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You-hun-ye-gui, das Heer der unbeopferten Toten

You-hun-ye-gui ist Geist der chinesischen Überlieferung.

Herrenlose Tote, die im Geistermonat durch die Welt streifen. Der Steckbrief beleuchtet das Heer der unbeopferten Toten im Geistermonat.

GeistChina

Inhaltsverzeichnis

You-hun-ye-gui, Geist der chinesischenÜberlieferung
You-hun-ye-gui

You hun ye gui (You-hun-ye-gui) sind die umherirrenden Seelen und wilden Geister der chinesischen Volksreligion: die heimatlosen Toten, denen lebende Verwandte und eine Ruhestätte fehlen. Besonders im siebten Mondmonat, dem Geistermonat, streifen sie durch die Welt der Lebenden und werden mit Opfergaben besänftigt.

Der Sammelbegriff ist im gesamten chinesischen Kulturraum verbreitet, besonders in Taiwan und Hongkong, und gut bezeugt. Er fasst die typischen unversorgten Toten zusammen, denen Nachkommen und Opfer fehlen oder die den Weg in die Unterwelt nicht zurückfinden, seien es rachsüchtige oder hungrige Geister.

Auf einen Blick: You-hun-ye-gui

Typ: Sammelbegriff für die heimatlosen, unversorgten Toten Chinas
Herkunft: Chinesische Volksreligion, eng an das Geisterfest Zhongyuan gebunden
Texte: Volksreligiöse Überlieferung, erforscht u. a. von Teiser und Jordan
Zeitraum: Sammelbegriff ohne feste Fixierung, seit jeher an den Geistermonat gebunden
Erscheinung: Kollektiv der Toten ohne feste Einzelgestalt

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Als Sammelbegriff der chinesischen Volksreligion ist er keiner einzelnen Epoche zugeordnet, sondern eng an den wiederkehrenden Geistermonat gebunden.

Verbreitungsraum

Der gesamte chinesische Kulturraum, besonders lebendig in Taiwan und Hongkong, wo eigene Schreine für herrenlose Geister bestehen.

Quellenlage

Gut: eine breite volksreligiöse Überlieferung, dazu die Studien von Teiser und Jordan sowie die Erzählungen Pu Songlings.

Name und Varianten

Chinesisch: Der Name verbindet you, umherwandern, hun, Seele, ye, wild oder herrenlos, und gui, Geist: umherziehende Seelen und herrenlose Geister. Der Sammelbegriff umfasst sowohl rachsüchtige als auch hungrige Geister.

Erscheinungsbild

Erscheinung

You-hun-ye-gui haben keine feste Einzelgestalt, sondern bilden ein Kollektiv: Sie verkörpern das Grundproblem der chinesischen Totenreligion, den nicht in den Ahnenkult integrierten, herrenlosen Toten. In Taiwan errichtet man solchen verlorenen Geistern eigene Schreine und Tempel, damit sie den Lebenden nicht schaden.

Wirkung

Ein Ersatzopfer-Motiv kennen sie nicht. Ihre Wirkung reicht von Streichen und Krankheit bis zu allgemeinem Unheil und Unglück, besonders wenn sie unbeopfert bleiben. Durch Opfergaben lassen sie sich besänftigen.

Steckbrief: You-hun-ye-gui

Die wichtigsten Aspekte der herrenlosen Geister auf einen Blick.

Kulturkontext

Sammelbegriff der chinesischen Volksreligion für die unversorgten Toten, eng verknüpft mit dem Geisterfest.

Bezogen auf

Lebende allgemein, vor allem während des Geistermonats, wenn die Tore der Unterwelt offenstehen.

Darstellung

Kollektiv ohne feste Einzelgestalt: die Masse der heimatlosen, unversorgten Toten Chinas.

Wirkungsbereich

Streiche, Krankheit und Unglück, vor allem wenn sie unbeopfert bleiben; kein Ersatzopfer-Motiv.

Umgang

Opfergaben, das Verbrennen von Joss-Papier und das Geisterfest Zhongyuan; in Taiwan eigene Schreine für herrenlose Geister.

Verwandtes

Yuan-gui als gerechtigkeitssuchender Groll-Geist, dazu Shuigui und Diao-si-gui als Ersatzopfer-suchende Verwandte.

