Der Dağ İyesi ist Geist der türkischen Tradition.
Der Herr des Berges, der Respekt belohnt und Tabubruch straft. Im Zentrum steht der Besitzergeist, der über sein Bergrevier wacht.
Der Dağ İyesi (türkisch dağ iyesi, Herr oder Besitzer des Berges) ist ein Ortsgeist des türkischen und zentralasiatischen Volksglaubens im Tengrismus. Jeder Ort, Berg, Fluss, Wald oder Quelle, hat dort seinen iye als tutelaren Ortsgeist; der Dağ İyesi ist der Schutzgeist des jeweiligen Berges.
Wer den Berg achtet, dem gewährt er Jagd- und Weideglück und sicheres Passieren; Verunreinigung, Übernutzung oder Missachtung straft er. Der Kern des Glaubens ist die Heiligkeit der Berge als Begegnungsort von Himmel und Erde.
Typ: Orts- und Schutzgeist des jeweiligen Berges
Herkunft: Türkischer und zentralasiatischer Volksglaube, Tengrismus
Texte: Ethnografische und mythologische Literatur (İnan, Bayat, Roux)
Zeitraum: türkischer Volksglaube und Tengrismus bis zur Gegenwart
Erscheinung: wechselgestaltig, als Greis, Tier oder unsichtbare Präsenz
Der iye-Glaube gehört zum türkischen und zentralasiatischen Volksglauben und Tengrismus; er reicht vom historischen Berg- und Gipfelkult bis zur Wiederbelebung im Neo-Tengrismus.
Die Welt der türkischen Völker und Zentralasien; der Dağ İyesi ist dabei stets an seinen jeweiligen Berg gebunden.
Gut belegt als Muster des iye-Glaubens, neben dem Wasser-, Wald- und Hausgeist; grundlegend sind İnan, Bayat und Roux.
Türkisch: iye oder eye bedeutet in den Turksprachen Herr, Besitzer oder Eigentümer, dağ Berg; Dağ İyesi ist also der Besitzer- und Schutzgeist des Berges.
Erscheinung
Der Dağ İyesi ist meist ungestaltet oder wechselgestaltig und kann als Greis, als Tier oder als unsichtbare Präsenz erscheinen. Der Kern ist die Heiligkeit der Berge als Begegnungsort von Himmel und Erde.
Wirkung
Als Schutz- und Herrschergeist des jeweiligen Berges gewährt er Jagd- und Weideglück und sicheres Passieren bei Respekt; Verunreinigung, Übernutzung oder Missachtung des Berges straft er.
Die wichtigsten Aspekte des Bergherrn auf einen Blick.
Element des türkischen und zentralasiatischen Volksglaubens und Tengrismus: Jeder Ort hat seinen iye, der Berg seinen Dağ İyesi.
Jäger, Hirten und Reisende: Wer den Berg nutzt oder überquert, bewegt sich im Besitz des Bergherrn und schuldet ihm Respekt.
Meist ungestaltet oder wechselgestaltig: als Greis, als Tier oder als bloße unsichtbare Präsenz am Berg.
Jagd- und Weideglück, sicheres Passieren und die Unversehrtheit des Berges; Strafen treffen Verunreinigung, Übernutzung und Missachtung.
Berg- und Passheiligtümer, Steinhaufen wie das Obo oder Ovoo, Bänder an Bäumen, kleine Opfer aus Milch und Fett, Anrufungen und Meidungstabus.
Der mongolische gazriin ezen mit seinem Ovoo-Kult, die altaischen Herren des Berges und strukturell der japanische Yama-no-Kami.
Iye oder eye bedeutet in den Turksprachen Herr, Besitzer oder Eigentümer, dağ Berg; der Dağ İyesi ist der Besitzer- und Schutzgeist des Berges. Er ist ein Element des türkischen und zentralasiatischen Volksglaubens und Tengrismus und breit belegt neben dem Wasser-, dem Wald- und dem Hausgeist.
Der historische Berg- und Gipfelkult, in dem heilige Berge als Ahnen- und Himmelsorte gelten, ist gut bezeugt. Die systematisierende Deutung, Tengri habe die iye erschaffen und ihnen ihren Bereich zugeordnet, ist dagegen keine einheitliche Urquelle, sondern eine spätere Ordnung des Materials.
Der Dağ İyesi ist ein Kernbegriff der modernen türkischen Mythologie-Systematik und erlebt eine Wiederbelebung im Neo-Tengrismus.
Religionswissenschaftlich ist er grundsätzlich schützend und ambivalent, gefährlich nur bei Respektlosigkeit und Tabubruch gegenüber dem Berg. Zwei Klarstellungen: Er ist kein Gott im engeren Sinn, sondern ein lokaler Orts- und Schutzgeist innerhalb eines animistisch-tengristischen Systems. Und die glatte Formel, Tengri habe die iye erschaffen, ist eine moderne Systematisierung, während die historischen Quellen lokaler und uneinheitlicher sind.
Quellenfest sind Berg- und Passheiligtümer, Steinhaufen wie das mongolisch-türkische Obo oder Ovoo, Bänder an Bäumen, kleine Opfer aus Milch und Fett, Anrufungen und Meidungstabus. Der historische Berg- und Gipfelkult, in dem heilige Berge als Ahnen- und Himmelsorte gelten, ist gut bezeugt. Der Schutz vor dem Bergherrn ist damit identisch mit dem Respekt vor dem Berg selbst: Wer die Tabus achtet, hat nichts zu fürchten.
Der Dağ İyesi entspricht dem mongolischen gazriin ezen, dem Herrn des Ortes mit seinem Ovoo-Kult, den altaischen Herren des Berges und dem slawischen Ortsgeist. Strukturell ist er dem japanischen Yama-no-Kami verwandt, dem Berggott der japanischen Volksreligion.
Was bedeutet Dağ İyesi?
Herr oder Besitzer des Berges: iye heißt in den Turksprachen Herr oder Geist eines Ortes, dağ Berg.
Ist der Dağ İyesi ein Gott?
Nein. Er ist ein lokaler Orts- und Schutzgeist innerhalb eines animistisch-tengristischen Systems, kein Gott im engeren Sinn.
Wie verehrt man ihn?
Durch Steinhaufen wie das Obo oder Ovoo, Bänder an Bäumen, kleine Opfer aus Milch und Fett und Meidungstabus am Berg.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Herr des Berges und türkischer Ortsgeist steht der Dağ İyesi für eine einfache Grundregel des Volksglaubens: Der Berg gehört nicht dem Menschen, und wer ihn betritt, ist Gast.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
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