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Der Lamassu – der geflügelte Torwächter des Alten Orients

Der Lamassu ist der geflügelte Torwächter des Alten Orients, ein Mischwesen aus Stier oder Löwe, Adlerflügeln und einem Menschenhaupt. Als gewaltige Steinfigur bewachte er die Tore der assyrischen Paläste.

SchutzsymbolMesopotamienSchutzfigur
Lamassu - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der Lamassu ist eine Schutzfigur aus dem Alten Orient. Er gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Kultur Mesopotamiens und ist vor allem aus dem assyrischen Reich bekannt.

Der Lamassu ist ein Mischwesen. Er verbindet den Körper eines Stiers oder eines Löwen mit den Flügeln eines Adlers und mit dem Haupt eines Menschen. Aus diesen Teilen entsteht eine machtvolle, würdevolle Gestalt.

Die Aufgabe des Lamassu war der Schutz. Als gewaltige Steinfigur bewachte er die Tore und Eingänge. Er sicherte die Schwelle und hielt das Unheil von dem ab, was hinter ihm lag.

Anders als ein getragenes Amulett ist der Lamassu ein monumentales Bauwerk. Die berühmten Lamassu-Figuren der assyrischen Paläste sind mehrere Meter hoch und aus großen Steinblöcken gearbeitet.

In der Religionswissenschaft und in der Altorientalistik ist der Lamassu ein gutes Beispiel für eine Schutzfigur, die zugleich Bauwerk und Wächter ist. Er gehört zu den großen Schwellenwächtern der Weltkultur.

Der Lamassu zeigt, dass der Schwellenschutz nicht nur durch kleine Zeichen, sondern auch durch gewaltige Figuren ausgeübt werden konnte. An den Toren der Paläste trat er den Eintretenden in voller Größe entgegen.

Lamassu und Schedu

Für die geflügelten Schutzfiguren des Alten Orients gibt es mehrere Begriffe. Verbreitet sind die Namen Lamassu und Schedu. Beide bezeichnen geflügelte Schutzwesen.

Die genaue Unterscheidung der Begriffe ist nicht in jedem Punkt einheitlich. In einem Teil der Überlieferung wird der Lamassu eher als weibliche, der Schedu eher als männliche Schutzmacht verstanden.

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Name Lamassu für die großen geflügelten Torwächterfiguren durchgesetzt. Mit diesem Namen werden heute meist die monumentalen Stier- und Löwenfiguren bezeichnet.

Lamassu und Schedu gehörten zur Welt der mesopotamischen Schutzgeister. Diese Welt umfasste eine ganze Reihe von schützenden Wesen, die den Menschen und seine Bauwerke bewahren sollten.

Die Schutzgeister galten als wohlwollende Mächte. Sie standen den Menschen bei und wehrten das Schädliche ab. Der Lamassu gehört zu dieser Gruppe wohlwollender, schützender Wesen.

Für die folgende Darstellung wird der verbreitete Name Lamassu verwendet, und zwar im Sinne der großen geflügelten Torwächterfigur, wie sie aus den assyrischen Palästen bekannt ist.

Gestalt des Mischwesens

Der Lamassu ist ein zusammengesetztes Mischwesen. Seine Gestalt verbindet Teile verschiedener Lebewesen zu einer neuen, machtvollen Erscheinung.

Den Körper bildet ein kräftiges Tier, meist ein Stier, in anderen Fällen ein Löwe. Beide Tiere standen für Stärke und für Wehrhaftigkeit. Der Tierkörper gibt dem Lamassu seine Wucht.

An den Schultern trägt der Lamassu große Flügel, die Flügel eines Adlers oder eines mächtigen Vogels. Die Flügel verweisen auf den Himmel und auf eine über das Irdische hinausreichende Macht.

Das Haupt des Lamassu ist ein Menschenhaupt. Es ist würdevoll dargestellt, mit einem sorgfältig gearbeiteten Bart und mit einer Krone, die den hohen Rang des Wesens anzeigt.

Jeder dieser Teile trägt eine Bedeutung. Der Tierkörper steht für Kraft, die Flügel für die Verbindung mit den höheren Mächten, das Menschenhaupt für Verstand und Würde. Im Lamassu sind diese Eigenschaften vereint.

Eine Eigenheit der großen Lamassu-Figuren betrifft die Zahl der Beine. Von vorn gesehen steht der Lamassu fest auf zwei Beinen, von der Seite gesehen schreitet er auf vier Beinen. Dazu sind fünf Beine ausgearbeitet, sodass die Figur aus jeder Blickrichtung vollständig erscheint.

