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Ksitigarbha, Bodhisattva der Höllen

Ksitigarbha (Sanskrit «Schoß der Erde») ist eine im Mahayana- und im ostasiatischen Buddhismus zentrale Bodhisattva-Gestalt. Er ist bekannt für sein Gelübde, nicht eher die volle Buddhaschaft anzunehmen, als bis alle Wesen aus den Höllenbereichen befreit sind.

In China heißt er Dizang, in Japan Jizo, in Korea Jijang Bosal. Seine besondere Verbindung zu Verstorbenen, zur Reise durch die Zwischenwelten und zum Schutz von Kindern macht ihn zu einer der populärsten Bodhisattva-Figuren Ostasiens.

Inhaltsverzeichnis

Ksitigarbha - Götter aus der Buddhismus-Tradition, historisch-illustrativ

Sanskrit-Quellen und Sutren

Die wichtigste Quelle ist das Ksitigarbha-Bodhisattva-Purvapranidhana-Sutra, kurz Dizang-Sutra. Es ist nur in chinesischer Übersetzung des 7. Jahrhunderts erhalten, sein indisches Original ist verloren oder nie existent.

Robert Buswell und Donald Lopez («Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014) bewerten das Sutra als wahrscheinlich in Zentralasien oder China entstandene Komposition, die ältere Bodhisattva-Motive zu einer neuen Lehre zusammenfügt.

Das Sutra schildert mehrere frühere Existenzen Ksitigarbhas, in denen er als Frau oder als Brahmane wiederholt das Gelübde der Hölleneerlösung ablegte. Der zentrale Vers lautet sinngemäß: «Solange die Höllen nicht leer sind, will ich nicht Buddha werden, solange nicht alle Wesen erlöst sind, will ich nicht ins Nirvana eingehen.»

Ein zweites, weniger umfangreiches Werk ist das Dasakra-Sutra des Ksitigarbha. Es behandelt die zehn Räder, die der Bodhisattva dreht, um den moralischen Verfall der späten Zeitalter aufzuhalten. Beide Texte sind in den ostasiatischen Tripitaka-Sammlungen kanonisch verankert.

Funktion im Pantheon

Im chinesischen Mahayana zählt Dizang zu den vier großen Bodhisattvas, neben Avalokiteshvara (Guanyin), Manjushri (Wenshu) und Samantabhadra (Puxian). Jeder dieser vier ist einem heiligen Berg in China zugeordnet, Dizang dem Jiuhua Shan in Anhui. Diese Vier-Berge-Tradition ist ab dem 9. Jahrhundert belegt und strukturiert bis heute die chinesische buddhistische Pilgerlandschaft.

Funktional teilt Ksitigarbha mit Avalokiteshvara die Rolle des Mitgefühl-Bodhisattvas, mit einer Spezialisierung auf die Bereiche jenseits des menschlichen Lebens. Während Avalokiteshvara die Wesen in dieser Welt schützt, wirkt Ksitigarbha in den anderen fünf der sechs Daseinsbereiche, vor allem in den Höllenbereichen (naraka) und unter den hungrigen Geistern (preta).

Ikonographie

Ksitigarbha wird in der Regel als Mönch dargestellt, was ihn von den meisten anderen Bodhisattvas unterscheidet, die königlichen Schmuck tragen. Er trägt das Khakkhara, einen Mönchsstab mit Klingelringen, der zugleich die Höllentore aufschlagen und die ihm anhängenden Insekten verscheuchen soll, damit der Mönch keine Lebewesen verletzt.

In der linken Hand hält er ein Cintamani, das Wunschjuwel, das Licht in die finsteren Bereiche bringt. Sein Kopf ist kahlgeschoren wie der eines vollordinierten Mönchs. Die japanische Jizo-Ikonographie hat diese Grundstruktur übernommen und zugleich vereinfacht, kleine Steinstatuen am Wegrand sind eine charakteristische volksreligiöse Form, die sich vom kanonischen Vorbild ableitet.

Jiuhua Shan und die Kim-Legende

Der Jiuhua-Berg in der Provinz Anhui ist seit dem 8. Jahrhundert das Hauptzentrum der Dizang-Verehrung. Die Legende verbindet den Berg mit einem koreanischen Prinzen namens Kim Gyo-gak (chinesisch Jin Qiaojue), der um 720 als Mönch nach China kam und auf dem Berg ein Asketenleben führte.

