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Fuxi, chinesischer Urkaiser und Kulturbringer

Fuxi gilt als chinesischer Urkaiser und als Kulturbringer, dem die Erfindung von Schrift, Fischfang und der acht Trigramme zugeschrieben wird. Fuxi (auch Fu Hsi, schriftlich Fu Xi) ist in der chinesischen Mythologie der erste der «Drei Erhabenen» (San Huang), der mythischen Kulturheroen der vorgeschichtlichen Zeit.

Ihm wird die Erfindung der Acht Trigramme (bagua), des Schriftsystems, der Heirat, des Fischens mit Netzen und der Musik zugeschrieben. Religionsgeschichtlich gehört er zu einer mythischen Vor-Geschichte, die in der Han-Zeit kanonisch fixiert wurde, um den chinesischen Zivilisationsbeginn auf konkrete kulturheldenhafte Akteure zurückzuführen.

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Inhaltsverzeichnis

Fuxi - Götter aus der China-Tradition, historisch-illustrativ

Die Drei Erhabenen

Die Konzeption der «Drei Erhabenen» entstand in der späten Zhou- und vor allem in der Han-Zeit, sie wurde unterschiedlich besetzt.

In der weit verbreiteten Variante des «Shiji» (Sima Qian, frühes 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung) bilden Fuxi, Shennong und Huangdi die drei mythischen Urväter. In anderen Versionen treten Fuxi, Nü Wa und Shennong als das Trio auf.

Die Liste ist nicht starr, sie spiegelt die Versuche der Han-zeitlichen Gelehrten, eine kohärente Vorgeschichte des Reiches zu konstruieren. Anne Birrell («Chinese Mythology. An Introduction», Baltimore 1993) betont, dass diese Konstruktionen weniger historisch als legitimatorisch zu verstehen sind: sie schaffen einen mythischen Ursprung der Zivilisation, der die kulturellen Errungenschaften personifizieren kann.

Mythologische Vita

Nach der traditionellen Darstellung wurde Fuxi am Ufer des Flusses Lei geboren, seine Mutter Huaxu trat in den Fußabdruck eines Riesen, woraufhin sie schwanger wurde. Diese Geburtslegende ist ein typisches mythologisches Motiv für die außerordentliche Herkunft eines Kulturheroen.

Fuxi wird in der älteren Tradition als hybrides Wesen geschildert, mit menschlichem Oberkörper und Schlangen- oder Drachenleib, in der Han-zeitlichen Ikonographie meist gemeinsam mit Nü Wa als ineinander verschlungenes Schlangenleib-Paar dargestellt. Die Grabreliefs von Wu Liang Ci in Shandong und zahlreiche andere Han-zeitliche Funde zeigen diese Konstellation als kanonisches Bild der kosmischen Ordnung.

Die Acht Trigramme

Die wichtigste Erfindung Fuxis ist nach der traditionellen Überlieferung das System der Acht Trigramme (bagua). Diese acht Zeichen aus jeweils drei ungebrochenen oder gebrochenen Linien sind die Grundeinheit des Yijing («Buch der Wandlungen»), eines der ältesten und einflussreichsten Texte der chinesischen Philosophie.

Im «Xici Zhuan», dem ältesten erhaltenen Kommentar zum Yijing (etwa 4. bis 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung), wird die Erfindung der Trigramme Fuxi zugeschrieben.

Er habe sie aus der Beobachtung der Natur abgeleitet: die Muster auf dem Rücken einer Schildkröte, die aus dem Fluss Lo aufstieg, sollen ihn dazu inspiriert haben.

Religionsgeschichtlich gehört diese Erzählung in den Kontext des sogenannten «Lo-Schu» und des «He-Tu», zweier mythischer Diagramme, die als Urquellen kosmischer Ordnung gelten. Hellmut Wilhelm hat in «Sinn des I Ging» (Düsseldorf 1972) die mythologischen Hintergründe des Yijing systematisch dargestellt.

Heirat und Genealogie

Fuxi gilt nach der traditionellen Überlieferung als Stifter der Heirat und damit der geordneten Familienbildung. Diese Funktion ist eng mit seiner Beziehung zu Nü Wa verbunden. In den verbreiteten Versionen sind sie Geschwister, die nach einer kosmischen Katastrophe als einzige Menschen überlebten und durch eine Geschwisterehe die Menschheit neu zeugten.

