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Pele - Hawaiianische Göttin der Vulkane, des Feuers und der Schöpfung

Pele, mit vollem Namen Pelehonuamea, ist in der hawaiianischen Religion die Göttin der Vulkane, des Feuers und der schöpferischen Zerstörung. Sie wohnt nach traditioneller Anschauung im Kraterbereich Halemaumau des Vulkans Kilauea auf der Insel Hawai’i. Diese Darstellung beschreibt ihre religionswissenschaftliche Stellung, ihre Mythenkreise und ihre fortdauernde Verehrung in der hawaiianischen Tradition.

GöttinPolynesien / MaoriVulkangottheit

Inhaltsverzeichnis

Pele - Götter aus der Polynesisch-maori-Tradition, historisch-illustrativ

Der Mythos der hawaiianischen Vulkangöttin Pele bildet den religiösen Kern der Pele-Familien-Erzählungen auf Big Island.

Einordnung im polynesischen Pantheon

Pele ist keine panpolynesische Hochgottheit, sondern eine spezifisch hawaiianische Atua. Sie gehört zu einer Gruppe von Schwestern und Brüdern, den Pele-Geschwistern, die nach Hawai’i zogen. Ihre jüngere Schwester Hi’iaka ist eine der zentralen Figuren der hawaiianischen Mythologie. Andere Geschwister sind Kapo, Namaka (die Meeresschwester) und mehrere weitere.

Martha Beckwiths Standardwerk Hawaiian Mythology (1940) dokumentiert die Pele-Familie ausführlich. Mary Kawena Pukui (Hawaiian Dictionary, 1986; Olelo Noeau, 1983) hat die Pele-Tradition in ihren sprachlichen und ritualen Tiefen erschlossen. Pele ist eine post-Wanderungsgottheit: Die Erzählungen schildern ausdrücklich ihre Ankunft auf Hawai’i, oft als Flucht vor der Meeresschwester Namaka.

Wie die verwandte Maori-Theologie kommt auch die religiöse Tradition, in der Pele steht, ohne ein abgeschlossenes Lehrsystem aus. Eine fixierte Doktrin gibt es nicht; was die Atua an Wirklichkeit haben, bewähren sie im Vollzug – im Karakia, in den Versammlungen auf dem Marae, in den Whakapapa-Rezitationen.

Diese auf Praxis gestützte Form von Theologie gilt der Religionswissenschaft als eigener Beitrag zum Fach. Mary Ann Boord und Edward Tregear haben sie in ihren religionsethnographischen Studien zu Polynesien systematisch ausgearbeitet.

Die Erforschung polynesischer Atua wie Pele steht vor einer grundlegenden Schwierigkeit: Viele Quellen entstammen der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts und sind durch die Sicht von Missionaren und Ethnologen eingefärbt. Die neuere Forschung betreibt deshalb eine fortlaufende Dekolonisierung dieser Bestände, indem sie polynesische Stimmen in den Mittelpunkt rückt und westliche Kategorien einer kritischen Prüfung unterzieht.

Name und Etymologie

Der Name Pele bedeutet im Hawaiianischen ‚Lava‘, ‚geschmolzenes Gestein‘, ‚Vulkan‘. Er ist semantisch eng mit der Manifestation der Göttin verbunden. Pelehonuamea bedeutet ‚Pele der heiligen Erde‘. Beinamen sind Pele-ai-honua (‚Pele, die das Land verzehrt‘), Ka wahine ai honua (‚die landverzehrende Frau‘).

Sprachlich gehört Pele zur protopolynesischen Wortgruppe um Feuer und Vulkanismus. In Tahiti und auf Bora Bora gibt es verwandte mythologische Spuren einer Vulkangöttin, allerdings ohne den Kanon, den Pele auf Hawai’i erreicht hat. Die hawaiianische Ausprägung ist die ausgeprägteste.

Dass Pele unter mehreren Beinamen erscheint, hat einen sprachgeschichtlichen Hintergrund: Solche Namensfülle zeugt von einer mündlichen Überlieferung, die sich regional reich verzweigt hat.

