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Mapuche-Mythologie, Pillán und die Geisterwelt Chiles

Die Mapuche, mit rund 1,75 Millionen Menschen die größte indigene Bevölkerungsgruppe Chiles und mit weiteren rund 200.000 Menschen auch in Argentinien beheimatet, bewahren in der Region Araucanía und im angrenzenden Patagonien eine lebendige religiöse Tradition. Die Machi-Schamaninnen mit ihrer Trommel Kultrun, die Pillán-Geister der Vulkane und der Flutmythos um die Schlangen Caicai und Trentren gehören zu den bekanntesten Elementen dieser bis heute aktiv praktizierten Überlieferung.

Die Mapuche-Geisterwelt ist eng mit Meer, Vulkan und den Kräften der Landschaft verbunden.

Beaivi - Götter aus der Sami-Tradition, historisch-illustrativ

Die Machi-Tradition bildet das Rückgrat der religiösen Praxis in Wallmapu.

Die Mapuche-Geisterwelt gliedert sich in Ahnen- und Vulkangeister um Pillán, Meereswesen wie Sumpall und Pincoya sowie ambivalente Kalku-Geister. Noch heute werden sie in der Machi-Tradition Chiles und Argentiniens überliefert.

Mapuche, Sprache und Siedlungsgebiet

Die Mapuche sprechen Mapudungun, eine isoliert stehende, als gefährdet eingestufte Sprache, die heute durch zweisprachige Schulen und eigene Radioprogramme gestützt wird. Nach dem Zensus 2017 zählen sich in Chile rund 1,75 Millionen Menschen, knapp 10 Prozent der Bevölkerung, zu den Mapuche, in Argentinien rund 200.000 nach dem Zensus 2010.

Das Kernsiedlungsgebiet liegt in der chilenischen Region Araucanía und im angrenzenden Patagonien Argentiniens, von politischen Vertretern oft als Wallmapu bezeichnet. Historisch widerstanden die Mapuche im 15. Jahrhundert der Expansion des Inka-Reiches und ab etwa 1550 im so genannten Arauco-Krieg über Jahrhunderte der spanischen Kolonialmacht, der Bío-Bío-Fluss galt lange als anerkannte Grenze. Bis heute bestehen Landrechtskonflikte in der Region.

Vulkan und Meer ordnen die Geisterwelt der Mapuche, in der Erde und den Vulkanen die Pillán-Ahnengeister, im Wasser Wesen wie Sumpall und Pincoya. Die Machi-Tradition Chiles und Argentiniens hält dieses Wissen bis heute lebendig.

Pillán, Ngünechen und die Ahnengeister der Vulkane

Pillán bezeichnet Ahnen- und Naturgeister, die häufig mit Vulkanen assoziiert werden, etwa dem Vulkan Villarrica, dessen Ausbrüche traditionell als Wirken eines Pillán gedeutet wurden. Manche Überlieferungen führen Pillán auf vergöttlichte mächtige Ahnen, etwa verstorbene Anführer (Lonko), zurück.

Ngünechen, ein Schöpfungsprinzip oder eine Schöpfergottheit, wird in manchen Darstellungen als vierteilige Einheit gedacht und gilt als übergeordnete Ordnungsmacht, während die Pillán als vermittelnde, ambivalente Naturkräfte agieren, etwa in Blitz und Vulkanausbruch. Die genaue Systematik dieser Beziehung ist in der ethnografischen Literatur nicht einheitlich beschrieben.

Machi, Kultrun und Ngillatun

Die Machi ist die zentrale religiös-medizinische Autorität der Mapuche, überwiegend, aber nicht ausschließlich eine Frau; die Berufung erfolgt häufig durch Traum oder Krankheit, gefolgt von einer Initiation (Machiluwün) unter Anleitung einer erfahrenen Machi. Ihr wichtigstes Instrument ist der Kultrun, eine mit einem Kosmogramm bemalte heilige Trommel, die bei Diagnose und Trance eingesetzt wird.

Vor dem Haus der Machi steht der Rewe, ein gestufter heiliger Pfahl oder Baum, der als Achse zwischen irdischer und oberer Welt gilt. Beim Ngillatun, einem periodischen Gemeinschaftsritual für Fruchtbarkeit und Wohlergehen, leitet die Machi mit Tanz, Gesang und Kultrun die versammelte Gemeinschaft. Die Ethnografin Ana Mariella Bacigalupo hat die anhaltende gesellschaftliche Bedeutung dieser bis heute aktiven Praxis eingehend dokumentiert.

