Die Apkallu sind die weisen Schutzfiguren des Alten Orients. Als kleine Figuren wurden sie unter den Fußböden mesopotamischer Häuser vergraben, um die Bewohner vor schädlichen Mächten zu bewahren.
Die Apkallu sind Schutzfiguren aus dem Alten Orient. In der mesopotamischen Vorstellung waren sie weise Wesen, und kleine Figuren in ihrer Gestalt dienten dem Schutz der Häuser Mesopotamiens.
Das Besondere an den Apkallu-Figuren ist die Art ihrer Verwendung. Sie wurden nicht getragen und nicht sichtbar aufgestellt, sondern verborgen. Man vergrub sie unter den Fußböden der Häuser.
Aus dieser verborgenen Anbringung ergibt sich ihre besondere Stellung unter den Schutzobjekten. Die Apkallu wirkten im Verborgenen. Ihre Schutzkraft war gegenwärtig, ohne dass sie sichtbar gewesen wären.
Die Apkallu gehören zur Welt der mesopotamischen Schutzgeister. Gemeinsam mit den geflügelten Torwächtern und anderen Schutzwesen bildeten sie ein System, das die Bauwerke und ihre Bewohner sicherte.
In der Religionswissenschaft sind die Apkallu ein gutes Beispiel für verborgene Schutzfiguren, für Bauopfer und für die Sicherung eines Hauses von Grund auf. Sie sind durch Funde und durch Texte gut bezeugt.
Der Name Apkallu verweist auf die Weisheit. Die Apkallu galten als weise Wesen, und gerade ihre Weisheit war ein Teil ihrer Schutzkraft. Dieser Zusammenhang wird im Folgenden erläutert.
In der mesopotamischen Überlieferung sind die Apkallu vor allem als die Sieben Weisen bekannt. Es handelt sich um sieben weise Gestalten aus der Urzeit, aus der Zeit vor der großen Flut.
Diesen Sieben Weisen wurde zugeschrieben, der Menschheit die Grundlagen der Kultur gebracht zu haben. Sie galten als die, die das Wissen, die Künste und die Ordnung der Zivilisation lehrten.
Die Apkallu standen damit am Anfang der Kultur. Sie waren die urzeitlichen Lehrmeister, die den Menschen das überbrachten, was ihr Leben über das bloße Dasein hinaushob.
Eine bekannte Gestalt aus diesem Zusammenhang ist ein Weiser, der aus dem Wasser kam und den Menschen die Kultur lehrte. Er wird in der späteren Überlieferung unter einem griechischen Namen bekannt.
Die Sieben Weisen waren keine gewöhnlichen Menschen. Sie galten als Wesen einer höheren Art, halb göttlich, von außerordentlicher Weisheit und mit einer besonderen Nähe zu den Göttern.
Aus dieser Stellung der Apkallu als urzeitliche Träger der Weisheit erklärt sich ihre Schutzkraft. Wesen, die das Wissen und die Ordnung der Welt verkörperten, konnten das Chaos und das Unheil abwehren.
Die Apkallu wurden in mehreren verschiedenen Gestalten dargestellt. Die Forschung unterscheidet vor allem drei Typen, die jeweils ein eigenes Aussehen haben.
Der erste Typ ist der fischgekleidete Apkallu. Diese Figur ist ein Mann, der einen Fisch wie einen Mantel über Kopf und Rücken trägt. Der Fisch verweist auf die Verbindung der Weisen mit dem Wasser und mit der Weisheit, die aus dem Wasser kam.
Der zweite Typ ist der vogelköpfige Apkallu. Diese Figur hat den Körper eines Mannes und den Kopf eines Vogels, meist mit Flügeln. Sie hält oft Gegenstände in den Händen, die mit der Reinigung und dem Segen verbunden sind.
Der dritte Typ ist der ganz menschengestaltige Apkallu. Diese Figur erscheint als würdevoller Mann, häufig ebenfalls mit Gegenständen in den Händen, die auf seine Aufgabe verweisen.
Die kleinen Apkallu-Figuren, die in den Häusern vergraben wurden, bestanden meist aus Ton. Sie waren einfach gefertigt, denn ihre Wirkung beruhte nicht auf kostbarem Material, sondern auf ihrer Gestalt und ihrer Weihe.
