Beelzebub ist Gott der christlichen Tradition.
„Herr der Fliegen“, dämonisierter Fremdgott der Philister.
Beelzebub ist einer der eindrücklichsten Fälle einer Figurentransformation in der religiösen Geschichte: Ursprünglich lokaler Gott der Philisterstadt Ekron (Baal-Zebub, „Herr der Erhabenheit“, später verspottet als „Herr der Fliegen“), wird er in biblischer und christlicher Tradition zum Oberdämon. Die Evangelien identifizieren ihn mit dem Fürsten der Dämonen; mittelalterliche Grimoires listen ihn in Rangordnung neben Satan.
Seine Rezeption zeigt exemplarisch, wie die monotheistische Polemik fremde Gottheiten zu Dämonen macht. Der Name „Herr der Fliegen“ ist vermutlich eine bewusste Entstellung von Baal-Zebul („Baal, der Fürst“), die auf Fäulnis, Fliegen, Verwesung anspielt. Als kulturell wirksame Gestalt wird er über Volksglauben, Literatur (William Goldings „Lord of the Flies“, 1954) und Popkultur bis heute weitergeführt.
Religionsgeschichtliche Stationen
Beelzebub ist religionsgeschichtlich eines der bestdokumentierten Beispiele einer Götter-Pejoration: ein ursprünglich legitim verehrter Gott einer fremden Tradition, der durch die jüdische und später christliche Polemik in eine dämonische Figur transformiert wurde.
Der älteste Beleg ist die Stadtgottheit von Ekron, einer der fünf philistäischen Städte, im Buch der Könige (2. Könige 1,2, 6) als Baʿal-Zebub („Herr der Fliegen“) genannt.
König Achasja von Israel sucht in diesem Text bei Baʿal-Zebub Heilungsauskunft, was vom Propheten Elija polemisch-verächtlich kommentiert wird. Die ursprüngliche Form könnte Baʿal-Zebul („Herr des erhabenen Hauses“, Tempelherr) gewesen sein, die jüdische Polemik hat sie zu Baʿal-Zebub verzerrt; dies ist seit William F. Albright (Yahweh and the Gods of Canaan, 1968) Forschungsstandard.
Typ: Dämonisierter Fremdgott, Oberdämon
Herkunft: Philisterstadt Ekron
Texte: 2. Kön 1, Evangelien, Testament Salomos, Grimoires
Zeitraum: bronzezeitlich bis Gegenwart
Funktion: Oberdämon, Fürst der Fliegen, Verführer
Früheste Belege der philistäischen Baal-Zebub-Gottheit in 2. Kön 1 (9. Jh. v. Chr.). Dämonisierung in Zweitem Tempelzeitalter. Prominente Stellung im Neuen Testament. Ausgearbeitete Figur in Grimoires der Frühen Neuzeit (Lemegeton, Pseudomonarchia Dämonum).
Ursprünglich Levante (Ekron), dann ganze jüdisch-christliche Welt. Moderne Rezeption weltweit über Literatur und Popkultur.
2. Kön 1; Evangelien (Mt 10,25; Mt 12,24; Mk 3,22; Lk 11,15); Testament Salomos; Grimoires der Frühen Neuzeit; Miltons Paradise Lost; moderne Literatur.
Biblisch-hebräisch: Baʿal-Zebub („Herr der Fliegen“), 2. Kön 1,2.
Ntl.-griechisch: Beelzeboul / Beelzebul.
Ursprünglich philistäisch: wahrscheinlich Baʿal-Zebul („Baal, der Fürst“).
Mittelalterlich-lateinisch: Beelzebub.
Die Verschiebung von Zebul („Fürst“) zu Zebub („Fliege“) ist wahrscheinlich spöttische Entstellung der biblischen Autoren. Das Motiv der Fliege passt zur dämonologischen Semantik von Fäulnis, Verwesung und Plage, und bleibt ikonografisch prägend.
Erscheinung
Bibel gibt keine Bildbeschreibung. Mittelalter: riesige Fliege oder gehörnte Gestalt mit Fliegenflügeln. Im Testament Salomos: einziger männlicher Dämon, bronzene Haut, Herrscher über die Fliegen. In Grimoires: kalbsgestaltig oder mit drei Köpfen.
Verhalten
Als Oberdämon leitet er andere Dämonen. Tradition ordnet ihm die Todsünde der Fraßsucht zu. In Hexereiprozessen häufig als persönlicher Pakt-Partner angegeben.
