Bonbibi ist Göttin der bengalischen Volksüberlieferung.
Schutzherrin der Honigsammler gegen den Tigerdämon Dokkhin Rai.
Bonbibi ist die Schutzgöttin des Waldes in den Sundarbans, von Hindus wie Muslimen gemeinsam verehrt. Sie beschützt Honigsammler und Holzfäller vor dem als Tiger auftretenden Dämonenkönig Dokkhin Rai und ist eine der lebendigsten Wald-Schutzgottheiten Südasiens.
Ihr Kult verbindet Volksislam und hinduistische Frömmigkeit: Nach dem Mythos ist Bonbibi die Tochter eines Fakirs aus Mekka, von Allah ins Land der achtzehn Gezeiten gesandt, und wird zugleich mit Krone, Girlande und dem Reittier Tiger dargestellt. Der Kerntext ist die Bonbibir Johuranama.
Typ: Wald- und Schutzgöttin, hindu-muslimisch gemeinsam verehrt
Herkunft: Sundarbans in Westbengalen und Bangladesch
Texte: Bonbibir Johuranama
Zeitraum: volksislamisch-hinduistischer Kult, bis heute lebendig
Erscheinung: im Wald geborene, von einer Hirschkuh aufgezogene Göttin, nie allein dargestellt
Der Kult ist volksislamisch-hinduistisch geprägt und bis heute lebendig; sein Kerntext ist die Bonbibir Johuranama, der bengalische Primärtext der Überlieferung.
Die Sundarbans, der Gezeiten- und Mangrovenwald in Westbengalen und Bangladesch, das Land der achtzehn Gezeiten des Mythos.
Die Quellenlage ist gut: Neben der Johuranama dokumentieren Studien wie die von Sufia Uddin und Annu Jalais den lebendigen Kult.
Bengalisch: Der Name verbindet ban, Wald, und das persische bibi, Dame oder Herrin: die Herrin des Waldes. Anders als die klassische hinduistische Waldgöttin Bandevi ist Bonbibi folk-islamisch geprägt und wird nie allein verehrt.
Erscheinung
Die frühe Verehrung war anikonisch an irdenen Hügeln. Spätere Bilder mischen hinduistische und islamische Elemente: hinduistisch geprägt mit Krone, Girlande, Keule und Dreizack und dem Reittier Tiger, muslimisch geprägt mit geflochtenem Haar, Kappe und Hose. Sie wird stets in einer Gruppe dargestellt, unter anderem mit ihrem Bruder Shah Jangali und dem Tigerdämon Dokkhin Rai.
Wirkung
Bonbibi rettet die Waldnutzer vor Tigerangriffen; ihr Ansehen steigt nach Katastrophen. Der zentrale Erzählkern ist die Dukhe-Episode, in der der arme Hirtenjunge Dukhe durch Anrufung Bonbibis vor dem als Tiger verkleideten Dokkhin Rai gerettet wird.
Die wichtigsten Aspekte der Schutzgöttin auf einen Blick.
Hindu-muslimisch gemeinsam verehrte Schutzgöttin der Sundarbans; ein Musterfall für Synkretismus und geteilten heiligen Raum.
Honigsammler und Holzfäller vor dem Betreten des Waldes: Wer die Mangroven betritt, ruft zuerst Bonbibi an.
Nie allein: stets in der Gruppe mit Bruder Shah Jangali und Dokkhin Rai, in gemischt hinduistisch-islamischer Tracht, oft auf dem Tiger.
Schutz vor Tigerangriffen, verkörpert durch den Dämonenkönig Dokkhin Rai, dem sie das Versprechen abnahm, ihre Verehrer zu verschonen.
Bonbibi-Puja vor dem Waldgang, öffentliche Riten am ersten Tag des Monats Magh mit Melasse-Süßigkeiten und Rezitation der Johuranama.
Innerindisch die vedische Aranyani, die Vanadevata und die Vanadurga; funktional eine Wald- und Tigerschutzgöttin ohne genaue Entsprechung.