Diese drei Typen der Apkallu zeigen, dass es sich nicht um ein einzelnes Wesen handelte, sondern um eine Gruppe verwandter Schutzgestalten. Gemeinsam ist ihnen die Verbindung mit Weisheit und Schutz.
Die kennzeichnende Art, die Apkallu-Figuren zu verwenden, war ihr Vergraben. Sie wurden unter den Fußböden der Häuser in den Boden eingelassen, häufig in kleinen Behältnissen.
Die Figuren wurden dabei in Gruppen vergraben. Häufig waren es mehrere Figuren zusammen, die gemeinsam an einer Stelle des Hauses niedergelegt wurden.
Besonders wichtig waren bestimmte Stellen des Hauses. Die Figuren wurden vor allem dort vergraben, wo Schutz besonders nötig erschien, etwa an den Schwellen, in den Ecken der Räume und in der Nähe der Eingänge.
Diese Stellen waren die als gefährdet empfundenen Punkte des Hauses. Schwellen und Ecken galten als die Stellen, an denen schädliche Mächte eindringen konnten. Genau dort wurden die Apkallu eingesetzt.
Die Figuren wirkten damit aus dem Verborgenen. Niemand sah sie, doch ihre Schutzkraft durchdrang das Haus. Der Schutz war gegenwärtig, ohne sichtbar zu sein.
Dieses Vergraben von Schutzfiguren ist ein Brauch, der über Mesopotamien hinaus bekannt ist. In vielen Kulturen wurden bei der Errichtung von Bauwerken verborgene Gegenstände eingebracht, um das Gebäude zu sichern.
Die Apkallu-Figuren dienten dem Schutz des Hauses und seiner Bewohner. Sie sollten die schädlichen Mächte, die Dämonen und die Krankheiten vom Haus fernhalten.
Das Haus war der Lebensraum der Familie. Es zu sichern bedeutete, die Menschen zu sichern, die in ihm lebten. Der Schutz des Hauses war damit ein zentrales Anliegen der mesopotamischen Schutzpraxis.
Die Apkallu sicherten das Haus von Grund auf. Indem sie unter den Fußböden vergraben wurden, war ihre Schutzkraft im Fundament des Hauses gegenwärtig. Das Haus stand gleichsam auf dem Schutz der Weisen.
Anders als ein Schutzzeichen an der Tür, das eine einzelne Stelle sicherte, durchdrang der Schutz der vergrabenen Apkallu das ganze Gebäude. Sie sicherten den Boden, auf dem das Leben der Familie sich abspielte.
Häufig wirkten die Apkallu mit anderen Schutzwesen zusammen. An den Toren konnten geflügelte Torwächter stehen, in den Wänden andere Schutzzeichen angebracht sein, unter den Böden die Apkallu vergraben.
Das Haus war damit von einem ganzen Geflecht von Schutzmächten umgeben. Die Apkallu waren der verborgene, im Fundament wirkende Teil dieses Geflechts.
Das Vergraben der Apkallu-Figuren geschah nicht beiläufig. Es war mit einem Ritual verbunden, das genaue Regeln befolgte.
Aus Mesopotamien sind Ritualtexte überliefert, die das Anfertigen und das Vergraben der Apkallu-Figuren beschreiben. Diese Texte geben an, wie die Figuren herzustellen, wie sie zu weihen und wo sie zu vergraben sind.
Die Herstellung der Figuren war Teil des Rituals. Der Ton wurde geformt, die Figur gestaltet, und sie wurde durch Weihehandlungen zu einem wirksamen Schutzobjekt gemacht.
Auch das Vergraben selbst folgte festen Vorgaben. Die Zahl der Figuren, die Stelle des Vergrabens und die begleitenden Handlungen waren geregelt. Erst das richtige Verfahren machte den Schutz wirksam.
Das Ritual wurde von einem kundigen Fachmann ausgeführt, einem Beschwörungspriester. Er kannte die Texte und die Handlungen und sorgte dafür, dass das Vergraben der Apkallu seine Wirkung entfaltete.
