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Mano cornuta – die gehörnte Handgeste als Schutzzeichen

Die Mano cornuta ist eine Handgeste, bei der Zeigefinger und kleiner Finger ausgestreckt werden. Die Hand wird damit zu einem Hornzeichen. Als Geste und als Amulett dient sie im italienischen Raum der Abwehr des bösen Blicks.

SchutzsymbolMittelmeerraumSchutzgeste
Mano Cornuta - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Die Mano cornuta ist eine Schutzgeste aus dem italienischen Raum. Der Name bedeutet gehörnte Hand und beschreibt unmittelbar, was die Geste darstellt. Sie gehört zu den verbreiteten Schutzsymbolen des Mittelmeerraums.

Bei der Geste werden Zeigefinger und kleiner Finger einer Hand ausgestreckt, während Mittel- und Ringfinger vom Daumen festgehalten werden. Die beiden ausgestreckten Finger bilden zwei Spitzen, die an Hörner erinnern.

Die Mano cornuta tritt in zwei Formen auf. Sie ist eine Geste, die mit der lebenden Hand gemacht wird, und sie ist ein Amulett, das die gehörnte Hand in Metall, Koralle oder einem anderen Werkstoff nachbildet.

Ihre Aufgabe ist die Abwehr des bösen Blicks. Als Schutzgeste wird die Mano cornuta in einem Augenblick der Gefahr gemacht, als Amulett begleitet sie ihren Träger dauerhaft.

In der Religionswissenschaft und in der Volkskunde ist die Mano cornuta ein gut untersuchtes Beispiel für eine Schutzgeste, die zugleich zu einem festen Amulett geworden ist. Geste und Gegenstand wirken nach demselben Grundgedanken.

Diese Seite stellt die Mano cornuta unter dem Gesichtspunkt des Schutzes dar. Sie beschreibt die Geste, das Amulett, ihre Stellung gegen den bösen Blick sowie ihr Verhältnis zu verwandten Hand- und Hornzeichen.

Die Geste und ihre Gestalt

Die Mano cornuta ist zunächst eine Handgeste. Sie lässt sich mit jeder Hand ohne Hilfsmittel ausführen, was sie jederzeit verfügbar macht.

Bei der Geste werden Zeigefinger und kleiner Finger gerade ausgestreckt. Mittel- und Ringfinger werden in die Handfläche gelegt, der Daumen hält sie fest. So entstehen aus der Hand zwei aufragende Spitzen.

Diese beiden Spitzen sind die Hörner, denen die Geste ihren Namen verdankt. Die Hand bildet ein kleines, gehörntes Zeichen, das deutlich und von weitem erkennbar ist.

Die Richtung der Geste ist von Bedeutung. Zur Abwehr wird die gehörnte Hand häufig mit den Spitzen nach unten oder gegen die vermutete Quelle der Gefahr gehalten. Damit zeigt das Zeichen auf das Unheil.

Als Amulett wird genau diese Handhaltung nachgebildet. Eine kleine geformte Hand mit zwei ausgestreckten Fingern wird aus Metall, Koralle, Bein oder einem anderen Werkstoff gefertigt und als Anhänger getragen.

Die Gestalt der Mano cornuta ist damit klar bestimmt. Ob als lebende Geste oder als geformtes Amulett, stets ist das Erkennungsmerkmal die Hand mit zwei hornartig ausgestreckten Fingern.

Geste und Amulett

Die Mano cornuta lebt in zwei eng verbundenen Formen, als flüchtige Geste und als bleibendes Amulett. Beide Formen gehören zusammen und ergänzen einander.

Als Geste ist die Mano cornuta ein Mittel des Augenblicks. Sie wird gemacht, wenn eine Gefahr wahrgenommen wird, etwa beim Zusammentreffen mit einem als unheilbringend geltenden Menschen oder bei einer bedrohlichen Begegnung.

In dieser Form ist die Geste eine unmittelbare Antwort. Sie steht jederzeit zur Verfügung, kostet nichts und kann von jedem ausgeführt werden, der die Geste kennt.

Als Amulett ist die Mano cornuta dagegen ein dauerhaftes Schutzmittel. Die geformte gehörnte Hand begleitet ihren Träger ohne Unterbrechung, ohne dass er selbst tätig werden muss.

Beide Formen beruhen auf demselben Zeichen und demselben Wirkprinzip. Ob die Hand die Geste macht oder ob ein Amulett die Geste festhält, in beiden Fällen ist die gehörnte Hand das schützende Bild.

Die Mano cornuta ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie eine Geste zu einem Gegenstand werden kann. Aus der flüchtigen Handbewegung wurde ein dauerhaftes Amulett, das die Geste sichtbar bewahrt.

