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Mamu, die verschlingende Macht der Western Desert

Mamu sind Geister der Aboriginal-Überlieferung Australiens.

Die verschlingende Geistmacht, die viele Gestalten trägt. Der Steckbrief beschreibt Mamu als Sammelbegriff für die bösen Geister der Anangu-Überlieferung.

GeisterAustralien

Inhaltsverzeichnis

Mamu, die bösen Geister der Anangu
Mamu

Mamu ist eine böse Geistmacht der Anangu, der Pitjantjatjara und Yankunytjatjara, in der australischen Western Desert. Das Wort bezeichnet keine einzelne Kreatur, sondern eine Kategorie böser Geistmacht und zugleich ihre vielen Verkörperungen.

Mamu sind mit Krankheit, Unglück und gefährlichen Orten verbunden und richten sich in den Erzählungen besonders an Kinder. Getragen wird der Glaube von den Anangu der APY-Lands; sakrale Einzelheiten bleiben auf dieser Seite, dem Charakter der Überlieferung entsprechend, ausgespart.

Auf einen Blick: Mamu

Typ: Kategorie böser Geistmacht und ihrer Verkörperungen
Herkunft: Anangu-Volksglaube der Pitjantjatjara und Yankunytjatjara
Texte: ethnografische Dokumentation, vor allem Eickelkamp
Zeitraum: lebendiger Volksglaube, ethnografisch dokumentiert
Erscheinung: wandelbar; große Augen, scharfe Fangzähne

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Mamu gehört zum lebendigen Volksglauben der Anangu und ist ethnografisch dokumentiert; die wichtigste Feldforschung stammt von Ute Eickelkamp und fand in Pukatja statt.

Verbreitungsraum

Die östliche Western Desert Australiens, besonders die APY-Lands der Pitjantjatjara und Yankunytjatjara.

Quellenlage

Gut dokumentiert durch Eickelkamps Feldforschung, dazu Wörterbuch- und Übersichtsliteratur; die englischsprachige Literatur bleibt insgesamt schmal.

Name und Varianten

Western-Desert-Sprache: mamu, eine seelenzerstörende, verschlingende, bösartige Macht. Das Wort meint zugleich die Kraft selbst und ihre vielen Verkörperungen; im Anangu-Englisch wird es oft mit spooky spirit wiedergegeben. Dieser Kategorie-Charakter ist der zentrale Punkt.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Mamu sind stark variabel, da Gestaltwandler. Wiederkehrend sind große hervortretende Augen, mal kahle, mal behaarte Köpfe mit langem, aufrechtem Haar, und scharfe Fangzähne. Sie können menschenähnlich, als Tier oder als Feuerball erscheinen und hausen unterirdisch oder in hohlen Bäumen.

Wirkung

Mamu sind mit Krankheit, Unglück, geistigem Angriff und gefährlichen Orten verbunden und werden ausdrücklich als Kinderschreck zur Verhaltenssteuerung eingesetzt. Aus der Kontaktzeit ist überliefert, dass manche ältere Anangu die Atompilz-Wolke der Atomtests bei Maralinga als Mamu-Zorn deuteten.

Steckbrief: Mamu

Die wichtigsten Aspekte der Geistmacht auf einen Blick.

Kulturkontext

Zentrales Konzept der Anangu in der östlichen Western Desert: eine Kategorie böser Geistmacht, im Anangu-Englisch oft spooky spirit genannt.

Bezogen auf

Besonders Kinder, denen die Erzählungen Vorsicht einschärfen, sowie gefährliche Orte, an denen Mamu vermutet werden.

Darstellung

Wandelbar: menschenähnlich, als Tier oder als Feuerball; wiederkehrend große hervortretende Augen und scharfe Fangzähne.

Wirkungsbereich

Krankheit, Unglück und geistiger Angriff; daneben die soziale Funktion als Kinderschreck zur Verhaltenssteuerung.