Die linguistische Tiefe der Maori- und hawaiianischen Theonyme ist in den Lexikon-Arbeiten von Bruce Biggs und Hugh Clarke festgehalten – eine Forschung, die zugleich grundlegend ist, um die Verwandtschaft der polynesischen Sprachen zu verstehen.

Peles Beinamen sind häufig mehr als schmückendes Beiwerk. Sie kodieren bestimmte rituelle Funktionen und sind in den Karakia-Formeln festgeschrieben. Die Tohunga, die rituellen Fachleute, wussten genau, welcher Beiname zu welcher Gelegenheit anzurufen war. Diese genau geregelte liturgische Praxis erforschen Charles Royal und Pou Temara.

Beschreibung und Ikonografie

Pele wird in der hawaiianischen Tradition als schöne, mal junge, mal alte Frau beschrieben. Sie kann in jeder Gestalt erscheinen: als alte Frau am Straßenrand, als junge Tanzende, als feuriges Wesen im Lavafluss. Diese Wandlungsfähigkeit ist Teil ihrer theologischen Charakteristik.

Sichtbare Manifestationen Peles sind: Lavaflüsse, Vulkangase, Erdbeben, glasartige Lavafäden (Peles Haare, Pele’s hair), tränenförmige Lava-Tropfen (Peles Tränen). Diese natürlichen Phänomene werden traditionell nicht ‚metaphorisch‘, sondern theologisch als ihr direkter Körper interpretiert. Beckwith und Pukui betonen diese Auffassung als zentrales Element.

In den letzten fünf Jahrzehnten hat die Schnitzkunst der Maori und Hawaiianer eine eindrucksvolle Renaissance durchlaufen. Künstler wie Cliff Whiting, Robyn Kahukiwa, Wright Bowman und Sam Ka’ai pflegten dabei sowohl überlieferte Formen als auch moderne Bearbeitungen.

Die Atua, unter ihnen die Vulkangöttin Pele, treten in ihren Werken auf vielfältige Weise hervor; ihre ikonografische Gegenwart reicht damit bis in die gegenwärtige Kunst.

Polynesische Kunst ist von ihrer kosmologischen Bedeutung nicht zu trennen. Jede Spirale (koru), jede Verzierung und jede Linie trägt religionsphänomenologischen Sinn – auch in Darstellungen Peles. Roger Neich, Damian Skinner und weitere Kunsthistoriker haben diese Bedeutungsschichten systematisch erschlossen.

Pele-Hi'iaka-Zyklus

Der wichtigste Mythenkomplex um Pele ist der Pele-Hi’iaka-Zyklus. Pele schickt ihre jüngste Schwester Hi’iaka auf die Insel Kaua’i, um Peles Liebsten Lohi’au zu holen.

Hi’iaka erlebt auf der Reise zahlreiche Abenteuer, bekämpft Dämoninnen, erweckt Lohi’au vom Tod. Bei der Rückkehr verdächtigt Pele die Schwester der Untreue, vernichtet ihren Liebhaber und ihren Wald mit Lavaflüssen. Hi’iaka muss Lohi’au erneut erwecken.

Diese Erzählung ist eine der längsten und komplexesten in der polynesischen Mythologie. Sie ist in mehreren Versionen aufgezeichnet, am bekanntesten in der von Nathaniel Emerson (Pele and Hiiaka, 1915) und in einer modernen Bearbeitung durch Ka’ili (The Epic Tale of Hiiakaikapoliopele, 2006).

Religionswissenschaftlich ist sie ein klassischer Schwestern-Konflikt-Mythos, in dem die ambivalente Natur Peles – schöpferisch und zerstörerisch – sichtbar wird.

Auch der Pele-Hi’iaka-Zyklus lässt sich wissenschaftlich nicht als geschlossene Erzählung lesen. Er bildet vielmehr ein Netz von Erzählungen, die einander erläutern und in den einzelnen Stammestraditionen unterschiedlich akzentuiert werden.

