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Jenny Greenteeth, die Wasserhexe unter der Entengrütze

Jenny Greenteeth ist Dämonin der englischen Tradition.

Grüne Zähne unter der Entengrütze, die Kinder lautlos hinabzieht. Im Titel erscheint Jenny Greenteeth als Wasserhexe englischer Tümpel.

DämonEngland

Inhaltsverzeichnis

Jenny Greenteeth, Dämonin der englischen Tradition
Jenny Greenteeth

Jenny Greenteeth ist die Wasserhexe Nordwestenglands: Unter der grünen Entengrützedecke stiller Tümpel liegend, so drohte man Kindern, packe sie jeden, der dem Rand zu nahe kommt, und ziehe ihn lautlos hinab. Die Gestalt ist ein Musterbeispiel für eine Warnfigur, die eine reale Gefahr in eine Person verwandelt.

Belegt ist sie seit dem 19. Jahrhundert in Lancashire, Cheshire, Merseyside und Shropshire, meist als Drohung gegen neugierige Kinder an Dorfteichen und stillgelegten, gefluteten Mergelgruben. Einen Namen und ein Gesicht bekam damit die Gefahr des Wassers selbst: grüne Zähne statt einer bloßen Warnung vor tiefem, überwuchertem Wasser.

Auf einen Blick: Jenny Greenteeth

Typ: Wasserhexe, Kinderschreckgestalt der Tümpel und Mergelgruben
Herkunft: Nordwestengland (Lancashire, Cheshire, Merseyside, Shropshire)
Texte: knappe volkskundliche Notizen, dazu die systematischen Umfragen Roy Vickerys
Zeitraum: aufgezeichnet seit dem 19. Jahrhundert, Befragungen bis ins späte 20. Jahrhundert
Erscheinung: meist unsichtbar unter der Entengrützedecke gedacht, ausgemalt als grünhäutige Alte mit langen Armen und spitzen Zähnen

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Aufgezeichnet seit dem 19. Jahrhundert, mit Befragungen zur Bestätigung noch im späten 20. Jahrhundert: Die Warnung wurde über Generationen an Kinder weitergegeben.

Verbreitungsraum

Nordwestengland: Lancashire, Cheshire, Merseyside und Shropshire, mit einem Schwerpunkt an den gefluteten Mergelgruben der Region.

Quellenlage

Knapp, aber belastbar: volkskundliche Notizen und vor allem die systematischen Umfragen Roy Vickerys aus dem Raum Liverpool, die den Zusammenhang mit der Entengrütze klärten.

Name und Varianten

Englisch: Die Namensformen schwanken zwischen Jenny, Jinny und Ginny Greenteeth, daneben Wicked Jenny. In Teilen Nordwestenglands war Jenny Greenteeth zugleich der Name der Entengrütze (Lemna minor) selbst, wie Roy Vickery 1983 durch Befragungen im Raum Liverpool klärte: Der Name bezeichnete Pflanze und Wasserhexe in einem.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Eine feste Gestalt hat Jenny Greenteeth kaum, denn ihre Macht liegt gerade darin, dass man sie nicht sieht. Wo Erzähler sie ausmalen, ist sie eine hagere Alte mit grüner, glitschiger Haut, strähnigem Haar wie Wasserpflanzen, überlangen Armen und den spitzen grünen Zähnen, denen sie ihren Namen verdankt. Ihr eigentliches Bild aber ist die Wasseroberfläche selbst: die glatte, hellgrüne Linsendecke, die sich lautlos über einem Kind schließt und kurz darauf wieder unversehrt daliegt.

Wirkung

Jenny Greenteeth wirkt an stehenden Gewässern: an Dorfteichen, Mühlweihern und vor allem an den gefluteten Mergelgruben, die nach dem Ende des Mergelabbaus zu Hunderten in der Landschaft Lancashires und Cheshires lagen. Sie lauert unter der Pflanzendecke am Rand, packt mit langen Armen Knöchel oder Handgelenk und zieht das Opfer ohne Vorzeichen hinab. Genannt werden vor allem Kinder, vereinzelt auch alte Leute.

Steckbrief: Jenny Greenteeth

Die wichtigsten Aspekte der Tümpelhexe auf einen Blick.

Kulturkontext

Englische Kinderschreckgestalt (nursery bogey) Nordwestenglands, von Katharine Briggs den zweckgebundenen Warnwesen ohne älteren Mythenhintergrund zugeordnet.

Wirkungsgegenstand

Kinder, die sich stehenden, bewachsenen Gewässern nähern; vereinzelt werden auch alte Leute als Opfer genannt.

Darstellung

Hagere grünhäutige Alte mit strähnigem Haar, überlangen Armen und spitzen grünen Zähnen, meist aber schlicht unsichtbar unter der Entengrütze gedacht.

Wirkungsbereich

Stehende Tümpel, Dorfteiche, Mühlweiher und vor allem geflutete Mergelgruben in Lancashire und Cheshire.

Umgang

Abstand halten ist der einzige überlieferte Schutz; Kinder wurden gezielt mit ihrem Namen von gefährlichen Gewässern ferngehalten.

Verwandtes

Peg Powler am Fluss Tees und der Grindylow in Yorkshire als nächste englische Verwandte.

Vom Kinderschreck zum Namen der Entengrütze

Greifbar wird Jenny Greenteeth in Quellen des 19. Jahrhunderts aus Lancashire und den angrenzenden Grafschaften; die Namensformen schwanken zwischen Jenny, Jinny und Ginny Greenteeth, daneben Wicked Jenny. Jacqueline Simpson und Steve Roud halten fest, dass Kinder in Lancashire, Cheshire und Shropshire vom 19. Jahrhundert bis in lebende Erinnerung mit ihr von Tümpeln ferngehalten wurden.

