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Das Bes-Amulett – der ägyptische Schutzgott von Haus und Geburt

Das Bes-Amulett zeigt den ägyptischen Schutzgott Bes, einen freundlichen, zugleich furchterregenden Zwerg. Er war kein Gott der großen Tempel, sondern ein Beschützer des Hauses, der Geburt und des Schlafs.

Das Bes-Amulett diente im alten Ägypten als ägyptischer Hausschutz, besonders für Mutter und Kind.

SchutzsymbolÄgyptenApotropäikon
Bes Amulett - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Das Bes-Amulett ist ein Schutzobjekt aus dem Alten Ägypten. Es bildet den Gott Bes ab, einen Schutzgott von eigentümlicher, unverwechselbarer Gestalt. Das Amulett wurde am Körper getragen und im Haus verwendet.

Bes war kein Gott der großen Staatstempel. Er war ein Gott des Hauses und des Alltags. Seine Zuständigkeit lag bei den Menschen und ihren täglichen Sorgen, nicht bei den großen Anliegen des Königtums.

Die Aufgabe des Bes-Amuletts war der Schutz. Es sollte das Haus, die Geburt, den Schlaf und besonders die verletzlichen Menschen bewahren. Bes wachte über Mütter, über Kinder und über die Schlafenden.

In der Religionswissenschaft ist Bes ein gutes Beispiel für einen volkstümlichen Hausgott. Solche Götter standen den Menschen nahe und waren in deren Alltag stärker gegenwärtig als manche der großen Gottheiten.

Das Bes-Amulett ist außerordentlich häufig erhalten. Diese große Zahl an Funden zeigt, wie verbreitet die Verehrung des Bes war. Er gehörte zum festen Bestand der ägyptischen Alltagsfrömmigkeit.

Das Amulett verbindet zwei Züge, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Bes ist freundlich und zugewandt, und er ist zugleich furchterregend. Beide Seiten gehören zu seiner Schutzfunktion.

Bes, der Gott

Bes ist eine ungewöhnliche Gestalt unter den ägyptischen Göttern. Die meisten ägyptischen Götter werden würdevoll und in ruhiger Haltung dargestellt. Bes dagegen ist klein, gedrungen und von wildem Ausdruck.

Der Name Bes bezeichnet möglicherweise eine ganze Gruppe verwandter Schutzgestalten, die im Lauf der Zeit zu einer Gestalt zusammenwuchsen. Bes ist damit weniger ein einzelner Gott als ein Typ des schützenden Wesens.

Anders als die großen Götter hatte Bes keine bedeutenden eigenen Tempel und keine ausgebaute Mythologie. Er lebt vor allem in den Amuletten und in den Darstellungen des häuslichen Bereichs.

Bes war von freundlicher Wesensart. Er galt als den Menschen zugewandt, ja als heiter. Mit Musik und Tanz wird er in Verbindung gebracht, und auf manchen Darstellungen spielt er ein Instrument.

Zugleich war Bes wehrhaft. Er stellte sich den schädlichen Mächten entgegen und wehrte sie ab. Diese Verbindung von Heiterkeit und Wehrhaftigkeit ist für Bes kennzeichnend.

Bes verbreitete sich über Ägypten hinaus. In der Levante, im Mittelmeerraum und in weiteren Regionen wurde er bekannt. Der freundliche, schützende Hausgott war über kulturelle Grenzen hinweg verständlich.

Gestalt: der schützende Zwerg

Die Gestalt des Bes ist sofort zu erkennen. Er ist als Zwerg dargestellt, klein und gedrungen, mit einem großen Kopf und kurzen, oft krummen Beinen. Damit unterscheidet er sich grundlegend von der schlanken Darstellung der übrigen Götter.

Das Gesicht des Bes ist breit und löwenartig. Es zeigt eine Mähne, weit aufgerissene Augen und häufig eine herausgestreckte Zunge. Dieser Ausdruck ist bewusst wild und furchterregend gestaltet.

Auf dem Kopf trägt Bes oft eine Krone aus hohen Federn. Diese Federkrone ist ein verbreitetes Merkmal seiner Darstellung. Sie hebt die kleine Gestalt heraus und gibt ihr Würde.

Anders als die meisten ägyptischen Götter wird Bes häufig von vorn gezeigt, dem Betrachter zugewandt. Diese frontale Darstellung ist ungewöhnlich. Sie lässt Bes den Betrachter unmittelbar anblicken.

In den Händen hält Bes oft Gegenstände, etwa Messer oder Instrumente. Die Messer verweisen auf seine Wehrhaftigkeit, die Instrumente auf seine Verbindung mit Musik und Tanz.

