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Ebisu, japanischer Gott des Glücks und der Fischer

Ebisu ist der japanische Gott des Glücks und der Schutzherr der Fischer und Händler, dem ein heiterer, gütiger Wesenszug zugeschrieben wird. Ebisu, mit vollem Namen Ebisu-no-Kami (auch Hiruko-no-Mikoto oder Kotoshironushi-no-Kami), ist im japanischen Shintō die Gottheit der Fischerei, des Handels und des Glücks.

Er gehört zu den «Shichifukujin», den Sieben Glücksgöttern, und ist von diesen der einzige genuin japanische Kami; die übrigen sechs stammen aus dem chinesischen oder indischen Pantheon.

Ebisu wird traditionell mit einer Seebrasse (Tai) unter dem Arm und einer Angelrute in der Hand dargestellt; das lachende, runde Gesicht und die wattierte Robe machen ihn zu einem der populärsten Volksheiligen Japans.

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Inhaltsverzeichnis

Ebisu - Götter aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Identifikation und Doppelnatur

Ebisu ist religionsgeschichtlich nicht auf eine einzelne mythische Figur zurückzuführen, sondern wird je nach Tradition mit verschiedenen Kami identifiziert. Die zwei wichtigsten Identifikationen sind Hiruko und Kotoshironushi.

Hiruko, das «Blutegelkind», ist das erste, missgestaltete Kind von Izanagi und Izanami im «Kojiki» und «Nihon Shoki». Weil es nach drei Jahren noch nicht stehen konnte, setzten die Eltern es in einem Schilfboot aus und überließen es dem Meer.

In der mittelalterlichen Tradition wurde dieses ausgesetzte Kind mit dem Meer und der Fischerei verbunden und schließlich als Ebisu vergöttlicht. Die wichtigste Schreintradition dieser Identifikation ist Nishinomiya-jinja in Hyōgo.

Kotoshironushi, ein Sohn von Ōkuninushi, gilt im «Kojiki» als der Kami, der bei der Übertragung der Erdherrschaft an die Himmelsgötter zustimmt und sich in das Meer zurückzieht.

Aus dieser Episode wurde im Mittelalter ein Fischer-Kami abgeleitet. Diese Identifikation ist im Imamiya-Ebisu-jinja in Osaka maßgeblich. Beide Traditionen koexistieren bis heute parallel, ohne dass eine offizielle Harmonisierung erfolgt wäre.

Mythos und Ursprung

Die Hiruko-Erzählung steht am Anfang des «Kojiki»: Izanagi und Izanami umschreiten die Himmelssäule, doch weil Izanami zuerst spricht, missrät die erste Geburt. Das Kind wird in einem Schilfboot ausgesetzt.

Die mythische Erzählung bricht hier ab; das mittelalterliche japanische Volksdenken setzte sie fort und ließ Hiruko an der Küste von Settsu (heute Hyōgo) anlanden, wo er von Fischern aufgenommen und als Ebisu verehrt wurde. Diese Erzählung ist nicht in den ältesten Quellen belegt, taucht aber in mittelalterlichen Schrein-Legenden auf.

Religionsgeschichtlich gehört Ebisu damit zur weit verbreiteten Klasse der «Hyōchaku-shin» («Strand-Götter»), die als angeschwemmte Wesen verehrt werden. Nelly Naumann hat diese Strand-Gottheiten in mehreren Aufsätzen als typisches Phänomen der pazifischen Fischerei-Religiosität untersucht. Verwandte Figuren finden sich in der Ainu-Tradition (mit dem Walgott Repun-Kamuy) und in der Ryūkyū-Religion.

Ikonografie und Symbole

Ebisu ist in der bildenden Kunst seit der frühen Edo-Zeit (17. Jahrhundert) durch eine klar fixierte Ikonografie bestimmt: rundliches, lächelndes Gesicht, hoher schwarzer Kappenhut («Kazaori-eboshi»), wattierte Robe in Rot oder Blau, in der rechten Hand eine Angelrute, in der linken eine große Seebrasse (Tai).

Die Brasse ist Symbol des Glücks (japan. «medetai», «glückbringend»), die Angel symbolisiert die ehrliche, geduldige Erwerbsarbeit. Manchmal sitzt Ebisu auf einem Reisball oder einem Felsen.

