Anzu ist Dämon der mesopotamischen Tradition.
Der Löwenadler, der den Göttern die Schicksalstafeln raubt.
Anzu, sumerisch Imdugud, ist ein löwenköpfiger Adler und Sturmdämon Mesopotamiens. Er ist ambivalent: Als Chaosmacht raubt er die Schicksalstafeln, als Imdugud ist er zugleich das schützende Wappentier des Gottes Ningirsu.
Diese Doppelrolle ist der Kernbefund der Forschung. Dasselbe Wesen, das im Mythos die göttliche Ordnung an sich reißt, bewachte als Bildmotiv die Tempeleingänge; das berühmte Relief aus Tell al-Ubaid zeigt den Löwenadler um 2500 vor unserer Zeit als Emblem, nicht als Ungeheuer.
Typ: Löwenköpfiger Adler und Sturmdämon, zugleich Schutzemblem
Herkunft: Sumer, Babylonien, Assyrien
Texte: Anzu-Mythos in altbabylonischer und standardbabylonischer Fassung
Zeitraum: ab dem 3. Jahrtausend v. u. Z.
Erscheinung: Adler mit Löwenkopf
Belegt ab dem 3. Jahrtausend v. u. Z.; der Mythos liegt in zwei Hauptfassungen vor, altbabylonisch mit dem Helden Ningirsu und standardbabylonisch mit Ninurta.
Sumer, Babylonien und Assyrien; die Bildzeugnisse reichen vom Tempel der Ninchursag in Tell al-Ubaid bis zu den Reliefs von Nimrud.
Gut erschlossen: der Anzu-Mythos in den Editionen von Annus und Foster sowie die Bildzeugnisse und Handbücher der Assyriologie.
Sumerisch: Imdugud, meist als schwere Gewitterwolke gedeutet, akkadisch Anzu. Die Deutung des Namens als An plus Zu, Himmel und Wissen, ist volksetymologisch. George Smith edierte den Text 1876 noch als Sünde des Gottes Zu; erst in den 1960er und 1970er Jahren setzte sich die Lesung Anzu durch.
Erscheinung
Anzu ist ein löwenköpfiger Adler. Das Imdugud-Relief aus Tell al-Ubaid, um 2500 vor unserer Zeit, zeigt den Löwenadler, der zwei Hirsche packt; es stammt ursprünglich vom Tempel der Ninchursag. Ein Relief aus Nimrud zeigt Ninurta, der Anzu verfolgt.
Wirkung
Anzu personifiziert Sturm und Gewitter. Im Mythos stiehlt er die Schicksalstafeln und entreißt damit die Herrschaft über die Ordnung der Welt; als Imdugud ist er zugleich das schützende Emblem Ningirsus.
Die wichtigsten Aspekte des Löwenadlers auf einen Blick.
Sumerisch-akkadische Gestalt ab dem 3. Jahrtausend, überliefert im Anzu-Mythos in zwei Fassungen und in einer reichen Bildtradition.
Die göttliche Ordnung: Mit dem Raub der Schicksalstafeln reißt Anzu die Herrschaft an sich, die Enlil zusteht.
Löwenköpfiger Adler; das Relief aus Tell al-Ubaid zeigt ihn, wie er zwei Hirsche packt, ein Nimrud-Relief die Verfolgung durch Ninurta.
Personifikation von Sturm und Gewitter; im Mythos die Chaosmacht, als Imdugud das schützende Wappentier des Gottes Ningirsu.
Ein eigenes Abwehrritual ist nicht belegt; umgekehrt diente das Imdugud-Bild selbst als Schutzemblem an Tempeleingängen.
Der Mythos beginnt mit einem Vertrauensbeweis: Enlil setzt Anzu als Wächter ein. Doch während Enlil badet, stiehlt Anzu die Schicksalstafeln und entreißt damit die Herrschaft. Ninurta zieht gegen ihn aus, und zunächst versagen seine Pfeile, weil Anzu sie kraft der Tafeln zurückverwandelt.
Erst der Rat Eas wendet den Kampf: Ninurta ruft den Südwind, der Anzu die Federn wegträgt, und tötet ihn; die Tafeln kehren zurück. Der Mythos liegt in zwei Hauptfassungen vor, altbabylonisch mit Ningirsu als Held, standardbabylonisch mit Ninurta. Wer den Sieger nennt, muss also dazusagen, welche Fassung er meint.
Anzu ist in der Assyriologie und über den Anzu-Mythos breit rezipiert. Die Forschungsgeschichte hat dabei ihre eigenen Irrwege: George Smith edierte den Text 1876 als Sünde des Gottes Zu, erst in den 1960er und 1970er Jahren setzte sich die Lesung Anzu durch; und das Nimrud-Relief galt im 19. Jahrhundert lange fälschlich als Marduk gegen Tiamat.
Religionswissenschaftlich ist Anzu ein ambivalenter Löwenadler und Sturmdämon. Wichtige Klarstellungen: Er ist nicht nur böser Dämon, sondern zugleich Schutzemblem und Helfer, die Ambivalenz ist der Kernbefund. Der Held ist je nach Fassung Ninurta oder Ningirsu. Und die Deutung An plus Zu als Himmel und Wissen ist volksetymologisch.
Ein eigenes Abwehrritual gegen Anzu ist nicht belegt, und das ist bezeichnend: Die Gefahr, die er verkörpert, wird im Mythos durch den Heldengott gebannt, nicht durch Beschwörung im Alltag. Umgekehrt fungierte das Imdugud-Bild selbst als Schutzemblem an Tempeleingängen. Das Wesen, vor dem die Götter zittern, schützte in seiner älteren Gestalt die Häuser der Götter.
Anzu steht neben den anderen großen Chaosmonstern Mesopotamiens: neben Asag, dem Gegner des Lugal-e, und Tiamat, dem Urmeer des Enuma elisch. Ninurta und Ningirsu sind die klassischen Drachentöter dieser Kämpfe; ihre Rolle übernimmt später Marduk. Auf der dämonischen Seite desselben Systems steht der Nachtdämon Alu.
Was ist Anzu?
Ein löwenköpfiger Adler und Sturmdämon Mesopotamiens, sumerisch Imdugud. Er ist zugleich Chaosmacht und Schutzemblem.
Was tut Anzu im Mythos?
Er stiehlt die Schicksalstafeln, während Enlil badet, und wird von Ninurta besiegt, nachdem der Südwind ihm auf Rat Eas die Federn weggetragen hat.
Ist Anzu nur böse?
Nein. Als Imdugud ist er das schützende Wappentier des Gottes Ningirsu, und sein Bild diente als Schutzemblem an Tempeleingängen. Diese Ambivalenz ist der Kernbefund.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als mesopotamischer Löwenadler ist Anzu mehr als ein Sturmdämon: Dasselbe Wesen, das die Schicksalstafeln raubte, bewachte als Imdugud die Tempel, und genau diese Doppelrolle macht seine Gestalt bis heute so aufschlussreich.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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