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Churinga: das heilige Holz- oder Steinobjekt der Aborigines Australiens

Churinga, in genauerer Schreibung oft Tjurunga, ist ein Begriff aus der Sprache der Arrernte in Zentralaustralien und bezeichnet heilige Objekte aus Holz oder Stein, die mit der Religion mehrerer Gruppen der Aborigines verbunden sind.

Solche Objekte tragen eingravierte Muster und gelten als untrennbar mit den Vorfahren, mit der als Traumzeit bezeichneten Schöpfungsordnung und mit bestimmten Orten und Personen verknüpft.

Churinga sind in hohem Maße geheim und ihr Anblick ist traditionell stark eingeschränkt. Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist daher größte Zurückhaltung geboten. Dieser Text beschreibt nur das, was in der Fachliteratur allgemein dokumentiert ist, und verzichtet auf jede Darstellung geschützter Einzelheiten.

Das Churinga ist ein heiliges Holz- oder Steinobjekt der Aborigines Australiens.

SchutzsymbolAborigines AustraliensHeiliges Objekt
Churinga - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung des Churinga

Churinga ist ein Begriff, der ursprünglich aus der Sprache der Arrernte in Zentralaustralien stammt und in der Forschung für heilige Objekte mehrerer Gruppen der Aborigines verwendet wird. Genauer wird das Wort oft Tjurunga geschrieben.

Die Aborigines sind die indigenen Völker Australiens, die den Kontinent seit sehr langer Zeit bewohnen. Sie bilden keine einheitliche Gruppe, sondern viele Völker mit eigenen Sprachen, Religionen und Traditionen.

Churinga sind heilige Objekte aus Holz oder Stein. Sie tragen eingravierte Muster und gelten als untrennbar mit den Vorfahren, mit der Schöpfungsordnung und mit bestimmten Orten und Personen verbunden.

Anders als ein frei zugängliches Amulett ist das Churinga in hohem Maße geheim. Wer es sehen, berühren oder von ihm wissen darf, ist traditionell streng geregelt. Diese Geheimhaltung gehört zum Wesen des Objekts.

Religionswissenschaftlich gehört das Churinga in den weiteren Zusammenhang der Schutzsymbole und der heiligen Objekte. Es ist jedoch ein besonders empfindlicher Fall, weil so vieles an ihm geschütztes Wissen ist.

Das Churinga unterscheidet sich von vielen anderen Objekten dieses Lexikons gerade darin, dass seine Bedeutung nicht öffentlich ausgebreitet werden soll. Eine angemessene Darstellung besteht hier vor allem darin, die Geheimhaltung zu achten und auf das allgemein Dokumentierte zu beschränken.

Wichtig für eine respektvolle Darstellung ist die Zurückhaltung. Dieser Text beschreibt nur das, was in der Fachliteratur allgemein dokumentiert ist, und verzichtet auf jede Wiedergabe von Mustern, Erzählungen oder Einzelheiten, die als geheim gelten.

Herkunft und Geschichte

Die Religionen der Aborigines sind sehr alt. Sie sind von der Vorstellung einer Schöpfungsordnung geprägt, die in der Forschung oft mit dem Wort Traumzeit wiedergegeben wird, wofür die einzelnen Völker jedoch eigene Begriffe besitzen.

In dieser Vorstellung haben Ahnenwesen das Land, seine Formen, seine Lebewesen und die Ordnung des Lebens hervorgebracht. Die Wege und Taten dieser Wesen sind in der Landschaft und in heiligen Objekten gegenwärtig.

Das Churinga gehört in diesen religiösen Zusammenhang. Es gilt als ein Objekt, in dem die Verbindung zu einem Ahnenwesen, zu einem Ort und zu bestimmten Personen gegenwärtig ist. Seine Bedeutung reicht weit in die Geschichte der jeweiligen Gruppe zurück.

Schriftliche Berichte über Churinga setzen mit der ethnografischen Forschung des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts ein. Die Arbeiten von Baldwin Spencer und Francis Gillen über die Arrernte machten den Begriff in der Wissenschaft bekannt.

Die Begriffe Churinga und Tjurunga gelangten über diese frühen Arbeiten in die internationale Fachliteratur. Spätere Forscher haben darauf hingewiesen, dass ein einzelner Begriff aus der Sprache der Arrernte der Vielfalt der Völker und ihrer eigenen Bezeichnungen nicht gerecht wird. Der Gebrauch des Wortes ist daher selbst Teil einer kritisch betrachteten Forschungsgeschichte.