Ein Sonderzug ist die häufige Darstellung mit verbundenem oder bandagiertem Ohr: Ebisu gilt als schwerhörig, weswegen Anbeter beim Klingeln der Schrein-Glocke besonders kräftig läuten und an seinen Festtagen oft an die Schreinmauern klopfen, um sich Gehör zu verschaffen. Diese Praxis, «Ebisu-no-mimi-ate» genannt, ist ein lebendiger Volksbrauch.

Verehrung und wichtige Schreine

Ebisu wird in über 3.500 Schreinen verehrt, mit zwei Haupt-Schreinen unterschiedlicher Tradition. Nishinomiya-jinja in Nishinomiya (Hyōgo) ist der Haupt-Schrein der Hiruko-Tradition und Mittelpunkt des «Tōka Ebisu»-Festes, das jährlich vom 9. bis 11. Januar Hunderttausende Pilger anzieht.

Höhepunkt ist das «Fuku-otoko» («Glücks-Mann»)-Rennen am Morgen des 10. Januar: Männer rennen vom Haupttor zur Haupthalle, der erste Ankömmling wird zum «Glücks-Mann des Jahres» gekürt.

Imamiya-Ebisu-jinja in Osaka ist der Hauptschrein der Kotoshironushi-Tradition und veranstaltet das «Toka-Ebisu» genauso, dazu eigene Riten der Kaufmannsgilden. Weitere wichtige Schreine sind Kyōto-Ebisu-jinja, Kanda-Myōjin in Tokyo (Ebisu als einer der Hauptkami), Mihogahama in Shimane und der Tōkyō-Ebisu-jinja im Stadtteil Ebisu (der dem Bezirk seinen Namen gab).

Der Bezirk Ebisu in Tokyo wurde nach einer Bierfabrik benannt, die 1890 das «Yebisu-Bier» einführte und ihren Standort nach dem Glücksgott benannte. Der Bahnhof, der Straßenname und das umgebende Viertel führen diesen Namen bis heute.

Ebisu in den Shichifukujin

Die Sieben Glücksgötter (Shichifukujin) bilden seit dem späten Mittelalter (15. Jahrhundert) eine festgefügte ikonografische Gruppe, die in Neujahrsbildern und als gemeinsame Schreinkonstellation verehrt wird.

Außer Ebisu sind dies: Daikokuten (Mahākāla, Indien, Wohlstand), Bishamonten (Vaiśravaṇa, Indien, Kriegerschutz), Benzaiten (Sarasvatī, Indien, Künste und Wasser), Fukurokuju (China, Langlebigkeit), Jurōjin (China, Langlebigkeit) und Hotei (Budai, China, Zufriedenheit). Die Gruppe vereint shintōistische, buddhistische und daoistische Elemente und ist ein Schlüsselbeispiel für die japanische Synkretismus-Kultur der Muromachi-Zeit.

Bei Neujahrsfeiern wird in vielen Häusern ein «Takarabune»-Bild ausgelegt: die sieben Götter auf einem Schatzschiff, das im Traum der Neujahrsnacht erscheinen soll. Diese Tradition ist im «Edo-meisho-zue» (1834) ausführlich dokumentiert.

Rituale, Opfergaben und Feste

Das wichtigste Fest ist das Tōka-Ebisu am 10. Januar (mit Vortag und Nachfeier 9. und 11.), bei dem Anbeter Sake, Seebrasse, Bohnen, Reis und kleine Glücksbringer («Fuku-zasa», Glücksbambus mit kleinen Reisbällchen und Goldmünzen) opfern.

Diese Bambuszweige werden gegen Spenden an die Pilger ausgegeben und in Geschäften aufgestellt, wo sie ein Jahr lang das Geschäftsglück sichern sollen. Im Herbst (20. Oktober oder ähnliches Datum, je nach Region) findet das «Ebisu-kō» statt: Kaufleute halten dann ein Festessen für ihre Geschäftspartner ab und danken Ebisu für das vergangene Jahr.

