Anitun Tabu ist Göttin der philippinischen Tradition.
Launische Herrin über Wind und Regen, mit Erntedank besänftigt.
Anitun Tabu ist eine philippinische Göttin des Windes und Regens. Sie gilt als launisch und kann Stürme senden, ist aber besänftigungsbedürftig, nicht dämonisch.
Wichtig zur Einordnung: Frühkolonial belegt ist die Zambales-Form Aniton Tauo, das Anito des Windes und Regens, bezeugt bei Domingo Perez 1680. Die Tagalog-Form mit Stammbaum ist dagegen eine moderne Kompilation.
Typ: Launische Wind- und Regengöttin
Herkunft: Zambales und Tagalog-Raum, Philippinen
Texte: Perez, Relation of the Zambals 1680; moderne Kompilationen
Zeitraum: Zambales-Form frühkolonial, Tagalog-Stammbaum modern
Erscheinung: keine frühkoloniale Ikonografie
Die Zambales-Form ist frühkolonial bei Perez 1680 bezeugt; die Tagalog-Form mit Stammbaum ist dagegen eine moderne Kompilation.
Zambales und der Tagalog-Raum auf den Philippinen; das gesicherte Zentrum liegt im Pantheon um den Berg Pinatubo.
Geteilte Quellenlage: Die Zambales-Form Aniton Tauo ist belegt, der Tagalog-Stammbaum als Tochter von Idianale und Dumangan ist modern.
Philippinisch: Die Wurzel anito bedeutet Ahnen- oder Naturgeist; der zweite Teil ist unsicher. Die Zambales-Form Aniton Tauo legt tawo, Mensch, nahe; die Tagalog-Form Tabu ist wohl eine sekundäre Verschleifung. Die Varianten Tabu, Tabo und Tauo bezeichnen dieselbe Figur.
Erscheinung
Eine frühkoloniale Ikonografie fehlt; moderne Künstlerdarstellungen sind rezent. Überliefert ist die Rolle, nicht das Bild: die Herrin über Wind und Regen.
Wirkung
Anitun Tabu beziehungsweise Aniton Tauo herrscht über Wind und Regen und gilt als launisch. Im schwach belegten Tagalog-Volksglauben wird ihr der Nieselregen Ambon zugeschrieben; ein Regen bei einer Hochzeit galt als Glück.
Die wichtigsten Aspekte der Wettergöttin auf einen Blick.
Frühkolonial bezeugte Wettergestalt der Zambales im Pantheon um den Hauptgott Malayari am Berg Pinatubo.
Wind und Regen über den Feldern; Adressaten waren Bauern, die ihr beim Erntedank das beste geröstete Reiskorn darbrachten.
Keine frühkoloniale Ikonografie; alle Bilder der Göttin sind moderne Künstlerdarstellungen der Mythologie-Renaissance.
Herrin über Wind und Regen, launisch und sturmfähig; im Tagalog-Volksglauben mit dem Nieselregen Ambon verbunden.
Für die Zambales-Form ist ein Erntedank belegt: das beste Pinipig im Ritual Mamiarag, so Perez 1680; für die Tagalog-Form fehlen eigene Riten.
Frühkolonial belegt ist Aniton Tauo, das Anito des Windes und Regens, bei Domingo Perez 1680, im Pantheon um den Hauptgott Malayari am Berg Pinatubo. Dazu gehört das Motiv, dass sie wegen Überheblichkeit im Rang herabgesetzt wurde: Der Hauptgott stufte die hochmütige Wettergestalt herab.
Die Tagalog-Form Anitun Tabu mit Stammbaum als Tochter von Idianale und Dumangan taucht bei Plasencia 1589 nicht auf und ist moderne Kompilation. Wer die Göttin historisch fassen will, muss also nach Zambales blicken, nicht in die populären Tagalog-Stammbäume.
Anitun Tabu ist eine der populärsten Göttinnen der heutigen philippinischen Mythologie-Renaissance.
Religionswissenschaftlich ist sie eine launische Wettergöttin, die Stürme senden kann, aber besänftigungsbedürftig und nicht aktiv-dämonisch ist. Wichtige Klarstellungen: Primärquellenbelegt ist die Zambales-Form Aniton Tauo bei Perez 1680, nicht die alten Tagalogen; der Familienstammbaum ist moderne Konstruktion; und die Namensvarianten Tabu, Tabo und Tauo bezeichnen dieselbe Figur.
Für die Zambales-Form ist ein Erntedank belegt: das beste Pinipig, geröstetes junges Reiskorn, dargebracht im Ritual Mamiarag, so Perez 1680. Die launische Herrin über Wind und Regen wurde also nicht abgewehrt, sondern mit den besten Gaben der Ernte besänftigt. Für die Tagalog-Form sind dagegen keine eigenständig belegten Riten überliefert.
Innerhalb der Philippinen ist es dieselbe Figur wie die Sambal-Aniton-Tauo. Das Muster, dass Hochmut zur Herabstufung führt, ist verbreitet und findet sich auch bei anderen Wettergottheiten. Unter den Windgestalten der Inseln stehen ihr der Ilocano-Windherr Apo Angin und der Südwestmonsun Habagat zur Seite; aus der weiteren philippinischen Geisterwelt ist die Bergherrin Maria Makiling zu nennen.
Wer ist Anitun Tabu?
Eine philippinische Wind- und Regengöttin; frühkolonial belegt als Zambales-Aniton-Tauo.
Ist der Familienstammbaum alt?
Nein. Die Tagalog-Form mit Stammbaum ist moderne Kompilation; belegt ist die Zambales-Form.
Warum wurde sie herabgesetzt?
Wegen Überheblichkeit setzte der Hauptgott Malayari sie im Rang herab.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als philippinische Wind- und Regengöttin steht Anitun Tabu heute im Zentrum der Mythologie-Renaissance; historisch fassbar bleibt sie als Aniton Tauo der Zambales, die für ihren Hochmut im Rang herabgesetzt und mit Erntedank besänftigt wurde.
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