Wächter der Tore

Der Lamassu war ein Wächter der Tore. Seine großen Figuren standen an den Eingängen der assyrischen Paläste, paarweise rechts und links des Durchgangs.

Die Tore waren die entscheidenden Schwellen eines Bauwerks. An ihnen trat man aus dem Außen in das Innere. Genau an dieser Stelle, an der Grenze, stand der Lamassu.

Wer das Tor durchschritt, trat zwischen den beiden Lamassu-Figuren hindurch. Er begegnete dem gewaltigen Mischwesen unmittelbar und wurde von ihm gleichsam in Augenschein genommen.

Der Lamassu hatte dabei eine doppelte Wirkung. Er sollte das Unheil und die schädlichen Mächte abwehren, und er sollte zugleich jeden Eintretenden beeindrucken und in Ehrfurcht versetzen.

Damit war der Lamassu mehr als ein Schutzzeichen. Er war ein Wächter, der die Schwelle des Palastes besetzte und sicherte. Seine bloße Gegenwart am Tor war die Schutzhandlung.

Der Lamassu gehört damit zur großen Familie der Schwellenwächter. In sehr vielen Kulturen werden Tore und Eingänge durch Figuren oder Zeichen gesichert. Der Lamassu ist eine besonders monumentale Ausprägung dieses Gedankens.

Schutz des Palastes

Die großen Lamassu-Figuren gehörten zu den assyrischen Palästen. Diese Paläste waren die Wohn- und Regierungssitze der assyrischen Könige und zugleich gewaltige Bauwerke der Selbstdarstellung.

Der Lamassu schützte den Palast und seinen Herrscher. Er wehrte die schädlichen Mächte ab, die dem König und dem Sitz seiner Macht hätten gefährlich werden können.

Zugleich war der Lamassu ein Zeichen der königlichen Macht. Seine Größe, seine kunstvolle Ausarbeitung und seine würdevolle Gestalt zeigten den Rang dessen, dessen Palast er bewachte.

Schutz und Machtdarstellung gingen beim Lamassu zusammen. Wer den Palast betrat, sollte den Schutz erkennen, der über ihm lag, und zugleich die Macht des Herrschers spüren.

Die Lamassu-Figuren waren mit Inschriften versehen. Diese Inschriften nannten oft den König, der den Palast errichten ließ, und priesen seine Taten. Bild und Text gehörten auch hier zusammen.

Der Lamassu ist damit ein Schutzobjekt, das untrennbar mit dem Königtum verbunden war. Er bewachte nicht das einzelne Haus, sondern den Palast, den Mittelpunkt der Macht.

Schutzgeister im Alten Orient

Der Lamassu war nicht der einzige Schutzgeist des Alten Orients. Die mesopotamische Vorstellungswelt kannte eine ganze Reihe schützender Wesen, die Bauwerke und Menschen bewahren sollten.

Zu diesen Schutzgeistern gehörten neben den geflügelten Torwächtern auch andere Gestalten, etwa die Apkallu-Figuren, die unter den Fußböden der Häuser vergraben wurden. Auf der Seite zu den Apkallu sind sie näher beschrieben.

Diese Schutzgeister bildeten gemeinsam ein System der Bauwerksbewahrung. Verschiedene Wesen sicherten verschiedene Stellen, die Tore, die Wände, die Fußböden und die Schwellen.

Der Lamassu war innerhalb dieses Systems der Wächter des großen Eingangs. Seine Aufgabe war die sichtbare, monumentale Bewachung des Tores.

Die Schutzgeister wurden als wohlwollende Mächte verstanden, die im Auftrag der Götter oder in deren Sinn wirkten. Sie standen auf der Seite der Ordnung und gegen die Mächte des Chaos.

Der Lamassu gehört damit in einen größeren Zusammenhang. Er ist nicht ein vereinzeltes Wesen, sondern Teil einer ganzen Welt von Schutzgeistern, mit denen der Alte Orient seine Bauwerke umgab.

Vom Palast zum kleinen Abbild

Der Lamassu ist vor allem durch die monumentalen Torfiguren bekannt. Doch die Schutzwirkung des Lamassu beschränkte sich nicht auf diese gewaltigen Steinbilder.

Es gab auch kleine Abbilder des Lamassu und verwandter Schutzgeister. Solche kleinen Figuren konnten im Haus aufgestellt oder bei Bauwerken verwendet werden.

