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Hiisi, vom Kultplatz zum bösen Riesen

Hiisi ist Geist der finnischen Tradition.

Erst heiliger Hain, dann böser Riese der Berge und Felsen. Der Artikel zeichnet den Wandel vom heiligen Kultplatz zum gefürchteten Riesen nach. Bereits der Titel verortet Hiisis Wandel vom heiligen Hain zum Bergdämon.

GeistFinnland

Inhaltsverzeichnis

Hiisi, vom heiligen Hain zum Bergdämon
Hiisi

Hiisi ist ein finnischer Berg- und Wildnisgeist, dessen Bedeutung sich grundlegend wandelte: ursprünglich ein heiliger Hain und Kultort, dann ein Berg- und Wildnisgeist und nach der Christianisierung ein böser Riese oder Dämon der Berge und Felsen. Der Plural lautet Hiidet.

In der finnischen und ostseefinnischen Überlieferung fallen hiisi-Orte oft mit eisenzeitlichen Gräberfeldern, Schalensteinen und markanten Geländepunkten wie Felsblöcken und Klippen zusammen. In der Kalevala schließlich ist Hiisi eine bösartige Macht und Widersacher der Helden.

Im Überblick: Hiisi

Typ: Berg- und Wildnisgeist, nach der Christianisierung Riese und Dämon
Herkunft: Finnland und ostseefinnischer Raum
Texte: Kalevala, volkskundliche Sammlungen von Holmberg bis Siikala
Zeitraum: vorchristlicher Kult bis zur Dämonisierung in der Kalevala
Erscheinung: riesenhaft-unheimlich, oft kollektiv als Hiidet

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Die Überlieferung reicht vom vorchristlichen Kult bis zur Dämonisierung in der Kalevala; der Bedeutungswandel selbst ist die eigentliche Geschichte dieser Gestalt.

Verbreitungsraum

Finnland und der ostseefinnische Raum; estnisch entspricht hiis, der heilige Hain, oft auf Anhöhen gelegen.

Quellenlage

Gut belegt: die Kalevala Lönnrots, die Volksüberlieferung mit ihren hiisi-Orten und die Forschung von Holmberg bis Siikala.

Name und Varianten

Finnisch: hiisi bedeutete ursprünglich heiliger Hain oder Kultstätte, vergleichbar estnisch hiis, oft auf Anhöhen. Der Plural lautet Hiidet. Der Bedeutungswandel führte vom Kultort zum Berg- und Wildnisgeist und nach der Christianisierung zum bösen Riesen, Dämon oder Teufel.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Nach der Dämonisierung ist Hiisi riesenhaft-unheimlich, ohne feste Einzelgestalt, oft kollektiv als Hiidet, als Dämonenschar; in der Kalevala ist er eine bösartige Macht.

Wirkung

Als Geländeschöpfer gedeutet, gelten der hiidenkirnu, der Gletschertopf oder Riesenkessel, und der hiidenkiuas, der Steinhügel oder Cairn, als Werk der Hiisi. In der Kalevala ist Hiisi Widersacher der Helden, etwa der Elch des Hiisi, den Lemminkäinen jagt.

Steckbrief: Hiisi

Die wichtigsten Aspekte des Berg- und Wildnisgeistes auf einen Blick.

Tradition

Umdeutung eines heiligen Ortes zum Dämon: hiisi-Plätze fallen oft mit eisenzeitlichen Gräberfeldern und Schalensteinen zusammen.

Bezogen auf

Den Volksglauben der Berge und Wildnis: markante Felsblöcke, Klippen, Gletschertöpfe und Steinhügel gelten als Werk der Hiisi.

Darstellung

Riesenhaft-unheimlich, ohne feste Einzelgestalt, oft kollektiv als Hiidet, die Dämonenschar der dämonisierten Vorstellung.

Wirkungsbereich

In der Kalevala Widersacher der Helden, etwa der Elch des Hiisi, den Lemminkäinen jagt; zuvor Geist der Berge und der Wildnis.