Er soll mit 99 Jahren gestorben sein, sein Leichnam wurde nach drei Jahren unversehrt aufgefunden, was nach buddhistischem Verständnis als Zeichen seiner Erleuchtung galt. Er wurde als Inkarnation Ksitigarbhas verehrt.

Die historische Person ist quellenkritisch nur schwer fassbar, das archäologische und literarische Material weist aber auf einen realen Kern hin. Hans Steininger («Buddhistische Pilgerstätten Chinas», Wiesbaden 1976) hat die Entstehung des Kultes auf dem Jiuhua Shan detailliert rekonstruiert.

Jizo in Japan

In Japan hat Jizo eine eigene Entwicklung genommen, die ihn weit über den klassischen kanonischen Rahmen hinaus zur Volksgottheit der Kinder, der Reisenden, der Schwangeren und der Sterbenden gemacht hat.

Die heute besonders bekannte Mizuko-Jizo-Verehrung bezieht sich auf «Wasserkinder» (mizuko), das sind Kinder, die durch Tot- oder Fehlgeburt oder Abtreibung gestorben sind. Sie ist eine moderne Entwicklung des 20. Jahrhunderts, vor allem nach 1948, als Abtreibung in Japan legalisiert wurde.

William LaFleur hat in «Liquid Life. Abortion and Buddhism in Japan» (Princeton 1992) gezeigt, dass diese Form keine kanonische Wurzel hat, sondern ein zeitgenössischer Komplex aus Trauerarbeit, kommerziellen Tempelangeboten und buddhistischer Symbolik ist.

Im Kontrast dazu stehen die alten Jizo-Statuen an Wegkreuzungen, in Bergpässen und auf Friedhöfen, die seit dem 12. Jahrhundert in Japan verbreitet sind und Reisende und Verstorbene gleichermaßen schützen sollen.

Die zehn Höllenkönige

In der chinesischen volksreligiösen Tradition ist Ksitigarbha eng mit dem System der zehn Höllenkönige (shidian yanjun) verbunden. Diese stehen für die zehn Zwischengerichte, die die Seele nach dem Tod durchläuft. Ksitigarbha ist nicht selbst ein Richter, er ist die Instanz, die in jedem dieser Bereiche Mitgefühl und Hilfe bringt.

Das «Sutra der zehn Könige» (Shiwang jing), apokryph aus dem 9. Jahrhundert, schildert diese Konstellation. Stephen Teiser hat in «The Scripture of the Ten Kings» (Honolulu 1994) die Entwicklung dieser Vorstellungswelt aus der Verschmelzung buddhistischer, daoistischer und konfuzianischer Elemente nachgezeichnet.

Liturgie und Ritual

Die Ksitigarbha-Liturgie umfasst die Rezitation des Dizang-Sutra, vor allem in der Zeit nach einem Sterbefall. Die siebenundvierzigtägige Zwischenzustands-Phase (chinesisch zhongyin), die der Seele nach buddhistischer Lehre bis zur Wiedergeburt zur Verfügung steht, gilt als die Phase, in der Dizang am unmittelbarsten wirkt.

Familienangehörige rezitieren das Sutra, opfern Räucherwerk und übertragen die so erzeugten Verdienste (punya) auf den Verstorbenen. Die zwölf Erinnerungstage des Jahres, an denen Dizang besonders verehrt wird, sind im chinesischen Mondkalender festgelegt; sein Hauptfest fällt auf den 30. Tag des 7. Mondmonats.

Religionsgeschichtliche Einordnung

Robert Buswell hat in «The Formation of Ch’an Ideology in China and Korea» (Princeton 1989) gezeigt, wie der Ksitigarbha-Kult ein Vermittlungselement zwischen buddhistischer Doktrin und chinesischer Ahnenverehrung wurde. Der Buddhismus konnte sich in China nur dauerhaft etablieren, weil er Antworten auf die Frage des Verbleibs der Toten gab.