Die Überlieferung zu Pele kennt keine einzelne maßgebliche Fassung. Erzählungen über ihre Wanderung von Kahiki über die Inselkette bis zum Kīlauea, über ihren Streit mit der Schneegöttin Poliʻahu oder über ihre Beziehung zu Hiʻiaka liegen in mehreren Spielarten vor. Diese verzweigte Anlage erschwert eine geradlinige Untersuchung, eröffnet der Forschung aber zugleich reiches Material. Abweichende Fassungen einer Geschichte gelten dabei als gleichberechtigte regionale Ausprägungen, nicht als fehlerhaft.

Der Pele-Hi’iaka-Zyklus wird aktiv weitergereicht statt bloß erinnert – in Karakia, in den Reden auf dem Marae und im Unterricht. Damit ist er lebendige Praxis und kein statisches Archiv. Die Sprachprogramme für Te Reo Maori und Olelo Hawai’i haben diese Lebendigkeit über die letzten dreißig Jahre erheblich gestärkt.

Pele und die Ankunft auf Hawai'i

Eine weitere Erzählung berichtet von Peles Wanderung. Sie verlässt ihre südpolynesische Heimat (oft als Kahiki bezeichnet, das mythische Ursprungsland) und sucht eine neue Wohnung.

Auf jeder Insel des hawaiianischen Archipels gräbt sie einen Krater, doch jedes Mal verfolgt sie ihre Meeresschwester Namaka mit Wasser. Erst auf Hawai’i, der jungsten und größten Insel, findet sie im Halemaumau-Krater ihre dauerhafte Wohnung.

Geologisch entspricht diese Erzählung exakt der Altersfolge der hawaiianischen Inseln: Die nordwestlichen Inseln sind die ältesten, Hawai’i (die Big Island) ist die jüngste und einzig noch vulkanisch aktive. Wissenschaftlich ist das eine bemerkenswerte Beobachtung: Die mythische Erzählung enthält geologisch korrekte Information. Eine Vermittlung über tradierte ökologische Beobachtung erscheint plausibel.

Dass Pele mit ihrer Ankunft auf Hawai’i das Land selbst formt, verdeutlicht einen Grundzug der Religion von Maori und Hawaiianern: Ritus und alltägliche Tätigkeit greifen ineinander.

Während manche religiösen Systeme das Heilige scharf vom Alltäglichen trennen, durchziehen in Polynesien die Bezüge zu den Atua das gesamte Leben. Bei Pele zeigt sich das in der vulkanischen Landschaft Hawaiʻis selbst: Lavafelder, Krater und neu erstarrtes Gestein gelten als ihr Wirken, und der Umgang mit dem Land am Kīlauea ist von Achtung vor ihr geprägt. So verbindet sich ihre Gegenwart unmittelbar mit der Erde, auf der die Menschen leben. Diese im Alltag verankerte Religiosität ist Gegenstand religionsphänomenologischer Studien.

Wie sehr rituelle Praxis und Alltag verschmolzen sind, zeigt auch die Sprache: Begriffe wie mana, tapu, aroha oder hauora gehören heute zum allgemeinen Englisch Aotearoas und finden sich auch in nicht-religiösen Zusammenhängen. Dass die Maori-Theologie derart in den Sprachgebrauch eingegangen ist, dokumentiert ihre kulturelle Tiefenwirkung.

Kult und Rituale

Pele wird bis heute am Halemaumau-Krater verehrt. Besucher bringen Ho’okupu (Gaben) – Blumenkränze (Lei), Ti-Blätter-Bündel, Beeren – und legen sie am Kraterrand ab. Karakia (auf Hawaiianisch: pule) werden gesprochen, Hula-Sequenzen getanzt. Wichtig ist: Diese Praxis ist lebendige Tradition und geht über das Historisch-Rekonstruierte hinaus.

Die hawaiianische Tradition kennt das Tabu, Steine vom Vulkan mitzunehmen (‚Peles Fluch‚). Wer einen Stein mitnimmt, soll Unglück erleben, bis er ihn zurückschickt. Der hawaiianische Nationalpark erhält jährlich tausende Pakete mit zurückgesandten Steinen. Wissenschaftlich ist dies ein Tabu-System, das den Schutz der heiligen Landschaft mit ritueller Furcht verbindet.