Diese Erzählung ist in mehreren südwestchinesischen ethnischen Traditionen, vor allem unter den Miao, Yi und Zhuang, in eigenständigen Versionen erhalten, was auf eine sehr alte, vor-Han-zeitliche Schicht des Motivs hindeutet. Mark Lewis hat in «The Flood Myths of Early China» (Albany 2006) das Motiv im Zusammenhang mit der Sintflut-Tradition der frühen chinesischen Mythologie analysiert.

Weitere kulturelle Errungenschaften

Neben den Trigrammen und der Heirat werden Fuxi weitere zivilisatorische Erfindungen zugeschrieben. Die Erfindung des Fischens mit Netzen, der Schrift in einer frühen Form (verschiedene Versionen nennen Knotenschrift oder Bildzeichen), die Beobachtung der Jahreszeiten und die Komposition der ersten Musik werden ihm zugeordnet.

Diese Liste ist nicht in allen Quellen identisch, sie wächst und schrumpft je nach Tradition.

Was sich aber konstant zeigt, ist die Konzeption Fuxis als Übergangsfigur zwischen tierischer Urzeit und menschlicher Zivilisation. Sarah Allan hat in «The Heir and the Sage» (San Francisco 1981) gezeigt, wie die Kulturheroen-Figuren der frühen chinesischen Mythologie ein systematisches Programm zur Erklärung des Zivilisationsbeginns bilden.

Geographische Verortung

Die mythologische Heimat Fuxis wird traditionell in Chen (heute Huaiyang in der Provinz Henan) lokalisiert. Dort befindet sich ein Mausoleum (Taihao Fuxi Ling), das in der heutigen Form aus der Tang- und Song-Zeit stammt, aber auf älteren Vorgängerbauten errichtet wurde.

Es ist eine der wichtigsten Pilgerstätten Mittelchinas, das jährliche Frühlingsfest am dritten Tag des dritten Mondmonats zieht zehntausende Besucher an. Die archäologische Schicht des Geländes reicht in die neolithische Yangshao-Kultur zurück, was die Vermutung nährt, dass die Fuxi-Tradition auf sehr alte vorhistorische Kultformen aufbaut, deren konkrete Inhalte aber nicht mehr rekonstruierbar sind.

Religionsgeschichtliche Verbindungen

Eine wichtige Forschungsfrage betrifft das Verhältnis Fuxis zu vergleichbaren Kulturheroen anderer ostasiatischer Traditionen. Strukturelle Parallelen finden sich etwa zum koreanischen Dangun und zum japanischen Jinmu.

Diese Parallelen sind weniger Belege einer direkten Übertragung, sie verweisen vielmehr auf einen gemeinsamen narrativen Typus des «Zivilisationsbegründers», der in mehreren Hochkulturen Ostasiens unabhängig konstruiert wurde. Edward Schafer und Mark Lewis haben in mehreren Studien die typologische Vergleichbarkeit der Kulturheroen-Traditionen untersucht, ohne von einer direkten genealogischen Verbindung auszugehen.

Fuxi im Daoismus und im Yijing-Kommentar

Im Daoismus der Han-Zeit und der folgenden Jahrhunderte wird Fuxi nicht als reine Kulturheldengestalt, sondern als kosmischer Lehrer eingeordnet. Die Schule des «Inneren Lichts» (Neidan) sieht in der Konstruktion der Trigramme eine Anweisung zur inneren Alchemie und zur Selbstvervollkommnung.

Diese Lesart ist eine spätere Aneignung, sie zeigt aber, wie die Fuxi-Tradition in den daoistischen Selbstkultivierungsdiskurs integriert werden konnte. Stephen Bokenkamp («Early Daoist Scriptures», Berkeley 1997) hat einzelne Texte dieser Linie ediert und kommentiert.

Wirkungsgeschichte

Im konfuzianischen Denken nimmt Fuxi den ersten Platz in der Sequenz der mythischen Weisen-Herrscher ein, deren regelmäßige Erwähnung in den klassischen Texten ein wichtiges Element der politischen Theorie darstellt. Mengzi und Xunzi zitieren ihn gleichermaßen, allerdings mit unterschiedlichem Akzent. In der Han-Zeit, vor allem unter Kaiser Wu, wurde die Drei-Erhabenen-Sequenz Teil der staatlichen Selbstbeschreibung.

Die spätere Tradition behielt diese Konstellation bei, ohne dass Fuxi noch eine lebendige religiöse Bedeutung im Sinne einer Kultfigur entfaltete. Heute überwiegt die kulturhistorische und ikonographische Erinnerung an Fuxi, eine lebendige Praxis ist vor allem mit dem Mausoleum in Huaiyang und mit der Yijing-Tradition verbunden.