Die Apkallu-Figuren zeigen damit, dass die mesopotamische Schutzpraxis genau geregelt war. Das Schutzobjekt und das Wissen um seine richtige Herstellung und Verwendung gehörten untrennbar zusammen.
Eine Eigenheit der Apkallu verdient besondere Aufmerksamkeit. Ihr Schutz war eng mit der Weisheit verbunden. Die Apkallu waren die Weisen, und gerade ihre Weisheit machte sie zu Schützern.
Dahinter steht ein bestimmter Gedanke. Das Unheil, die Dämonen und das Chaos galten als Mächte der Unordnung. Die Weisheit dagegen war die Macht der Ordnung, des Wissens und der Kultur.
Die Apkallu, als Träger der urzeitlichen Weisheit, verkörperten diese Ordnung. Ihre Gegenwart im Haus stellte das Haus auf die Seite der Ordnung und gegen die Mächte des Chaos.
Damit unterscheiden sich die Apkallu von Schutzobjekten, die durch ein Schreckbild abwehren. Sie wehren nicht durch Furcht ab, sondern durch die ordnende Kraft der Weisheit.
Dieser Gedanke ist aufschlussreich. Er zeigt, dass Schutz im Alten Orient nicht nur als Abwehr durch Schrecken, sondern auch als Sicherung durch Ordnung und Weisheit verstanden werden konnte.
Die Apkallu sind damit ein eigener Typ des Schutzwesens. Ihr Schutz ist der Schutz der Weisen, die am Anfang der Kultur standen und die Ordnung gegen das Chaos verkörperten.
Die Apkallu gehören zu einer ganzen Welt von Schutzgeistern, die der Alte Orient kannte. Diese Schutzgeister sicherten gemeinsam die Bauwerke und die Menschen.
Zu dieser Welt gehören die geflügelten Torwächter, die als große Steinfiguren die Tore bewachten. Auf der Seite zum Lamassu sind sie näher beschrieben. Während der Lamassu sichtbar am Tor stand, wirkten die Apkallu verborgen im Fundament.
Auch das Pazuzu-Amulett und die Lamaschtu-Plakette gehören in diesen Zusammenhang. Sie richteten sich gegen die Dämonin Lamaschtu und schützten besonders Mutter und Kind.
Diese verschiedenen Schutzwesen und Schutzobjekte bildeten zusammen ein System. Verschiedene Mächte sicherten verschiedene Stellen und richteten sich gegen verschiedene Gefahren.
Die Apkallu hatten in diesem System ihren festen Platz. Sie waren der verborgene Schutz des Hauses, die im Boden wirkenden Weisen, die das Gebäude von Grund auf sicherten.
Die mesopotamische Schutzpraxis war damit kein loses Nebeneinander einzelner Bräuche, sondern ein geordnetes Ganzes. Die Apkallu zeigen, wie durchdacht dieses System der Bauwerks- und Menschenbewahrung war.
Die Apkallu sind heute vor allem Kennern des Alten Orients bekannt. Sie gehören nicht zu den weithin geläufigen Zeichen, sind aber in der Altorientalistik ein wichtiger und gut erforschter Gegenstand.
Vergrabene Apkallu-Figuren sind bei Ausgrabungen in Mesopotamien gefunden worden, häufig noch an ihrem ursprünglichen Platz unter den Fußböden. Diese Funde lassen sich mit den überlieferten Ritualtexten verbinden.
Aus dem Zusammenspiel von Funden und Texten ergibt sich ein genaues Bild. Die Apkallu sind eines der am besten verstandenen Beispiele für verborgene Schutzfiguren und für Bauopfer.
Für die Erforschung der altorientalischen Religion sind die Apkallu von großem Wert. Sie zeigen, wie der Schutz des Hauses verstanden und wie er rituell ins Werk gesetzt wurde.
Die Apkallu sind außerdem aufschlussreich für das mesopotamische Bild von der Weisheit. Sie verbinden die Vorstellung von den urzeitlichen Lehrmeistern der Kultur mit der Vorstellung vom Schutz.
Damit sind die Apkallu ein eindrückliches Beispiel für ein Schutzobjekt eigener Art. Sie schützten verborgen, aus dem Fundament des Hauses heraus, und ihr Schutz war der Schutz der Weisheit gegen das Chaos.
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