Der Flutmythos von Caicai-Vilu und Trentren-Vilu

Im Zentrum eines der bekanntesten Mapuche-Mythen steht der Kampf zwischen der Meeresschlange Caicai-Vilu, die eine große Flut heraufbeschwört, und der Erd- und Bergschlange Trentren-Vilu, die das Land emporhebt, um die Menschen zu retten. Wer die Berggipfel nicht rechtzeitig erreicht, wird der Überlieferung nach in einen Fisch oder ein anderes Meerestier verwandelt.

Besonders in der Erzähltradition der Insel Chiloé gilt dieser Mythos als Ursprungserzählung der zerklüfteten Inselwelt der Region; er ist lebendiger Bestandteil mündlicher Überlieferung ohne eine einzelne kanonische Fassung.

Häufige Fragen zur Mapuche-Mythologie

Wer sind die Mapuche?

Die Mapuche sind die größte indigene Bevölkerungsgruppe Chiles, rund 1,75 Millionen Menschen, mit weiteren rund 200.000 Menschen in Argentinien. Sie sprechen Mapudungun und leben vor allem in der Region Araucanía und im angrenzenden Patagonien.

Was ist eine Machi?

Die Machi ist eine schamanische Ritualspezialistin der Mapuche, überwiegend eine Frau, zuständig für Heilung, Divination und die Leitung von Gemeinschaftsritualen wie dem Ngillatun. Ihr wichtigstes Werkzeug ist die heilige Trommel Kultrun. Die Machi-Tradition ist bis heute aktiv praktizierte Realität, keine historische Erinnerung.

Was sind Pillán?

Pillán sind Ahnen- und Naturgeister, die oft mit Vulkanen in Verbindung gebracht werden. Ihre Wirkung zeigt sich der Überlieferung nach in Blitz, Donner und Vulkanausbruch.

Was erzählt der Mythos von Caicai und Trentren?

Der Mythos schildert den Kampf zwischen der Meeresschlange Caicai-Vilu, die eine Flut heraufbeschwört, und der Bergschlange Trentren-Vilu, die das Land rettet. Er gilt vor allem auf der Insel Chiloé als Ursprungserzählung der Inselwelt.

Kalku, Anchimayen und die Ambivalenz der Magie

Kalku bezeichnet eine Person, der schädigende Magie zugeschrieben wird, gewissermaßen der Gegenpol zur heilenden Machi. Historisch war die Grenze zwischen beiden Rollen fließend und hing stark von der Zuschreibung durch die anklagende Gemeinschaft ab; das Konzept diente vor allem als Erklärungsmodell für unerklärtes Unglück, Krankheit oder Tod.

Anchimayen ist ein Feuergeist, der der Überlieferung nach oft als Seele eines verstorbenen Kindes gedeutet und als Diener oder Begleitgeist eines Kalku vorgestellt wird. Forschungen, etwa zu Kalku-Anschuldigungen im 17. und 18. Jahrhundert, zeigen, dass solche Zuschreibungen eng mit sozialen Konflikten verknüpft waren.

Meereswesen der Chiloé-Mythologie: Pincoya und Sumpall

Sumpall gilt als Wasser- und Fischgeist, ein Mensch-Fisch-Mischwesen, das als „Herr der Fische“ über das Glück beim Fischfang entscheidet. Pincoya, eine Meeresfee der Chiloé-Mythologie, tanzt der Überlieferung nach am Strand, wobei die Richtung ihres Tanzes, zum Meer oder zum Land, über Fischreichtum oder Mangel bestimmen soll.

Als gefährlich gilt dagegen Nguruvilu, ein schlangenartiges Flussmonster, das Reisenden und Vieh an Flussübergängen nachstellt. Cherufe, ein feuriges, unter Vulkanen und der Erde lebendes Wesen, wird in jüngeren, literarisch geprägten Fassungen mit dem Motiv des Menschenopfers verbunden.

Kolonisation, Widerstand und die Mapuche-Tradition heute

Die Mapuche widerstanden im 15. Jahrhundert erfolgreich der Expansion des Inka-Reiches und leisteten ab etwa 1550 über Jahrhunderte militärischen Widerstand gegen die spanische Kolonialmacht, bekannt als Arauco-Krieg. Erst im 19. Jahrhundert gliederte der chilenische Staat die Region Araucanía im Zuge der so genannten Pacificación de la Araucanía gewaltsam ein, verbunden mit Landverlust und Missionierung.

Bis heute bestehen in der Region Landrechtskonflikte zwischen Mapuche-Gemeinschaften, Forst- und Agrarunternehmen sowie dem chilenischen Staat. Zugleich ist die Machi-Tradition eine gelebte, anerkannte religiöse Praxis geblieben, oft in Kombination mit biomedizinischer Versorgung, und Gegenstand fortlaufender ethnografischer Forschung, unter anderem durch Ana Mariella Bacigalupo und den Archäologen Tom Dillehay.