Besonders bekannt ist der Brauch, kleine Schutzfiguren bei der Errichtung eines Gebäudes zu verwenden. Sie wurden im Boden oder in den Mauern angebracht, um das Bauwerk von Grund auf zu sichern.

Damit reichte die Schutzwirkung der geflügelten Wesen vom Palast bis zum gewöhnlichen Haus. Das große Steinbild am Palasttor und die kleine Figur im Wohnhaus folgten demselben Schutzgedanken.

Diese Bandbreite ist ein häufiger Zug bei Schutzobjekten. Ein Schutzgedanke konnte in monumentaler und in bescheidener Form ausgeführt werden, je nach dem Ort und nach den Mitteln.

Der Lamassu zeigt diese Bandbreite besonders deutlich. Er reicht von der mehrere Meter hohen Torfigur des Königspalastes bis zur kleinen Schutzfigur, die das einfache Haus bewahren sollte.

Das Erbe des Lamassu

Die geflügelte Schutzfigur des Lamassu hat eine lange Wirkungsgeschichte. Das Bildmotiv des geflügelten Mischwesens reichte über Mesopotamien hinaus und beeinflusste die Kunst angrenzender Kulturen.

Geflügelte Mischwesen, die dem Lamassu verwandt sind, finden sich in der Kunst des Alten Orients und des Mittelmeerraums vielfach. Das Motiv der geflügelten Schutzgestalt war weit verbreitet.

Auch in späteren Zeiten hat der Lamassu seine Wirkung behalten. Seit der Wiederentdeckung der assyrischen Paläste im 19. Jahrhundert gehören die großen Torfiguren zu den bekanntesten Bildwerken des Alten Orients.

Die monumentalen Lamassu-Figuren sind heute in mehreren großen Museen zu sehen. Sie zählen zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der altorientalischen Kunst und ziehen die Aufmerksamkeit vieler Betrachter auf sich.

Ein Teil der Lamassu-Figuren ist in jüngerer Zeit durch Zerstörung verloren gegangen, als bedeutende Fundorte im Irak verwüstet wurden. Dieser Verlust hat die erhaltenen Figuren noch wertvoller gemacht.

Der Lamassu ist damit ein Schutzwesen, das die Jahrtausende überdauert hat. Als geflügelter Torwächter bewachte er die Paläste des Alten Orients, und als eindrucksvolles Bildwerk ist er bis heute ein Sinnbild dieser untergegangenen Welt.

Heutige Rezeption

Der Lamassu gehört heute zu den bekanntesten Bildwerken des Alten Orients. Die großen geflügelten Torwächter sind ein eindrucksvolles Sinnbild der assyrischen Kultur geworden.

In Museen wie dem British Museum in London, dem Louvre in Paris und weiteren Sammlungen sind monumentale Lamassu-Figuren zu sehen. Sie gehören zu den herausragenden Stücken dieser Sammlungen.

Das Bild des Lamassu wird auch in der Gegenwart aufgegriffen. Es erscheint in der Gestaltung, in der Kunst und als Zeichen, das auf die Kultur des Alten Orients verweist.

Für die Erforschung der altorientalischen Kultur ist der Lamassu von großem Wert. Seine Figuren, seine Inschriften und seine Anbringung an den Toren geben Einblick in das Schutzdenken und in die Machtdarstellung der assyrischen Könige.

Der Lamassu zeigt, dass der Schwellenschutz im Alten Orient ein bedeutendes Anliegen war. An den wichtigsten Schwellen, den Toren der Paläste, standen die größten und eindrucksvollsten Schutzfiguren.

Damit ist der Lamassu ein eindrückliches Beispiel für eine Schutzfigur von monumentaler Größe. Er war Wächter, Bauwerk und Machtzeichen zugleich, und er gehört zu den großen Schwellenwächtern, die die Menschheit hervorgebracht hat.

Literatur (Auswahl)

  • Frans A. M. Wiggermann: Mesopotamian Protective Spirits. The Ritual Texts (1992)
  • Jeremy Black, Anthony Green: Gods, Demons and Symbols of Ancient Mesopotamia (1992)
  • Eckart Frahm (Hrsg.): A Companion to Assyria (2017)
  • Pauline Albenda: The Palace of Sargon, King of Assyria (1986)
  • Julian Reade: Assyrian Sculpture (1983)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Lamassu Schedu Torwächter Mischwesen Assyrien Schwellenschutz Schutzgeist Mesopotamien Palast.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der Lamassu gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.