Gott der Süßgewässer, Schöpfer der Weisheit, Herr der Magie. Enki (akkadisch Ea) ist einer der mächtigsten mesopotamischen Götter, Beherrscher der belebenden Gewässer, und zugleich Wissensträger und kosmischer Handwerker.
In Eridu, der ältesten sumerischen Stadt, verehrt man ihn als Vater des späteren Königs Marduk und als Urheber aller Künste, Fähigkeiten und Geheimwissen. Seine Wildheit und Schlauheit machen ihn unverhersehbar, aber stets zum Wohl der Menschheit handelnd.
Enki (akkadisch Ea) ist Hauptgott von Eridu und einer der zentralen Götter des sumerischen Pantheons. Sein Wirkkreis umfasst das Süßwasser-Apsû, die Weisheit, die Magie und die Künste der Zivilisation (Schreibkunst, Architektur, Zauberei).
In der mesopotamischen Theologie ist Enki Schöpfer der Menschen und Lehrer der ME (göttliche Ordnungsprinzipien). Seine Tempel-Funktion in Eridu bleibt bis in spätbabylonische Zeit zentral; im Atrahasis-Mythos warnt er die Menschen vor der von Enlil veranlassten Sintflut.
Typ: Mesopotamische Hauptgottheit, Gott des Süßwassers, der Weisheit und Magie
Pantheon: Sumer (Enki), Akkad/Babylon/Assur (als Ea)
Funktion: Herr der Apsu (Süßwasser-Tiefe), Schöpfer der Menschen, Patron der Magie und Heilkunst
Hauptattribute: Wasserströme aus Schultern, Fisch-Bocks-Mischwesen, hohes Hut-Diadem
Hauptkultorte: Eridu (sumerischer Ursitz), Babylon, Susa
Akkadisches Pendant: Ea
Enki ist seit der frühsumerischen Zeit (3. Jt. v. Chr.) belegt, in Eridu, der ältesten dokumentierten Stadt Sumers, war er Hauptgöttin. Im akkadisch-babylonischen Pantheon erscheint er als Ea, mit nahezu identischen Funktionen.
Hauptblütezeit der Enki/Ea-Tradition: 3. und 2. Jt. v. Chr. Im 1. Jt. v. Chr. zunehmend überlagert durch Marduk (Babylon) als Reichsgott; Ea bleibt aber „Vater Marduks“ und behält seine kosmologische Schlüsselrolle.
Hauptkultort war Eridu (sumerisch Eridug, heute Tell Abu Shahrein im südlichen Irak), einer der ältesten Tempel-Komplexe Mesopotamiens, ab ca. 5400 v. Chr. besiedelt. Daneben Babylon (Ea-Tempel im Esagila-Komplex), Ur, Susa (elamitisch). In der elamischen Tradition trägt Enki/Ea den Namen Inshushinak, mit teils überlappenden Funktionen.
Zentrale Quellen: das Enuma Elish (babylonisches Schöpfungsepos), die sumerische Inanna und Enki-Erzählung, der Atrahasis–Mythos (Sintflut), Enki und die Weltordnung, der Adapa–Mythos. Sekundärliteratur: Lambert/Millard, Atra-Hasis; Black/Cunningham, Literature of Ancient Sumer; Bottéro, La plus vieille religion. En Mésopotamie.
Enki wird zumeist als weiser, bärtiger Mann dargestellt, oft mit einer Hörnerkrone oder Diadem. Seinen Namen trägt das Wasser: er ist begleitet von zwei Wasserschlangen oder Fischen, die aus seinen Schultern entspringen (das Abzu–Symbol).
In Siegeln sitzt er auf einem Thron über Quellen, Flüsse und Meereswellen. Sein Emblem ist das Ziegenfisch-Dämon (Kulullû), ein hybrides Wesen aus Berg- und Wasserkräften. Als Magier trägt er die Insignien der Klugheit: Schreibstift, Messstab, Wissensrolle.
Enki (sumerisch en-ki, „Herr der Erde“; akkadisch Ea) ist sumerisch-akkadischer Wassergott von Eridu, der Stadt, die in der sumerischen Königsliste als erste Stadt der Schöpfung gilt.
Er ist Gott der Süßwasser-Tiefen (abzu), der Weisheit, der handwerklichen und magischen Künste. In der mesopotamischen Götter-Hierarchie steht er an dritter Stelle nach An (Himmel) und Enlil (Wind).
