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Bhoot, der Schattenlose mit verkehrten Füßen

Bhoot ist Geist der indischen Tradition.

Kein Schatten, verkehrte Füße: die Zeichen des ruhelosen Toten. Der Schattenlose mit den verkehrten Füßen steht im Zentrum des Steckbriefs. Bhoot zählt zu den bekanntesten ruhelosen Geistern Indiens.

GeistIndien

Inhaltsverzeichnis

Bhoot, Geist der indischenÜberlieferung
Bhoot

Bhoot ist der ruhelose Geist eines Verstorbenen in Indien, der nicht weiterziehen kann. Ursache ist ein gewaltsamer oder vorzeitiger Tod oder das Versäumnis der Hinterbliebenen, die korrekten Totenriten zu vollziehen.

Meist erscheint er in Menschengestalt und weißer Kleidung und kann sich in Tiere verwandeln. Verräterisch sind seine Zeichen: nach hinten gedrehte Füße, ein fehlender Schatten und eine nasale Stimme. Verbreitet ist der Glaube auf dem gesamten indischen Subkontinent, mit besonderer Dichte in Bengalen und Nordindien.

Der Bhoot ist ein Wiedergänger im weitesten Sinn: Die gedrehten Füße verbinden ihn eng mit der Churel, während ihn vom mächtigeren Brahmarakshasa unterscheidet, dass er kein besonderes Wissen aus seinem früheren Leben behält.

Auf einen Blick: Bhoot

Typ: Ruheloser Totengeist, die unerlöste Seele eines Verstorbenen
Herkunft: Indischer Volksglaube um unerlöste Seelen und versäumte Totenriten
Texte: als Begriff alt, systematisch dokumentiert seit Crooke (1896)
Zeitraum: traditionell bis modern, Kennzeichen seit dem 19. Jahrhundert belegt
Erscheinung: meist Menschengestalt in weißer Kleidung, wandelbar in Tiergestalt

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Der Begriff ist alt; als Wiedergänger-Vorstellung ist der Bhoot gut dokumentiert seit dem 19. Jahrhundert, vor allem durch William Crooke.

Verbreitungsraum

Der gesamte indische Subkontinent, mit besonderer Dichte in Bengalen und Nordindien.

Quellenlage

Solide: Grundlegend ist William Crookes Sammlung von 1896, ergänzt um die Überblickswerke von Pattanaik und Dallapiccola.

Name und Varianten

Sanskrit: Der Begriff bhuta bedeutet zugleich gewesen und seiend: Er benennt, was einmal ein Mensch war und nun als Rest seiner selbst weiterbesteht.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Der Bhoot zeigt sich meist in Menschengestalt und weißer Kleidung, verrät sich aber durch untrügliche Zeichen: nach hinten gedrehte Füße, keinen Schatten und eine nasale Stimme. Weil er die als heilig geltende Erde meidet, schwebt er knapp über dem Boden und haust bevorzugt in Bäumen.

Wirkung

Bhoots suchen Milch und tauchen hinein; wer die verseuchte Milch trinkt, riskiert nach dem Volksglauben die Besessenheit. In Erzählungen leistet ein Ahnungsloser dem Geist unwissentlich Gesellschaft, bis dieser sich durch seine Zeichen verrät.

Steckbrief: Bhoot

Die wichtigsten Aspekte des ruhelosen Totengeistes auf einen Blick.

Kulturkontext

Teil des indischen Wiedergänger-Glaubens um Seelen, die wegen gewaltsamen Todes oder versäumter Riten nicht weiterziehen können.

Bezogen auf

Nachtreisende und Alleingänger, denen der Bhoot an Todes- und Bedeutungsorten auflauert.

Darstellung

Menschengestalt in weißer Kleidung, erkennbar an rückwärts gedrehten Füßen und fehlendem Schatten; wandelbar in Tiergestalt.

Wirkungsbereich

Besessenheit durch verseuchte Milch und das unwissentliche Verstricken Ahnungsloser in seine ruhelose Gegenwart.

Umgang

Korrekte Feuerbestattung und regelmäßige Ahnenriten verhindern von vornherein, dass ein Verstorbener zum Bhoot wird.