Dizang verbindet die buddhistische Lehre von Karma und Wiedergeburt mit dem chinesischen Bedürfnis nach Schutz und Fürbitte für die Ahnen. In dieser Vermittlungsfunktion liegt einer der Hauptgründe für seine außerordentliche Popularität.

Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen: Ksitigarbha-Bodhisattva-Purvapranidhana-Sutra (Dizang-Sutra); Dasakra-Sutra des Ksitigarbha; Sutra der zehn Könige (Shiwang jing).

Sekundärliteratur: Stephen Teiser, «The Scripture of the Ten Kings», Honolulu 1994; William LaFleur, «Liquid Life.

Abortion and Buddhism in Japan», Princeton 1992; Robert Buswell, «The Formation of Ch’an Ideology in China and Korea», Princeton 1989; Hans Steininger, «Buddhistische Pilgerstätten Chinas», Wiesbaden 1976; Robert Buswell und Donald Lopez, «Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014; Klaus-Josef Notz, «Buddhismus», Stuttgart 2002.

Jiuhua Shan als Pilgerzentrum

Der Jiuhua Shan in der Provinz Anhui besteht aus neun nahe beieinander liegenden Bergspitzen, deren Form an einen Lotus erinnert haben soll.

Auf dem Berg sind heute über siebzig aktive Klöster und Tempel verteilt, die ältesten gehen auf das 8. Jahrhundert zurück. Das Hauptkloster Huacheng Si wurde 401 als reines DaoismusHeiligtum gegründet und etwa 781 in ein buddhistisches Kloster umgewandelt.

Die jährliche Pilgersaison erreicht im siebten Mondmonat (entsprechend dem Geisterfest) ihren Höhepunkt, in dem über eine Million Pilger den Berg besuchen. Eine besondere Eigenheit ist der Brauch, an den verschiedenen Tempeln des Aufstiegs Räucherwerk für verschiedene Verstorbene zu opfern.

Ein vollständiger Pilgerweg umfasst Stationen für die Eltern, Großeltern, andere Verwandte und für die «hungrigen Geister» ohne Familie, denen die rituellen Speisen sonst niemand darbringt.

Mumifizierte Körper als Reliquien

Eine bemerkenswerte Eigenheit des Jiuhua-Kultes sind die mumifizierten Körper hoher Mönche, die als «fleischerne Buddhas» (rou shen pusa) verehrt werden. Der Körper des koreanischen Prinzen Kim Gyo-gak, der nach der Legende auf dem Berg lebte, gilt als der erste solcher Reliquienkörper.

Bis ins 20. Jahrhundert wurden im Jiuhua-Gebirge mehrere Dutzend solcher mumifizierten Mönche identifiziert; einige stammten aus der Tang-Zeit, andere aus der Ming- und Qing-Zeit, und sogar wenige aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Diese Praxis ist religionsethnographisch außergewöhnlich, sie verbindet buddhistische Wiedergeburts-Theologie mit chinesischen Vorstellungen vom unsterblichen Körper, die eher aus dem Daoismus stammen. Bernard Faure hat in mehreren Studien über chinesische Buddhismusgeschichte diese Praxis untersucht und ihre Synkretismen analysiert.

Jizo-Praxis im modernen Japan

In Japan hat Jizo eine besonders breite Verankerung in der Alltagskultur erfahren. Die kleinen Steinstatuen, die an Wegrändern, Friedhöfen und Tempelumgebungen stehen, werden regelmäßig von Anwohnerinnen mit roten Lätzchen, Mützen oder Spielzeug versehen.

Diese Ausstattung ist ein Zeichen der Pflege durch die Gemeinschaft. Im urbanen Tokio gibt es Tempelgelände, in denen mehrere hundert Mizuko-Jizo-Statuen aufgestellt sind.

Diese werden von trauernden Eltern für ungeborene oder früh verstorbene Kinder gepflegt, oft über viele Jahre. William LaFleur und Helen Hardacre haben unabhängig voneinander die ökonomischen und sozialen Aspekte dieser Praxis untersucht.

Sie sehen darin sowohl eine wichtige Trauerarbeit als auch eine zum Teil kommerzialisierte Tempel-Ökonomie, in der die Tempel an den Statuenkäufen und jährlichen Erinnerungsritualen erheblich verdienen.