Nach dem Mythos ist Bonbibi die Tochter eines Fakirs aus Mekka, mit ihrem Bruder Shah Jangali von Allah ins Land der achtzehn Gezeiten gesandt. Dort besiegt sie die Mutter des Tigerdämons Dokkhin Rai, verschont ihn aber und nimmt ihm das Versprechen ab, niemanden zu schädigen, der sie verehrt. Der Kerntext dieser Überlieferung ist die Bonbibir Johuranama.
Der Name selbst erzählt die Doppelherkunft: ban, Wald, verbindet sich mit dem persischen bibi, Dame oder Herrin. Anders als die klassische hinduistische Waldgöttin Bandevi ist Bonbibi folk-islamisch geprägt und wird nie allein verehrt; ihr Kult gehört Hindus und Muslimen gemeinsam.
Der Bonbibi-Kult ist heute lebendig und ein Musterfall für hindu-muslimischen Synkretismus und geteilten heiligen Raum. Literarisch ist er bei Amitav Ghosh rezipiert, unter anderem in Das Hungrige Feuer und Jungle Nama.
Religionswissenschaftlich verbindet Bonbibi Volksislam, Baum- und Waldkult und die Naturgeist-Ambivalenz, in der der Tiger die Grenze zwischen bewohntem und wildem Raum markiert. Sie ist ein herausragendes Beispiel für die gemeinsame Verehrung durch Hindus und Muslime; die Gefahr geht dabei nicht von ihr aus, sondern von ihrem Gegenspieler Dokkhin Rai.
Quellenfest ist die Bonbibi-Puja vor dem Betreten des Waldes durch Honigsammler und Holzfäller. Öffentliche Riten außerhalb des Waldes, besonders am ersten Tag des Monats Magh, mit Gaben wie Melasse-Süßigkeiten und der Rezitation der Johuranama, gehören ebenso dazu wie private Riten im Wald durch Spezialisten mit Schutzmantras, Amulette und rote Flaggen an den Waldgrenzen.
Als Wald-Schutzgöttin ist Bonbibi mit der vedischen Aranyani, den Vanadevata genannten Baumgottheiten und der Vanadurga verwandt; auch die ambivalenten Yakshas gehören in diese Nachbarschaft der indischen Wald- und Baumwesen. Funktional bleibt sie eine synkretistische Wald- und Tigerschutzgöttin ohne genaue Entsprechung.
Wer verehrt Bonbibi?
Hindus und Muslime der Sundarbans gemeinsam, vor allem Honigsammler und Holzfäller vor dem Betreten des Waldes.
Wovor schützt sie?
Vor Tigerangriffen, verkörpert durch den Dämonenkönig Dokkhin Rai, dem sie das Versprechen abnahm, ihre Verehrer zu verschonen.
Wird sie allein dargestellt?
Nein, stets in einer Gruppe, unter anderem mit ihrem Bruder Shah Jangali und Dokkhin Rai.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Bonbibi wird als Waldgöttin Sundarbans-übergreifend von Hindus und Muslimen gemeinsam verehrt und steht als Schutzgöttin Honigsammlern wie Holzfällern zur Seite: eine lebendige Herrin des Gezeitenwaldes, deren Kult die Grenze der Religionen überbrückt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
Verwandte Wesen

Die Gwragedd Annwn, wohlwollende Seefeen der walisischen Anderswelt. Herkunft, die Lady of Llyn y...

Die Nure-onna, schlangenleibiger Yōkai der japanischen Küsten. Herkunft, das Bündel als Köder, Sy...

Manjushri, Bodhisattva der Weisheit. Flammen-Schwert, Sutra-Buch, Löwe und Prajna-Verehrung im Ti...

Shehbui, der ägyptische Gott des Südwinds. Herkunft, die löwenköpfige Gestalt und die religionswi...

Danu ist die keltische Muttergöttin und Stammmutter der Tuatha Dé Danann, des göttlichen Geschlec...

Die Fänggen, das wilde, ambivalente Bergvolk der Alpen. Herkunft, ihre Bindung an die Bäume und d...