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Szélanya, die Windmutter am Windloch

Szélanya ist Göttin der ungarischen Volksüberlieferung.

Die Windmutter, die die Winde aus dem Berg verwaltet.

GöttinUngarn

Inhaltsverzeichnis

Szélanya, die Windmutter des ungarischen Volksglaubens
Szélanya

Szélanya, vereinfacht auch Szelanya geschrieben, ist die Windmutter des ungarischen Volksglaubens: eine Personifikation des Windes, die als alte Frau in einer Höhle am Windloch sitzt und von dort die Winde verwaltet.

Wichtig zur Einordnung: Szélanya ist echt als Märchen- und Volksglaubensmotiv belegt, nicht als Kultgottheit. Die im Netz kursierende Windgöttin mit türkischem Pantheon ist eine moderne Konstruktion. Der eigentlich wirkmächtige Komplex des Volksglaubens ist der krankheitsbringende Wind, gegen den die ungarischen Beschwörungen gerichtet sind.

Auf einen Blick: Szélanya

Typ: Windmutter, Personifikation des Windes
Herkunft: Ungarischer Volksglaube, gesammelt im 19. und 20. Jahrhundert
Texte: Ethnografisches Lexikon, Beschwörungssammlungen, Märchen
Zeitraum: ältester Beschwörungsbeleg 1516, Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts
Erscheinung: alte Frau in einer Höhle am Windloch

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Der ungarische Volksglaube um den Wind wurde im 19. und 20. Jahrhundert gesammelt; der älteste Textbeleg des Beschwörungstyps ist die Szelestei-Beschwörung von 1516.

Verbreitungsraum

Der ungarische Sprachraum: Dort ist die Windmutter als Märchen- und Volksglaubensfigur zu Hause, zusammen mit Windsohn und Windkönig.

Quellenlage

Echt belegt als Märchen- und Volksglaubensfigur, nicht als Gottheit: das ungarische ethnografische Lexikon und die Beschwörungssammlung von Éva Pócs; Ipolyis Mythensystematisierung von 1854 gilt als spekulativ.

Name und Varianten

Ungarisch: szél bedeutet Wind, anya Mutter, also Windmutter; in den Texten steht oft szél anyja, die Mutter des Windes. Das ethnografische Lexikon führt zum Stichwort Wind die Personifikationen Szélanya, Windsohn und Windkönig, die aus einem Loch in einem Berg wehen.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Im echten Material ist Szélanya eine alte Frau oder Mutter in einer Höhle beziehungsweise am Windloch, die die Winde verwaltet. In einer Variante lebt die Windmutter in ihrer Höhle mit fünf Windsöhnen.

Wirkung

Als Erzählfigur ist Szélanya Herrin und Verwalterin der Winde. Der eigentlich wirkmächtige Komplex ist der krankheitsbringende Wind: Man sagt, jemand sei vom Wind getroffen; Krankheiten galten als vom Wind, vom Hexenwind oder vom Wind der schönen Frauen gebracht. Der Wirbelwind gilt als Höllenwind, in dem Hexen und Teufel tanzen.

Steckbrief: Szélanya

Die wichtigsten Aspekte der Windmutter auf einen Blick.

Kulturkontext

Personifikation des Windes im ungarischen Volksglauben, im ethnografischen Lexikon neben Windsohn und Windkönig als Märchenmotiv geführt.

Zuständig für

Die Winde, die sie von einem Loch in einem Berg aus verwaltet; im Volksglauben gehört sie zum Komplex des krankheitsbringenden Windes.

Darstellung

Alte Frau oder Mutter in einer Höhle am Windloch; in einer Variante mit fünf Windsöhnen an ihrer Seite.

Wirkungsbereich

Herrin und Verwalterin der Winde; der Wirbelwind gilt als Höllenwind, Krankheiten als vom Wind gebracht.

Abwehrformen

Ein Beil oder Messer in den Wirbelwind werfen, nicht hineinspucken, den Wind nicht verfluchen; dazu die Beschwörungen, die das Windübel fortschicken.

Verwandtes

Szélatya als männliches Gegenstück, die slawischen Windmütter sowie die türkisch-altaische Yel Ana als nachträglich angedockte Schicht.