Ksitigarbha und das Geisterfest

Das Geisterfest am 15. Tag des 7. Mondmonats (in Taiwan und auf dem Festland heute meist im August) ist eine der wichtigsten chinesischen Festzeiten und steht in enger Beziehung zum Ksitigarbha-Kult.

Während des ganzen siebten Mondmonats gelten die Tore zwischen den Welten als geöffnet, die Verstorbenen und die hungrigen Geister können in die Welt der Lebenden eintreten.

Familien stellen Opfertische mit Speisen, Räucherwerk und Papiergeld auf, die für die Ahnen und für die heimatlosen Geister bestimmt sind. Tempel halten in dieser Zeit besondere Liturgien ab, in denen das Dizang-Sutra rezitiert wird, um die Wesen aus den Höllen zu befreien.

Die Verbindung zwischen Geisterfest und Dizang-Kult ist seit der Tang-Zeit dokumentiert, in der Liturgie «Yulanpen Hui» (Ullambana-Versammlung) gipfeln die Riten, deren textuelle Grundlage das Ullambana-Sutra ist.

Das Dasheng Daji Dizang Shilun-Sutra

Neben dem bekannten Sutra über die ursprünglichen Gelübde des Bodhisattva Ksitigarbha (Dizang pusa benyuan jing) ist das «Sutra der Zehn Räder des Bodhisattva Ksitigarbha» (Dasheng Daji Dizang Shilun jing, Taisho 411) ein zentrales doktrinäres Werk.

Übersetzt wurde es von Xuanzang im Jahr 651 unserer Zeitrechnung. Es enthält die theologische Begründung für Dizangs Stellung im Mahayana-Pantheon und betont seine Funktion als «Reinigender der zehn Tätigkeiten».

Die Forschung von Zhiru Ng («The Making of a Savior Bodhisattva», Honolulu 2007) zeigt, dass dieses Sutra die ältere indische Schicht der Ksitigarbha-Theologie wiedergibt, während das Benyuan-Sutra eine chinesische Weiterentwicklung darstellt, die wahrscheinlich in der Sui- oder frühen Tang-Zeit komponiert wurde und nicht eindeutig auf ein indisches Original zurückgeht.

Die Sechs Wege der Wiedergeburt und Ksitigarbhas Verantwortung

In der ostasiatischen Tradition ist Ksitigarbha derjenige Bodhisattva, der zwischen Buddha Shakyamuni und der zukünftigen Erscheinung Maitreyas die Verantwortung für alle sechs Wege der Wiedergeburt (Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, hungrige Geister, Höllenwesen) übernimmt. Diese Verantwortung wird ihm in der Pariwarta-Szene des Benyuan-Sutra durch Buddha Shakyamuni übertragen.

Die liturgische Konsequenz ist, dass Ksitigarbha als Mittler zwischen den Daseinsbereichen angerufen wird. In Tempelhallen wird er deshalb häufig mit den «Zehn Königen der Unterwelt» (Shi Wang) gruppiert dargestellt, eine Konstellation, die im 9. Jahrhundert in China standardisiert wurde und über Japan und Korea bis in die heutige Bestattungspraxis fortwirkt.

Die Roku-Jizo-Statuen in Japan

An japanischen Friedhöfen und Straßenkreuzungen finden sich Gruppen von sechs Jizo-Statuen (Roku-Jizo), die jeweils einem der sechs Wege der Wiedergeburt zugeordnet sind. Diese Praxis geht auf die Heian-Zeit (9. bis 12. Jahrhundert) zurück und wurde durch die Tendai-Schule popularisiert.

Hank Glassman («The Face of Jizo», Honolulu 2012) hat die Entwicklung der Roku-Jizo-Statuen als religionssoziologisches Phänomen untersucht und gezeigt, dass die scheinbar uniforme Praxis erhebliche regionale Variationen aufweist.

Die Statuen tragen unterschiedliche Attribute: Khakkhara-Stab (zum Wecken der Höllenwesen), Wunschjuwel (Cintamani), Sutra-Rolle, Lotos-Knospe. In Kyoto sind die Roku-Jizo-Stationen am Stadtrand bis heute Ziel von Pilgerritualen, die das Jahresfest Roku-Jizo-Meguri rahmen.