Bei Fischer-Festen entlang der Küste wird Ebisu mit den ersten Fängen der Saison geopfert. In der Edo-Zeit war es üblich, eine «Ebisu-da-iko» («Ebisu-Lampe») während der Fangzeit aufzustellen und morgens die erste Brasse Ebisu zu widmen, bevor sie zum Markt gebracht wurde.

Religionsgeschichtliche Einordnung

Ebisu ist wissenschaftlich aus mehreren Gründen interessant: als typischer Strand-Kami, als zentrale Figur der städtischen Kaufmannsfrömmigkeit der Edo-Zeit, und als einziger genuin japanischer Vertreter in den Shichifukujin.

Helen Hardacre und Bernhard Scheid haben in mehreren Arbeiten die Rolle Ebisus für die Entwicklung der japanischen Geschäftsreligiosität dokumentiert. Klaus Vollmer hat die Verbindung zwischen den mittelalterlichen Hiruko-Erzählungen und der mündlichen Erzähltradition japanischer Fischerdörfer untersucht. Nelly Naumann hat die Verwandtschaft mit den Strand-Göttern der Ryūkyū-Inseln («Niraikanai»-Komplex) analysiert.

Strukturell hat Ebisu Parallelen zu Hermes (Griechenland) und Mercurius (Rom) als Schutzgott der Händler, zu Poseidon und Neptun als Meeresgott, und zu Lakshmi (Hinduismus) als Glücksgöttin. Im Pantheon der ostasiatischen Glücksgötter ist seine schwerhörige Gutmütigkeit ein eigenes Profil, das ihn von der grimmigen Macht eines Bishamonten oder der eleganten Anmut Benzaitens unterscheidet.

Ebisu in der Populärkultur

Ebisu ist in Japan ein allgegenwärtiges Werbe- und Marken-Motiv: das Yebisu-Bier (1890), der Tokyo-Ebisu-Bezirk, zahlreiche Restaurants, Maskottchen, Glücks-Karten und Comics. Die runde, freundliche Gestalt ist ein Standardmotiv des japanischen «Engimono» (Glücksbringer-Genre).

In Manga und Anime taucht er regelmäßig als Nebenfigur auf, in Spielen wie «Persona» und «Touhou» mit eigenen Manifestationen. Die Verbindung mit dem 10. Januar als Glückstag prägt bis heute den geschäftlichen Jahreskalender.

Quellen

«Kojiki» (712), Buch I (Hiruko-Episode). «Nihon Shoki» (720), Buch I. «Engishiki» (927). «Edo-meisho-zue» (1834). Diverse mittelalterliche Schrein-Legenden («Nishinomiya-engi», «Imamiya-engi»). «Saikaku Oridome» und andere Edo-zeitliche Kaufmannsliteratur mit Ebisu-Bezügen.

Nelly Naumann, «Die einheimische Religion Japans», 2 Bände, Leiden 1988 und 1994. Klaus Antoni, «Shintô und die Konzeption des japanischen Nationalwesens», Leiden 1998. Helen Hardacre, «Shinto.

A History», Oxford 2017. Joseph Kitagawa, «Religion in Japanese History», New York 1966. Klaus Vollmer, «Shintô und Buddhismus», München 2002. Bernhard Scheid, «Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch», Wien laufend.

Inken Prohl, «Religiöse Innovationen», Berlin 2006. Reiko Chiba, «The Seven Lucky Gods of Japan», Tokyo 1966.

Ebisu und die Wal-Religiosität

Eine besondere Spur der Ebisu-Tradition betrifft die Verehrung als Walgott in Küstenregionen, in denen der Walfang betrieben wurde. In Wakayama, Kochi und Nagasaki gilt der Wal selbst als «Ebisu-sama» oder «Ebisu-no-Maru»; ein angetriebener Wal wird in manchen Dorftraditionen rituell als Ebisu empfangen und der gesamten Gemeinschaft als Geschenk Ebisus gedeutet.

Diese Vorstellung gehört in den Komplex der «Hyōchaku-shin», der angeschwemmten Strand-Gottheiten, und gehört zu den ältesten Schichten der Ebisu-Religiosität. Nelly Naumann hat in mehreren Detailstudien die maritime Tiefenschicht dieser Tradition dokumentiert.

