Toggeli, der Nachtmahr der Innerschweizer Alpen
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Das Toggeli ist ein Dämon der alpinen Tradition.
Der Alpdruckgeist, der Schlafenden die Luft nimmt.
Das Toggeli ist ein Nachtmahrgeist der Innerschweizer Alpen, der sich schlafenden Menschen auf die Brust setzt, bis ihnen der Atem stockt. Im Luzernischen mancherorts auch Schrättli genannt, gehört es zur weitverbreiteten Familie der Alp- und Nachtmahrgeister des deutschsprachigen Raums.
Verwandt mit dem allgemeineren Alp, plagt das Toggeli daneben auch das Vieh im Stall und verfilzt Mähnen zu sogenannten Wirrzöpfen. Sein Kernverbreitungsgebiet liegt im Luzernischen und rund um den Pilatus, mit Ausläufern in weitere Teile der Zentralschweiz.
Typ: Nächtlicher Alpdruckgeist, plagt auch das Vieh im Stall
Herkunft: mündlich überliefert, volkskundlich seit dem 19. Jahrhundert erfasst
Texte: Sagensammlungen von Lütolf und Rochholz, Schweizerisches Idiotikon
Zeitraum: nachts, insbesondere in Schlafräumen und Ställen
Erscheinung: unsichtbarer oder schemenhafter Druckgeist, mancherorts auch Schrättli genannt
Historische Einordnung
Zeitraum der Texte
Die volkskundliche Erfassung erfolgte im 19. Jahrhundert vor allem durch Alois Lütolf und Ernst Ludwig Rochholz; der Alp- und Nachtmahrglaube selbst ist im deutschsprachigen Raum seit dem Mittelalter bezeugt.
Verbreitungsraum
Das Kernverbreitungsgebiet liegt in der Innerschweiz, vor allem im Luzernischen und rund um den Pilatus, mit Ausläufern in weitere Teile der Zentralschweiz.
Quellenlage
Die Sagensammlungen von Lütolf und Rochholz sowie das Schweizerische Idiotikon dokumentieren den Begriff als festen Bestandteil des Innerschweizer Wortschatzes, dazu regionale Erzählforschung.
Name und Varianten
Bezeichnung: Toggeli, auch Toggel geschrieben und im Luzernischen mancherorts Schrättli genannt. Das Schweizerische Idiotikon verzeichnet den Begriff als festen Bestandteil des Innerschweizer Wortschatzes.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Anders als viele andere Sagengestalten besitzt das Toggeli in der Überlieferung kaum eine feste äußere Form; es wirkt vor allem unsichtbar oder nur schemenhaft im Dunkeln. Sichtbare Spuren seines Wirkens sind dagegen genau beschrieben: verfilzte, zu Zöpfen verdrehte Pferdemähnen, sogenannte Wirr- oder Alpzöpfe.
Wirkung
Das Toggeli sucht Menschen im Schlaf heim und setzt sich ihnen auf die Brust, bis der Atem stockt. Im Stall plagt es Tiere und verwirrt ihnen die Mähnen. Betroffene berichteten von einem Gefühl der Lähmung, das sich mit der heute medizinisch bekannten Schlaflähmung in Verbindung bringen lässt, ohne dass die Sage selbst diese Erklärung kennt.
Steckbrief: Toggeli
Die wichtigsten Aspekte des Alpdruckgeistes auf einen Blick.
Innerschweizer Ausprägung der weitverbreiteten Alp- und Nachtmahrgeister-Familie, dokumentiert seit dem 19. Jahrhundert durch Lütolf und Rochholz.
Schlafende Menschen, denen es den Atem nimmt, und Vieh im Stall, dem es die Mähnen verfilzt.
Unsichtbar oder schemenhaft, ohne feste äußere Form; erkennbar nur an seinen Wirkungsspuren wie verfilzten Mähnen.
Nächtlicher Alpdruck bei Menschen und Plagen des Viehs im Stall, beides Ausdruck derselben Druckgeist-Vorstellung.
Verkehrt vor das Bett gestellte Schuhe, ein mit offener Klinge platziertes Messer und eine mit der geschärften Seite nach oben gelehnte Sense an der Stalltür.
Verwandt mit dem allgemeineren Alp, von dem es sich als regional in der Innerschweiz verwurzelte eigene Ausprägung unterscheidet.
Von der Sagensammlung zur Innerschweizer Nachtmahrgestalt
Das Toggeli, auch Toggel geschrieben und im Luzernischen mancherorts Schrättli genannt, gehört zur weitverbreiteten Familie der Alp- und Nachtmahrgeister des deutschsprachigen Raums. Die volkskundliche Erfassung erfolgte im 19. Jahrhundert vor allem durch Alois Lütolf, der Sagen aus Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug sammelte, und durch Ernst Ludwig Rochholz, dessen Schweizersagen aus dem Aargau verwandte Nachtmahrfiguren dokumentieren.