Diese Gestalt ist über lange Zeit beständig geblieben. Der löwenartige Zwerg mit der Federkrone ist ein fester Bildtyp. An ihm ist Bes über die ganze ägyptische Geschichte hinweg zu erkennen.

Schutz von Haus und Schlaf

Bes war vor allem ein Gott des Hauses. Sein Schutz galt dem Wohnraum und denen, die in ihm lebten. Das Bes-Amulett und das Bild des Bes hatten ihren Platz im häuslichen Bereich.

Bes erscheint auf Gegenständen des täglichen Lebens. Er ziert Möbel, Gefäße, Spiegelgriffe und Schmuck. Besonders häufig findet er sich auf Kopfstützen, den ägyptischen Nackenstützen, die beim Schlafen verwendet wurden.

Diese Verbindung mit der Kopfstütze ist aufschlussreich. Der Schlaf galt als ein Zustand der Verletzlichkeit. Im Schlaf war der Mensch den schädlichen Mächten und den bösen Träumen ausgeliefert.

Bes wachte über den Schlafenden. Auf der Kopfstütze, unmittelbar am Haupt des Schlafenden, hielt sein Bild die nächtlichen Gefahren fern. Bes war damit ein Beschützer der Nacht und des Schlafs.

Auch an den Wänden von Wohnräumen erscheint Bes. Sein Bild stellte den ganzen Raum unter seinen Schutz. Wo Bes war, sollten schädliche Geister keinen Zutritt finden.

Bes sicherte damit den häuslichen Bereich umfassend. Er schützte den Raum, die Gegenstände des Alltags und besonders den Menschen in seinem verletzlichsten Zustand, im Schlaf.

Schutz bei Geburt und Kindheit

Die wichtigste Aufgabe des Bes war der Schutz von Geburt und Kindheit. In diesem Bereich war er einer der bedeutendsten Schutzgötter des ägyptischen Alltags.

Die Geburt war in der antiken Welt eine gefährliche Stunde, für die Mutter wie für das Kind. Ägypten kannte keine sichere Medizin im heutigen Sinn. Der Schutz durch die Götter war darum von größter Bedeutung.

Bes stand der Gebärenden bei. In den Räumen, in denen Kinder zur Welt kamen, war sein Bild gegenwärtig. Er sollte die Geburt sichern und die schädlichen Mächte fernhalten, die Mutter und Kind bedrohten.

Auch nach der Geburt blieb Bes bei dem Kind. Kleine Kinder galten als besonders gefährdet, und ihnen wurde der Schutz des Bes zugewandt. Bes-Amulette wurden gerade für Kinder verwendet.

In diesem Bereich wirkte Bes mit anderen Schutzmächten zusammen. Auch das mesopotamische Pazuzu-Amulett war auf den Schutz von Geburt und Kindheit gerichtet. Geburt und früheste Kindheit waren überall ein zentrales Anliegen des Schutzes.

Bes ist damit ein klares Beispiel für ein wiederkehrendes Muster. In sehr vielen Kulturen richten sich die wichtigsten Schutzmächte auf die verletzlichste Lebensphase, auf die Geburt und das kleine Kind.

Abwehr durch das Schreckbild

Die Schutzwirkung des Bes beruht zu einem Teil auf seinem furchterregenden Anblick. Sein wildes, löwenartiges Gesicht mit der herausgestreckten Zunge ist bewusst schreckhaft gestaltet.

Hier wirkt das Prinzip der Abwehr durch ein Schreckbild. Was furchterregend aussieht, hält schädliche Mächte fern. Bes erschreckt die bösen Geister, bevor sie dem Haus oder dem Kind schaden können.

Damit teilt Bes ein Wirkprinzip, das in vielen Kulturen begegnet. Das griechische Gorgoneion wehrt durch das schreckliche Medusenhaupt ab. Das Pazuzu-Amulett wehrt durch den Dämonenkopf ab. Bes gehört in diese Reihe.

Das Besondere am Bes ist die Verbindung von Schrecken und Freundlichkeit. Sein Gesicht ist wild, doch er ist den Menschen zugewandt. Der Schrecken weist nach außen, gegen die Feinde, die Zuwendung gilt den Schutzbefohlenen.

Diese Doppelnatur macht Bes zu einer eindrücklichen Gestalt. Er ist kein bloßes Schreckbild, sondern ein freundlicher Gott, der ein furchterregendes Gesicht als Waffe gegen das Unheil einsetzt.

Für die Menschen, die ihn verehrten, war Bes darum kein bedrohliches Wesen, sondern ein verlässlicher Helfer. Sein schreckliches Antlitz galt nicht ihnen, sondern den Mächten, die er von ihnen fernhielt.

Material und Verbreitung

Bes-Amulette wurden aus verschiedenen Materialien gefertigt. Sehr verbreitet war Fayence, die glasierte Quarzkeramik in Türkis und Blaugrün. Daneben gab es Stücke aus Stein, aus Metall und aus weiteren Stoffen.