Umgang

Vorsicht, Meidung und die Anleitung durch Erwachsene; als Spezialisten gelten die Ngangkari, die traditionellen Anangu-Heiler.

Verwandtes

Pangkarlangu und Ngayurnangalku aus dem Menschenfresser-Komplex der Western Desert.

Eine Kategorie, kein einzelnes Wesen

Mamu ist ein Wort der Western-Desert-Sprache und meint eine seelenzerstörende, verschlingende, bösartige Macht, zugleich die Kraft selbst und ihre vielen Verkörperungen. Genau dieser Kategorie-Charakter unterscheidet Mamu von benannten Einzelwesen: Wer von Mamu spricht, benennt eine ganze Klasse von Geistmacht, nicht eine Figur mit fester Biografie.

Getragen wird der Glaube von den Anangu der APY-Lands, den Pitjantjatjara und Yankunytjatjara. Die wichtigste ethnografische Dokumentation stammt von Ute Eickelkamp, deren Feldforschung in Pukatja stattfand. Im Anangu-Englisch zirkuliert das Wort bis heute, meist in der Wiedergabe als spooky spirit.

Kunst, Rezeption und Einordnung

Mamu ist ein bekanntes Motiv der Western-Desert-Kunst, vor allem bei Nura Rupert, deren Bild Mamu von 2006 die Art Gallery of South Australia besitzt. Der Begriff zirkuliert im Anangu-Englisch und im Uluru-Tourismus.

Religionswissenschaftlich ist Mamu ein genuines, zentrales Anangu-Konzept. Wichtige Klarstellungen: Es ist eine Kategorie böser Geistmacht, kein einzelnes benanntes Wesen. Die englischsprachige Literatur ist dünn und repetitiv. Und jede feste Erscheinungsform ist unsicher, da die Quellen selbst die Variabilität betonen.

Meidung, Anleitung und die Ngangkari

Mamu gelten den Anangu als reale, zu meidende Präsenzen; Vorsicht und die Anleitung durch Erwachsene schützen. Die anerkannten Spezialisten für schädliche Geistmächte sind die Ngangkari, die traditionellen Anangu-Heiler. Spezifische Rituale werden hier aus Respekt nicht dargestellt.

Der Menschenfresser-Komplex der Western Desert

Funktional sind Mamu dem Western-Desert-Komplex der Menschenfresser vergleichbar, zu dem der Pangkarlangu der Warlpiri und die Ngayurnangalku der Martu gehören. Kulturübergreifend stehen sie den Kinderschreck-Figuren nahe, die Kinder vor realen Gefahren warnen sollen.

Häufige Fragen zu Mamu

Was ist Mamu?

Eine böse Geistmacht der Anangu in der australischen Western Desert, verbunden mit Krankheit, Unglück und gefährlichen Orten.

Ist Mamu ein einzelnes Wesen?

Nein, es ist eine Kategorie böser Geistmacht und ihrer vielen Verkörperungen; genau dieser Kategorie-Charakter ist der zentrale Punkt.

Wer schützt vor Mamu?

Die traditionellen Anangu-Heiler, die Ngangkari, gelten als Spezialisten für schädliche Geistmächte.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Eickelkamp, Ute: Specters of Reality. Mamu in the Eastern Western Desert of Australia. In: Ghostly Encounters. Basingstoke.
  • Goddard, Cliff: Pitjantjatjara/Yankunytjatjara to English Dictionary. Alice Springs.
  • Nicholls, Christine Judith: Dreamings and place, Aboriginal monsters and their meanings. In: The Conversation, 2014.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Wer nach Anangu-Geistern fragt, stößt zuerst auf die Mamu: böse Wüstengeister im weitesten Sinn, die keine feste Gestalt kennen und gerade dadurch zeigen, wie die Western Desert Gefahr denkt, als Kategorie, nicht als einzelnes Ungeheuer.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

Empfohlene Schutzmittel

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