Diese frühe Forschung ist zugleich der Beginn eines schweren Problems. Zahlreiche Churinga gelangten in dieser Zeit in Museen und private Sammlungen, oft ohne das Einverständnis der Gemeinschaften, denen sie heilig waren.

Mit der europäischen Besiedlung Australiens erlitten die Aborigines tiefe Eingriffe in ihr Land, ihre Gesellschaft und ihre Religion. Die Geschichte des Churinga ist daher untrennbar mit der Kolonialgeschichte und mit dem Verlust heiliger Objekte verbunden.

Form, Material und Herstellung

Churinga bestehen aus Holz oder Stein. Sie sind häufig länglich oder oval geformt und tragen auf ihrer Oberfläche eingravierte Muster. Größe und genaue Form unterscheiden sich von Volk zu Volk und von Objekt zu Objekt.

Die eingravierten Muster bestehen oft aus Linien, Kreisen, Bögen und Punkten. Diese Muster sind nicht bloß Verzierung, sondern tragen Bedeutung. Sie verweisen auf Ahnenwesen, auf Orte und auf die Wege der Schöpfungsordnung.

Dieser Text gibt die Muster nicht wieder und beschreibt sie nicht im Einzelnen. Die Bedeutung der Muster ist geschütztes Wissen, das nur bestimmten Personen innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft zugänglich ist.

Die Herstellung eines Churinga war an religiöse Vorschriften gebunden. Sie geschah im Rahmen religiöser Handlungen und durch dazu berechtigte Personen. Die Herstellung war kein freies Anfertigen, sondern Teil der Religion.

Churinga wurden traditionell an verborgenen, heiligen Orten aufbewahrt. Sie waren vor den Augen der nicht berechtigten Personen geschützt und damit dem Anblick aller entzogen.

Eine genaue Bauanleitung oder eine Beschreibung der Herstellung gibt dieser Text bewusst nicht. Das Churinga ist ein heiliges Objekt einer fremden Religion, dessen Herstellung an Berechtigungen gebunden ist, die von außen nicht erworben werden können.

Religiöser und mythologischer Hintergrund

Der religiöse Hintergrund des Churinga ist die Schöpfungsordnung der Aborigines, in der Ahnenwesen das Land und das Leben hervorgebracht haben. Diese Ordnung bleibt in Land und Objekten gegenwärtig; sie ist mehr als bloße Vergangenheit.

Das Churinga gilt als ein Objekt, in dem diese Gegenwart besonders dicht ist. Es verbindet ein Ahnenwesen, einen Ort und bestimmte Personen. In manchen Vorstellungen ist es eng mit der Lebenskraft oder dem Wesen einer Person verknüpft.

Wegen dieser dichten Verbindung gilt das Churinga als in hohem Maße heilig. Sein unbefugter Anblick, seine unbefugte Berührung oder die unbefugte Weitergabe von Wissen über es gelten als schwere Verfehlungen.

Das Wissen über Churinga ist innerhalb der Gemeinschaften abgestuft. Bestimmte Erzählungen, Muster und Handlungen sind nur bestimmten Personen zugänglich, oft abhängig von Alter, Geschlecht und religiöser Einweihung.

Wissenschaftlich lässt sich das Churinga als ein Objekt verstehen, in dem die Religion der Aborigines ihre Verbindung von Land, Vorfahren und Person in besonders verdichteter Form ausdrückt. Es ist kein Amulett, sondern ein heiliges Zentrum.

Wichtig ist die Zurückhaltung. Da so vieles am Churinga geschütztes Wissen ist, beschränkt sich dieser Text auf die allgemeine wissenschaftliche Einordnung und verzichtet auf jede Darstellung geheimer Erzählungen oder Bedeutungen.

Ritueller Gebrauch und Träger

Der rituelle Gebrauch des Churinga ist Teil der Religion der jeweiligen Gruppen und unterliegt strengen Regeln. Diese Regeln bestimmen, wer ein Churinga sehen, berühren und in welchem Zusammenhang es verwendet werden darf.

Churinga konnten in religiösen Handlungen, etwa bei Einweihungen, eine Rolle spielen. Da diese Handlungen und ihr Wissen geschützt sind, verweist dieser Text allein auf die Tatsache ihres Bestehens und verzichtet auf eine Beschreibung im Einzelnen.

Träger des Wissens über Churinga sind innerhalb der Gemeinschaften berechtigte Personen. Welches Wissen einer Person zugänglich ist, hängt von ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ihrer religiösen Einweihung ab.

