Die Fänggen sind Geister der alpinen Sagenwelt.
Riesenhafte Waldweiber, kinderfressend und doch hilfreich.
Die Fänggen, auch Fängge oder Fanggen, sind das wilde Bergvolk der Alpen: wilde Waldweiber und Riesinnen, dazu moosbewachsene Waldriesen als männliche Gegenstücke. Sie sind ambivalent, überwiegend aber gefährlich, gelten als menschenfressend mit einer Vorliebe für Kinder und rauben Kinder und Wöchnerinnen oder legen Wechselbälge.
Zugleich können sie helfen: Mancherorts geben sie Töchter als starke Mägde auf die Höfe. Bezeugt sind die Fänggen in Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und den bayerischen Alpen, gesammelt im 19. Jahrhundert bei Zingerle, Alpenburg und Vonbun.
Typ: Wildes, ambivalentes Bergvolk, Lokalvariante der wilden Leute
Herkunft: alpine Sagenüberlieferung, gesammelt im 19. Jahrhundert
Texte: Zingerle, Alpenburg, Vonbun
Zeitraum: 19. Jahrhundert (Sammlungen), älterer Erzählstoff
Erscheinung: riesenhafte, behaarte Waldweiber und moosbewachsene Waldriesen
Der Erzählstoff gehört zur alpinen Sagenüberlieferung und wurde im 19. Jahrhundert gesammelt, vor allem bei Zingerle, Alpenburg und Vonbun.
Tirol, Südtirol, Vorarlberg, Liechtenstein und die bayerischen Alpen; die Fänggen sind eine Lokalvariante der wilden Leute.
Gut: die Sammlungen von Zingerle, Alpenburg und Vonbun bieten einen breiten, regional gestreuten Sagenbestand.
Etymologie: umstritten und ungesichert. Grimm spekulierte über Funke oder fangen, ausdrücklich als Spekulation; am ehesten belegt ist die Nähe zu Fank oder Fankerl, Teufel oder Unhold. Die populäre Herleitung von fauna oder Faun ist unbelegt und spekulativ.
Erscheinung
Die weibliche Fangga ist riesenhaft, groß wie ein Baum, stark, über und über behaart, mit schwarzem, von Bartflechte durchsetztem Haar und einem Mund von Ohr zu Ohr, in Rinden- und Fellkleidung; die männlichen Fanggen sind moosbewachsene Waldriesen. Je nach Region sind sie riesen- oder zwergenhaft. Sie sind an Bäume gebunden und sterben mit dem Baum.
Wirkung
Die Fänggen sind überwiegend gefährlich, menschenfressend mit einer Vorliebe für Kinder, und rauben Kinder und Wöchnerinnen oder legen Wechselbälge. Zugleich können sie helfen und geben mancherorts Töchter als starke Mägde auf die Höfe.
Die wichtigsten Aspekte des wilden Bergvolks auf einen Blick.
Lokalvariante der wilden Leute im Alpenraum, bezeugt in Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und den bayerischen Alpen.
Höfe, Kinder und Wöchnerinnen: Die Fänggen rauben Kinder und Wöchnerinnen, legen Wechselbälge und dienen mancherorts als starke Mägde.
Riesenhafte, über und über behaarte Waldweiber in Rinden- und Fellkleidung mit einem Mund von Ohr zu Ohr; die Männer moosbewachsene Waldriesen.
Wald und Hof: an Bäume gebunden, mit dem Baum sterbend; gefährlich als Kinderfresser, hilfreich als starke Mägde.
Christliche Mittel: das Kreuz, das nicht überschritten werden kann, Kirchenglocken, Schutzengel und Taufe, dazu die Polyphem-List mit dem Namen Selbstgetan.
Wilde Leute und Wilder Mann, Moosweiblein und die Saligen; ferner der baskische Basajaun mit der Basandere sowie Pan und Faun.
Die Etymologie des Namens ist umstritten und ungesichert. Grimm spekulierte über Funke oder fangen, ausdrücklich als Spekulation; am ehesten belegt ist die Nähe zu Fank oder Fankerl, Teufel oder Unhold. Die populäre Herleitung von fauna oder Faun ist dagegen unbelegt und spekulativ.
Inhaltlich sind die Fänggen eine Lokalvariante der wilden Leute: bezeugt in Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und den bayerischen Alpen, gesammelt bei Zingerle, Alpenburg und Vonbun. Ihr auffälligstes Motiv ist die Baumbindung: Die Fänggen sind an Bäume gebunden und sterben mit dem Baum, ein Zug, der sie tief in die Waldnatur einschreibt und vom bloßen Riesen unterscheidet.
Die Fänggen sind eine feste Größe der Tiroler und Vorarlberger Sagenforschung und der vergleichenden Mythologie.
Religionswissenschaftlich sind die Fänggen ambivalent, aber überwiegend real bedrohlich, kinderfressend und riesenhaft, und deutlich gefährlicher als die Saligen. Wichtige Klarstellungen: Sie sind nicht mit der gütigen Saligen zu verwechseln. Sie sind nicht durchgängig Riesinnen, je nach Region erscheinen sie riesen- oder zwergenhaft. Die fauna- oder Faun-Etymologie ist unbelegt. Und das Kümmelbrot-Motiv ist für Fänggen nicht gesichert, es ist für Moosweiblein belegt und nur übertragen.
Belegt sind christliche Mittel: das Kreuz, das die Fänggen nicht überschreiten können, Kirchenglocken, der Schutzengel und die Taufe. Dazu kommt die Polyphem-List: Wer sich mit dem Namen Selbstgetan vorstellt und der Fangga die Hand einklemmt, entkommt, weil ihre Klage niemand ernst nimmt. Das Kümmelbrot-Motiv ist dagegen für Moosweiblein belegt, für Fänggen nicht sicher und nur übertragen.
Die Fänggen stehen neben den wilden Leuten und dem Wilden Mann, den Moosweiblein und den Saligen, mit denen sie das Gämsen-Motiv teilen; von der gütigen Saligen sind sie gleichwohl klar zu unterscheiden. Verwandt sind der baskische Basajaun und die Basandere sowie Pan und Faun. Im Alpenraum gehören auch der kleine Nörgel und das Dellermännle in dieselbe Sagenlandschaft, wenn auch an ihr anderes Ende.
Was sind die Fänggen?
Das wilde, ambivalente Bergvolk der Alpen, wilde Waldweiber und Riesinnen.
Sind sie gefährlich?
Überwiegend ja: Sie gelten als menschenfressend, besonders gegenüber Kindern, können aber auch helfen.
Sind sie dasselbe wie die Saligen?
Nein. Beide bilden ein Kontinuum von gütig bis wild, sind aber nicht identisch.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Ob als wildes Bergvolk der Wälder oder als wilde Fräulein der Alpen, die den Höfen als starke Mägde dienen: Die Fänggen vereinen beide Gesichter der Wildnis, und das gefährliche überwiegt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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