Umgang

Erst Opfer und Verehrung am heiligen Hain, nach der Dämonisierung christliche Abwehr; eine einheitliche Anti-Hiisi-Ritualik gibt es nicht.

Verwandtes

Lempo, Piru und Juntas, Dämonennamen der Kalevala; estnisch hiis; funktional wurde Hiisi dem christlichen Teufel angenähert.

Vom heiligen Hain zum Teufelswort

Hiisi bedeutete ursprünglich heiliger Hain oder Kultstätte, vergleichbar estnisch hiis, oft auf Anhöhen. Der Bedeutungswandel führte über den Kultort zum Berg- und Wildnisgeist und nach der Christianisierung zum bösen Riesen, Dämon oder Teufel.

Dass am Anfang wirklich ein Ort stand, stützt die Ortskunde: hiisi-Plätze fallen in der finnischen und ostseefinnischen Überlieferung oft mit eisenzeitlichen Gräberfeldern, Schalensteinen und markanten Geländepunkten wie Felsblöcken und Klippen zusammen. Die Landschaft selbst hat sich den alten Kult gemerkt, während die Erzählung aus dem heiligen Platz eine finstere Gestalt machte.

Nachleben und Einordnung

Hiisi ist vor allem über Elias Lönnrots Kalevala zentral; im Finnischen lebt er in hiisi-Ortsnamen und in der Redewendung Mene hiiteen, geh zum Teufel, fort und ist in Fantasy und Metal präsent.

Religionswissenschaftlich zeigt Hiisi die Umdeutung eines heiligen Ortes zum Dämon. Wichtige Klarstellung: Ein häufiger Fehler ist es, Hiisi als schon immer bösen Berg-Dämon zu lesen; korrekt ist, dass der ursprüngliche Sinn heiliger Hain oder Kultstätte war und die Dämonisierung ein christlich bedingter sekundärer Bedeutungswandel ist.

Von der Verehrung zur Bannung

Ursprünglich bestand ein positiver Kult mit Opfer und Verehrung am heiligen Hain; nach der Dämonisierung trat die christliche Abwehr an ihre Stelle. Eine einheitliche Anti-Hiisi-Ritualik gibt es nicht; der Umgang kippt historisch von Verehrung zu Bannung. Als überlieferte Schutzmittel gegen den dämonisierten Riesen gelten Eisen und Salz, dazu das Schutzzeichen im ehrfürchtigen Umgang mit dem alten Bergort.

Lempo, Piru und der Teufel

Hiisi ist verwandt mit oder gleichgesetzt mit Lempo, Piru und Juntas, Dämonennamen der Kalevala; estnisch entspricht hiis, und funktional wurde Hiisi dem christlichen Teufel angenähert. Innerhalb der finnischen Geisterwelt ist er vom Maahinen zu unterscheiden, dem kleinen unterirdischen Volk; als riesenhafter Berggeist steht ihm der skandinavische Bergtroll nahe.

Häufige Fragen zum Hiisi

Was war Hiisi ursprünglich?

Ein heiliger Hain und Kultort, nicht ein böser Dämon. Die dunkle Bedeutung ist jünger.

Wie wurde Hiisi zum Dämon?

Durch einen christlich bedingten sekundären Bedeutungswandel nach der Christianisierung.

Was sind die Hiidet?

Der Plural von Hiisi, eine kollektive Dämonenschar der dämonisierten Vorstellung.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Lönnrot, Elias: Kalevala. Helsinki 1849.
  • Holmberg, Uno: Finno-Ugric and Siberian Mythology. Boston 1927.
  • Siikala, Anna-Leena: Mythic Images and Shamanism. Helsinki 2002.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als finnischer Berggeist trägt Hiisi seine ganze Geschichte im Namen: heiliger Hain und Dämon zugleich, je nachdem, welche Epoche der Überlieferung spricht.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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