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Asrai, die im Sonnenlicht zerschmelzende Wassernymphe

Asrai ist Geist der englischen Tradition.

Eine zarte Nymphe, die im Sonnenlicht zu Wasser zerschmilzt. Die zerschmelzende Gestalt verdeutlicht Asrais Zerbrechlichkeit gegenüber dem Tageslicht. Asrai gilt in den englischen Sagen als zarte Wassernymphe, und der Text erläutert, woran sich diese Gestalt erkennen lässt.

GeistEngland

Inhaltsverzeichnis

Asrai, Geist der englischen Tradition
Asrai

Die Asrai ist eine zarte, scheue Wassernymphe der englischen Überlieferung, ein Wesen des kalten, dunklen, tiefen Wassers. Sie gilt als eines der zerbrechlichsten Wesen der britischen Sagenwelt: klein, durchscheinend, mit grünem Haar, kaum greifbar und fast nie gefährlich.

Gerät die Asrai in die Hände neugieriger Fischer, zerschmilzt sie im Sonnenlicht oder bei bloßer Berührung zu einer Pfütze Wasser und ist damit unwiederbringlich verloren. Die früheste klare Fassung der Gestalt ist literarisch: Gedichte des schottischen Autors Robert Williams Buchanan aus den Jahren 1872 und 1875, ergänzt durch die volkskundliche Sammlung Ruth Tongues im 20. Jahrhundert.

Ihre Herkunft als echte mündliche Volkssage ist wissenschaftlich umstritten, ein Umstand, den jede seriöse Darstellung der Asrai offen benennen sollte.

Auf einen Blick: Asrai

Typ: zarte, scheue Wassernymphe des tiefen Wassers
Herkunft: Cheshire, Shropshire und das walisische Grenzland
Texte: literarisch ab 1872 bei Buchanan, volkskundlich durch Ruth Tongue im 20. Jahrhundert, Quellenlage dünn und strittig
Zeitraum: ab 1872 bis heute
Erscheinung: zart, sehr schön, durchscheinende Haut, grünes Haar, teils Schwimmhäute

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Die früheste klare Fassung ist literarisch und stammt aus den Jahren 1872 und 1875; eine ältere mündliche Volksüberlieferung ist wissenschaftlich nicht gesichert.

Verbreitungsraum

Cheshire, Shropshire und das walisische Grenzland, ein Gebiet, das in manchen Fassungen auch der englisch-schottischen Überlieferung zugerechnet wird.

Quellenlage

Dünn und wissenschaftlich strittig: Hauptquelle ist die Sammlung Ruth Tongues aus dem 20. Jahrhundert, deren Verlässlichkeit angezweifelt wird, dazu die frühen Gedichte Buchanans.

Name und Varianten

Englisch: Eine gesicherte ältere volkssprachliche Wurzel des Namens Asrai fehlt. Die früheste klare Fassung der Gestalt ist literarisch, in Gedichten des schottischen Autors Robert Williams Buchanan aus den Jahren 1872 und 1875.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Die Asrai ist ein zartes, sehr schönes, scheues weibliches Wesen, klein und zerbrechlich, mit durchscheinender Haut, grünem Haar und teils Schwimmhäuten, eine Kreatur des kalten, dunklen, tiefen Wassers.

Wirkung

Für den Menschen ist die Asrai weitgehend ungefährlich; ihre Wirkung ist tragisch-melancholisch. Wird sie gefangen, verliert sie ihre Gestalt im Sonnenlicht, und ihr Fänger trägt eine bleibende, brennend-kalte Narbe davon, Strafe und Warnung gegen die Habgier zugleich. Sie verfolgt niemanden, sondern ist selbst das Opfer neugieriger Fischer.

Steckbrief: Asrai

Die wichtigsten Aspekte der Wassernymphe auf einen Blick.

Tradition

Literarisch geprägte Gestalt der englischen Wasserfeen-Überlieferung, vor allem mit Cheshire und Shropshire verbunden.

Bezogen auf

Neugierige Fischer, die versuchen, das scheue Wesen zu fangen, und damit unwissentlich seine Auflösung herbeiführen.

Darstellung

Zarte, durchscheinende Gestalt mit grünem Haar, in Gemälden und Illustrationen am Rand dunkler, tiefer Gewässer gezeigt.

Wirkungsbereich

Kein aktives Wirken gegen Menschen; ihre einzige Reaktion ist das Zerschmelzen bei Licht und Berührung.

Umgang

Überliefert ist allein die Lehre, das Wesen nicht zu fangen und ihm die Rückkehr ins tiefe, dunkle Wasser vor Sonnenaufgang zu lassen.

Verwandtes

Die germanische Nixe und andere zarte Wasserfeen, denen das Tageslicht gefährlich wird.