Ein Volk zweier Staaten und seine regionale Vielfalt

Die Mapuche leben heute vor allem in der chilenischen Region Araucanía sowie im angrenzenden Patagonien Argentiniens, ein Gebiet, das politische Vertreter oft übergreifend als Wallmapu bezeichnen. Historisch gliederten sich die Mapuche in mehrere regionale Gruppen, etwa die Küsten-Mapuche (Lafkenche), die Bewohner der Anden (Pewenche) und die Bewohner der Ebenen und Seenlandschaften, deren Lebensweisen und lokale Traditionen sich unterschieden.

Auf der Insel Chiloé, seit dem 16. Jahrhundert stark von spanischer Kolonisation und katholischer Mission geprägt, entwickelte sich eine besonders reiche, teils mit europäischen Elementen verwobene Erzähltradition um Meereswesen wie Pincoya, Sumpall und den Flutmythos von Caicai und Trentren, die in dieser Ausprägung nicht überall im Mapuche-Gebiet gleichermaßen bekannt ist.

Auch die Praxis der Machi und die Bedeutung einzelner Geistwesen wie Pillán oder Nguruvilu variieren zwischen den Regionen. Pauschale Aussagen über „die Mapuche-Mythologie“ verdecken deshalb eine erhebliche innere Vielfalt zwischen Anden, Küste und Inselwelt.

Gemeinsam ist den meisten Gruppen die zentrale Rolle der Machi als Vermittlerin zur Geisterwelt, die Verehrung der Pillán-Ahnengeister und die Vorstellung einer belebten, von zahlreichen Wesen bevölkerten Landschaft. Auch diese gemeinsamen Elemente sind in den Quellen regional unterschiedlich gut dokumentiert.

Kultrun, Rewe und die Mächte des Mapuche-Weltbildes

Das bekannteste religiöse Objekt der Mapuche ist der Kultrun, die heilige Trommel der Machi. Auf ihrer Fellmembran ist häufig ein Kosmogramm aufgemalt, das die vier Himmelsrichtungen und die verschiedenen Ebenen der Welt darstellt und damit ein Abbild der Kosmologie ist.

Die Machi nutzt den Kultrun bei Diagnose, Heilritual und Trance, in der ihre Seele mit Geistern und Ahnen in Kontakt tritt. Vor ihrem Haus steht der Rewe, ein gestufter heiliger Pfahl oder Baum, der als Achse zwischen der irdischen und der oberen Welt gilt und Ort zentraler Rituale ist.

Das Mapuche-Weltbild kennt Ngünechen als übergeordnetes Schöpfungsprinzip sowie eine Vielzahl von Pillán, Ahnen- und Naturgeister, die vor allem mit Vulkanen verbunden werden. Daneben bevölkern zahlreiche Wesen die Landschaft, Wassergeister wie Sumpall und Nguruvilu, Meeresfeen wie Pincoya, feurige Gestalten wie Cherufe und Anchimayen sowie die Schlange Caicai-Vilu aus dem Flutmythos.

Dem Kalku, einer Person mit schädigender Magie, steht die heilende Machi als Gegenpol gegenüber, wobei die Grenze zwischen beiden Rollen historisch fließend war und stark von sozialer Zuschreibung abhing.

Über die genaue Systematik dieses Weltbildes besteht keine abschließende Einigkeit, weil die Überlieferung regional variiert und viele Erzählungen erst im 19. und 20. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurden. Die anhaltende Praxis der Machi und des Ngillatun-Rituals ist eine wichtige, lebendige Quelle, die sich einer rein historischen Rekonstruktion entzieht.

Die Quellen: Kolonialberichte, Ethnografie und mündliche Erzähltradition

Frühe schriftliche Zeugnisse zur Mapuche-Religion stammen von spanischen Chronisten und Missionaren des 16. und 17. Jahrhunderts, die im Kontext des Arauco-Krieges über die als fremd wahrgenommenen Bräuche der Mapuche berichteten. Diese Texte sind wie andernorts stark von der Perspektive der Kolonialmacht geprägt.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert begründete der deutsch-chilenische Linguist Rodolfo Lenz mit Studien zum Mapudungun und zur mündlichen Erzähltradition eine erste systematische wissenschaftliche Erschließung, die spätere Ethnografen aufgriffen.