Wirkungsbereich
Kosmisch als zweite Hauptfigur der Hölle (neben Satan/Luzifer). Thematisch: Fraß, Gier, Pest, Plage. In Ekron ursprünglich Heilgott, nach der Dämonisierung Krankheitsbringer.
Mythologische Herkunft
Philistäischer Lokalgott, wahrscheinlich mit heilenden Funktionen (2. Kön 1: König Ahasja befragt ihn zur Genesung). Biblische Polemik dämonisiert ihn; spätere Tradition baut die dämonische Gestalt aus.
Synoptische Evangelien und patristische Tradition
Im Neuen Testament kommt Beelzebub fünfmal vor (Matthäus 10,25; 12,24.27; Markus 3,22; Lukas 11,15.18.19). In den Synoptikern ist er der oberste Dämon, dessen Macht Jesus angeblich missbraucht, um andere Dämonen auszutreiben.
Die Pharisäer beschuldigen Jesus, mit Beelzebubs Hilfe zu wirken; die Antwort Jesu (das berühmte „Wenn das Reich Satans gegen sich selbst zerteilt ist…“) setzt Beelzebub mit Satan praktisch identisch.
Diese Identifikation ist in der späteren patristischen Tradition (Tertullian, Origenes, Augustinus) Standard. In der mittelalterlichen Dämonologie kennt das Compendium maleficarum (Francesco Maria Guazzo, 1608) eine eigene Hierarchie, in der Beelzebub Vize-Dämon nach Luzifer ist; in einigen Goetia-Tradition-Linien ist er der zweite oder dritte unter den Goetia-Königen.
Die wichtigsten Aspekte Beelzebubs auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Abwehr und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.
Ursprünglich Gott von Ekron (Baal-Zebul). Durch biblische Polemik zum Oberdämon umgewertet. Namens-Verschiebung zu „Herr der Fliegen“ ist bewusste Entstellung.
Konfessionswechsel und Apostaten (ntl.); in mittelalterlicher Tradition: Fraßsüchtige, Hexenpakt-Partner, Pest-Opfer.
Riesige Fliege oder gehörnte Gestalt mit Fliegenflügeln. In Grimoires kalbsgestaltig oder dreiköpfig. Bronzene Haut im Testament Salomos.
Leitet andere Dämonen, verursacht Pest und Fraßsucht, tritt in Pakt-Geschichten. Als Orakel-Gott der Philister: Heilung oder Prophezeiung, später ins Gegenteil verkehrt.
Exorzismus, Namensvermeidung, Sakramente. Besonders im 17. Jahrhundert in Prozessakten als Pakt-Partner genannt, Bekenntnis und Lossprechung durch Priester.
Baal-Figuren (kanaanäisch, als Ursprungsschicht), Mammon (christlicher Geiz-Dämon), Asmodai (jüdische Tradition), allgemein: Motiv der dämonisierten Fremdgötter.
Rituale zur Abwehr
Exorzismus in kirchlicher Tradition. Benedictus-Medaille, die alle Oberdämonen auf einmal adressiert. Ältere Volkspraxis: Kreuze und Weihwasser an Pestzeit-Orten.
Beschwörungen
Grimoires (Lemegeton, Pseudomonarchia Dämonum) listen Beelzebub mit Siegel, Rang, Dienerschaft. Die scholastische Theologie verurteilt solche Bindungsformeln, die Literatur wuchert weiter.
Amulette und Schutzsymbole
Wie bei Satan: Kreuz, Kruzifix, Benediktus-Medaille. In Pest-Zeiten speziell: Pestheiligen-Medaillen (Sebastian, Rochus), die die Fliegen-Plage symbolisch auf Beelzebub zurückführen.
Mittelalter und Frühe Neuzeit: In Grimoires zweiter Rang nach Satan/Luzifer. In Hexenprozessen häufig als Pakt-Partner. In Exempelsammlungen Pest-Bringer.
Milton: Miltons Paradise Lost (1667) macht Beelzebub zum engsten Vertrauten Satans und zum rhetorisch begabten Berater im Pandämonium.
Moderne
William Goldings Lord of the Flies (1954) verwendet Beelzebub als Symbol innerer Verrohung. Heavy Metal, Fantasy, Film greifen die Figur auf, meist als Inbegriff dämonischer Zersetzung.