Vom Windloch im Berg zur Windgöttin des Netzes

Szél bedeutet Wind, anya Mutter; in den Texten erscheint die Figur oft als szél anyja. Das ungarische ethnografische Lexikon führt zum Stichwort Wind die Personifikationen Szélanya, Windsohn und Windkönig, die aus einem Loch in einem Berg wehen; in einer Variante lebt die Windmutter in einer Höhle mit fünf Windsöhnen. Sie ist dort ausdrücklich als Personifikation und Märchenmotiv eingeordnet.

Eine zweite Schicht kam später hinzu: Arnold Ipolyis Mythensystematisierung von 1854 gilt als spekulativ und überinterpretiert, und auf ihrem Erbe baut die moderne Vorstellung einer ungarischen Windgöttin auf. Wer die Windmutter verstehen will, muss beide Schichten trennen: das echte Volksglaubensmotiv der alten Frau am Windloch und die nachträgliche Systematisierung zur Gottheit.

Gespaltene Rezeption und Einordnung

Die Rezeption ist gespalten: wissenschaftlich gilt Szélanya als Personifikationsmotiv, populär und neuheidnisch dagegen als Windgöttin im rekonstruierten turanischen Pantheon; im Netz werden beide Ebenen ständig vermischt.

Religionswissenschaftlich ist der personifizierte weibliche Wind, szél anyja, echter Volksglaube in Märchen und Krankheitsvorstellung. Wichtige Klarstellung: Die Windgöttin Szélanya, Tochter des Kayra, mit eigenem Kult, ist dagegen romantische Systematisierung im Erbe Ipolyis und moderne turanistisch-neuheidnische Erfindung, nicht als Gottheit belegt.

Beil, Tabu und ráolvasás: die Abwehr des Windes

Ein belegter Kult der Szélanya besteht nicht. Belegt ist praktische Abwehr: Es war Tabu, den Wind zu verfluchen; man warf ein Beil oder Messer in den Wirbelwind und spuckte nicht hinein. In den Beschwörungen, den ráolvasás gegen Windkrankheiten, wird das personifizierte Übel fortgeschickt, es solle dorthin zurückkehren, woher es kam. Der älteste Textbeleg ist die Szelestei-Beschwörung von 1516. Eine feste Formel, die Szélanya als benannte Gottheit anruft, ist nicht sicher belegt.

Windmütter und Windgestalten im Vergleich

Das nächste Gegenstück steht im eigenen Haus: Szélatya, der Windvater und Windkönig, die männliche Personifikation desselben Wind-Komplexes; die Windmutter verwaltet die Winde aus ihrer Höhle, der Windkönig lässt sie los oder hält sie zurück. Szélanya entspricht den slawischen Windmüttern, zu denen die polnische Wietrzyca gehört; die türkisch-altaische Yel Ana ist die nachträglich angedockte Schicht. Das Fortschicken des personifizierten Krankheits-Windes ist ein weit verbreiteter Beschwörungstyp; als ferneres Pendant eines Windherrn sei der samische Bieggolmai genannt.

Häufige Fragen zu Szélanya

Wer ist Szélanya?

Die Windmutter, eine Personifikation des Windes im ungarischen Volksglauben und in Märchen. Sie verwaltet die Winde von einem Loch in einem Berg aus.

Ist sie eine echte Göttin?

Als Märchen- und Volksglaubensfigur ja; als Kultgöttin mit türkischem Pantheon ist sie eine moderne Konstruktion.

Was ist ráolvasás?

Eine Beschwörung, in der das personifizierte Windübel angesprochen und fortgeschickt wird, es solle dorthin zurückkehren, woher es kam.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Magyar néprajzi lexikon, Band 4, Stichwort szél. Budapest 1981.
  • Pócs, Éva (Hg.): Magyar ráolvasások. Budapest 1985.
  • Ipolyi, Arnold: Magyar Mythologia. Pest 1854.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als ungarische Windmutter und Herrin der Winde gehört Szélanya in die Märchen und Beschwörungen des Volksglaubens: keine Kultgöttin, aber eine Gestalt, an der sich bis heute zeigt, wie ein Volk den Wind zur Person machte.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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