Nazar Battu bezeichnet im indischen Raum verschiedene Mittel gegen den bösen Blick. Bekannt ist besonders eine abschreckende Fratze, häufig schwarz, die an Häusern und Fahrzeugen angebracht wird, um schädliche Blicke fernzuhalten.
Nazar Battu ist ein Begriff aus dem indischen Raum, der mit dem Hinduismus und mit der weiteren Volkskultur des Subkontinents verbunden ist. Er bezeichnet Mittel gegen den bösen Blick.
Das Wort Nazar bedeutet Blick und steht im indischen Sprachgebrauch oft für den bösen, schädlichen Blick. Battu verweist auf das Abwenden und das Unwirksammachen. Nazar Battu bezeichnet damit das, was den bösen Blick abwehrt.
Unter diesem Begriff werden verschiedene Schutzbräuche zusammengefasst. Bekannt ist besonders eine abschreckende Fratze, ein verzerrtes Gesicht, das häufig in schwarzer Farbe gestaltet und an sichtbarer Stelle angebracht wird.
Solche Abwehrfratzen finden sich an Hauswänden, an Neubauten, an Fahrzeugen und an anderen Orten, die als gefährdet galten. Sie sollen den Blick des Betrachters auf sich ziehen und vom Geschützten ablenken.
In der Religionswissenschaft und in der Volkskunde ist Nazar Battu ein gutes Beispiel für ein abschreckendes Schutzmittel, das nach dem Grundgedanken des Ablenkens und des Erschreckens wirkt.
Diese Seite stellt Nazar Battu unter dem Gesichtspunkt des Schutzes dar. Sie beschreibt die Abwehrfratze, ihre Verwendung, das Wirkprinzip und ihre Stellung im indischen Glauben an den bösen Blick.
Um Nazar Battu zu verstehen, muss man den indischen Glauben an den bösen Blick kennen. Dieser Glaube ist auf dem Subkontinent weit verbreitet und reicht durch viele Bevölkerungsgruppen.
Der böse Blick wird im indischen Raum oft schlicht als Nazar bezeichnet. Nach dieser Vorstellung kann der Blick eines Menschen Schaden verursachen, ohne dass dies stets gewollt sein muss.
Häufig wird der böse Blick mit dem Neid verbunden. Wer einen anderen oder dessen Besitz mit Missgunst betrachtet, kann ihm schaden. Doch auch reine Bewunderung galt als gefährlich.
Besonders gefährdet galten Kinder, Neugeborene, Schwangere, Bräute, neu errichtete Häuser und blühende Geschäfte. Überall dort, wo etwas schön, neu oder erfolgreich war, drohte der Nazar.
Der Glaube an den bösen Blick ist nicht auf den indischen Raum beschränkt. Er findet sich im gesamten Mittelmeerraum und in weiten Teilen Asiens und ist auf der Seite zum bösen Blick dargestellt.
Nazar Battu ist die indische Antwort auf diese verbreitete Furcht. Es ist der Sammelbegriff für die Mittel, mit denen man den schädlichen Blick abzuwehren suchte.
Die bekannteste Form des Nazar Battu ist die Abwehrfratze. Es handelt sich um ein bewusst hässliches, verzerrtes Gesicht, das an sichtbarer Stelle angebracht wird.
Die Fratze ist häufig schwarz. Sie zeigt grobe Züge, weit aufgerissene Augen, ein verzerrtes Maul und einen abschreckenden Ausdruck. Sie ist absichtlich unschön gestaltet.
Solche Fratzen werden auf verschiedene Weise hergestellt. Sie können auf einen Topf oder eine Maske gemalt, aus Material geformt oder als fertiges Schutzobjekt gekauft werden.
Angebracht werden sie an gut sichtbaren Stellen. An Neubauten hängt häufig ein schwarz bemalter Topf mit einer Fratze. An Häusern, an Gerüsten und an Fahrzeugen findet sich das verzerrte Gesicht.
Die Fratze ist so gestaltet, dass sie ins Auge fällt. Sie soll der erste Punkt sein, auf den der Blick eines Betrachters trifft. Damit erfüllt sie ihre Aufgabe, den Blick auf sich zu ziehen.