Quellen-Hauptkorpus
Werke zur Beelzebub-Forschung: Joachim Tubach, Im Schatten des Sonnengottes (Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1986), für die ugaritisch-kanaanäische Vorgeschichte. William F. Albright, Yahweh and the Gods of Canaan (Doubleday, Garden City NY 1968), grundlegend für die jüdische Polemik gegen Baal-Tradition. Marvin H. Pope, Job (Anchor Bible, 1973), für die alttestamentliche Diskussion.
Jeffrey Burton Russell, The Devil. Perceptions of Evil from Antiquity to Primitive Christianity (Cornell University Press, Ithaca 1977) und Satan. The Early Christian Tradition (1981) für die patristische Aufarbeitung. Joseph Peterson (Hg.), The Lesser Key of Solomon (Weiser, Boston 2001), für die Goetia-Tradition.
Der Name Beelzebub geht auf eine konkrete Stelle des Alten Testaments zurück. Im zweiten Buch der Könige, Kapitel 1, schickt der erkrankte König Ahasja von Israel Boten aus, um Baal-Zebub, den Gott von Ekron, zu befragen.
Ekron war eine der fünf Hauptstädte der Philister. Der Prophet Elija fängt die Boten ab und kündigt dem König den Tod an, weil er einen fremden Gott statt des Gottes Israels befragt habe.
Der Name Baal-Zebub bedeutet wörtlich „Herr der Fliegen“. In der Forschung gilt das überwiegend als verzerrende Verspottung eines ursprünglichen Titels.
Vermutet wird ein ursprüngliches Baal-Zebul, „erhabener Herr“ oder „Fürst Baal“ wobei zebul mit dem Begriff für eine erhöhte Wohnung oder einen Fürstensitz zusammenhängt. Die biblischen Autoren hätten den ehrenden Titel absichtlich zu „Herr der Fliegen“ entstellt, um den fremden Kult lächerlich zu machen.
Diese Deutung stützt sich auch auf die ugaritischen Texte, in denen Baal mit dem Beiwort zbl erscheint. Gesichert ist sie nicht, doch sie ist die am weitesten verbreitete Erklärung. Festzuhalten bleibt: Am Anfang steht keine Dämonengestalt, sondern eine westsemitische Wettergottheit, die von Israel aus als feindlicher Fremdgott wahrgenommen wurde.
Dass aus einem regionalen Baal-Kult der Philisterstadt Ekron eine zentrale Figur der späteren Dämonologie wurde, ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine Religion die Götter ihrer Nachbarn umdeutet. Der einst verehrte Herr wird zum verachteten Götzen und schließlich zum Dämon.
Im Neuen Testament erscheint der Name in leicht veränderter Form als Beelzebul. In den synoptischen Evangelien werfen Gegner Jesu ihm vor, er treibe die Dämonen mit Hilfe des Beelzebul aus, der dort als „Oberster der Dämonen“ bezeichnet wird.
Jesus weist den Vorwurf mit dem bekannten Argument zurück, ein in sich gespaltenes Reich könne nicht bestehen.
An dieser Stelle ist die Entwicklung schon weit fortgeschritten: Der ehemalige Philistergott ist nun ein Anführer der Dämonen, faktisch gleichgesetzt oder eng verbunden mit dem Satan. Die Evangelien selbst stellen die Identifikation her, indem sie im Verlauf der Argumentation von Beelzebul zu Satan übergehen.
In der nachbiblischen christlichen Tradition wurde Beelzebub zu einer eigenständigen Gestalt der Höllenhierarchie ausgebaut. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Dämonologien wiesen ihm einen hohen Rang zu, oft als einen der mächtigsten gefallenen Engel direkt nach Luzifer oder Satan. In einigen dieser Systeme wurde er sogar als der eigentliche oberste Herr der Hölle geführt.
Diese Hierarchien sind keine einheitliche Lehre, sondern Produkte einer spekulativen Literatur, die von Autor zu Autor variiert. Festzuhalten ist die religionshistorische Linie: ein westsemitischer Baal, von der hebräischen Bibel als Fremdgott verspottet, im Neuen Testament zum Dämonenfürsten erklärt, im christlichen Mittelalter zu einer festen Größe der Höllentopografie ausgestaltet.