Die polynesische Religion bleibt vor allem an Marae und Heiau lebendig, jenen Orten, die Versammlungs- und Kultplatz zugleich sind. Jeder Marae und jedes Heiau hat seine eigene Whakapapa, seine eigenen Überlieferungen und seine eigenen Atua-Bezüge – im Fall der Heiau auf Hawai’i auch solche zu Pele.

Ein Marae-Besuch setzt mit dem Powhiri ein, dem Ritual, in dem die Tangata Whenua ihre Gäste feierlich aufnehmen. Es ist keine zeremonielle Folklore, sondern gelebte religiöse Praxis und zählt wissenschaftlich zu den am besten dokumentierten polynesischen Begrüßungsritualen.

Im 20. und 21. Jahrhundert hat sich die Kultpraxis spürbar verändert. Wo einst die Tohunga den Ritus trugen, liegt diese Rolle heute oft bei den Kaumatua, den Ältesten, und bei den Marae-Komitees. Religionssoziologisch ist diese Verlagerung von Interesse; Manuka Henare und Mason Durie diskutieren sie in ihren Arbeiten.

Schutztraditionen

Pele wird in der hawaiianischen Tradition als Macht angerufen, deren Zorn zu vermeiden ist; die Rolle einer ‚Schutzgöttin‘ steht dabei im Hintergrund. Schutzpraktiken zielen daher auf das richtige Verhalten an Vulkan und Lavafluss: Respekt, Karakia, Gaben. Wer in einem Vulkangebiet wohnt – etwa in der Puna-Region – pflegt einen kontinuierlichen Bezug zur Göttin.

Die Ho’oponopono-Tradition (Versöhnungspraxis) wird in manchen Familien angewandt, um eine Pele-Beleidigung zu klären. Mary Kawena Pukui (Nana I Ke Kumu, 1972) beschreibt die rituelle Struktur. Der wissenschaftliche Bezug solcher Schutzpraktiken ist klar dokumentarisch, nicht magisch.

Beim Thema Schutz ist wissenschaftlich eine Unterscheidung wichtig: Das westliche Denken geht vom wirksamen Amulett aus, das polynesische von der gepflegten Beziehung. Schutz ist hier relational und ritualisiert verfasst statt magisch-kausal.

Wer zu einem Atua wie Pele in Beziehung steht und diese Beziehung unterhält, gilt als ‚geschützt‘. Entscheidend ist dabei kein Gegenstand, der Kraft entfaltet; den Schutz begründet die kosmologische Verbindlichkeit einer bestehenden Relation. In der Religionsanthropologie wird dies als ‚relational ontology‘ verhandelt.

Gerade die Schutzpraxis ist ein Feld, auf dem Tradition und Moderne aufeinandertreffen. Smartphone-Anwendungen mit Karakia, Online-Anleitungen zu Schutzritualen und virtuelle Marae-Besuche zeigen, dass die polynesische Religion neue Medien für ihre Praxis aufgreift. Diese Modernisierung ist als anpassungsfähige Weiterentwicklung zu deuten, von Verflachung kann keine Rede sein.

Parallelen in anderen Kulturen

Pele lässt sich religionsvergleichend mit anderen Vulkangottheiten in Beziehung setzen: Vulcan in Rom, Hephaistos in Griechenland, Agni in der vedischen Tradition. Wichtig ist die Differenz: Pele ist weiblich, was sie von den meisten anderen Vulkangottheiten unterscheidet. Sie ist Urheberin der vulkanischen Schöpfung selbst, die Schmiederolle tritt bei ihr zurück.

Innerhalb des pazifischen Raums gibt es bei den Maori die Figur der Mahuika (Feuergöttin), die jedoch nicht vulkanisch ist. In Japan gibt es die Göttin Konohanasakuya-hime, die mit dem Fuji verbunden ist. Solche Parallelen entstehen unabhängig in vulkanisch aktiven Regionen.

Universale Strukturen religiöser Erfahrung, wie sie sich auch in der Figur Peles zeigen, haben Joseph Campbell und Mircea Eliade systematisch untersucht. So grundlegend ihre Arbeiten sind, müssen sie doch für die konkreten polynesischen Zusammenhänge neu durchdacht werden, ohne in eine pan-globalisierende Vereinfachung zu verfallen. Die jüngere polynesische Forschung legt großen Wert auf diese kontextsensible Auslegung.