Das Hornmotiv

Die Mano cornuta beruht auf dem Hornmotiv. Die ausgestreckten Finger bilden zwei Hörner, und dieses Motiv ist im Mittelmeerraum alt und vielschichtig.

Das Horn galt seit langer Zeit als Zeichen der Kraft und der Fruchtbarkeit. Es war das Sinnbild der Stärke des Tieres, dem es entstammte, und wurde mit einer wehrhaften Lebenskraft verbunden.

Aus dieser Verbindung erklärt sich der abwehrende Sinn des Hornmotivs. Eine hornartige Form, ob aus Tierhorn, aus geformtem Metall oder aus der Hand gebildet, galt als kraftvoll und als geeignet, Unheil abzuwehren.

Die Mano cornuta steht damit in einer Reihe mit dem hornförmigen Amulett, dem Cornicello. Auf der Seite zum Cornicello ist das Hornmotiv und seine Herkunft ausführlicher dargestellt.

Während das Cornicello ein einzelnes geformtes Horn ist, bildet die Mano cornuta das Horn mit den Fingern der Hand. Das Motiv ist dasselbe, nur die Darstellung unterscheidet sich.

Die Mano cornuta verbindet damit zwei alte Schutzmotive, das Horn und die Hand. Aus ihrer Verbindung entsteht ein Zeichen, das die Kraft des Hornmotivs mit der Ausdruckskraft der menschlichen Hand vereint.

Abwehr des bösen Blicks

Die Hauptaufgabe der Mano cornuta ist die Abwehr des bösen Blicks. Im italienischen Raum ist dieser als Malocchio bekannt, was wörtlich böses Auge bedeutet.

Die Mano cornuta gilt in Italien als Abwehrzeichen gegen den bösen Blick, also gegen die Vorstellung, dass ein neidischer Blick Unheil bringt. Die Hörnergeste wurde im Alltag spontan ausgeführt, sobald jemand einen solchen Blick befürchtete, und zugleich als kleines Amulett aus Koralle oder Silber getragen. Die Hintergründe dieses Glaubens erläutert die Seite zum bösen Blick.

Die Mano cornuta tritt diesem Glauben als Abwehrmittel entgegen. Wer die Geste macht oder das Amulett trägt, ist nach der Überlieferung gegen den Malocchio geschützt.

Die Geste wird besonders in einem Augenblick der Gefahr eingesetzt. Begegnet jemand einer Person, der ein unheilvoller Blick zugeschrieben wird, so macht er unauffällig die gehörnte Hand zur Abwehr.

Das Amulett bietet dagegen einen dauerhaften Schutz. Es begleitet seinen Träger ständig und wehrt den bösen Blick ab, ohne dass dieser die Geste eigens machen muss.

Die Mano cornuta ist damit fest in den Glauben an den bösen Blick eingebettet. Sie gibt einer verbreiteten Furcht ein einfaches, jederzeit verfügbares Abwehrzeichen, das jeder kennt und ausführen kann.

Das Wirkprinzip der gehörnten Hand

Die Mano cornuta folgt einem eigenen Wirkprinzip. Sie fängt den bösen Blick nicht wie ein Augenamulett auf, sondern wehrt ihn durch ihre spitze, hornartige Form ab.

Die beiden ausgestreckten Finger bilden zwei Spitzen. Eine Spitze gilt nach volkskundlicher Vorstellung als abwehrend. Sie zieht den schädlichen Blick auf sich und lenkt ihn vom Geschützten fort.

Hinzu kommt die Kraft des Hornmotivs. Die gehörnte Hand trägt die alte Vorstellung von der Stärke und der Wehrhaftigkeit des Horns in sich und stellt diese Kraft dem Schutz zur Verfügung.

Wesentlich ist auch die Hand selbst. Die menschliche Hand ist ein altes und kraftvolles Schutzzeichen. Sie steht für Handeln, für Abwehr und für Segen, wie es bei der Hamsa ausführlich dargestellt ist.

Die Mano cornuta verbindet damit zwei Wirkprinzipien. Sie wehrt durch die abwehrende Spitze ab und sie schützt durch die Kraft, die der Hand und dem Horn zugeschrieben wird.

Sie ist damit weder ein Schreckbild noch ein Spiegel, sondern ein Zeichen, das durch die kraftvolle Verbindung von Hand und Horn wirkt. In dieser Verbindung liegt ihre Eigenart unter den Abwehrmitteln des Mittelmeerraums.

Mano cornuta und verwandte Zeichen

Die Mano cornuta gehört zu einer Familie von Hand- und Hornzeichen, die im Mittelmeerraum der Abwehr des bösen Blicks dienen. Sie steht in dieser Familie nicht allein.