In der Frühen Neuzeit gewann Beelzebub praktische Bedeutung in zwei Zusammenhängen: im Exorzismus und in den Hexenprozessen. Exorzismushandbücher, die zur Befragung angeblich Besessener dienten, listeten Dämonennamen auf. Beelzebub gehörte zu den Namen, die vom Exorzisten erfragt werden sollten, da man glaubte, die Kenntnis des Namens verschaffe Macht über den Dämon.
Der berühmteste Fall ist der von Loudun in Frankreich, wo in den 1630er Jahren Nonnen eines Klosters als besessen galten. In den Protokollen dieser und ähnlicher Fälle taucht Beelzebub unter den genannten Dämonen auf.
Die historische Forschung, etwa die einflussreiche Studie von Michel de Certeau zu Loudun, hat gezeigt, wie sehr solche Fälle von sozialen Konflikten, theologischer Konkurrenz und der Erwartungshaltung der Exorzisten geformt waren.
In den Hexenprozessen erschien Beelzebub teils als der Dämon, mit dem die Angeklagten angeblich paktiert hätten. Auch hier ist Vorsicht geboten: Die Aussagen entstanden unter Folter oder Folterandrohung und folgten den Vorgaben der Verhörenden.
Eine eigene Linie bildet die sogenannte Grimoire-Literatur, magische Handbücher mit angeblichen Anweisungen zur Beschwörung von Geistern. Werke wie der Große Grimoire oder das Höllenzwang-Schrifttum nennen Beelzebub unter den beschwörbaren Höllenfürsten. Diese Texte sind späte, oft frühneuzeitliche oder noch jüngere Kompilationen ohne antike Grundlage; sie dokumentieren die populäre Magievorstellung, nicht eine alte Tradition.
Die wörtliche Bedeutung „Herr der Fliegen“ hat die Bildwelt um Beelzebub stark geprägt, auch wenn sie ursprünglich eine Verspottung war. In der christlichen Kunst und Literatur wurde die Fliege zum Attribut. Fliegen galten als Tiere der Fäulnis, des Aases und der Krankheit; sie passten zur Vorstellung eines Dämons, der mit Verwesung und Verunreinigung verbunden ist.
In manchen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Darstellungen erscheint Beelzebub als riesiges fliegen- oder insektenartiges Wesen, in anderen als geflügelter Dämon herkömmlicher Bauart. Eine einheitliche Ikonografie gibt es nicht; die Künstler folgten den jeweiligen Dämonologien und ihrer eigenen Phantasie.
Die literarische Rezeption ist breit. John Miltons Paradise Lost aus dem 17. Jahrhundert führt Beelzebub als den nach Satan ranghöchsten gefallenen Engel ein, als dessen klugen, würdevollen Berater. Milton gibt ihm damit eine literarisch ausgearbeitete Persönlichkeit, die weit über die knappen biblischen Notizen hinausgeht.
Im 20. Jahrhundert hat William Goldings Roman Herr der Fliegen (1954) den Namen einer breiten Leserschaft bekannt gemacht, ohne den Dämon selbst auftreten zu lassen: Der Titel verweist auf den auf einen Stock gespießten, von Fliegen umschwärmten Schweinekopf und auf das Böse, das nach Golding im Menschen selbst liegt.
Beelzebub ist damit in der modernen Kultur weniger eine konkrete Gestalt als ein Sinnbild für Verfall und für das Böse, das aus dem Inneren kommt.
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Beelzebub (hebräisch Baal-Zebub, Herr der Fliegen) war ursprünglich der Stadtgott des philistäischen Ekron, verspottet im 2. Buch der Könige (1,2-6). Im Neuen Testament ist Beelzebub einer der Beinamen Satans (Markus 3,22). Im mittelalterlichen Grimoire-System (Lemegeton, Hexenhammer) erscheint Beelzebub als einer der höchsten Höllenfürsten, oft als zweiter nach Satan oder Luzifer.
Im Hexenhammer (Malleus Maleficarum, 1487) und in der Lemegeton (Salomonisches Buch) ist Beelzebub einer der mächtigsten der 72 Höllenfürsten. Johann Weyer ordnet ihm in seiner Pseudomonarchia Daemonum (1577) das Oberkommando über die östliche Höllenarmee zu. In der christlich-volkstümlichen Vorstellung ist er der Herr der Fliegen, was mythisch auf den Geruch der Verwesung und Krankheit verweist.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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