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Dvorovoi, der launische Herr des Hofraums

Der Dvorovoi ist Geist der slawischen Tradition.

Der launische Hüter von Hof, Stall und Vieh. Als launischer Herr des Hofraums wacht der Dvorovoi über Stall und Vieh.

Inhaltsverzeichnis

Dvorovoi, der Hofgeist der Ostslawen
Dvorovoi

Der Dvorovoi ist der ostslawische Hofgeist, der Wächter von Hof, Stall und Vieh. Er steht dem Domovoi nahe, gilt aber als deutlich launischer und gefährlicher, weil sein Wirkungsbereich nicht die warme Stube, sondern der offene Hofraum ist.

Belegt ist er in der russischen Volkskunde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sein bekanntestes Kennzeichen ist die Abneigung gegen Tiere mit weißem Fell: Neugeborene weiße Kälber und Lämmer holten die Bäuerinnen deshalb ins Haus.

Auf einen Blick: Dvorovoi

Typ: Hofgeist, Hüter von Hof, Stall und Vieh
Herkunft: Ostslawischer Volksglaube
Texte: Russische Volkskunde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, etwa Maksimov und Korinfski
Zeitraum: Belege im 19. Jahrhundert
Erscheinung: kleiner behaarter Alter, gestaltwandelnd

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Der Dvorovoi gehört zum ostslawischen Volksglauben; die Belege stammen aus den volkskundlichen Sammlungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Verbreitungsraum

Russland, Weißrussland und die Ukraine: das bäuerliche Gehöft der Ostslawen mit Hof, Stall und Wirtschaftsgebäuden.

Quellenlage

Gut dokumentiert durch die russische Volkskunde, etwa bei Maksimov und Korinfski, dazu die Überblickswerke von Ivanits und Warner.

Name und Varianten

Russisch: dvorovoi, von dvor, Hof oder Gehöft: der zum Hof Gehörende. Ukrainisch heißt er Dvorovyk. Als schwere Beleidigung galt es übrigens, ihn Domovoi zu nennen; die Überlieferung hält beide Geister auseinander.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Der Dvorovoi erscheint meist wie der Domovoi als kleiner, behaarter alter Mann. Er kann die Gestalt des Hausherrn, eines Hundes oder einer Katze annehmen.

Wirkung

Er hütet Hof und Vieh, ist dabei aber weniger gutartig als der Domovoi. Sein Kernmotiv ist die Abneigung gegen Tiere mit weißem Fell, die er schädigen kann. Mag er ein Tier, pflegt und flicht er ihm Mähne und Schweif; mag er es nicht, reitet er es nachts bis zur Erschöpfung.

Steckbrief: Dvorovoi

Die wichtigsten Aspekte des Hofgeistes auf einen Blick.

Tradition

Ostslawischer Volksglaube: Der Dvorovoi ist am ehesten der Hof-Aspekt des Domovoi, launischer und gefährlicher als der Geist der Stube.

Zuständig für

Hof, Stall und Vieh: den offenen Hofraum des Gehöfts, der außerhalb der schützenden Stube liegt.

Darstellung

Kleiner, behaarter alter Mann; als Gestaltwandler kann er als Hausherr, Hund oder Katze auftreten.

Wirkungsbereich

Viehpflege und Viehschaden: geliebten Tieren flicht er Mähne und Schweif, weiße Tiere und ungeliebte reitet er nachts zuschanden.

Umgang

Ein Kiefern- oder Fichtenzweig im Hof als seine Wohnung, Bier als Gabe, gute Viehhaltung; bei Ärger eine tote Elster am Zaun.

Verwandtes

Der Domovoi als nächster Verwandter, dazu Tomte, Nisse und der litauische Kaukas.

Der zum Hof Gehörende: Name und Überlieferung

Der Name kommt von russisch dvor, Hof oder Gehöft: der zum Hof Gehörende. Der Dvorovoi ist im ostslawischen Volksglauben verwurzelt, ukrainisch als Dvorovyk, und in der russischen Volkskunde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts belegt, etwa bei Maksimov und Korinfski.

Sein Ort im Gefüge der Hausgeister ist klar umrissen: Er ist der Geist des Hofes statt der Stube. Weil sein Revier der offene Hofraum mit Stall und Vieh ist, trägt er die raueren Züge; die Überlieferung schildert ihn als launischen Hüter, dessen Wohlwollen man sich durch Gaben und gute Viehhaltung erhalten muss.

Nachleben und Einordnung

Der Dvorovoi erscheint in moderner slawischer Fantasy und im russischen Neuheidentum, meist als Unterfigur des populäreren Domovoi.

Religionswissenschaftlich ist er ein launischer, teils gefährlicher Hofgeist. Wichtige Klarstellungen: Er ist am ehesten der Hof-Aspekt des Domovoi, nicht dessen exaktes Gegenstück; der schwarze Kater gehört zum Ovinnik, nicht zu ihm; und die verbreitete Schlangen-mit-Hahnenkopf-Gestalt ist schlecht belegt.

Zweig, Bier und tote Elster

Der traditionelle Umgang mit dem Dvorovoi ist ein Tauschverhältnis: Man hängt einen Kiefern- oder Fichtenzweig im Hof auf, der als seine Wohnung gilt, bietet ihm Bier dar und hält das Vieh gut. Bei Ärger galt es als Mittel, eine tote Elster am Zaun aufzuhängen, da der Dvorovoi Elstern verabscheut. Neugeborene weiße Jungtiere holte man vorsorglich ins Haus, um sie seinem Zugriff zu entziehen.

Hof- und Wirtschaftsgeister im Vergleich

Als Hof- und Wirtschaftsgeist ist der Dvorovoi mit dem skandinavischen Tomte und Nisse und dem litauischen Kaukas verwandt. Am nächsten steht ihm der Domovoi, dessen Hof-Aspekt er ist: Er ist eher eine Ausprägung des Domovoi als ein völlig eigenständiges Wesen. Zu den Geistern der Wirtschaftsgebäude wie dem Ovinnik hält die Überlieferung ihn dagegen klar auf Abstand.

Häufige Fragen zum Dvorovoi

Was ist ein Dvorovoi?

Der ostslawische Hofgeist, der Hof, Stall und Vieh hütet. Er ist in der russischen Volkskunde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts belegt.

Wie unterscheidet er sich vom Domovoi?

Er ist der Geist des Hofes statt der Stube und gilt als launischer und gefährlicher. Ihn Domovoi zu nennen galt sogar als schwere Beleidigung.

Warum schadet er weißen Tieren?

Der Volksglaube schreibt ihm eine ausgeprägte Abneigung gegen weißes Fell zu. Bäuerinnen holten neugeborene weiße Kälber und Lämmer deshalb ins Haus.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Ivanits, Linda J.: Russian Folk Belief. Armonk 1989.
  • Warner, Elizabeth: Russian Myths. London 2002.
  • Máchal, Jan: Slavic Mythology. Boston 1918.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als ostslawischer Hofgeist und Viehschützer verkörpert der Dvorovoi die raue Seite des Gehöfts: kein Hausfreund wie der Domovoi, sondern ein launischer Wächter, dessen Wohlwollen täglich neu verdient sein will.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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