Eng verwandt ist das hornförmige Amulett, das Cornicello. Beide beruhen auf dem Hornmotiv. Das Cornicello bildet ein einzelnes Horn nach, die Mano cornuta formt das Horn mit den Fingern.

Ebenso verwandt ist die Feigenhand, die Mano fico, eine Faust mit durchgestecktem Daumen. Auch sie ist eine Handgeste und ein Amulett zur Abwehr des Malocchio. Mano cornuta und Mano fico bilden ein Paar von Handgesten.

Über Italien hinaus lässt sich die Mano cornuta mit der Hamsa vergleichen, dem Handamulett des Mittelmeerraums. Auch die Hamsa ist eine Hand, die gegen den bösen Blick gerichtet ist.

Von der Mano cornuta ist eine moderne Handgeste zu unterscheiden, die äußerlich ähnlich aussieht, aber in einem ganz anderen Zusammenhang verwendet wird. Diese moderne Geste hat mit der alten Schutzbedeutung nichts zu tun.

Die Mano cornuta ist damit Teil eines reichen Bestandes an Schutzgesten und Amuletten. Mit Cornicello, Mano fico und Hamsa teilt sie den Zweck, der Abwehr des bösen Blicks, und ergänzt diese Zeichen im Alltag.

Mano cornuta im Brauchtum

Die Mano cornuta war im Brauchtum des italienischen Südens fest verankert. Sie wurde als Geste und als Amulett vielfältig in das tägliche Leben eingebunden.

Als Geste gehörte sie zu den vertrauten Schutzhandlungen. Begegnete jemand einer Person, von der man Unheil befürchtete, oder einer bedrohlichen Lage, so machte er unauffällig die gehörnte Hand.

Häufig wurde die Geste verdeckt ausgeführt, etwa hinter dem Rücken oder in der Tasche. So konnte sich der Ausführende schützen, ohne den anderen offen zu beleidigen.

Als Amulett wurde die Mano cornuta getragen und auch verschenkt. Sie begleitete besonders Menschen, die als gefährdet galten, und wurde wie das Cornicello in Häusern und Fahrzeugen angebracht.

Die Mano cornuta wurde oft gemeinsam mit anderen Schutzmitteln verwendet. Wer ein Cornicello trug, konnte zugleich die Geste der Mano cornuta machen. Die verschiedenen Mittel verstärkten einander.

Die Mano cornuta ist damit nicht nur ein einzelnes Zeichen, sondern Teil eines lebendigen Brauchtums. Gesten und Amulette griffen ineinander und bildeten gemeinsam ein dichtes Netz der Abwehr.

Heutige Rezeption

Die Mano cornuta ist in Italien und besonders im Süden der Halbinsel bis heute gegenwärtig. Als Geste und als Amulett gehört sie zum vertrauten kulturellen Bestand.

Als Amulett wird die geformte gehörnte Hand weiterhin getragen, oft aus Koralle, Silber oder Gold. In Neapel und anderen Städten gehört sie zum Angebot der Schmuck- und Andenkenstände.

Als Geste wird die Mano cornuta im italienischen Raum noch verstanden, auch wenn sie seltener bewusst zur Abwehr eingesetzt wird. Viele Menschen kennen ihre alte Bedeutung.

Eine Schwierigkeit der heutigen Rezeption liegt darin, dass eine äußerlich ähnliche Handgeste in der modernen Musik- und Populärkultur verbreitet ist. Diese moderne Geste ist von der alten Schutzgeste klar zu unterscheiden.

Für die Volkskunde und die Religionswissenschaft bleibt die Mano cornuta ein aufschlussreicher Gegenstand. Sie zeigt, wie eng Geste und Amulett zusammenhängen und wie ein altes Hornmotiv über lange Zeit erkennbar bleibt.

Die Mano cornuta ist damit ein lebendiges Beispiel für eine Schutzgeste des Mittelmeerraums. In ihr verbinden sich das alte Hornmotiv, die Kraft des Handzeichens und der bis heute bekannte Wunsch, den bösen Blick abzuwehren.

Literatur (Auswahl)

  • Alan Dundes (Hrsg.): The Evil Eye. A Casebook (1981)
  • Frederick Thomas Elworthy: The Evil Eye (1895)
  • Andrea De Jorio: La mimica degli antichi investigata nel gestire napoletano (1832)
  • Ernesto De Martino: Sud e magia (1959)
  • Liselotte Hansmann, Lenz Kriss-Rettenbeck: Amulett und Talisman (1966)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Mano cornuta gehörnte Hand Schutzgeste böser Blick Malocchio Hornmotiv Cornicello Mano fico Mittelmeerraum Amulett.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch die Mano cornuta gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.