Heutige Rezeption

Pele ist heute eine der bekanntesten polynesischen Figuren weltweit. Sie ist Gegenstand zahlreicher Touristen-Narrative, was zu Spannungen mit der hawaiianischen Tradition führen kann: Tourismus, der Pele kommerzialisiert, ist Hawaiianern oft ein Ärgernis. Die kulturelle Selbstbehauptung – Aloha Aina, die Bewegung für hawaiianische Souveränität – beruft sich auf Pele als kulturellen Anker.

In der Wissenschaft spielt Pele auch in der Vulkanologie eine indirekte Rolle. Hawaiianische Vulkanologen verbinden seismische und petrologische Forschung mit kulturellem Wissen über Lava-Verhalten. Dieser Dialog ist Gegenstand jüngerer Studien.

In der internationalen Forschung wird die polynesische Religion zunehmend als eigenständiges religiöses System anerkannt und nicht länger als bloße Mythologie oder Folklore eingeordnet. Pele veranschaulicht das: Die mit ihr verbundenen Verhaltensregeln am Vulkan, die fortdauernde Verehrung am Kīlauea und ihr Platz innerhalb einer ganzen Götterfamilie zeigen ein zusammenhängendes religiöses Gefüge und nicht eine bloße Sammlung alter Geschichten.

Dass Begriffe wie mana, tapu, mauri und whakapapa in die wissenschaftliche Fachsprache aufgenommen wurden, belegt diese Anerkennung. Ihr Gebrauch verlangt jedoch eine kontextuelle Sensibilität, die nicht voraussetzungslos zu haben ist.

Forschung und Quellen

Die wichtigsten Beiträge zu Pele finden sich bei Martha Beckwith, Mary Kawena Pukui, Nathaniel Emerson, Jack Halualani und Marie Alohalani Brown. Die Hawaiian Mythology bleibt Standardwerk. Brown (Facing the Spears of Change, 2016) eröffnet eine moderne hawaiianisch-feministische Perspektive auf Pele.

Pele bleibt eine lebendige Göttin in einer lebendigen Tradition. Eine vertiefte Einordnung in die polynesisch-hawaiianische Religion zeigt, wie sie die Verbindung zwischen Land, Familie und Kosmos verankert. Verbindungen zur polynesisch-maorischen Tradition insgesamt bestehen über die gemeinsamen Wurzeln, sind aber inhaltlich kulturspezifisch zu lesen.

Den Dialog zwischen den polynesisch-internen Wissenstraditionen und der akademischen Forschung tragen heute mehrere Institutionen: die Royal Society of New Zealand – Te Aparangi, das Maori Studies Department der Auckland University, die University of Hawai’i at Manoa und die Stiftung Te Punga Tipu.

Dieser institutionelle Unterbau sorgt dafür, dass polynesische Forschung über Polynesien ebenso von Polynesien aus betrieben wird.

Die Wanderung von Kahiki nach Hawaiʻi

Eine der zentralen Erzähltraditionen um Pele schildert anstelle ihres Charakters eine Reisebewegung: die Migration der Göttin von einem fernen Herkunftsland nach Hawaiʻi. In den hawaiischen Überlieferungen heißt dieses Land Kahiki, ein Begriff, der weniger einen konkreten geografischen Ort als vielmehr die jenseits des sichtbaren Horizonts liegende Heimat der Vorfahren bezeichnet.

Forscher wie Martha Beckwith haben darauf hingewiesen, dass Kahiki sprachlich mit Tahiti verwandt ist, ohne dass damit eine direkte Gleichsetzung gesichert wäre.

Der Erzählung zufolge verlässt Pele ihre Heimat nach einem Streit, häufig mit ihrer älteren Schwester, der Meeresgöttin Nāmaka-o-Kahaʻi. Sie reist mit einem Kanu, begleitet von Geschwistern, und sucht auf jeder Insel der hawaiischen Kette nach einem geeigneten Wohnsitz.