Wenn die Tore der Unterwelt sich öffnen

Der Name You-hun-ye-gui verbindet you, umherwandern, mit hun, Seele, ye, wild oder herrenlos, und gui, Geist: umherziehende Seelen und herrenlose Geister. Der Sammelbegriff schließt sowohl rachsüchtige als auch hungrige Geister ein und bezeichnet damit keine einzelne Gestalt, sondern eine ganze Kategorie der chinesischen Totenreligion.

Sie wandern, weil ihnen lebende Verwandte oder eine Ruhestätte fehlen oder weil sie den Weg in die Unterwelt nicht zurückfinden: die typischen unversorgten Toten ohne Nachkommen und Opfer. Besonders im siebten Mondmonat, wenn nach dem Volksglauben die Tore der Unterwelt offenstehen, streifen sie durch die Welt der Lebenden, bis das Geisterfest sie wieder besänftigt.

Meidungsregeln und Erzählkultur

You-hun-ye-gui prägen bis heute die Meidungsregeln des Geistermonats: In dieser Zeit vermeidet man es traditionell zu schwimmen, zu heiraten oder umzuziehen. Sie sind ein fester Bestandteil des chinesischen Volksglaubens und der Erzählkultur.

Religionswissenschaftlich sind die You-hun-ye-gui der Sammeltypus des unversorgten Toten ohne Nachkommen und Opfer. Sie zeigen die Grundachse der chinesischen Totenreligion zwischen versorgten Ahnen und ruhelosen Geistern sowie die Rolle des Geisterfests als kollektive Besänftigung.

Das Geisterfest Zhongyuan und seine Gaben

Zentral ist das Geisterfest Zhongyuan am fünfzehnten Tag des siebten Mondmonats: Opfergaben, das Verbrennen von Joss-Papier und Räucherwerk sowie kollektive Gaben für alle wandernden Geister gehören zu seinem Kern. In Taiwan besteht darüber hinaus ein eigener Kult für herrenlose Geister mit eigenen Schreinen. Geweihtes Wasser gilt als Zeichen im Umgang mit den umherirrenden Seelen, und der Klang geweihter Glocken galt im Geistermonat als schützendes Zeichen.

Arme Seelen, Wilde Jagd und Chinas Gui-Reihe

You-hun-ye-gui entsprechen am nächsten den katholischen armen Seelen im Fegefeuer, derer besonders an Allerseelen gedacht wird: Beide sind unerlöste Tote, die auf Fürbitte und Gaben der Lebenden angewiesen sind. Verwandt sind auch die germanische Wilde Jagd als Zug ruheloser Toter und die antike Vorstellung unbestatteter Toter, die keine Ruhe finden.

Innerhalb der chinesischen Gui-Reihe steht der Sammelbegriff You-hun-ye-gui neben stärker individualisierten Gestalten wie Diao-si-gui, Gui-po und Shuigui: Wo diese an eine bestimmte Person oder Todesart gebunden sind, bleiben die You-hun-ye-gui namenlos und ungezählt. Am schärfsten grenzt sich der Yuan-gui ab, dessen persönlicher Groll den You-hun-ye-gui gerade fehlt.

Häufige Fragen zu You-hun-ye-gui

Warum wandern You-hun-ye-gui besonders im siebten Mondmonat?

Im Geistermonat öffnen sich nach dem Volksglauben die Tore der Unterwelt, und die herrenlosen Toten streifen durch die Welt der Lebenden.

Wie werden sie besänftigt?

Durch Opfergaben, das Verbrennen von Joss-Papier und das Geisterfest Zhongyuan, das ihnen Nahrung und Gaben zukommen lässt.

Sind sie mit den katholischen armen Seelen vergleichbar?

Strukturell ja: Beide sind unerlöste Tote, die auf Fürbitte und Gaben der Lebenden angewiesen sind.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Teiser, Stephen F.: The Ghost Festival in Medieval China. Princeton 1988.
  • Jordan, David K.: Gods, Ghosts, and Ancestors. Berkeley 1972.
  • Pu, Songling: Liaozhai Zhiyi. China um 1740.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als herrenlose Geister und umherirrende Seelen sind die You-hun-ye-gui das Sinnbild der unversorgten Toten Chinas: ohne Nachkommen, ohne Ruhestätte, aber nicht ohne Fürsorge, solange das Geisterfest ihnen jedes Jahr aufs Neue Gaben zukommen lässt.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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