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Gui-po, die Amah, die den Haushalt über den Tod hinaus nicht verlässt

Gui-po ist Geist der chinesischen Tradition.

Die alte Dienerin kehrt zurück, mal hilfreich, mal feindselig. Die Überlieferung beschreibt die Amah, die den Haushalt über den Tod hinaus nicht verlässt.

GeistChina

Inhaltsverzeichnis

Gui-po, Geist der chinesischenÜberlieferung
Gui-po

Gui-po, auch gui po geschrieben, ist der Geist einer alten Frau, oft einer Dienerin oder Amme, die nach dem Tod in den Haushalt zurückkehrt. Ihre Natur ist ambivalent: Manche Gui-po helfen fürsorglich im Haus und bei den Kindern, andere erscheinen in hässlicher Gestalt und sind feindselig.

Verbreitet ist die Vorstellung im gesamten chinesischen Kulturraum, besonders im Umfeld der historischen Hausbedienstetenkultur wohlhabender Familien. Anders als die gefürchteten Rache- und Ersatzopfer-Geister richtet die Gui-po ihr Wirken auf den Haushalt selbst, auf Kinder und die übrigen Hausbewohner.

Im Überblick: Gui-po

Typ: Geist einer alten Frau, oft einer Dienerin oder Amme, mit ambivalenter Natur
Herkunft: Chinesischer Volksglaube um Hausbedienstete und Ahnenbindung
Texte: wörterbuch- und folklorebelegte Volksüberlieferung
Zeitraum: durchgehend belegt, bis in den heutigen Horrorfilm
Erscheinung: alte Frau, mal friedlich und freundlich, mal abstoßend und gewalttätig

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Durchgehend in der Volksüberlieferung belegt, wörterbuch- und folkloregestützt, mit Fortleben bis in den heutigen Horrorfilm.

Verbreitungsraum

Der chinesische Kulturraum insgesamt, mit einem Schwerpunkt im Umfeld der historischen Hausbedienstetenkultur wohlhabender Familien.

Quellenlage

Mittel: Wörterbücher und Folkloresammlungen belegen die Gestalt, eine einzelne kanonische Quelle fehlt.

Name und Varianten

Chinesisch: Der Name gui po verbindet gui, Geist, und po, alte Frau oder Matrone, zur gespenstischen alten Frau. Häufig wird sie als Geist einer Amah gedeutet, einer Dienerin oder Amme, die zu Lebzeiten in wohlhabenden Familien arbeitete.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Kennzeichnend ist die Doppelnatur: Manche Gui-po sind wohlwollend und helfen Menschen in Not, andere erscheinen in hässlicher Gestalt und sind bedrohlich. Sie ist damit einer der nuancierteren Geistertypen, nicht durchgängig böse.

Wirkung

Die Gui-po kennt kein Ersatzopfer-Motiv. Ihre Wirkung reicht von schützend und fürsorglich bis bedrohlich und hängt von der jeweiligen Erzählung ab; sie verkörpert die Ambivalenz der Hausbindung über den Tod hinaus.

Steckbrief: Gui-po

Die wichtigsten Aspekte des Hausgeistes auf einen Blick.

Tradition

Dem Ahnenkult nahestehende Gestalt: der treu dienende Geist, der seine Bindung an den Haushalt über den Tod hinaus fortsetzt.

Zuständig für

Den Haushalt, die Kinder und die übrigen Hausbewohner, denen die Gui-po einst diente.

Darstellung

Alte Frau, je nach Erzählung friedlich und freundlich oder abstoßend und gewalttätig.

Wirkungsbereich

Doppelnatur zwischen Fürsorge und Bedrohung, ohne das Ersatzopfer-Motiv anderer Geister.

Umgang

Allgemeine Ahnen- und Geisterverehrung, bei feindseligen Erscheinungen Beschwichtigung durch Opfergaben.

Verwandtes

Anders als der Yuan-gui oder der You-hun-ye-gui sucht die Gui-po kein Ersatzopfer und ist nicht grundsätzlich feindselig.

Die Amah, die im Dienst des Hauses bleibt

Häufig wird die Gui-po als Geist einer Amah gedeutet, einer Dienerin oder Amme, die zu Lebzeiten in wohlhabenden Familien arbeitete und nach dem Tod zurückkehrt, um im Haushalt zu helfen oder Kinder zu betreuen. Damit steht die Gui-po dem Ahnenkult nahe: der treu dienende Geist, der seine Bindung an den Haushalt fortsetzt.

Diese Nähe zum Dienst erklärt auch ihre Doppelnatur: Wo zu Lebzeiten Fürsorge war, kann sie nach dem Tod fortwirken; wo Groll oder Vernachlässigung blieben, kann aus derselben Gestalt eine feindselige Erscheinung werden.

Die stille alte Frau der Geistergeschichten

Die Gui-po ist weniger prominent als die Rache- und Ersatzopfer-Typen, erscheint aber in Sammlungen chinesischer Geistererzählungen und im Horrorfilm als ambivalente alte Frauengestalt.

Die Gui-po zeigt, dass nicht jeder Gui böse ist. Als treu dienender, an den Haushalt gebundener Geist steht sie zwischen dem versorgten Ahnen und dem ruhelosen Toten und verkörpert die enge Bindung von Haus, Dienst und Fürsorge.

Ehrung und Beschwichtigung der Hausgeister

Im Vordergrund stehen die allgemeine Ahnen- und Geisterverehrung sowie, bei feindseligen Erscheinungen, die Beschwichtigung durch Opfergaben. Räucherwerk und Opfergaben gehören zur Ehrung und Beschwichtigung des Hausgeistes, ein getragenes Amulett dient im Sinn der Hausverehrung, und Weihwasser ist das Zeichen im Umgang mit feindseligen Erscheinungen. Das Geisterfest mit Opfergaben und das Verbrennen von Joss-Papier gehören zum weiteren Rahmen.

Hausgeister zwischen den Kulturen

Die Gui-po entspricht der europäischen White Lady, der Weißen Frau oder Ahnfrau als Hausgeist mit Doppelcharakter, der slawischen Kikimora, einem weiblichen Hausgeist, und den Vorstellungen von wiederkehrenden Ammen und Kindermädchen als schützende Hausgeister.

Häufige Fragen zur Gui-po

Ist die Gui-po böse?

Nicht unbedingt. Manche Gui-po sind hilfreich und fürsorglich, andere feindselig; ihre Natur ist ambivalent.

Woher kommt sie?

Häufig gilt sie als Geist einer verstorbenen Dienerin oder Amme, die in den Haushalt zurückkehrt.

Sucht sie ein Ersatzopfer?

Nein, anders als der Shuigui oder der Diao-si-gui kennt sie kein Ersatzopfer-Motiv.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Jordan, David K.: Gods, Ghosts, and Ancestors. Berkeley 1972.
  • Teiser, Stephen F.: The Ghost Festival in Medieval China. Princeton 1988.
  • Pu, Songling: Liaozhai Zhiyi. China um 1740.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als chinesischer Hausgeist zeigt die Gui-po, dass Erscheinung nicht gleich Bedrohung bedeutet: Sie ist zugleich Geist der alten Frau, die weiter für die Familie sorgt, der sie einst diente.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

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