In Taiji (Wakayama), dem traditionellen Zentrum des japanischen Walfangs, gibt es bis heute ein Wal-Gedenk-Heiligtum, in dem die Seelen der gefangenen Wale rituell besänftigt werden («Kuyō»).

Der lokale Ebisu-Schrein ist eng mit dem Wal-Kult verbunden. Diese Tradition steht in einer Spannung zur modernen Wal-Schutz-Bewegung und ist Gegenstand religionssoziologischer Studien zur japanischen Walfang-Kontroverse.

Ebisu und der städtische Kaufmanns-Kult der Edo-Zeit

Mit der Urbanisierung der Edo-Zeit (1603 bis 1867) verlagerte sich die Ebisu-Verehrung vom Küstendorf in die wachsenden Städte Edo (Tokyo), Osaka und Kyoto. In dieser Phase entstand der städtische Ebisu-Kult, in dem die Gottheit weniger als Fischer-Beschützer denn als Schutzgott des Handels und der Geschäftsfrömmigkeit verstanden wurde.

Die Sakaihandwerker- und die Hokkaidō-Reisstuben (Hatago-Häuser) der Edo-Zeit pflegten den «Ebisu-kō» («Ebisu-Genossenschaft»), eine jährliche Festmahlzeit am 20. Oktober, bei der Kaufleute, Handwerker und Geschäftspartner versammelt wurden.

Saikaku Ihara, der bedeutendste Edo-zeitliche Erzähler des Kaufmanns-Genres, hat in seinen Werken («Nippon Eitaigura», 1688; «Seken Munesan’yō», 1692) zahlreiche Ebisu-Anekdoten verarbeitet und gezeigt, wie tief die Gottheit in das Selbstverständnis der städtischen Geschäftsleute eingewachsen war. Die «Ebisu-Genossenschaft» wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer informellen Wirtschaftsinstitution, in der Geschäftsbeziehungen religiös ratifiziert wurden.

Die Festkultur des Tōka-Ebisu

Das Hauptfest Tōka-Ebisu am 10. Januar (mit Yoinomiya am 9. und Zankyo-Ebisu am 11. Januar) ist eines der größten urbanen Schreinfeste Japans.

In Osaka kommen jährlich rund eine Million Pilger zum Imamiya-Ebisu, in Nishinomiya rund 500.000 zum Nishinomiya-Schrein. Der zentrale Ritus ist die Ausgabe der «Fuku-zasa», Bambuszweige mit angehängten Goldkoki-Münzen, kleinen Reisbällen, Glücks-Symbolen und Brausen. Diese Bambuszweige werden in Geschäften aufgestellt und sollen ein Jahr lang das Geschäftsglück sichern.

Das «Fuku-otoko»-Rennen am Morgen des 10. Januar in Nishinomiya gehört zu den medial intensiv beobachteten religiösen Ereignissen Japans. Männliche Anbeter rennen vom Haupttor zur Haupthalle (eine Strecke von rund 230 Metern), der erste, zweite und dritte Ankömmling werden zu «Fuku-otoko» («Glücks-Männer des Jahres») gekürt und erhalten Geschenke des Schreins.

Diese Praxis besteht seit dem späten 17. Jahrhundert und ist eine der wenigen modernen Schreinfeste, die in den Massenmedien regelmäßig live übertragen werden.

Ebisu-Ikonografie in der Edo-zeitlichen Volkskunst

Die heute kanonische Ebisu-Ikonografie mit Brasse, Angelrute und Eboshi-Hut wurde in der frühen Edo-Zeit fixiert und in unzähligen Holzschnitten, Otsu-e (Volksmalereien aus Otsu), Netsuke (Gürtel-Anhänger) und Inrō (Medizinkästchen) reproduziert.

Hokusai und Hiroshige haben mehrere Ebisu-Bilder geschaffen, die in Druckgrafiken weite Verbreitung fanden. Die japanische Volkskunst hat Ebisu zu einer der unverwechselbaren «Engimono»-Figuren (Glücksbringer) gemacht, deren Bild im Eingangsbereich von Geschäften, an Neujahrsgaben und auf Glückwunschbriefen erscheint.