In den erzählten Fassungen tritt das Toggeli meist als aggressiv und bösartig beschriebener Geist auf, dessen Ursprung offenbleibt; vereinzelt wird es mit verwunschenen oder verstorbenen Menschen in Verbindung gebracht, ohne dass sich eine einheitliche Herkunftsgeschichte durchgesetzt hätte. Die späte, erst im 19. Jahrhundert einsetzende schriftliche Erfassung bedeutet nicht, dass die Vorstellung selbst jung ist: Alp- und Nachtmahrglauben sind im gesamten deutschsprachigen Raum seit dem Mittelalter bezeugt.
Rezeption und Einordnung
Das Toggeli ist heute vor allem regional bekannt und wurde unter anderem in der Sendereihe Mysteriöse Schweiz des Schweizer Fernsehens als Beispiel Innerschweizer Nachtmahrsagen vorgestellt. In der Märchenstiftung Schweiz finden sich mehrere aufgezeichnete Fassungen, darunter Erzählungen mit dem Titel Mittel gegen das Toggeli. Außerhalb der Innerschweiz blieb die Gestalt vergleichsweise wenig bekannt.
Religionswissenschaftlich lässt sich das Toggeli als volkstümliche Deutung der Schlaflähmung und allgemeiner nächtlicher Beklemmungszustände verstehen. Wichtig ist die Abgrenzung: Das Toggeli gilt als eigene, regional in der Innerschweiz verwurzelte Ausprägung mit eigenem Namen und eigenen Erzähldetails und ist nicht einfach mit dem allgemeineren Alp gleichzusetzen, auch wenn beide dieselbe Grundfamilie der Nachtmahrgeister bilden und dieselbe zentrale Wirkung teilen, das Sitzen auf der Brust Schlafender. Ebenso ist es von der bayerisch-österreichischen Drud zu unterscheiden, einer eigenständigen Gestalt derselben weiteren Nachtmahr-Tradition.
Die scharfe Klinge als Abwehrprinzip
Gegen das Toggeli kannte die Überlieferung mehrere handfeste Gegenmittel. Verkehrt herum vor das Bett gestellte Schuhe sollten den Geist verwirren, sodass er den Weg zum Schläfer nicht fand. Ein mit offener Klinge in die Wand oder ins Bett gestecktes Messer galt als wirksames Abwehrmittel, ebenso wie eine mit dem Dengel, der geschärften Seite, nach oben an die Stalltür gelehnte Sense. Diese Mittel eint das Prinzip der scharfen Kante, die dem unsichtbaren Eindringling den Zugang versperren sollte.
Alp, Drud und Pesanta: verwandte Druckgeister
Eine enge Entsprechung findet sich im katalanischen Pesanta, einem riesigen schwarzen Hund, der sich ebenfalls auf die Brust Schlafender setzt und ihnen den Atem nimmt. Während der Pesanta als schwarzer Hund eine feste Tiergestalt annimmt, bleibt das Toggeli in den meisten Innerschweizer Fassungen bewusst unbestimmt. Innerhalb der deutschsprachigen Nachtmahr-Familie ist das Toggeli außerdem vom allgemeineren Alp und von der Drud abzugrenzen: Alle drei teilen die zentrale Wirkung des nächtlichen Brustdrucks, doch jede Gestalt bleibt eine eigene, regional geprägte Ausprägung mit eigenem Namen.
Häufige Fragen zum Toggeli
Ist das Toggeli dasselbe wie der Alp?
Beide gehören zur selben Grundfamilie der Nachtmahrgeister und teilen die zentrale Wirkung, das Sitzen auf der Brust Schlafender. Das Toggeli gilt jedoch als regional, vor allem in der Innerschweiz verwurzelte eigene Ausprägung mit eigenem Namen und eigenen Erzähldetails.
Was hilft laut Überlieferung gegen das Toggeli?
Verbreitet waren verkehrt vor das Bett gestellte Schuhe, ein mit offener Klinge platziertes Messer und eine mit der geschärften Seite nach oben gelehnte Sense an der Stalltür. Allen Mitteln gemeinsam ist die scharfe Kante, die dem Geist den Zugang versperren sollte.
Warum verfilzt das Toggeli angeblich Pferdemähnen?
Verknotete, morgens vorgefundene Mähnen galten als sichtbarer Beweis für einen nächtlichen Besuch des Toggeli im Stall. Die Erklärung ordnete ein unerklärliches, alltägliches Ärgernis einer bekannten Ursache zu.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Alpenraum – alle Wesen der alpinen Sagenwelt
- Alp, Drud – verwandte Nachtmahrgeister zur Abgrenzung
- Nachtkrapp, Butz – weitere nächtliche Sagengestalten der Region
- Eisen, Hausschutz – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Toggeli, Alpdruck und Nachtmahr der Schweizer Alpen zugleich bekannt, steht diese Gestalt für die Innerschweizer Ausprägung eines europaweiten Musters: die Erklärung nächtlicher Beklemmung durch einen personifizierten Druckgeist.





