Atar, das ewige Feuer der Feuertempel
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Atar ist ein Gott der persischen Tradition.
Das heilige Feuer, sichtbare Gegenwart Ahura Mazdas.
Atar ist das heilige Feuer und dessen Yazata, das verehrungswürdige Wesen, im Zoroastrismus. Als Sohn Ahura Mazdas verkörpert es Reinheit und Wahrheit und ist das zentrale Kultelement der ewigen Feuer in den Feuertempeln.
Der Zoroastrismus ist eine bis heute gelebte Religion: In Iran, besonders in Yazd und Kerman, und bei den Parsen in Indien brennen die heiligen Feuer weiter, gehütet von einer ununterbrochenen Priestertradition.
Typ: Das heilige Feuer selbst sowie dessen Yazata
Herkunft: Zoroastrismus, indo-iranischer Feuerkult
Texte: Avesta von den Gathas bis zur Pahlavi-Literatur
Zeitraum: ältestes gathisches Avestisch bis zur lebendigen Praxis der Gegenwart
Erscheinung: das reine Flammenfeuer der Feuertempel
Textgeschichte
Zeitraum der Texte
Vom ältesten gathischen Avestisch bis zur Pahlavi-Literatur bezeugt; die Praxis der Feuertempel lebt bis heute fort.
Verbreitungsraum
Iran, besonders Yazd und Kerman, sowie Indien bei den Parsen, wo acht der höchsten Feuer brennen.
Quellenlage
Gut belegt: die Avesta selbst und die gelebte Tradition, erschlossen durch die Standardwerke von Boyce und Rose.
Name und Varianten
Avestisch: ātar bedeutet Feuer, mittelpersisch Ādur oder Ādar, neupersisch Āzar; das Wort ist mit dem vedischen Feuer-Begriff urverwandt. In der Avesta wird Atar Sohn des Ahura Mazda genannt.
Beschreibung
Erscheinung
Das reine Flammenfeuer ist die sichtbare Präsenz Ahura Mazdas und seines asha, der Wahrheit und Ordnung. Atar ist eng mit Asha Vahishta, der besten Rechtschaffenheit, verbunden und wird oft gemeinsam mit ihr genannt.
Wirkung
Atar verkörpert Wahrheit, Ordnung und Reinheit; das Feuer hilft, das Böse auszubrennen. Es ist das zentrale Element der Zeremonien und der Mittelpunkt der Feuertempel.
Steckbrief: Atar
Die wichtigsten Aspekte des heiligen Feuers auf einen Blick.
Zoroastrismus: In den ältesten Gathas noch weitgehend abstrakt, wird Atar in jüngeren Texten als Yazata von Hitze und Licht personifiziert.
Reinheit, Wahrheit und Ordnung; das Feuer ist die sichtbare Gegenwart Ahura Mazdas in der Welt.
Kein Bild, sondern das reine Flammenfeuer selbst, gehütet in den Feuertempeln, den Atashkadeh.
Zentrales Element aller Zeremonien; das Feuer hilft, das Böse auszubrennen, und verbindet die Gemeinschaft mit dem Göttlichen.
Ewige Feuer der Feuertempel; die höchste Kategorie ist das Atash Behram, das siegreiche Feuer, gehütet vom Feuerpriester.
Vom abstrakten Medium zum Yazata des Feuers
In den ältesten Gathas ist er noch weitgehend abstrakt, ein Medium des Schöpfers; erst in jüngeren Texten wird er als Yazata, als Gottheit von Hitze und Licht, personifiziert. Diese Entwicklung spiegelt den Kern des zoroastrischen Feuerverständnisses: Das Feuer ist zuerst Zeichen und Mittel der Wahrheit, ehe es als eigenes verehrungswürdiges Wesen gefasst wird.
Lebendige Religion und Einordnung
Der Zoroastrismus ist eine lebendige Religion: Das Atash Behram von Yazd ist das einzige der höchsten Feuer in Iran, dazu bestehen acht weitere Atash Behrams in Indien bei den Parsen. Aktive Feuertempel und eine ununterbrochene Priestertradition halten den Kult lebendig.
Religionswissenschaftlich ist Atar der Prototyp des Feuerkults als Reinheits- und Wahrheitssymbol. Wichtig ist die Klarstellung, dass Zoroastrier keine Feueranbeter sind: Das Feuer ist Medium und sichtbares Zeichen des Göttlichen, nicht selbst der höchste Gott.
Das ewige Feuer und seine Pflege
Quellenfest sind die ewigen Feuer in den Feuertempeln, den Atashkadeh. Die höchste Feuerkategorie ist das Atash Behram, das siegreiche Feuer; das Feuer im Atash Behram von Yazd brennt nach Überlieferung seit rund 470 nach Christus ununterbrochen. Der Feuerpriester hält das Feuer in Gang und darf es nicht erlöschen lassen. Zur Reinheit tragen die Priester beim Bedienen des Feuers ein weißes Mund- und Nasentuch, den padan, damit Atem und Speichel das Feuer nicht verunreinigen; nur Zoroastrier dürfen in den Sanktumsbereich.
Agni, Girra, Nusku: der Feuerkult im Vergleich
Atar entspricht dem vedischen Agni als direktem indo-iranischem Verwandten mit gemeinsamem Ursprung des Feuerkults, dem Feuer als Reinheit und Opfermittler. Daneben stehen die mesopotamischen Feuer- und Reinheitsgötter Girra und Nusku, bei denen das Feuer ebenfalls reinigt und vermittelt, ohne dass eine genetische Verwandtschaft zum iranischen Kult bestünde.
Häufige Fragen zu Atar
Beten Zoroastrier das Feuer an?
Nein. Das Feuer ist Symbol und Medium der Reinheit und Wahrheit und die sichtbare Gegenwart Ahura Mazdas, nicht selbst der höchste Gott.
Warum tragen Priester ein Mundtuch?
Der padan verhindert, dass Atem und Speichel das reine Feuer verunreinigen. Er gehört zur strengen Reinheitspflege des Kultes.
Wie alt sind die ewigen Feuer?
Das Feuer im Atash Behram von Yazd brennt nach Überlieferung seit etwa 470 nach Christus ununterbrochen.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Agni – der vedische Verwandte des iranischen Feuerkults
- Girra, Nusku – mesopotamische Feuer- und Reinheitsgötter
- Schutzkerze, Räuchern, Amulett – Zeichen von Reinheit und Verehrung
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Yazata des Feuers zeigt Atar, wie heiliges Feuer Zoroastrismus und gelebten Alltag bis heute verbindet: Die ewigen Flammen der Feuertempel sind kein Gegenstand der Anbetung, sondern das sichtbare Zeichen von Reinheit, Wahrheit und der Gegenwart Ahura Mazdas.