Die Aufbewahrung der Churinga an verborgenen Orten war selbst Teil ihres Schutzes. Der Ort, an dem ein Churinga verwahrt wurde, war bestimmten Personen vorbehalten und vor den übrigen geschützt.

Die Geheimhaltung ist kein zufälliges Merkmal, sondern gehört zum Wesen des Churinga. Sie zu achten bedeutet, die Religion der Aborigines ernst zu nehmen und nicht zu erwarten, dass alles Wissen offen verfügbar sein müsse.

Aus diesem Grund verzichtet dieser Text auf eine genaue Darstellung des rituellen Gebrauchs. Eine respektvolle Behandlung des Themas besteht hier gerade darin, die Grenzen des öffentlich Sagbaren anzuerkennen.

Regionale Varianten und Verwandtes

Heilige Objekte aus Holz oder Stein sind bei mehreren Völkern der Aborigines belegt, nicht nur bei den Arrernte. Der in der Forschung verbreitete Begriff Churinga darf nicht über die Vielfalt der Völker und ihrer eigenen Begriffe hinwegtäuschen.

Bei jedem Volk gehören die heiligen Objekte zu einer eigenen Religion mit eigenen Erzählungen, Orten und Regeln. Eine einheitliche Beschreibung aller dieser Objekte würde ihrer Vielfalt nicht gerecht.

Verwandt mit dem Churinga sind weitere heilige Objekte der Aborigines sowie die heiligen Orte selbst, mit denen die Objekte verbunden sind. Land und Objekt bilden in der Religion der Aborigines einen Zusammenhang.

Wissenschaftlich lässt sich das Churinga mit heiligen, geschützten Objekten anderer Kulturen vergleichen, etwa mit Objekten, deren Anblick eingeschränkt ist. Solche Vergleiche dürfen die Eigenart der Religion der Aborigines aber nicht verwischen.

Innerhalb des Feldes der Schutzsymbole ist das Churinga ein Beispiel für ein heiliges Objekt, dessen Wissen bewusst geschützt ist. Der Beitrag über Amulett und Talisman erläutert, wie es sich von einem Amulett unterscheidet.

Das Churinga zeigt damit eine Grenze. Nicht jedes religiöse Objekt ist dafür gedacht, in einem Lexikon ausführlich beschrieben zu werden. Manche Objekte verlangen vor allem die Achtung ihrer Geheimhaltung.

Religionswissenschaft und Ethnologie haben in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, diese Grenze ausdrücklich zu benennen. Eine Darstellung, die heilige Objekte achtet, hält zurück, wo die Herkunftsgemeinschaften Geheimhaltung verlangen, statt alles zu beschreiben, was sie weiß. Diese Zurückhaltung gilt heute als Teil eines verantwortlichen wissenschaftlichen Umgangs.

Bedeutung als Schutzobjekt

Das Churinga wird in der Forschung gelegentlich auch im Zusammenhang von Schutz genannt, doch ist diese Einordnung mit Vorsicht zu treffen. Das Churinga ist in erster Linie ein heiliges Objekt, kein Amulett im üblichen Sinn.

Soweit eine schützende Bedeutung beschrieben wird, ist sie an die Verbindung des Churinga mit den Ahnenwesen, mit dem Land und mit der Person gebunden. Aus dieser Verbindung kann ein Gefühl von Halt und Zugehörigkeit erwachsen.

Der Schutz ist hier als Folge einer richtigen Ordnung zu verstehen, nicht als Abwehr einer äußeren Gefahr. Das Churinga steht für die geordnete Verbindung von Person, Vorfahren und Land.

Wissenschaftlich lässt sich diese Bedeutung als Teil einer umfassenden religiösen Ordnung beschreiben, in der das Wohl des Einzelnen mit dem Land und mit den Vorfahren verknüpft ist. Das Churinga ist ein Zeichen dieser Ordnung.

Dieser Text macht keine Aussagen über tatsächliche Schutzwirkungen. Beschrieben wird nur, in welcher Weise die Religion der Aborigines dem Churinga Bedeutung zuschreibt. Heilversprechen und Wirkungszusagen sind ausdrücklich ausgeschlossen.

Festzuhalten bleibt, dass das Churinga nicht als selbstwirkendes Schutzobjekt zu verstehen ist. Es ist ein heiliges Objekt, dessen Bedeutung an die Religion und an die Geheimhaltung der jeweiligen Gemeinschaft gebunden bleibt.