Die Abwehrfratze ist damit ein abschreckendes Schutzmittel. Sie gehört zu einem Zeichentyp, der in vielen Kulturen begegnet, der bewusst hässlichen oder erschreckenden Darstellung zur Abwehr des Unheils.
Die Abwehrfratze des Nazar Battu folgt einem klaren Wirkprinzip. Sie schützt durch das Ablenken und das Erschrecken.
Der erste Gedanke ist die Ablenkung. Der böse Blick richtet sich nach der Vorstellung auf das, was zuerst die Aufmerksamkeit fängt. Eine auffällige Fratze zieht diesen Blick auf sich.
Dadurch wird das eigentlich Geschützte entlastet. Das schöne Kind, das neue Haus oder das blühende Geschäft bleiben vom Blick verschont, weil dieser an der Fratze hängen bleibt.
Der zweite Gedanke ist das Erschrecken. Die Fratze ist abschreckend gestaltet. Sie soll den schädlichen Blick und die hinter ihm stehende Macht zurückschrecken und vertreiben.
Ein dritter Gedanke betrifft die Hässlichkeit selbst. Eine bewusst hässliche Darstellung weckt keinen Neid. Sie lenkt damit gerade jenen missgünstigen Blick ab, der als besonders gefährlich galt.
Nazar Battu wirkt damit anders als ein Augenamulett, das den Blick auffängt, oder ein heiliges Zeichen, das durch Segen schützt. Es wirkt durch das Ablenken, das Erschrecken und das bewusste Vermeiden von Schönheit.
Nazar Battu ist ein Sammelbegriff. Neben der bekannten Abwehrfratze gehören weitere Schutzbräuche und Schutzmittel dazu.
Verbreitet ist die Verwendung der Zitrone und der Chilischoten. Mehrere Chilischoten und eine Zitrone werden auf einen Faden gezogen und an Türen, an Geschäften und an Fahrzeugen aufgehängt, um den bösen Blick abzuwehren.
Ein weiteres Mittel ist ein schwarzer Punkt, ein Tupfen aus dunkler Farbe oder Ruß. Er wird besonders Kindern auf die Wange oder hinter das Ohr gesetzt, damit der Blick auf den kleinen Makel fällt.
Auch in der Kleidung und im Schmuck finden sich Schutzelemente. Schwarze Fäden, Perlen und kleine Amulette werden Kindern angelegt, um sie vor dem Nazar zu bewahren.
Diese verschiedenen Mittel teilen einen Grundgedanken. Sie alle setzen einen kleinen Makel, etwas Dunkles oder etwas Unauffälliges gegen das Schöne, damit der Blick nicht auf das Schöne selbst fällt.
Nazar Battu umfasst damit eine ganze Reihe von Bräuchen. Die Abwehrfratze ist die auffälligste, doch der schwarze Punkt, die Zitrone mit den Chilischoten und die schützenden Fäden gehören ebenso dazu.
Es ist wichtig, Nazar Battu von einem anderen, ähnlich klingenden Schutzmittel zu unterscheiden, dem blauen Augenamulett des Mittelmeerraums.
Das blaue Glasamulett ist als Nazar Boncuğu bekannt und auf der Seite zum Nazar Boncuğu dargestellt. Es stammt aus dem türkischen und dem östlichen Mittelmeerraum.
Beide Mittel tragen das Wort Nazar im Namen, da beide den bösen Blick betreffen. In ihrer Gestalt und ihrem Wirkprinzip unterscheiden sie sich jedoch deutlich.
Das Nazar Boncuğu ist ein blaues, augenförmiges Glasamulett. Es wirkt, indem es den bösen Blick spiegelt und auffängt. Es stellt dem schädlichen Auge ein schützendes Auge entgegen.
Nazar Battu dagegen, in der Form der Abwehrfratze, ist bewusst hässlich. Es wirkt nicht durch ein spiegelndes Auge, sondern durch das Ablenken und das Erschrecken.
Nazar Battu und Nazar Boncuğu sind damit zwei verschiedene Antworten auf dieselbe Furcht. Das eine fängt den Blick mit einem schönen blauen Auge, das andere lenkt ihn mit einer hässlichen Fratze ab.