Eine Nymphe zwischen Gedicht und Volkssage

Die früheste klare Fassung der Asrai ist literarisch: Gedichte des schottischen Autors Robert Williams Buchanan aus den Jahren 1872 und 1875. Volkskundlich belegt ist sie vor allem durch Ruth Tongue im 20. Jahrhundert, deren Zuverlässigkeit fachlich angezweifelt wird, weshalb viele Wissenschaftler die Asrai als modernen, literarisch entstandenen Mythos ansehen, nicht als echte mündliche Überlieferung.

Tongue erzählt vom Fischer, der eine Asrai fängt: Das Wesen fleht in unbekannter Sprache um Freiheit, die Berührung seiner kalten, nassen Hände verbrennt die Haut des Fischers wie Feuer und hinterlässt eine bleibende Narbe, und unter nassem Seegras bedeckt ist es bei der Ankunft am Ufer bereits zu Wasser zerschmolzen. Katharine Briggs nahm das Motiv in ihr Feenlexikon auf. Eine gesicherte ältere volkssprachliche Wurzel des Namens fehlt.

Zwischen Fantasy-Motiv und Mythenforschung

Die Asrai ist ein beliebtes Motiv moderner Fantasy, Kunst und Lyrik, das der melancholischen, zerbrechlichen Wasserfee. Sie ist zudem Gegenstand einer akademischen Untersuchung zur modernen Mythenbildung, in der sie als Fallstudie dient, wie im 19. und 20. Jahrhundert neue Sagengestalten entstehen.

Die Asrai ist ein Lehrbeispiel für die literarisch erzeugte Folklore, für ein modernes Mythologem, das nachträglich als alte Überlieferung ausgegeben wurde. Wissenschaftlich interessant ist sie weniger als vorchristlicher Rest denn als Fallstudie moderner Mythenbildung. Diese Ambivalenz sollte jede Darstellung ehrlich benennen: Es gibt keine gesicherte Quelle vor 1872, und die Volkskundlichkeit der Asrai ist wissenschaftlich strittig.

Die Gefahr geht vom Menschen aus

Ein Schutz vor der Asrai ist im eigentlichen Sinn nicht einschlägig, da sie den Menschen kaum bedroht; die Quellenlage ist hier zudem sehr dünn. Überliefert ist eher die Lehre, das Wesen nicht zu fangen. Der Schutz liegt beim Wesen selbst, in seiner Rückkehr ins tiefe, dunkle Wasser vor Sonnenaufgang, nicht beim Menschen. Damit ist die Asrai eine der wenigen Wassergestalten, bei denen die Gefahr vom Menschen ausgeht. Wer sich dennoch an tiefen, dunklen Gewässern aufhält, greift auf allgemeine, überlieferte Schutzzeichen zurück.

Verwandte Wassernymphen Europas

Die Asrai steht der Meerjungfrau und der germanischen Nixe nahe und ist als weibliche Wassergestalt der slawischen Rusalka verwandt; als zarte Wasserfee gehört sie zum Typus der Undinen und Nymphen, den auch die Sirenen der griechischen Sage berühren. Das Motiv des Schmelzens bei Tageslicht teilt sie mit anderen Feenwesen, die das Sonnenlicht nicht ertragen. Anders als die aggressiven englischen Fluss-Schreckgestalten Jenny Greenteeth und Peg Powler, die gezielt nach Menschen greifen, bedroht die Asrai niemanden: Sie ist selbst die Gefährdete.

Häufige Fragen zur Asrai

Ist die Asrai eine echte alte Sagengestalt?

Sehr wahrscheinlich nicht im strengen Sinn. Der früheste klare Beleg ist literarisch, bei Buchanan 1872; die Zuschreibung als mündliche Volkssage geht vor allem auf die umstrittene Ruth Tongue zurück.

Warum zerschmilzt die Asrai?

Als Wesen des kalten, dunklen Tiefenwassers verträgt ihre durchscheinende Haut Wärme und Tageslicht nicht; sie zerfließt zu Wasser, sobald sie gefangen und dem Licht ausgesetzt wird.

Ist die Asrai gefährlich?

Kaum. Sie ist scheu und passiv; gefährlich ist eher der Versuch, sie zu fangen, denn ihre kalte Berührung verbrennt und hinterlässt eine bleibende Narbe.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Briggs, Katharine: A Dictionary of Fairies. London 1976.
  • Tongue, Ruth L.: Forgotten Folk-Tales of the English Counties. London 1970.
  • Buchanan, Robert Williams: The Asrai (Gedicht). 1872.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als englische Wasserfee und Asrai Wassernymphe bleibt sie eines der zartesten Wesen der englischen Flussüberlieferung: scheu, vergänglich und dem Menschen nicht feindlich gesinnt, es sei denn, man versucht, sie zu fangen.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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