Religionswissenschaftliche Einordnung

Fuxi steht in der chinesischen Tradition für eine eigenständige religionsphänomenologische Kategorie: den Kulturheros als Gegenfigur zum eigentlichen Gott. Anders als der Jadekaiser, der eine bürokratisch organisierte Götterhierarchie anführt, ist Fuxi keine kultisch verehrte Gottheit im engeren Sinn.

Er ist ein mythischer Ahnherr, dessen Bedeutung in der Erfindung kultureller Strukturen liegt. Diese Differenzierung zwischen Götter- und Kulturheldenfiguren ist wissenschaftlich wichtig, sie zeigt, dass die chinesische Mythologie keine homogene Götterklasse kennt, sondern verschiedene Funktionsgestalten mit jeweils eigenem religiösem Status.

Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen: Yijing («Buch der Wandlungen»), mit Xici Zhuan als ältestem Kommentar; Shiji, Sima Qian, frühes 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung; Shanhaijing; Han-zeitliche Grabreliefs von Wu Liang Ci, Shandong; lokale Genealogien des Taihao-Mausoleums in Huaiyang.

Sekundärliteratur: Anne Birrell, «Chinese Mythology. An Introduction», Baltimore 1993; Mark Lewis, «The Flood Myths of Early China», Albany 2006; Sarah Allan, «The Heir and the Sage», San Francisco 1981; Hellmut Wilhelm, «Sinn des I Ging», Düsseldorf 1972; Edward Schafer, «Pacing the Void», Berkeley 1977; Stephen Bokenkamp, «Early Daoist Scriptures», Berkeley 1997.

Die Acht Trigramme im Detail

Die acht Trigramme (bagua), deren Erfindung Fuxi zugeschrieben wird, sind ein System aus jeweils drei Linien, die entweder ungebrochen (Yang) oder gebrochen (Yin) sind.

Sie ergeben acht mögliche Kombinationen: Qian (drei ungebrochene, Himmel), Kun (drei gebrochene, Erde), Zhen (Donner), Xun (Wind), Kan (Wasser), Li (Feuer), Gen (Berg), Dui (See). Diese acht Trigramme können untereinander zu vierundsechzig Hexagrammen kombiniert werden, die das System des Yijing ausmachen.

In den späteren Yijing-Kommentaren wurde unterschieden zwischen der «Fuxi-Anordnung» der Trigramme (Sequenz nach dem «früheren Himmel», xian tian) und der «König-Wen-Anordnung» (Sequenz nach dem «späteren Himmel», hou tian).

Die erste gilt als die ursprüngliche kosmische Ordnung, die zweite als die in der menschlichen Welt wirksame Anordnung. Hellmut Wilhelm hat in «Sinn des I Ging» die Geschichte dieser beiden Anordnungen und ihre philosophischen Implikationen ausführlich dargestellt.

Das Lo-Schu-Diagramm

Mit der Erfindung der Trigramme durch Fuxi ist in der traditionellen Überlieferung die Erscheinung des «Lo-Schu» verbunden. Es handelt sich um ein magisches Quadrat, das nach der Legende auf dem Panzer einer Schildkröte erschien, die aus dem Fluss Lo aufstieg.

Die Anordnung der Zahlen von eins bis neun in einem 3×3-Quadrat ergibt in allen Reihen, Spalten und Diagonalen die Summe fünfzehn. Dieses Diagramm ist eines der ältesten dokumentierten magischen Quadrate weltweit und wurde später in zahlreichen kulturellen Kontexten aufgegriffen.

In China hat es eine besondere kosmologische Bedeutung, da es als Grundbild der Verteilung der kosmischen Energien (qi) im Raum gelesen wird. Es ist die Grundlage der späteren Feng-Shui-Praxis und der bagua-basierten kosmischen Geographie.

Sarah Allan hat in «The Shape of the Turtle» die religionshistorischen Hintergründe des Lo-Schu untersucht und auf die mögliche Verbindung zum Bild der Welt als Schildkröte hingewiesen.

Fuxi und die kalendarische Ordnung

Fuxi wird in einigen Quellen die Erfindung des Kalenders zugeschrieben. Er soll die Beobachtung der Himmelskörper systematisiert, die Mondphasen geordnet und die zwölf «Tier-Stationen» (entsprechend den späteren chinesischen Tierkreiszeichen) eingeführt haben. Diese Zuschreibungen sind ahistorisch, sie reflektieren aber die spätere Tendenz, alle grundlegenden Errungenschaften der chinesischen Zivilisation auf die mythischen Kulturheroen zurückzuführen.