Mit einem Grabstock, dem pāoa oder ʻōʻō, sticht sie in den Boden, um eine Feuergrube anzulegen. Doch auf Kauaʻi, Oʻahu, Molokaʻi und Maui dringt jedes Mal das Meerwasser ein und löscht das Feuer, da Nāmaka sie verfolgt.

Erst am Kīlauea auf der Insel Hawaiʻi, im Krater Halemaʻumaʻu, findet Pele einen Ort, der hoch und trocken genug ist. Diese Erzählstruktur folgt der tatsächlichen geologischen Altersabfolge des Hawaiʻi-Archipels, dessen Inseln im Nordwesten am ältesten und am stärksten erodiert sind, während die vulkanische Aktivität heute auf der jüngsten Insel im Südosten konzentriert ist.

Geologen wie Herbert Gregory und später Dorothy Hill verwiesen früh auf diese Übereinstimmung, ohne sie als bewusstes geologisches Wissen der Überlieferer zu deuten.

Wahrscheinlicher ist eine über Generationen kondensierte Beobachtung von Erosionsstufen und Eruptionsorten. Die Wanderungserzählung verbindet so eine kosmologische Aussage über Herkunft mit einer Landschaftskunde, die jede Insel der Kette in eine geordnete Reihenfolge bringt.

Pele und Hiʻiaka: der Konflikt um Lohiʻau

Der umfangreichste zusammenhängende Erzählzyklus der hawaiischen mündlichen Tradition stellt ihre jüngste Schwester Hiʻiaka-i-ka-poli-o-Pele in den Mittelpunkt, Pele selbst tritt darin als eine Figur unter mehreren auf. Mehrere Versionen dieses Zyklus wurden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in hawaiischsprachigen Zeitungen veröffentlicht, unter anderem von Nathaniel Emerson und in der von Ho-oulumāhiehie verfassten Fassung.

Diese Quellen sind keine ungebrochenen Urtexte, sondern bereits Produkte einer Phase, in der hawaiische Autoren bewusst gegen den drohenden Verlust der Überlieferung anschrieben.

Die Handlung setzt ein, als Pele im Traum den jungen Häuptling Lohiʻau auf der Insel Kauaʻi sieht und sich in ihn verliebt. Sie schickt Hiʻiaka aus, ihn zu holen, und gewährt ihr dafür eine begrenzte Frist sowie übernatürliche Kräfte.

Hiʻiakas Reise quer durch den Archipel füllt den größten Teil des Zyklus: Sie besteht Kämpfe gegen moʻo, echsenartige Wassergeister, heilt Kranke und legt zahlreiche Ortsnamen fest. Als sie Lohiʻau erreicht, ist er bereits gestorben, und sie muss seinen Geist zurück in den Körper rufen.

Der tragische Wendepunkt liegt in Peles Misstrauen. Überzeugt, die Schwester habe die Frist überschritten und Lohiʻau für sich gewonnen, lässt Pele Hiʻiakas geliebten lehuaHain niederbrennen und tötet deren Gefährtin Hōpoe. Bei der Rückkehr umarmt Hiʻiaka daraufhin Lohiʻau offen vor Pele, woraufhin die Göttin ihn mit Lava überzieht.

Der Zyklus endet je nach Version unterschiedlich, oft mit Lohiʻaus Wiedererweckung durch andere Geschwister. Wissenschaftlich ist der Zyklus bedeutsam, weil er Pele als handelnde Verwandte innerhalb eines Geschwisterverbands zeigt, deren Eifersucht und Vertragsbruch die zerstörerische Eruption motivieren, statt sie als ferne Naturgewalt darzustellen.

Literatur (Auswahl)

  • Martha Beckwith: Hawaiian Mythology (1940)
  • Mary Kawena Pukui: Nana I Ke Kumu (1972) und Olelo Noeau (1983)
  • Nathaniel Emerson: Pele and Hiiaka: A Myth from Hawaii (1915)
  • Marie Alohalani Brown: Facing the Spears of Change (2016)
  • Ka’ili: The Epic Tale of Hiiakaikapoliopele (2006)
  • Valerio Valeri: Kingship and Sacrifice (1985)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Pele Hawaii Vulkangöttin Halemaumau Kilauea Lava Pelehonuamea Aloha Aina.

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