Sein Tempel E-abzu in Eridu galt als ältestes Heiligtum Mesopotamiens. Im Atrahasis-Mythos und im Sumerischen Sintflut-Mythos warnt Enki den Menschen-Helden vor der Flut, eine Vorlage des biblischen Noah-Mythos (vgl. Bottéro, Mesopotamia; Black/Green, Gods, Demons and Symbols; Jacobsen, The Treasures of Darkness).
Die wichtigsten Aspekte von Enki/Ea auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.
Enki ist Sohn der Urgöttin Nammu (in einer Tradition) bzw. von An (Himmel) und Ki (Erde). Bruder von Enlil.
Im sumerischen Schöpfungsmythos formt er aus Lehm der Apsu die Menschen, um den Göttern die Arbeit abzunehmen (zentral im Atrahasis). Vater des Marduk (in der babylonischen Tradition). Gemahl der Damkina (Damgalnuna), in einigen Mythen mit Ninhursanga (Ninmah) verbunden.
Herr der Apsu, der kosmischen Süßwasser-Tiefe, aus der alles fruchtbare Leben entspringt. Patron der Weisheit, Magie und der Beschwörer-Priester (asipu). Erfinder der Heilkunst, der Kanal-Bewässerung, der Zivilisationskünste (im sumerischen me-System). Im Sintflut-Mythos derjenige, der den Atrahasis warnt, Enki ist der menschenfreundliche Gott, der gegen Enlils Vernichtungsbeschluss agiert.
Anthropomorph als bärtige Mannsgestalt mit hohem Hut-Diadem, langem Gewand. Charakteristisch: zwei Wasserströme (mit kleinen Fischen) fließen von seinen Schultern, das Wasser von Tigris und Euphrat. Begleitet häufig vom Mischwesen Suchurmaschu (Bock-Fisch, später im Tierkreis als Steinbock). In der Glyptik häufig auf Rollsiegeln dargestellt.
Wirkungsbereich: Enki/Ea war der Gott der Magie-Priester schlechthin, die asipu (Beschwörungs-Priester) galten als seine Diener. Vor jedem Heilungs- oder Schutz-Ritual wurde er angerufen. In Eridu standen Tausende von Votivbildern. Babylonische Könige bauten ihre Paläste oft über unterirdischen Süsswasser-Tank-Systemen, die symbolisch die Apsu darstellten. Im Volk auch Patron der Bauern (Bewässerung) und Handwerker.
Wasserströme aus den Schultern (mit kleinen Fischen), hohes Hut-Diadem, langes Gewand, Bock-Fisch (Suchurmaschu), Schlange (kosmische Weisheit), Ziegel-Form (als Maß-Geber). Heilige Pflanze: Tamariske (in Beschwörungs-Riten zentral). Heilige Zahl: 40.
Inshushinak (Elam, verwandte Funktion), Poseidon (Griechenland, Wasser-Beherrschung, aber auch Salzwasser), Hermes (Patron der Magie und Weisheit), Thoth (Ägypten, Schreiber- und Magie-Patron), Varuna (Hinduismus, kosmische Wasser), Mimir (Germanisch, Brunnen der Weisheit), Yu (China, Bezwinger der Sintflut, Bewässerungspatron).
Verehrungsrituale
Enki/Ea wurde im E-abzu-Tempel zu Eridu verehrt, dessen Reinigungsriten zentrale Modellfunktion für die mesopotamische Liturgie hatten. Tägliche Reinigungsopfer mit Wasser aus dem Heiligen Brunnen (apsu), Brot und Bier.
Beim Neujahrsfest akītu spielte Enki eine zentrale Rolle als Weisheit-Berater des kosmischen Königtums. Die Asaluhi-Beschwörungen (Asaluhi = Enki/Marduks Sohn) der Maqlû-Serie operieren mit Enkis Wasser-Reinigungs-Macht (vgl. Foster, Before the Muses).
Beschwörungen und Hymnen
Der „Hymnus an Enki und sein Tempel E-abzu“ (BWL 100-105, Lambert) sowie die längere „Enki-Reise nach Nippur“-Erzählung sind zentrale Hymnentexte. Im Beschwörungsrepertoire wird er als „Bēl nēmeqi“ (Herr der Weisheit) angerufen. Die asipu-Priester (Heilbeschwörer) galten als Enki/Marduks irdische Vertreter, ihre Heilrituale beruhten auf Enkis Geheim-Wissen.