Im konkreten historischen Sinn entstand das chinesische Kalendersystem über mehrere Jahrhunderte ab der Shang-Zeit und wurde in der Han-Zeit erstmals umfassend reformiert. Die Zuordnung zu Fuxi ist eine retrospektive Konstruktion, die die kulturelle Identität der Han-Zeit stützen sollte.

Fuxi als Patron der Wahrsager

Im Volksglauben ist Fuxi der Patron der Wahrsager und der Yijing-Interpreten. Wer professionell mit dem Buch der Wandlungen arbeitet, bringt traditionell vor jeder Konsultation eine Räuchergabe an einem Fuxi-Bildnis dar. In den Yijing-Schreinen, die in zahlreichen chinesischen Städten existieren, ist Fuxi oft die zentrale Bildgestalt.

Die Wahrsage-Praxis selbst ist historisch mehrschichtig. Sie umfasst nicht nur das Werfen von Yarrow-Stäben oder Münzen zur Ermittlung eines Hexagramms, sondern auch die Auslegung von Träumen, die Lesung von Gesichtszügen und die Berechnung astrologischer Konstellationen. In allen diesen Bereichen wird Fuxi als der mythische Urvater angerufen.

Die Trigramme im Hexagramm-System

Die acht Trigramme (Bagua), Fuxi zugeschrieben, sind die Grundlage des Yijing-Systems. Sie werden zu 64 Hexagrammen kombiniert, indem zwei Trigramme übereinandergesetzt werden. Diese Verdoppelung wird in der älteren Tradition König Wen von Zhou (12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung) zugeschrieben, während die Sinnzuschreibungen der einzelnen Hexagramme von dessen Sohn, dem Herzog von Zhou, stammen sollen.

Die «Zehn Flügel» (shi yi), philosophische Kommentare, werden Konfuzius zugerechnet, sind aber historisch wohl der späten Zhou- und frühen Han-Zeit zuzuordnen. Richard Wilhelm («Das Buch der Wandlungen», Jena 1924) hat die heute klassische deutsche Übersetzung mit ausführlichem Kommentar vorgelegt.

Die Forschung von Edward Shaughnessy und Richard Smith hat die Schichtung der Yijing-Komposition philologisch geklärt und die traditionelle Autorenzuschreibung als legendarisch eingeordnet.

Die Mawangdui-Funde und alternative Hexagramm-Reihungen

Bei den Mawangdui-Grabfunden (Hunan, 168 vor unserer Zeitrechnung) wurde eine Seidenversion des Yijing entdeckt, die eine andere Hexagramm-Reihung aufweist als die heute kanonische Version.

In der Mawangdui-Reihung beginnt das Buch mit dem Hexagramm Qian (das Schöpferische), wie in der kanonischen Version, aber die folgende Anordnung weicht ab. Dies belegt, dass die Yijing-Tradition in der frühen Han-Zeit mehrere parallele Reihungen kannte.

Edward Shaughnessy («I Ching: The Classic of Changes», New York 1996) hat die Mawangdui-Version übersetzt und mit der kanonischen verglichen. Die Mawangdui-Funde haben die Yijing-Forschung in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert und gezeigt, dass die Standardisierung des Textes erst nach der frühen Han-Zeit erfolgte, durch die Schule um den Han-Konfuzianer Tian He.

Das Hetu und das Luoshu

Die zwei mathematisch-mystischen Diagramme «Hetu» (Karte aus dem Gelben Fluss) und «Luoshu» (Schrift aus dem Luo-Fluss) gelten in der späteren Tradition als Visualisierungen kosmologischer Ordnung, die Fuxi geoffenbart wurden. Das Hetu zeigt Zahlen 1 bis 10 in einer Anordnung, die mit den fünf Wandlungsphasen verknüpft ist.

Das Luoshu zeigt Zahlen 1 bis 9 in einer magischen Quadrat-Anordnung. Der Mythos berichtet, ein Drachenpferd sei aus dem Fluss gestiegen und habe das Hetu auf seinem Rücken getragen, eine göttliche Schildkröte habe das Luoshu auf ihrem Panzer gezeigt.

Diese Diagramme sind in der frühen Form nur indirekt belegt, ihre standardisierte Form geht auf die Song-Dynastie zurück. Liu Mu (11. Jahrhundert) und Zhu Xi (1130 bis 1200) haben die Diagramme in die neokonfuzianische Kosmologie integriert.