Eine eigene Tradition sind die «Ebisu-Ningyō», kleine Stoff- oder Tonpuppen, die in der Edo-Zeit als Spielzeug und als Glücksbringer hergestellt wurden. Die Tradition lebt in der modernen «Kappa-Tengu-Ebisu»-Spielzeugkultur weiter und ist in Volkskunst-Museen wie dem Nihon Mingeikan in Tokyo dokumentiert.

Synkretistische Identifikationen mit Daikokuten

Eine wichtige theologische Konstellation ist die enge Verbindung Ebisus mit Daikokuten, einem weiteren der Sieben Glücksgötter. Beide werden häufig als Paar dargestellt: Ebisu für die Wirtschaft des Wassers (Fischerei, Handel), Daikokuten für die Wirtschaft des Landes (Landwirtschaft, Reisspeicher).

In vielen japanischen Haushalten und Geschäften stehen Ebisu- und Daikokuten-Figuren paarweise nebeneinander auf dem Kamidana, dem Hausaltar. Diese Verbindung ist religionshistorisch bedeutsam, weil sie eine bewusste Komplementarität in der Glücks-Theologie etabliert.

In manchen Traditionen wird Ebisu als Sohn Daikokutens und Daikokuten als sein Vater verehrt; dies geht auf eine späte Edo-Zeit-Konstruktion zurück, in der die Sieben Glücksgötter genealogisch geordnet wurden.

Diese Genealogie ist nicht in den ältesten Quellen verankert, hat sich aber in der volksreligiösen Praxis verfestigt. Reiko Chiba hat in «The Seven Lucky Gods of Japan» (1966) die Entwicklungsgeschichte dieser Konstellationen dokumentiert.

Ebisu und das Konzept des Marebito

Die wissenschaftliche Forschung von Origuchi Shinobu (1887 bis 1953), einem der bedeutendsten japanischen Ethnologen, hat Ebisu in den Komplex des «Marebito» («Fremde Gäste») eingeordnet. Marebito sind nach Origuchis Theorie göttliche Wesen, die periodisch aus einer jenseitigen Welt kommen, Segen bringen und wieder gehen.

Ebisu, der als ausgesetzter Hiruko von außen kommt und an der Küste anlandet, ist ein klassisches Marebito. Diese Theorie ist in der modernen Ethnologie zwar nicht in allen Details haltbar, hat aber die japanische Religionsforschung nachhaltig geprägt und Ebisu in einen weiteren historischen Kontext gestellt.

Joseph Kitagawa und Helen Hardacre haben die Marebito-Theorie in mehreren Studien aufgegriffen und auf die Bedeutung des «Fremden» und «Angeschwemmten» in der japanischen Religiosität hingewiesen. In dieser Lesart ist Ebisu nicht nur ein Glücksgott, sondern auch ein Symbol für die Möglichkeit des Heils aus dem Fremden, eine religionshistorisch tiefgreifende Vorstellung.

Moderne Markenbildung und urbaner Symbolwert

Eine Besonderheit der Ebisu-Religionsgeschichte ist die intensive Markenbildung in der Moderne. Das 1890 in Tokyo eingeführte «Yebisu-Bier» (die alte Schreibweise mit «Ye-» wurde nicht modernisiert) gehört zu den ältesten Markennamen Japans.

Der Bahnhof Ebisu, das Stadtviertel Ebisu und das Yebisu Garden Place tragen den Namen des Glücksgottes und sind Beispiele für die produktive Spannung zwischen kommerzieller Markenbildung und religiöser Symbolik. Ähnliche Effekte zeigen sich in Restaurant- und Geschäftsnamen («Ebisuya», «Ebisu-tei»), die in Japan weit verbreitet sind und auf die positive Konnotation des Namens setzen.

In der zeitgenössischen Populärkultur ist Ebisu eine wiederkehrende Figur in Anime, Manga und Spielen. Die freundliche, schwerhörige Gutmütigkeit der traditionellen Ikonografie wird dabei häufig parodistisch oder ironisch zitiert. Trotz der kommerziellen und unterhaltenden Aufladung bleibt der religiöse Kern des Ebisu-Komplexes lebendig, wie die jährlichen Massen-Pilgerfeste am Tōka-Ebisu zeigen.