Amulette und Schutzsymbole
Symbol Enkis: Ziegenfisch (suhurmašu) und der heilige Wasser-Krug (apsu-Vase), auf Boundary-Stones (Kudurrus) und Siegelzylindern. Apsu-Bassins in Tempelhöfen (Eridu, später Babylon, Nippur) als irdische Manifestation seiner Wasser-Domäne. Apotropäische Tonpins mit eingerollten Enki-Beschwörungen unter Hauseingängen, vor allem zur Fernhaltung von Fieber-Krankheiten.
Enki ist der sumerische Name eines der wichtigsten Götter Mesopotamiens. In den akkadischen, babylonischen und assyrischen Quellen heißt dieselbe Gottheit Ea. Der sumerische Name wird traditionell als Herr der Erde gedeutet, doch diese Übersetzung ist nicht unumstritten. Enkis eigentlicher Bereich ist nicht die feste Erde, sondern das Süßwasser, das nach mesopotamischer Vorstellung unter der Erde liegt, der Abzu oder Apsu.
Aus diesem Wirkungsbereich ergeben sich Enkis Zuständigkeiten. Er ist der Gott des Süßwassers, der Quellen und der Bewässerung, ohne die in Mesopotamien kein Ackerbau möglich war.
Er ist zugleich der Gott der Weisheit, der Klugheit und der List, der Gott der handwerklichen und magischen Künste und der Beschwörungen. Sein Heiligtum E-abzu stand in der alten Stadt Eridu, die in der mesopotamischen Überlieferung als eine der ältesten Städte überhaupt galt.
In der Götterhierarchie steht Enki in der ersten Reihe, gemeinsam mit dem Himmelsgott An und dem Luftgott Enlil. Während Enlil oft als der ferne, manchmal strenge Lenker erscheint, ist Enki der zugewandte, findige Gott, der für die Menschen Partei ergreift und Probleme durch Klugheit löst.
Diese Rollenverteilung prägt zahlreiche Mythen und macht Enki zu einer der sympathischsten Gestalten des mesopotamischen Pantheons. Die Religionswissenschaft sieht in ihm einen typischen Vertreter des göttlichen Kulturstifters, der das Wissen besitzt, das die Zivilisation erst möglich macht.
In mehreren mesopotamischen Mythen ist Enki an der Erschaffung und Ordnung der Welt beteiligt. Der Mythos Enki und die Weltordnung schildert, wie Enki den verschiedenen Ländern, Flüssen, Tieren und menschlichen Tätigkeiten ihre Bestimmung zuweist und einzelnen Gottheiten ihre Zuständigkeiten überträgt. Er erscheint hier als der Ordnungsstifter, der dem geschaffenen Kosmos seine Funktionen gibt.
Besonders eng ist Enki mit der Erschaffung des Menschen verbunden. Im Mythos Enki und Ninmach formen die Götter den Menschen aus Lehm, damit er ihnen die Arbeit abnimmt; Enki ist es, der den entscheidenden Rat gibt.
In anderen Texten, etwa im Atrahasis-Epos, ist es ebenfalls Enki, der bei der Menschenschöpfung die maßgebliche Rolle spielt. Die Vorstellung, dass der Mensch geschaffen wurde, um den Göttern zu dienen und sie zu versorgen, gehört zum Kern der mesopotamischen Theologie, und Enki ist der Gott, der diesen Plan umsetzt.
Mit Enki verbunden ist auch das Konzept der me, einer Sammlung von göttlich verliehenen Grundlagen der Zivilisation, die alles umfassen, von Königtum und Priesterämtern über Handwerke bis zu Verhaltensformen. Im Mythos Inanna und Enki entlockt die Göttin Inanna dem Enki diese me und bringt sie in ihre Stadt Uruk.
Enki erscheint hier als der ursprüngliche Hüter des kulturellen Wissens. Die Forschung deutet solche Mythen als Versuche der Mesopotamier, den Ursprung ihrer eigenen, hochentwickelten städtischen Kultur zu erklären und religiös zu verankern.
In den mesopotamischen Fluterzählungen spielt Enki die rettende Rolle. Die Grundstruktur ist in mehreren Texten überliefert, am ausführlichsten im Atrahasis-Epos und in der Flutepisode des elften Tafels des Gilgamesch-Epos; auch eine fragmentarische sumerische Fassung ist bekannt.
In allen Versionen beschließen die Götter, die Menschheit zu vernichten, in einigen Fassungen, weil die Menschen zu zahlreich und zu laut geworden sind und die Götter im Schlaf stören.