Die Forschung von Joseph Needham («Science and Civilisation in China», Band 3, Cambridge 1959) hat diese Diagramme im Kontext der frühen chinesischen Mathematik und Numerologie untersucht.

Fuxi und die Erfindung der Schrift

Eine eigene mythische Tradition schreibt Fuxi die Erfindung der Knotenschrift (jie sheng) zu, einer prä-graphischen Notationstechnik, in der Knoten in Schnüren zur Aufzeichnung von Daten dienten. Der Yijing-Großkommentar (Xici zhuan) erwähnt diese Knotenschrift und attestiert, dass Fuxi sie schuf, bevor seine Nachfolger sie durch Strichzeichen ersetzten.

Diese Tradition steht in Spannung zur konkurrierenden Zuschreibung der Schrifterfindung an Cangjie, den Geheimschreiber des Gelben Kaisers (Huang Di). Die beiden Traditionen sind historisch komplementär: Fuxi steht für die proto-symbolische Notation, Cangjie für die graphische Vollendung.

Mark Edward Lewis («Writing and Authority in Early China», Albany 1999) hat die Schrifterfindungsmythen als Symbolisierungen unterschiedlicher Phasen früher chinesischer Bürokratisierung interpretiert.

Fuxi und die zwölf Sternzeichen

Die spätere astronomische Tradition schreibt Fuxi die Einführung des zwölfteiligen Tierkreises (shengxiao) zu. Diese Zuschreibung ist nicht in den ältesten Texten belegt und gehört zur populären Mythenverdichtung, die ihm immer mehr zivilisatorische Leistungen zurechnete.

Die zwölf Tiere (Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein) sind seit der Han-Zeit literarisch belegt und werden in den astrologischen Kalendern bis heute verwendet.

Wolfgang Behr und Hans van Ess haben die Etymologie und kulturelle Geschichte des Shengxiao-Systems erforscht. Der Ursprung dürfte in zentralasiatischen Steppen-Traditionen liegen und über die Eurasische Achse nach China gewandert sein. Die Zuschreibung an Fuxi ist eine sekundäre kulturelle Verbindung, die die Universalität seines Kulturstifter-Wirkens unterstreichen soll.

Die Tianshui-Grabkammern als archäologischer Beleg

Das mythische Geburtsgebiet Fuxis wird mit Tianshui in Gansu identifiziert. Hier befindet sich der berühmte Maijishan-Tempelkomplex (Berg des Weizenstapels) und der Fuxi-Tempel, der bis ins 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückgeht.

Archäologische Funde aus der Region, vor allem aus der Dadiwan-Kultur (etwa 5800 bis 5400 vor unserer Zeitrechnung), zeigen Bemühungen um Anbindung mythischer Genese an konkrete vorgeschichtliche Stätten.

Die staatlichen Fuxi-Riten in Tianshui sind 2006 in das chinesische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Die jährlichen Opferfeiern in Tianshui, die jeweils am 13. Tag des ersten Mondmonats stattfinden, ziehen Hunderttausende Gläubige und Touristen an. Die kulturpolitische Aufwertung des Fuxi-Kults seit den 1990er Jahren ist Teil einer breiteren Wiederentdeckung der vor-konfuzianischen Mythologie als nationaler Identitätsressource und wurde von John Lagerwey und Vincent Goossaert in mehreren Studien dokumentiert.

Häufig gestellte Fragen

Hat Fuxi historisch existiert? Nein, Fuxi ist eine mythische Gestalt. Er repräsentiert in der chinesischen Kulturgeschichte den Übergang von der vorhistorischen Wildheit zur menschlichen Zivilisation. Eine historische Person hinter der Figur ist nicht nachweisbar.

Was sind die Acht Trigramme? Ein Systen aus acht Kombinationen von ungebrochenen und gebrochenen Linien, das die Grundlage des Yijing («Buch der Wandlungen») bildet. Sie repräsentieren acht fundamentale kosmische Kräfte oder Aspekte der Welt.

Was sind die «Drei Erhabenen»? Eine Trias mythischer Kulturheroen, die im klassischen Sequenz Fuxi, Shennong, Huangdi umfasst. In einer alternativen Sequenz erscheinen Fuxi, Nü Wa und Shennong als das Trio.

Wo wird Fuxi heute verehrt? Das Hauptheiligtum ist das Taihao-Fuxi-Mausoleum in Huaiyang (Henan). Daneben gibt es kleinere Tempel in vielen chinesischen Städten, vor allem in solchen, in denen Yijing-Wahrsage-Traditionen lebendig sind.