den «Aithiopis»-Stoff.

Der Mythos von Ares und Aphrodite, gefangen in Hephaistos‘ Netz, ist die bekannteste Geschichte des Gottes. In der homerischen Erzählung (Odyssee VIII) führt sie zu seinem Spott vor den Olympiern.

In der späteren Tradition wird die Episode jedoch positiver gewendet: Aus der Verbindung gehen die Götter Eros und Harmonia hervor, und manche Philosophen, darunter Plutarch, sehen in der Verbindung den Gleichklang von Krieg und Liebe als kosmisches Prinzip, das alle Gegensätze hervorbringt.

Die Episode mit den Aloiden, den Riesen Otos und Ephialtes, schildert Apollodor (I, 7, 4): Die beiden Söhne des Poseidon und der Iphimedeia binden Ares in einen ehernen Krug und halten ihn dreizehn Monate gefangen.

Erst Hermes wird durch die Stiefmutter Eriboea informiert und befreit den Gott, halbtot vor Erschöpfung. Diese Geschichte zeigt Ares als verwundbar gegenüber der List, was sein Profil der reinen Kraft kompensiert.

Beziehungen im Pantheon

Ares‘ Beziehung zu Zeus und Hera ist ambivalent. Zeus erklärt ihn bei Homer für seinen meistgehassten Sohn, doch Hera ergreift mehrfach Partei für ihn, etwa wenn Diomedes ihn verwundet.

Mit Athene besteht prinzipielle Feindschaft, die aus der grundlegenden Differenz ihrer Kriegskonzepte hervorgeht: Athene plant und schützt die Polis, Ares stürmt und zerstört. In zwei homerischen Episoden besiegt sie ihn direkt: in der Diomedes-Episode und in der Theomachie.

Mit Aphrodite verbindet Ares eine der zentralen Liebesgeschichten des griechischen Mythos. Die spätere philosophische Tradition deutet die Verbindung als kosmische Versöhnung der Gegensätze von Krieg und Liebe; aus ihr geht Harmonia hervor.

Mit Hephaistos, dem rechtmäßigen Gemahl der Aphrodite, besteht offene Konkurrenz, gipfelnd im erwähnten Netz-Vorfall. Eros, ihr gemeinsames Kind, ist in der orphischen Tradition der älteste und mächtigste Gott; in der olympischen Tradition wird er auf einen Kindheitsdämon der Aphrodite reduziert.

Mit den «kriegerischen» Geschwistern Enyo (Schwester) und mit Ker und Eris (Schlachtfeld-Begleiterinnen) bildet Ares einen Kreis düsterer Götter, die als Personifikationen des Schlachtgeschehens wirken.

Die Frage, ob Enyo eigene Göttin oder nur Aspekt des Ares Enyalios ist, wird in der modernen Forschung diskutiert; die ältesten Belege lassen eine eigenständige Göttin vermuten, die in der olympischen Periode in Ares‘ Gefolge eingegliedert wurde. Mit Hermes, dem Bruder, der ihn aus dem ehernen Krug befreit, besteht eine seltene positive Beziehung.

Rezeption

Die römische Identifikation mit Mars ergibt eine grundlegend andere Konzeption. Mars war in Italien ein Hauptgott von ehrwürdigem Profil, Schutzherr des Stammes, Gewährer der landwirtschaftlichen Fruchtbarkeit und Stammvater Roms durch Romulus und Remus.

Anders als der unliebsame griechische Ares war Mars dem Jupiter gleichrangig in der Capitolinischen Trias der frühen Republik (Jupiter, Mars, Quirinus). Die römische Religion hat damit die negative Komponente des Ares fast vollständig verloren und an Bellona oder die personifizierte Furor abgegeben.

Im Mittelalter wurde Ares-Mars zur Planetenfigur und zum Beherrscher des Tages «martedì» (Dienstag, Tag des Mars). Boccaccio behandelt ihn in «De genealogia deorum gentilium» als allegorische Figur des Zorns.

Chaucers «Knight’s Tale» macht ihn zum Patron des Ritters Arcite. Die Renaissance bringt Botticellis «Venus und Mars» (1483 bis 1485, National Gallery London), das den Gott schlafend, von Aphrodite besänftigt, zeigt, eine Allegorie der Versöhnung von Krieg und Liebe.

Velazquez‘ «Mars» (1640, Prado) und Rubens‘ «Konsequenzen des Krieges» (1638) interpretieren den Gott als nachdenkliche, fast melancholische Figur. Im neunzehnten Jahrhundert tritt Ares hinter die Personifikation der modernen Kriegsmaschine zurück.

Die moderne Popkultur hat ihn als archetypischen Kriegerantagonisten in Spielen, Filmen und Comics aufgenommen, oft ohne Rücksicht auf die historisch ambivalente Stellung des Gottes. Die wissenschaftliche Forschung hat seit Burkert die Eigenständigkeit und teilweise Hochrangigkeit des Ares-Kultes außerhalb des athenischen Diskurses systematisch herausgearbeitet.