Der Archäologe Tom Dillehay, bekannt vor allem durch seine Ausgrabungen in Monte Verde, hat mit Langzeitstudien zur Geschichte und zum Widerstand der Mapuche wichtige Beiträge zur historischen Einordnung geleistet. Für die religiöse Praxis der Gegenwart ist die Ethnografin Ana Mariella Bacigalupo eine zentrale Quelle, ihre Arbeiten zu Geschlecht, Macht und Heilung bei chilenischen Machi gelten als Standardwerke.

Eine eigene Quellengattung bildet die mündliche Erzähltradition selbst, die Mythen um Pillán, Caicai-Vilu und Trentren-Vilu oder die Meereswesen der Chiloé-Region, die bis heute erzählt und dabei fortlaufend neu geformt werden. Sie sind nicht in einer einzelnen kanonischen Fassung fixiert, was ihre religionsgeschichtliche Auswertung erschwert, zugleich aber ihre Lebendigkeit als aktive Tradition ausmacht.

Forschende betonen, dass die Mapuche-Religion keine abgeschlossene, historische Größe ist, sondern eine sich fortlaufend wandelnde, gegenwärtig praktizierte Tradition, deren wissenschaftliche Beschreibung diesen lebendigen Charakter berücksichtigen muss.

Kolonisation, Landkonflikte und gelebte Tradition heute

Die Mapuche behaupteten sich im 15. Jahrhundert erfolgreich gegen die Expansion des Inka-Reiches und leisteten ab etwa 1550 im so genannten Arauco-Krieg über Jahrhunderte Widerstand gegen die spanische Kolonialmacht, der Bío-Bío-Fluss bildete lange eine anerkannte Grenze zu spanisch kontrolliertem Gebiet.

Erst im späten 19. Jahrhundert gliederte der chilenische Staat die Region Araucanía im Zuge der als Pacificación de la Araucanía bezeichneten Militärkampagnen gewaltsam ein, begleitet von Landverlust, Umsiedlung in Reduktionen und intensivierter christlicher Mission. Ähnliche Prozesse fanden im gleichen Zeitraum auf argentinischer Seite statt.

Trotz dieses Drucks blieb die religiöse Praxis der Machi, des Ngillatun-Rituals und der Verehrung von Pillán und anderen Geistwesen erhalten, oft in enger Verbindung mit der sozialen und politischen Selbstorganisation der Gemeinschaften.

Bis heute bestehen in der Araucanía erhebliche Landrechtskonflikte zwischen Mapuche-Gemeinschaften, Forst- und Agrarunternehmen sowie dem chilenischen Staat, begleitet von politischen Auseinandersetzungen um Anerkennung und Autonomie.

Anders als bei vielen historisch unterdrückten Traditionen handelt es sich bei der Mapuche-Religion nicht um eine Erinnerungskultur, sondern um eine gegenwärtig aktiv praktizierte Tradition. Machi wirken heute als anerkannte Ritualspezialistinnen, das Ngillatun wird weiterhin gefeiert, und mündliche Erzählungen um Pillán, Caicai-Vilu, Trentren-Vilu und die Wesen der Chiloé-Mythologie werden bis in die Gegenwart weitergegeben.

Wissenschaftliche Beschreibung und öffentliche Wahrnehmung müssen deshalb berücksichtigen, dass es sich um eine lebendige religiöse Praxis eines heute existierenden Volkes handelt, nicht um ein abgeschlossenes historisches Thema.

Die Machi-Schamaninnen der Mapuche verbinden Kultrun, Rewe und Ngillatun-Ritual zu einer bis heute aktiv praktizierten Schutz- und Heiltradition, in der die als Pillán-Geister bekannten Ahnen- und Vulkanmächte eng mit Familie und Gemeinschaft verwoben sind.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Mapuche Machi Kultrun Rewe Ngillatun Pillán Wallmapu Araucanía Chiloé Chile.

Schutzobjekte in dieser Kulturtradition

Die Mapuche-Tradition kennt den Kultrun als heilige Trommel der Machi, den Rewe als stufenförmiges Heiligtum vor ihrem Haus sowie silberne Schmuckstücke (platería mapuche) mit schützender und statusanzeigender Funktion; persönliche tragbare Amulette im engeren Sinn sind seltener bezeugt als diese rituellen und gemeinschaftlichen Schutzformen, vergleichbar allenfalls mit Schutzkräutern oder Schutzzeichen anderer Kulturen. Einen Überblick über Schutzobjekte verschiedener Traditionen bietet der Schutz-Kompass.

iWell Guard fügt sich in diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte ein, in zeitgenössischer Materialarchitektur, gefertigt in Deutschland. 41 Ebenen, Echtgold, Platin, Silber. 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.