Nazar Battu wird vor allem dort eingesetzt, wo Menschen sich besonders gefährdet fühlten. Drei Bereiche stehen im Vordergrund, das Haus, das Kind und das Geschäft.
Beim Haus gilt der Schutz vor allem dem Neubau. Ein neu errichtetes Haus war stolz und sichtbar und konnte Neid wecken. Die schwarze Fratze am Neubau sollte diesen Neid ablenken.
Beim Kind gilt der Schutz dem Neugeborenen und dem kleinen Kind. Ein gesundes, schönes Kind galt als besonders gefährdet. Der schwarze Punkt und die schützenden Fäden sollten es bewahren.
Beim Geschäft gilt der Schutz dem Erfolg. Ein gut gehendes Geschäft konnte Missgunst auf sich ziehen. Die Zitrone mit den Chilischoten am Eingang sollte den bösen Blick der Kunden und Vorübergehenden abwehren.
In allen drei Bereichen liegt derselbe Gedanke zugrunde. Was schön, neu oder erfolgreich ist, ist gefährdet. Nazar Battu setzt diesem Schönen ein ablenkendes, hässliches oder dunkles Zeichen zur Seite.
Nazar Battu ist damit fest in den indischen Alltag eingebunden. Es begleitet die Wendepunkte des Lebens und des Erwerbs, die Geburt, den Hausbau und den geschäftlichen Erfolg.
Nazar Battu ist tief in der Volkskultur des indischen Subkontinents verankert. Es ist kein Brauch einer einzelnen Gruppe, sondern reicht durch viele Gemeinschaften und Religionen.
Der Glaube an den bösen Blick und seine Abwehr findet sich bei Hindus ebenso wie bei Angehörigen anderer Religionen des Subkontinents. Nazar Battu ist damit ein verbindender volkskultureller Brauch.
Die Mittel des Nazar Battu sind im Alltag allgegenwärtig. Die Zitrone mit den Chilischoten an den Geschäften, die schwarze Fratze an den Neubauten und der schwarze Punkt im Gesicht der Kinder gehören zum vertrauten Bild.
Diese breite Verankerung zeigt, wie ernst die Furcht vor dem bösen Blick genommen wurde. Sie war keine Sache weniger, sondern ein verbreiteter Teil der Lebenswelt.
Zugleich sind die Bräuche einfach und kostengünstig. Eine Zitrone, einige Chilischoten und ein Faden sind leicht zu beschaffen. Das machte den Schutz für alle erreichbar.
Nazar Battu ist damit ein lebendiges Beispiel für volkskulturellen Schutz. Es zeigt, wie eine verbreitete Furcht mit einfachen, jedem zugänglichen Mitteln beantwortet wurde.
Nazar Battu ist im indischen Raum bis heute außerordentlich gegenwärtig. Die Bräuche der Abwehr des bösen Blicks gehören zum alltäglichen Leben.
Die Zitrone mit den Chilischoten ist an unzähligen Geschäften und Fahrzeugen zu sehen. Die schwarze Abwehrfratze findet sich an Neubauten. Der schwarze Punkt im Gesicht der Kinder ist verbreitet.
In Städten und auf dem Land werden diese Bräuche gleichermaßen gepflegt. Auch Menschen, die sich als modern und aufgeklärt verstehen, behalten sie häufig bei, sei es aus Überzeugung oder aus Achtung vor der Überlieferung.
Das Wort Nazar ist über den Subkontinent hinaus bekannt geworden. In den indischen Gemeinschaften weltweit werden die Bräuche des Nazar Battu weitergetragen.
Für die Volkskunde und die Religionswissenschaft bleibt Nazar Battu ein aufschlussreicher Gegenstand. Es zeigt, wie das Abwehrprinzip der hässlichen Darstellung in einer großen Kultur lebendig geblieben ist.
Nazar Battu ist damit ein eindrückliches Beispiel für ein abschreckendes Schutzmittel. In ihm verbinden sich der weit verbreitete Glaube an den bösen Blick, das Wirkprinzip des Ablenkens und einfache, jedem zugängliche Bräuche des Alltags.
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