Religionswissenschaftliche Einordnung

Die Etymologie des Namens Ares ist umstritten. Eine indogermanische Herleitung aus der Wurzel «*h₂er-» (verderben, schädigen) ist möglich, aber nicht gesichert; die mykenischen Linear-B-Belege («a-re») bezeugen den Namen bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend in der Ägäis.

Robert Beekes lehnt eine indogermanische Etymologie ab und plädiert für vorgriechischen Ursprung. Die thrakische Schwerpunktverehrung legt einen nördlichen, möglicherweise nicht-indogermanischen Hintergrund nahe.

Im religionsvergleichenden Kontext fallen Parallelen zum vedischen Indra auf, der ebenfalls Schlachtgott und Anführer der Devas ist, sowie zum nordischen Týr und (in einer anderen Schicht) zum keltischen Camulus oder Cocidius.

Georges Dumézil ordnete Ares der zweiten, kriegerischen Funktion seiner indogermanischen Dreifunktionentheorie zu. Doch die Eigenständigkeit des Ares innerhalb des griechischen Pantheons gegenüber der zweiten, ebenfalls kriegerischen Athene macht eine reine Dumézil-Klassifikation schwierig.

Walter Burkert hat in «Griechische Religion» die Funktion des Ares als des «anderen» Kriegsgottes herausgearbeitet, der das Negative im Krieg, das durch keine polis-bezogene Strategie zu zähmen ist, religiös ansprechbar macht.

Die rituelle Fesselung in Sparta und Geronthrai sieht er als Ausdruck einer apotropäischen Religiosität: Der Gott wird gefesselt, damit er die eigene Gemeinschaft verschont. Jüngere Arbeiten, etwa von Pierre Bonnechere zu den thrakischen Aspekten und von Jan Bremmer zu den Initiationsriten, haben das Profil des Ares als komplexen, regional differenzierten Gott weiter ausdifferenziert.

Etymologie und Linear-B-Belege

Der Name «Ares» (in archaischer Schreibung «Ara») ist seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend belegt. Mykenische Linear-B-Tafeln aus Knossos (Tafel V 52) nennen einen Theonym «a-re», dessen Identifikation mit Ares wahrscheinlich, aber nicht mit Sicherheit erwiesen ist.

Die Belege deuten auf einen Empfänger bescheidener Opfer hin, nicht auf einen Hauptgott. Diese frühe Stellung an der Peripherie des mykenischen Pantheons könnte ein Hinweis darauf sein, dass Ares in der bronzezeitlichen Religion noch keine zentrale Funktion innehatte und erst in der archaischen Zeit zur olympischen Hauptgestalt aufstieg.

Etymologisch wurden mehrere Herleitungen vorgeschlagen. Eine Verbindung mit der indogermanischen Wurzel «*h₂er-» (verderben, schädigen) ist möglich, ergibt aber semantisch ein Profil, das eher mit Erinyen oder Ker als mit dem klassischen Ares korrespondiert.

Robert Beekes lehnt eine indogermanische Etymologie ab und plädiert für vorgriechischen Ursprung. Die thrakische Schwerpunktverehrung legt einen nördlichen, möglicherweise nicht-indogermanischen Hintergrund nahe, doch die genaue ethnolinguistische Herkunft des Namens bleibt offen.

Eine besondere theologische Verbindung verdient den Beinamen «Enyalios», unter dem Ares besonders in archaischer Zeit verehrt wurde. Enyalios erscheint in Linear-B-Tafeln («e-nu-wa-ri-jo») bereits selbständig neben «a-re», was die ältere Forschung zu der These geführt hat, Enyalios sei ursprünglich eine eigenständige Kriegsgottheit gewesen, die in archaischer Zeit mit Ares verschmolzen wurde.

Die Schwester Enyo, die zur Schlachtgottheit der Ilias gehört, wäre demnach das weibliche Gegenstück derselben älteren Schicht. Walter Burkert hat diese Hypothese in «Griechische Religion» behutsam vertreten; sie ist heute eine der diskutierten Optionen zur Vorgeschichte des Ares-Kultes.

Quellen

Homer, «Ilias» V, 825 bis 909 (Verwundung durch Diomedes), XX, 51 bis 53 und XXI, 391 bis 414 (Theomachie); «Odyssee» VIII, 266 bis 366 (Aphrodite). Hesiod, «Theogonie» 921 bis 923. Apollodor, «Bibliotheke», I, 7, 4 (Aloiden), III, 4, 2 (Harmonia), III, 14, 2 (Areopag). Herodot, «Historien» IV, 62 (skythischer Schwert-Kult), V, 7 (Thrakien).

Pausanias, «Beschreibung Griechenlands», III, 14, 9 (Hundeopfer in Sparta), III, 15, 7 (Fesselbild), VIII, 48, 4 bis 5 (Tegea). Walter Burkert, «Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche», Stuttgart 1977. Karl Kerényi, «Die Mythologie der Griechen», Zürich 1951. Jan N. Bremmer, «Greek Religion and Culture», Leiden 2008. Georges Dumézil, «L’idéologie tripartite des Indo-Européens», Brüssel 1958.

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