Den engen Sachbezug klärte der Botaniker und Volkskundler Roy Vickery 1983 in der Zeitschrift Folklore: Befragungen aus dem Raum Liverpool zeigten, dass Jenny Greenteeth vielerorts schlicht der Name der Entengrütze (Lemna minor) war, jener kleinen Wasserlinse, deren geschlossene Decke einen Tümpel wie festen Boden aussehen lässt und sich über allem schließt, was hineinfällt. Katharine Briggs ordnete die Figur den Kinderschreckgestalten zu, den nursery bogies: Wesen, an die Erwachsene nie ernsthaft glaubten, die aber Kinder von gefährlichem Gelände fernhalten sollten.

Von der Bratpfanne bis Harry Potter

Über die Volkskunde hinaus bekannt machte die Gestalt der illustrierte Band Faeries von Brian Froud und Alan Lee (1978), dessen Jenny-Bild bis heute nachwirkt. Terry Pratchett ließ in The Wee Free Men (2003, deutsch Kleine Freie Männer) seine junge Hexe Tiffany gleich zu Beginn eine Jenny Green-Teeth mit der Bratpfanne schlagen. Über die verwandten Grindylows fand der Typus auch Eingang in die Harry-Potter-Romane, und in Computerspielen und Schauererzählungen ist die grünzähnige Alte im Weiher zu einer festen Nebenfigur geworden.

Jenny Greenteeth ist der Lehrbuchfall einer pädagogischen Schreckgestalt: ein Wesen, das nicht verehrt, von Erwachsenen kaum geglaubt und doch über Generationen weitergegeben wurde, weil es eine messbare Gefahr, das Ertrinken in bewachsenen Gruben, in eine handhabbare Erzählung fasst. Anders als bei Kelpie oder Näcken fehlt jede ältere mythologische Schicht: Die Volkskunde sieht eine junge, zweckgebundene Bildung, die Landschaftserfahrung wie Mergelgruben und Entengrütze unmittelbar in eine Figur übersetzt. Gerade darin liegt ihr Wert für die Forschung: An ihr lässt sich beobachten, wie Dämonisierung als Erziehungs- und Schutztechnik funktioniert, ganz ohne religiösen Überbau.

Die Warnung als einziger Schutz

Der überlieferte Schutz ist von entwaffnender Schlichtheit: Abstand halten. Gegen Jenny Greenteeth gibt es keinen Kult und keine Bannsprüche; die Warnung selbst ist das Schutzmittel, und ihre einzige Regel lautet, bewachsenen stehenden Gewässern nicht zu nahe zu kommen und Kinder dort nie unbeaufsichtigt zu lassen. Im weiteren Rahmen der englischen Überlieferung gelten gegen Feen- und Hexenwesen der britischen Inseln allgemein Eisen und Salz als bewährte Abwehr; eigens für Jenny Greenteeth ist beides nicht bezeugt, denn die Gefahr liegt im Wasser, nicht im Wesen. Handhabbarer ist ein getragenes Amulett für Kinder, das die Warnfunktion der Figur in den Alltag überträgt.

Warnfiguren an Teich und Tümpel

Kinderziehende Wasserwesen kennt die englische Überlieferung mehrfach: Am nächsten steht Jenny Greenteeth die ebenfalls grünhäutige Peg Powler, die ihr Revier statt in Tümpeln im Fluss Tees hat, und der Grindylow in Yorkshire. Deutlich sanfter ist der Asrai der englischen Überlieferung, ein scheues Wasserwesen ohne Jennys Bösartigkeit.

Häufige Fragen zu Jenny Greenteeth

Hat man wirklich an Jenny Greenteeth geglaubt?

Erwachsene wohl kaum: Katharine Briggs zählt sie zu den Kinderschreckgestalten, die eigens für Warnzwecke erdacht wurden. Für die Kinder, denen mit ihr gedroht wurde, war die Furcht allerdings sehr real, wie Befragungen noch im 20. Jahrhundert zeigten.

Warum ausgerechnet grüne Zähne?

Das Grün stammt von der Entengrütze: Die geschlossene Wasserlinsendecke sieht aus wie fester grüner Boden und schließt sich lautlos über allem, was einbricht. In Teilen Nordwestenglands hieß die Pflanze selbst Jenny Greenteeth; die Zähne der Hexe sind die Pflanzendecke in Körperform.

Gibt es Jenny Greenteeth nur in England?

Der Name gehört nach Nordwestengland, doch der Typus einer Warngestalt an gefährlichem Wasser ist verbreitet, in England etwa als Grindylow. Gemeinsam ist solchen Figuren die Aufgabe, Kinder von tückischem Wasser fernzuhalten.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Vickery, Roy: Lemna minor and Jenny Greenteeth. In: Folklore 94, 1983.
  • Vickery, Roy: A Dictionary of Plant-Lore. Oxford 1995.
  • Briggs, Katharine: A Dictionary of Fairies. London 1976.
  • Briggs, Katharine: The Fairies in Tradition and Literature. London 1967.
  • Simpson, Jacqueline / Roud, Steve: A Dictionary of English Folklore. Oxford 2000.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Jenny Greenteeth Sage und Grüne Wasserhexe: zwei Suchbegriffe für ein und dieselbe Gestalt, die weniger durch ihre grünen Zähne als durch die Entengrütze wirkt, unter der man sie nie wirklich sieht.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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