Die Amulette wurden in Modeln in großer Zahl hergestellt. Diese Massenfertigung machte das Bes-Amulett erschwinglich. Es war kein Vorrecht der Wohlhabenden, sondern ein Schutz für breite Teile der Bevölkerung.

Bes erscheint nicht nur als eigenständiges Amulett, sondern auch auf zahllosen weiteren Gegenständen. Er ziert Schmuck, Hausrat, Möbel und Geräte. Sein Bild konnte überall dort angebracht werden, wo Schutz erwünscht war.

Diese Allgegenwart macht Bes zu einer guten Quelle für die ägyptische Alltagsreligion. Wo Bes erscheint, zeigt sich der Wunsch nach Schutz im täglichen Leben.

Über Ägypten hinaus verbreitete sich Bes mit dem Handel. In Zypern, in der Levante und im Mittelmeerraum sind Bes-Darstellungen gefunden worden. Der ägyptische Hausgott wurde zu einer überregional bekannten Schutzgestalt.

Über die Jahrhunderte blieb Bes lebendig. Von frühen Zeiten bis in die griechisch-römische Epoche Ägyptens war er gegenwärtig. Er gehört damit zu den beständigsten Schutzgestalten der ägyptischen Religion.

Bes neben den großen Göttern

Die ägyptische Religion kannte die großen Götter der Staatstempel und die Götter des häuslichen Alltags. Bes gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Er ist ein Gott der Menschen, nicht des Staates.

Die großen Götter wie Amun, Re oder Osiris hatten mächtige Tempel, eine eigene Priesterschaft und einen festen Platz im Staatskult. Bes hatte nichts von alledem. Seine Stätte war das Haus.

Gerade darin lag jedoch seine Stärke. Bes war den Menschen nahe. Er war in ihrem Wohnraum gegenwärtig, an ihren Möbeln, an ihren Kopfstützen, an ihren Kindern. Er begleitete ihren Alltag.

Die ägyptische Frömmigkeit kannte beide Ebenen. Die großen Götter wurden in den Tempeln verehrt, die Hausgötter sicherten das tägliche Leben. Bes war der bekannteste unter diesen Hausgöttern.

Für eine genaue Darstellung der ägyptischen Religion sind die Hausgötter ebenso wichtig wie die großen Gottheiten. Sie zeigen, wie Religion im Alltag gelebt wurde, fern von den großen Tempeln.

Bes ist damit ein Schlüssel zum Verständnis der ägyptischen Alltagsfrömmigkeit. An ihm zeigt sich, dass der Schutz des Hauses und der Familie ein zentrales religiöses Anliegen war, dem ein eigener, weithin verehrter Gott zugeordnet wurde.

Heutige Rezeption

Bes ist heute weniger bekannt als die großen ägyptischen Götter. Während Namen wie Isis, Osiris oder Anubis weithin geläufig sind, ist Bes vor allem Kennern der ägyptischen Kultur vertraut.

Dabei ist Bes durch seine unverwechselbare Gestalt ein einprägsames Wesen. Der löwenartige Zwerg mit der Federkrone unterscheidet sich auffällig von allen anderen ägyptischen Göttern und bleibt im Gedächtnis.

In den Ägypten-Sammlungen der Museen ist Bes reich vertreten. Zahlreiche Bes-Amulette und Bes-Darstellungen sind erhalten. Sie bezeugen, wie verbreitet seine Verehrung im Alltag war.

Für die Erforschung der ägyptischen Religion ist Bes von großem Wert. Er zeigt die Seite der Religion, die sich nicht in den Tempeln, sondern in den Häusern abspielte.

Bes ist damit ein eindrückliches Beispiel für ein Schutzobjekt des Alltags. Er war kein ferner Gott, sondern ein naher Beschützer, der über das Haus, den Schlaf und besonders über die Geburt und die Kinder wachte.

In ihm verbinden sich Freundlichkeit und Wehrhaftigkeit, Heiterkeit und Schrecken. Diese Verbindung machte Bes zu einem der beliebtesten und verlässlichsten Schutzgötter, die das Alte Ägypten kannte.

Literatur (Auswahl)

  • Carol Andrews: Amulets of Ancient Egypt (1994)
  • Geraldine Pinch: Magic in Ancient Egypt (1994)
  • Veronica Wilson: The Iconography of Bes (Studien)
  • Richard H. Wilkinson: The Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt (2003)
  • Erik Hornung: Der Eine und die Vielen (1971)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Bes-Amulett Bes Schutzgott Hausgott Geburt Kopfstütze Apotropäikon Fayence Altägypten.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch das Bes-Amulett gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.