Mizuko-Kuyo und die Trauerritual-Industrie

Die Mizuko-Kuyo-Praxis (Gedenkriten für früh verstorbene Föten und Säuglinge) hat sich in Japan vor allem nach 1948, im Kontext der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, zu einem festen Bestandteil der Tempelliturgie entwickelt. Jizo gilt als Schutzpatron der unerlöst Verstorbenen, insbesondere der Kinder, die noch keine eigene karmische Reife erlangen konnten.

William LaFleur («Liquid Life», Princeton 1992) hat den religionsethischen Diskurs um Mizuko-Kuyo als bedeutendsten Beitrag der modernen japanischen Religionspraxis zur Bioethik dargestellt.

Die kommerzielle Dimension ist erheblich: Tempel wie Hase-dera in Kamakura beherbergen tausende kleiner Jizo-Statuen, die von Eltern gestiftet werden. Die Kritik an der Kommerzialisierung wird innerhalb der buddhistischen Verbände selbst geführt, ohne dass die Praxis dadurch wesentlich zurückgegangen wäre.

Ksitigarbha im Vajrayana

Im tibetischen Buddhismus tritt Ksitigarbha (Sai Nyingpo) weniger prominent auf als in Ostasien. Er gehört zur Gruppe der acht großen Bodhisattvas (rgyal sras chen po brgyad), wird jedoch nur selten als zentrales Praxis-Objekt verehrt. Eine eigene Tara-vergleichbare Verehrung kennt die tibetische Tradition nicht.

In den Mandala-Konstellationen, etwa im Garbhadhatu- und Vajradhatu-Mandala, hat Ksitigarbha einen festen Platz im westlichen Sektor. Yael Bentor («Consecration of Images and Stupas in Indo-Tibetan Tantric Buddhism», Leiden 1996) hat die Mandala-Position von Ksitigarbha in der späteren tibetischen Liturgie systematisch ausgewertet.

Die Jiuhua-Schule und ihre liturgische Tradition

Der Berg Jiuhua in Anhui ist seit der späten Tang-Zeit das chinesische Hauptzentrum des Ksitigarbha-Kults. Die liturgische Tradition hat eine eigene Gesangsform entwickelt, die «Jiuhua-Yinyue» genannt wird und buddhistische Lobpreisungen mit lokalen Volksmelodien verbindet. UNESCO hat diese Tradition 2008 als immaterielles Kulturerbe Chinas anerkannt.

Die Klöster auf dem Berg führen eine eigene Tonbandsammlung der Liturgien, die seit den 1980er Jahren systematisch wieder aufgebaut wurde. Die Klosterstadt umfasst heute über achtzig Tempel und Klausen. Die zentrale Pilgerzeit ist der 30. Tag des siebten Mondes, der Geburtstag Ksitigarbhas, an dem die Region Anhui hunderttausende Pilger empfängt.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Ksitigarbha von Avalokiteshvara? Beide sind Bodhisattvas des Mitgefühls, sie haben aber unterschiedliche Schwerpunkte. Avalokiteshvara hilft den lebenden Wesen in dieser Welt, Ksitigarbha den Wesen in den Höllen und Geistreichen. Avalokiteshvara wird meist in königlichem Schmuck dargestellt, Ksitigarbha als kahl geschorener Mönch.

Warum wird Ksitigarbha in Japan mit Kindern verbunden? Die Verbindung mit Kindern, vor allem mit verstorbenen ungeborenen Kindern (mizuko), ist eine japanische Entwicklung, die ab dem 12. Jahrhundert nachweisbar ist und im 20. Jahrhundert stark ausgeweitet wurde. Sie hat keine kanonische Grundlage in den frühen Sutren, sondern ist eine kulturspezifische Ausformung der buddhistischen Schutzfunktion.

Was ist das wichtigste Heiligtum Ksitigarbhas? Der Jiuhua Shan in der chinesischen Provinz Anhui ist das Hauptheiligtum. Er ist einer der vier heiligen Berge des chinesischen Buddhismus.

Welches Mantra wird Ksitigarbha zugeordnet? Das Standard-Mantra lautet «om ha ha ha vismaye svaha», es wird vor allem in der Klausurpraxis und in den Ritualen für Verstorbene rezitiert.