Forschungsgeschichte, ethische Fragen und kulturelle Aneignung

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Churinga begann mit den Arbeiten von Baldwin Spencer und Francis Gillen über die Arrernte um die Wende zum 20. Jahrhundert. Diese Arbeiten machten den Begriff in der Forschung bekannt.

Diese Forschungsgeschichte ist zugleich eine Geschichte des Unrechts. Zahlreiche Churinga gelangten ohne das Einverständnis der Gemeinschaften in Museen und private Sammlungen. Für die Aborigines bedeutete dies den Verlust heiliger Objekte.

Da Churinga heilig und ihr Anblick beschränkt ist, war ihre Ausstellung in Museen ein schwerer Eingriff. Objekte, die nur bestimmten Personen gezeigt werden durften, wurden einem unbegrenzten Publikum zugänglich gemacht.

Heute ist die Rückgabe von Churinga ein wichtiges Anliegen. Australische Museen arbeiten mit den Herkunftsgemeinschaften zusammen, und zahlreiche Churinga sind in die Obhut ihrer Völker zurückgekehrt. Viele Häuser stellen Churinga nicht mehr aus.

Auch im Umgang mit Wissen ist Zurückhaltung geboten. Fachliteratur, die Muster oder geschützte Erzählungen wiedergibt, wird heute kritisch gesehen. Eine seriöse Darstellung verzichtet auf die Wiedergabe geschützter Einzelheiten.

Eine kulturell aneignende Verwendung des Churinga, etwa als esoterisches oder dekoratives Objekt, ist abzulehnen. Das Churinga ist ein heiliges Objekt der Aborigines, dessen Geheimhaltung zu achten ist. Dieser Text beschreibt es daher nur in allgemeiner Form.

Heutige Rezeption

Für die Aborigines ist das Churinga ein heiliges Objekt, dessen Schutz und dessen Rückgabe von großer Bedeutung sind. Die Erneuerung der eigenen Kultur und die Rückkehr heiliger Objekte gehören für viele Gemeinschaften zusammen.

Australische Museen haben ihren Umgang mit Churinga grundlegend verändert. Viele Häuser stellen sie nicht mehr aus, bewahren sie nur in Absprache mit den Gemeinschaften und unterstützen ihre Rückgabe an die Herkunftsvölker.

Die Rückgabe von Churinga wird durch rechtliche Regelungen und durch die Zusammenarbeit von Museen und Aborigine-Organisationen vorangebracht. Zahlreiche Objekte sind in die Obhut ihrer Völker zurückgekehrt.

In der Öffentlichkeit hat das Bewusstsein dafür zugenommen, dass nicht jedes religiöse Objekt für die Darstellung in Medien oder Ausstellungen geeignet ist. Das Churinga gilt als Beispiel für ein Objekt, dessen Geheimhaltung zu achten ist.

Auch in der Medien- und Bildungspraxis hat sich der Umgang mit dem Churinga gewandelt. Wo früher Abbildungen und Beschreibungen ohne Bedenken verbreitet wurden, gilt heute Zurückhaltung als geboten. Diese Entwicklung ist Teil einer breiteren Anerkennung, dass die Aborigines selbst über die Darstellung ihrer heiligen Objekte bestimmen.

Eine kommerzielle oder esoterische Verwendung des Churinga ist abzulehnen und wird von den Aborigines klar zurückgewiesen. Eine respektvolle Haltung besteht darin, die Grenzen des öffentlich Zugänglichen anzuerkennen.

Für interessierte Leserinnen und Leser empfiehlt sich daher größte Zurückhaltung. Es ist legitim, in allgemeiner Form von der Existenz und der Bedeutung des Churinga zu wissen. Weitere, weniger empfindliche Schutzobjekte stellt der Bereich Schutzsymbole vor.

Literatur (Auswahl)

  • Baldwin Spencer, Francis Gillen: The Native Tribes of Central Australia (1899)
  • T. G. H. Strehlow: Aranda Traditions (1947)
  • Howard Morphy: Aboriginal Art (1998)
  • Tony Swain: A Place for Strangers: Towards a History of Australian Aboriginal Being (1993)
  • Lynne Hume: Ancestral Power: The Dreaming, Consciousness and Aboriginal Australians (2002)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Churinga Tjurunga Aborigines Australien heiliges Objekt Traumzeit Arrernte Ahnenwesen geschütztes Wissen Repatriierung indigene Religion Geheimhaltung.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch das Churinga gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.