Marie Morgane, Verführerin der bretonischen Küstenhöhlen
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Marie Morgane ist ein Geist der keltischen (bretonischen) Tradition.
Sie lockt Fischer mit Gesang und Schönheit in die Tiefe. Als Verführerin der bretonischen Küstenhöhlen verkörpert Marie Morgane Schönheit und tödliche Anziehung zugleich. Marie Morgane tritt in den bretonischen Sagen als Meerfrau auf, und der Text erläutert, in welchem Umfeld sie erzählt wird.
Die Marie Morgane ist die Meerfrau der bretonischen Küste: eine schöne Wasserfee, die Fischer mit Stimme und Schönheit ins Wasser lockt. Wer ihr folgt, wird unter die Wellen gezogen. Gesammelt vor allem von Paul Sébillot, der ab 1866 Berichte über bretonische Wasserfeen dokumentierte.
Typ: Wasserfee der bretonischen Küste
Herkunft: bretonischer Sagenkreis
Texte: Sébillot, Le Folklore de France
Zeitraum: vor allem 19. Jahrhundert
Erscheinung: schöne junge Frau, teils mit Fischschwanz
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Schriftlich vor allem im 19. Jahrhundert durch Sébillot gesammelt.
Verbreitungsraum
Die Bretagne, besonders die Nordküsten der Haute-Bretagne.
Quellenlage
Solide über Sébillots Sammlung, eigene deutschsprachige Monografien sind rar.
Name und Varianten
Bretonisch: Marie Morgane, auch Mari-Morgan, verbindet sich mit mor, Meer: aus dem Meer geboren, keltisch Mori-gena. Verwandt ist der irische Muirgen.
Gestalt und Verlockung
Erscheinung
Schöne junge Frau, teils mit, teils ohne Fischschwanz, näher an einer Wasserfee als an der Meerjungfrau. Kamm und Haar sind Symbole der Verlockung.
Wirkung
Sie verfolgt Fischer mit Liebeswerben; wer ihr folgt, wird ins Wasser gezogen und ertrinkt.
Steckbrief: Marie Morgane
Die wichtigsten Merkmale der bretonischen Meerfrau auf einen Blick.
Bretonischer Sagenkreis, seit 1866 von Sébillot gesammelt.
Junge Fischer und Seeleute der bretonischen Küste.
Schöne junge Frau, teils mit Fischschwanz, kämmt ihr Haar.
Verführung und Ertrinkungstod an Küstenhöhlen.
Der Verlockung widerstehen, Küstenhöhlen meiden.
Von der Meeresgeburt zur Fee der Küstenhöhlen
Marie Morgane, auch Mari-Morgan, verbindet sich mit bretonisch mor, Meer: aus dem Meer geboren, keltisch Mori-gena. Sébillot sammelte ab 1866 Berichte über Wasserfeen der Nordküsten. Ein Zweig führt nach Wales, wo Morgen als Herrscherin von Avalon gilt.
Bretonische Identität und stille Warnung
Die Marie Morgane ist fester Bestandteil bretonischer Identität, etwa in der Legende von Vannes, und lebendiges Erzählgut der Küste. Religionswissenschaftlich ist sie eine ambivalente, christlich überlagerte Wasserfee: Sie erklärt Ertrinkungstode und warnt vor Verführung.
Meiden statt Bannen
Die Quellenlage zu Schutzritualen ist dünn: Wirksamster Schutz ist das Widerstehen der Verlockung und das Meiden der Küstenhöhlen. Als Schutzmittel gelten Weihwasser, Amulett und geweihte Glocken.
Wasserfeen zwischen Bretagne und Avalon
Häufige Fragen zur Marie Morgane
Hat die Marie Morgane einen Fischschwanz?
Nicht zwingend. Sébillot beschrieb sie oft ohne Fischschwanz, näher an einer Wasserfee als an der klassischen Meerjungfrau.
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Marie Morgane Bretagne, wie viele sie suchen, bleibt vor allem eine bretonische Meerfrau: Sie lockt Fischer mit Gesang und Schönheit vom Ufer fort.





