Ketev Meriri ist Dämon der jüdischen Tradition.
Das bittere Verderben, das mittags mit dem Blick tötet. Der Steckbrief verortet Ketev Meriri in den heißen Stunden des Mittags als gefürchtete Gestalt.
Ketev Meriri, das bittere Verderben, ist ein jüdischer Dämon der Mittagshitze und Seuche. Er personifiziert die überwältigende Sonnenglut und tötet mit seinem Blick, wer ihn in der gefährlichsten Tageszeit sieht.
Im biblischen Hebräisch ist Ketev zunächst ein Abstraktum für Verderben oder Seuche, kein Eigenname; erst die rabbinische und mittelalterliche Rezeption machte daraus eine Dämonengestalt. Die berühmte Schreckensbeschreibung liefert der Midrasch Numeri Rabba: ein Wesen aus Schuppen, Haaren und Augen.
Typ: Dämon der Mittagshitze und Seuche
Herkunft: Hebräische Bibel, rabbinische Rezeption
Texte: Deuteronomium 32,24, Psalm 91,6, Pesachim 111b, Numeri Rabba 12,3
Zeitraum: biblische Epochen bis Midrasch
Erscheinung: schuppig, haarig, ganz aus Augen
Die Belege reichen von der Hebräischen Bibel über den Talmud bis in den Midrasch; die Personifizierung zum Dämon ist ein Vorgang der rabbinischen und mittelalterlichen Rezeption.
Die jüdische Überlieferung; gedacht ist der Dämon in der Glut des Hochsommers, in den Übergangszonen zwischen Sonne und Schatten.
Gut belegt: die biblischen Ketev-Stellen, Pesachim 111b und Numeri Rabba 12,3, dazu die Fachliteratur von Blair bis Bohak.
Hebräisch: ketev, Verderben oder Seuche, im biblischen Hebräisch ein Abstraktum, kein Eigenname; meriri bedeutet bitter. Die Vollform Ketev Meriri, bitteres Verderben, steht nur in Deuteronomium 32,24; weitere Ketev-Stellen sind Jesaja 28, Hosea 13 und Psalm 91,6.
Erscheinung
Die berühmte Schreckensbeschreibung steht in Numeri Rabba 12,3: Ketev Meriri ist aus lauter Schuppen, Haaren und Augen gemacht; ein Auge sitzt ihm im Herzen, und wer es sieht, Mensch oder Tier, fällt und stirbt. Der Talmud in Pesachim 111b macht ihn dagegen zum Vormittags-Dämon.
Wirkung
Ketev Meriri personifiziert die überwältigende Mittagshitze und die mit ihr verbundene Seuche. Nach Numeri Rabba wirkt er täglich zwischen der vierten und der neunten Stunde und kalendarisch in den hochsommerlichen Drei Wochen; sein tödlicher Blick trifft in den Übergangszonen zwischen Sonne und Schatten.
Die wichtigsten Aspekte des Dämons der Mittagshitze auf einen Blick.
Biblisches Abstraktum für Verderben und Seuche, das die rabbinische und mittelalterliche Rezeption zur Dämonengestalt personifizierte.
Menschen in der Mittagshitze, besonders in den hochsommerlichen Drei Wochen; auch Tiere fallen seinem Blick zum Opfer.
Nach Numeri Rabba ein Wesen aus Schuppen, Haaren und Augen, mit einem Auge im Herzen, dessen Anblick tötet.
Personifikation von Sonnenglut und Seuche; wirksam zwischen der vierten und neunten Stunde, in den Zonen zwischen Sonne und Schatten.
Meiden der Mittagsstunden im Hochsommer, Schonung der Kinder in den Drei Wochen und Psalm 91 als Lied gegen die Plagegeister.
Der christlich-monastische Mittagsdämon als übersetzungsgeschichtliche Brücke; im Cluster der Seuchenmächte stehen Reshef und Deber neben ihm.
Am Anfang steht ein Wort, kein Wesen: ketev bezeichnet im biblischen Hebräisch Verderben oder Seuche. Die Vollform Ketev Meriri, bitteres Verderben, steht nur in Deuteronomium 32,24; weitere Ketev-Stellen sind Jesaja 28, Hosea 13 und Psalm 91,6. Erst die rabbinische und mittelalterliche Rezeption machte aus dem Abstraktum eine Dämonengestalt.
Diese Rezeption ist nicht einheitlich. Numeri Rabba 12,3 stattet den Dämon mit der bekannten Schreckensgestalt aus und legt seine Wirkzeit auf die Stunden zwischen der vierten und der neunten sowie auf die hochsommerlichen Drei Wochen. Der Talmud in Pesachim 111b weicht davon ab und macht Ketev Meriri zum Vormittags-Dämon. Wer von ihm als Mittagsdämon spricht, beschreibt also nur eine von mehreren Traditionslinien.
Die folgenreichste Station der Rezeption ist Psalm 91,6: Das Verderben, das am Mittag verheert, wird in Septuaginta und Vulgata zum Mittagsdämon, während der masoretische Text eine Seuche meint, die mittags am gefährlichsten ist. Von dieser Übersetzung führt die Brücke zum christlich-monastischen Mittagsdämon.
Religionswissenschaftlich ist Ketev Meriri ein Mittags- und Seuchendämon. Wichtige Klarstellungen: Die Vollform steht nur in Deuteronomium 32,24, und der Talmud macht ihn sogar zum Vormittags-Dämon. Die Augen- und Schuppen-Ikonografie stammt aus Numeri Rabba, nicht dem Talmud. Und der Mittagsdämon ist ein Übersetzungsprodukt der Septuaginta und Vulgata.
Der überlieferte Schutz ist praktisch: Man meidet die Mittagsstunden im Hochsommer. Numeri Rabba überliefert, dass Rabbi Jochanan anwies, in diesen Tagen Kinder nicht zu schlagen, und dass ein Weiser die Kinder nach vier Stunden aus dem Unterricht entließ, um die gefährlichste Zeit zu meiden. Als rituelle Abwehr gilt Psalm 91 als das Lied gegen die Plagegeister.
Über die Übersetzungsgeschichte von Psalm 91 ist Ketev Meriri direkt mit dem christlich-monastischen Mittagsdämon verbunden; im Cluster der personifizierten Seuchen- und Todesmächte steht er neben Reshef und Deber. Innerhalb der jüdischen Dämonenwelt bilden die Se’irim der Wüste und die Nachtkönigin Agrat bat Mahlat das räumliche und zeitliche Gegenstück, ebenso Lilith als Gestalt der Nacht.
Was ist Ketev Meriri?
Ein jüdischer Dämon der Mittagshitze und Seuche mit tödlichem Blick. Der Name bedeutet bitteres Verderben.
Wann ist er gefährlich?
In der Mittagshitze der hochsommerlichen Drei Wochen, täglich zwischen der vierten und der neunten Stunde; der Talmud nennt abweichend den Vormittag.
Ist er wirklich der Mittagsdämon von Psalm 91?
Der Mittagsdämon ist ein Übersetzungsprodukt der Septuaginta und Vulgata; der masoretische Text meint eine Seuche. Die Vollform Ketev Meriri steht nur in Deuteronomium 32.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Mittagsdämon wurde Ketev Meriri erst durch die Übersetzungen berühmt; als Seuchendämon der hebräischen Texte steht er für eine Gefahr, die nicht aus der Dunkelheit kommt, sondern aus dem grellsten Licht des Tages.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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