Verwandtes

Die Churel teilt die verkehrten Füße als Kennzeichen, der weit mächtigere Brahmarakshasa ist der Geist eines Brahmanen.

Bhuta: die Seele, die weder gehen noch bleiben kann

Der Sanskrit-Begriff bhuta bedeutet zugleich gewesen und seiend: Er bezeichnet, was einmal gelebt hat und nun als Rest seiner selbst fortdauert. Der Bhoot ist die unerlöste Seele eines Verstorbenen, die weder zur Wiedergeburt noch in ein Jenseits gelangen kann, sei es durch einen gewaltsamen oder vorzeitigen Tod, unerledigte Angelegenheiten oder das Versäumnis der Hinterbliebenen, die korrekten Totenriten zu vollziehen. William Crooke nannte 1896 die verräterischen Kennzeichen, an denen man einen Bhoot erkennt.

Nach der Lehre kann eine Seele nicht zerstört werden. Ritualspezialisten vollziehen daher ein aus dem Atharvaveda abgeleitetes Ritual der Seelenberuhigung, das dem Bhoot den unterbrochenen Übergang doch noch ermöglicht.

Bhoot in Erzählung und Kinderliteratur

Der Bhoot ist fest in der bengalischen Märchen- und Kinderliteratur verankert, etwa in der Sammlung Thakurmar Jhuli von 1907, dazu in Radioformaten und in indischen und bangladeschischen Horror-Anthologien.

Religionswissenschaftlich ist der Bhoot die volkstümliche Ausprägung des Preta, der Seele unmittelbar nach dem Tod. Kern der Vorstellung ist die karmische Unerlöstheit einer Seele, die durch mangelhafte Totenriten oder unnatürlichen Tod nicht in den Ahnenstatus übergehen konnte. Die Abwehr zielt deshalb nicht auf Vernichtung, sondern auf den rituellen Abschluss, der der Seele fehlt.

Ahnenriten, Eisen und verbrannte Kurkuma

Die Prävention setzt an der Wurzel an: Eine korrekte Feuerbestattung und regelmäßige Ahnenriten sollen von vornherein verhindern, dass ein Verstorbener zum Bhoot wird. Ist er dennoch entstanden, gilt Eisen als wirksames Mittel; schon ein Stahlarmreif soll schützen. Der Geruch verbrannter Kurkuma beim Räuchern vertreibt den Geist, ebenso meidet er Weihwasser und Wasser überhaupt. Auch das Anrufen von Gottheiten und Mantras gilt als wirksam.

Der Bhoot im Kreis der Wiedergänger

Der Bhoot ist ein Wiedergänger im allgemeinen Sinn: die ruhelose Seele nach unnatürlichem Tod oder versäumten Riten, vergleichbar mit entsprechenden europäischen Vorstellungen. Als unversorgter Toter entspricht er dem chinesischen hungrigen Geist. Die gedrehten Füße verbinden ihn eng mit der Churel.

Häufige Fragen zum Bhoot

Woran erkennt man einen Bhoot?

An drei verräterischen Zeichen: fehlender Schatten, nasale Stimme und nach hinten gedrehte Füße. Dazu schwebt er knapp über dem Boden und trägt meist weiße Kleidung.

Kann man einen Bhoot töten?

Nein, die Seele gilt als unzerstörbar. Sie wird stattdessen durch Ahnenriten befriedet und zur Weiterreise bewegt.

Warum haust er in Bäumen?

Weil die Erde als heilig gilt und der Bhoot den Bodenkontakt meidet, zieht er sich in Bäume zurück.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Crooke, William: The Popular Religion and Folk-Lore of Northern India. London 1896.
  • Pattanaik, Devdutt: Myth = Mithya. A Handbook of Hindu Mythology. New Delhi 2006.
  • Dallapiccola, Anna L.: Dictionary of Hindu Lore and Legend. London 2002.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als indischer Geist bleibt der Bhoot vor allem eines: ein ruheloser Toter, der sich durch fehlenden Schatten und verkehrte Füße verrät, ehe ihn die Ahnenriten endlich weiterziehen lassen.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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