Enki hält sich nicht an den Beschluss der Götterversammlung. Er warnt einen einzelnen frommen Menschen, der je nach Text Atrahasis, Ziusudra oder Utnapischtim heißt, und weist ihn an, ein großes Schiff zu bauen, um sich, seine Angehörigen und Tiere zu retten.
In einer feinsinnigen Episode umgeht Enki einen Eid, indem er die Warnung nicht direkt an den Menschen richtet, sondern sie scheinbar zur Rohrwand des Hauses spricht, hinter der der Mensch lauscht. Nach der Flut ist es ebenfalls Enki, der vor der Götterversammlung für das Überleben der Menschheit argumentiert und mildere Mittel der Bevölkerungsregulierung vorschlägt.
Diese Erzählungen sind religionsgeschichtlich von großer Bedeutung, weil sie zu den ältesten bekannten Fluterzählungen der Weltliteratur gehören und weil sie offensichtlich mit der biblischen Sintfluterzählung in einem traditionsgeschichtlichen Zusammenhang stehen.
Die Forschung diskutiert dieses Verhältnis seit der Entzifferung des Gilgamesch-Epos im 19. Jahrhundert. Festzuhalten ist, dass Enki in der mesopotamischen Version die Rolle des klugen, der Menschheit zugewandten Gottes spielt, der die Vernichtung durch einen Akt der Hinterlist und der Fürsprache abwendet.
In der mesopotamischen Bildkunst ist Enki an einem charakteristischen Merkmal zu erkennen: Aus seinen Schultern oder aus einem in der Hand gehaltenen Gefäß strömen zwei Wasserläufe, in denen oft Fische zu sehen sind.
Diese Ströme stehen für Tigris und Euphrat oder allgemein für das lebenspendende Süßwasser, über das er gebietet. Häufig erscheint er auf Rollsiegeln, den kleinen gravierten Steinzylindern, die zum Versiegeln von Dokumenten und Behältern dienten und eine wichtige Bildquelle für die mesopotamische Götterwelt sind.
Mit Enki verbunden ist auch eine eigentümliche Figur, der apkallu, ein weiser Mischwesen-Helfer, mitunter mit Fischgewand dargestellt, der das von Enki ausgehende Wissen an die Menschen vermittelt.
Die spätere Überlieferung kennt eine Gestalt namens Oannes, ein fischgestaltiges Wesen, das den Menschen die Künste der Zivilisation gebracht haben soll; diese Figur, die der babylonische Priester Berossos in griechischer Sprache beschrieben hat, steht in der Tradition dieses Vorstellungskreises um Enki und die apkallu.
Nach dem Ende der mesopotamischen Kultur geriet Enki, anders als etwa Ishtar, weitgehend in Vergessenheit; eine durchgehende Rezeptionslinie wie bei den griechischen Göttern fehlt. Seine Wiederentdeckung verdankt sich der Assyriologie, die seit dem 19. Jahrhundert die Keilschrifttexte erschlossen hat.
Für die heutige Religionswissenschaft ist Enki vor allem als Typus von Interesse: als Beispiel für den Gott der Weisheit und der Kultur, der zwischen den Menschen und der höheren Götterwelt vermittelt, und als zentrale Gestalt der ältesten schriftlich fassbaren Schöpfungs- und Fluterzählungen der Menschheit.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Enki (akkadisch Ea) war der sumerische Gott der Weisheit, des Süßwassers, der Magie und der handwerklichen Künste. Er ist eine der ältesten und bedeutendsten Gottheiten Mesopotamiens, mit Hauptkultort in Eridu (eine der ersten Städte der Menschheitsgeschichte).
Anders als der oft strenge Enlil ist Enki ein listiger und menschenfreundlicher Gott, er war es, der die Menschen aus Lehm formte, der Inanna die Götter-Kräfte (Me) gab und der die Sintflut warnte, indem er Utnapischtim heimlich anwies, eine Arche zu bauen.
Im Atrahasis-Epos (etwa 18. Jh. v. Chr.) und im Gilgamesch-Epos (Tafel 11) ist Enki der Gott, der die Sintflut-Vernichtung der Menschheit verhindert. Enlil hat die Menschen wegen ihrer Lärmigkeit zum Untergang verurteilt.
Enki darf nicht direkt warnen, aber er spricht durch eine Schilfwand, hinter der Utnapischtim (Atrahasis im älteren Mythos) zufällig steht. So baut der Held eine Arche, rettet sich und seine Familie und einige Tiere. Dieser mesopotamische Sintflut-Mythos ist die literarische Vorform der biblischen Noah-Geschichte (Genesis 6-9).
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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