Asag, Ninurtas Gegner aus dem Gebirge
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Asag ist ein Dämon der mesopotamischen Tradition.
Der Chaosdämon aus dem Gebirge, den Ninurta erschlägt. Als Gegner Ninurtas gilt Asag in der Überlieferung als Chaosdämon Mesopotamiens.
Asag, akkadisch Asakku, ist ein mesopotamischer Krankheits- und Chaosdämon. Auf der einen Ebene ist er eine schwere Fieberkrankheit, auf der anderen das mythische Monster, das der Gott Ninurta im Epos Lugal-e erschlägt.
Anders als viele Gestalten dieser Reihe ist Asag kein Wüstendämon: Alle Fachquellen binden ihn an das Gebirge, den Zagros. Von dort führt er im Epos ein Heer aus Steinen gegen die Städte, bis Ninurta ihn stellt und aus den besiegten Steinen die Bewässerungsordnung des Tigris schafft.
Typ: Krankheits- und Chaosdämon, akkadisch Asakku
Herkunft: Sumerisch-akkadische Überlieferung
Texte: Epos Lugal-e, Beschwörungsserie Asakku marsutu
Zeitraum: Ur III bis hellenistische Zeit
Erscheinung: vaterloser Krieger mit einem Heer aus Steinen
Quellen und Zeitstellung
Zeitraum der Texte
Als Wort ist Asag von der Ur-III-Zeit bis in die hellenistische Epoche belegt; das Epos Lugal-e wurde altbabylonisch verschriftlicht.
Verbreitungsraum
Mesopotamien, mit klarer Bindung an das Gebirge: Die Fachquellen verorten Asag im Zagros, nicht in der Wüste.
Belegdichte
Gut dokumentiert: das Lugal-e in der Edition van Dijks, die Übersetzung Jacobsens und die Handbücher der Assyriologie.
Name und Varianten
Sumerisch: a-sag, akkadisch Asakku, benachbart zum Wort azag, Tabu oder Unberührbares. Beide Ebenen des Wesens, die Krankheit und das Monster, laufen unter demselben Namen.
Gestalt und Kampfweise
Erscheinung
Im Lugal-e ist Asag ein vaterloser Krieger, gezeugt von Himmel und Erde, ein Mörder aus den Bergen, den die Pflanzen zum König gewählt haben. Seine Krieger sind Steine wie Diorit und Hämatit, die die Städte überfallen.
Wirkung
Auf der Krankheitsebene ist Asag ein personifiziertes Fieber mit Kopfschmerz. Auf der Mythosebene verkörpert er Chaos und Unordnung und bedroht die kosmische wie die wirtschaftliche Ordnung von Wasser und Ackerbau.
Steckbrief: Asag
Die wichtigsten Aspekte des Chaosdämons auf einen Blick.
Sumerisch-akkadische Doppelgestalt: Fieberkrankheit der Beschwörungstexte und Monster des Lugal-e, belegt von Ur III bis in hellenistische Zeit.
Die Städte und die Ordnung: Asags Steinheer fällt aus dem Gebirge über das Kulturland her und bedroht Wasserwirtschaft und Ackerbau.
Vaterloser Krieger, gezeugt von Himmel und Erde, von den Pflanzen zum König gewählt; sein Heer besteht aus Steinen wie Diorit und Hämatit.
Krankheit und Chaos: als Asakku ein personifiziertes Fieber mit Kopfschmerz, im Mythos die Bedrohung der kosmischen Ordnung.
Beschwörungspriester und die kanonische Serie Asakku marsutu mit Anrufung von Ea und Marduk und Substitutionsriten; im Mythos siegt die Keule Scharur.
Anzu, der die Schicksalstafel stiehlt, und das Drachenungeheuer Labbu; Gegner aller drei ist Ninurta.
Das Lugal-e: Ninurta gegen den Dämon der Berge
Das Epos Lugal-e, altbabylonisch verschriftlicht, erzählt den Kampf: Asag, der vaterlose Krieger aus dem Gebirge, zieht mit seinem Steinheer gegen die Städte. Ninurtas sprechende Keule Scharur warnt ihren Herrn, Vater Enlil rät, und schließlich erschlägt Ninurta den Dämon.
Bemerkenswert ist, was danach kommt: Ninurta hält Gericht über die Steine, die auf Asags Seite standen, ordnet sie und schafft aus ihnen das Bewässerungssystem des Tigris. Der Chaoskampf endet nicht mit der Vernichtung, sondern mit einer Neuordnung der Welt; aus dem besiegten Chaos wird die Grundlage des Ackerbaus.
Nachwirkung und Einordnung
Asag lebt vor allem in der Assyriologie und in der Rezeption des Lugal-e fort; eine breite populäre Nachwirkung blieb aus.
Religionswissenschaftlich ist Asag ein Krankheits- und Chaosdämon. Wichtige Klarstellungen: Er ist kein Wüstendämon, sondern gebirgsgebunden, die Fachquellen verorten ihn im Zagros. Das Bild, dass in seiner Gegenwart die Fische kochen, ist eine Paraphrase, kein wörtlicher Vers. Und er steht nicht in Ninurtas Trophäenlisten, sondern ist der Hauptgegner des Gottes.
Beschwörung gegen den Asakku
Gegen die Krankheitsseite des Asag half der Beschwörungspriester mit der kanonischen Serie Asakku marsutu, den bösartigen Asakku-Dämonen: Sie ruft Ea und Marduk an und arbeitet mit Substitutionsriten, die das Übel auf einen Stellvertreter übertragen. Auf der Mythosebene liegt die Abwehr dagegen beim Heldengott selbst; dort siegt die sprechende Keule Scharur mit Enlils Beistand.
Anzu, Labbu und der Chaoskampf
Asag gehört zu den großen Gegnern des mesopotamischen Chaoskampfs. Verwandt sind Anzu, der die Schicksalstafel stiehlt und ebenfalls von Ninurta erschlagen wird, und das Drachenungeheuer Labbu. Ninurta ist der älteste Chaoskampf-Protagonist; seine Mythologie wurde später auf Marduk übertragen. Auf der Krankheitsseite steht ihm der Nachtdämon Alu aus demselben Beschwörungswesen zur Seite.
Häufige Fragen zum Asag
Was ist Asag?
Ein mesopotamischer Krankheits- und Chaosdämon, Gegner des Gottes Ninurta. Er ist zugleich eine schwere Fieberkrankheit und das Monster des Epos Lugal-e.
Ist Asag ein Wüstendämon?
Nein, er ist gebirgsgebunden; die Fachquellen verorten ihn im Zagros. Die Wüsten-Zuordnung ist ein verbreiteter Irrtum.
Wer besiegt Asag?
Der Gott Ninurta mit seiner sprechenden Keule Scharur. Nach dem Sieg ordnet er die Steine und schafft aus ihnen das Bewässerungssystem des Tigris.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Mesopotamien – alle Wesen des Zweistromlandes
- Ninurta – der Gott, der Asag erschlägt
- Anzu, Alu – verwandte Gestalten des mesopotamischen Systems
- Amulett, Weihwasser, Eisen – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als mesopotamischer Chaosdämon des Lugal-e und als Asakku der Beschwörungsserien führt Asag beide Gesichter der Gefahr zusammen: das mythische Ungeheuer aus dem Gebirge und das Fieber, das den Einzelnen befällt.





