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Das Donnerzeichen – das slawische Schutzzeichen gegen den Blitz

Das Donnerzeichen ist ein slawisches Schutzzeichen, eine sechsspeichige Rosette im Kreis. An Häusern und Dachbalken angebracht, sollte es vor Blitz und Unheil schützen und wird mit dem Donnergott Perun verbunden.

SchutzsymbolSlawischSchutzzeichen
Donnerzeichen - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Das Donnerzeichen ist ein Schutzzeichen aus dem slawischen Kulturraum. Es zeigt meist eine sechsspeichige Rosette, ein radförmiges Muster, das von einem Kreis umschlossen ist.

In den slawischen Sprachen wird das Zeichen mit einem Begriff bezeichnet, der sich auf den Donner bezieht. Im Deutschen wird es darum als Donnerzeichen oder als Donnermal wiedergegeben.

Das Donnerzeichen wurde an Häusern angebracht, vor allem an den Dachbalken, an den Giebeln und an den Türrahmen. Von dort aus sollte es das Haus vor Unheil bewahren.

Seine Aufgabe ist eng bestimmt. Das Donnerzeichen soll vor allem gegen den Blitz schützen, gegen den Einschlag des Gewitters, das ein Haus zerstören und in Brand setzen konnte.

Das Zeichen wird mit dem slawischen Donnergott Perun in Verbindung gebracht. Perun war der Herr des Gewitters, und das Donnerzeichen gilt als sein Zeichen.

In der Religionswissenschaft und in der Volkskunde ist das Donnerzeichen ein gutes Beispiel für ein Schutzzeichen, das auf eine konkrete Naturgefahr antwortet, nämlich auf den Blitz. Wie bei vielen slawischen Zeichen ist dabei zwischen alter Wurzel und moderner Deutung zu unterscheiden.

Gestalt: die sechsspeichige Rosette

Das Donnerzeichen hat eine klare, einfache Gestalt. Es ist ein kreisrundes Zeichen, in dessen Innerem sechs Speichen oder Strahlen von einem Mittelpunkt ausgehen.

Häufig sind die Speichen so gestaltet, dass das Zeichen wie eine sechsblättrige Blüte oder eine sechsteilige Rosette wirkt. Aus diesem Grund wird es auch als Sechsblatt oder als Sechsstern bezeichnet.

Dieses Muster lässt sich mit einem einfachen Werkzeug erzeugen. Mit einem Zirkel kann man einen Kreis schlagen und mit demselben Radius die sechs Bögen einzeichnen. Daraus ergibt sich die regelmäßige sechsteilige Rosette.

Gerade diese leichte Herstellbarkeit ist wichtig. Das Donnerzeichen ließ sich von jedem, der einen Zirkel oder ein ähnliches Hilfsmittel besaß, sauber und regelmäßig in das Holz ritzen.

Das Zeichen wurde meist in Holz geschnitzt oder geritzt, denn die slawischen Häuser waren häufig Holzbauten. Es konnte auch aufgemalt werden.

Die sechsspeichige Rosette ist damit ein einfaches, klares und leicht herzustellendes Zeichen. An dieser regelmäßigen Form ist das Donnerzeichen zu erkennen.

Perun, der Donnergott

Das Donnerzeichen wird mit Perun verbunden, dem Donnergott der slawischen Religion. Perun war eine der bedeutendsten Gestalten der vorchristlichen slawischen Götterwelt.

Perun war der Herr des Gewitters, des Donners und des Blitzes. Er wird mit dem Himmel, mit der Eiche und mit der Macht der Naturgewalten verbunden. Als Gewittergott war er eine machtvolle, gefürchtete und zugleich verehrte Gestalt.

Perun gehört zu einer großen Gruppe von Donner- und Gewittergöttern, die viele Kulturen kennen. Der germanische Thor, der baltische Perkunas und weitere Gestalten sind ihm verwandt.

Der Blitz war die Waffe und das sichtbare Wirken des Donnergottes. Wenn ein Gewitter über das Land zog, war nach slawischer Vorstellung Perun am Werk.

Daraus ergibt sich die Verbindung des Donnerzeichens mit Perun. Das Zeichen, das gegen den Blitz schützen soll, ist das Zeichen des Gottes, der den Blitz beherrscht.

Wer das Donnerzeichen am Haus anbrachte, stellte sein Haus damit unter den Schutz des Donnergottes. Es war gleichsam eine Bitte an Perun, sein eigenes Gewitter von diesem Haus fernzuhalten.

Schutz gegen den Blitz

Die wichtigste Aufgabe des Donnerzeichens war der Schutz gegen den Blitz. Diese Gefahr war für die slawischen Dörfer sehr real.

Die slawischen Häuser waren häufig aus Holz gebaut und mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Ein Blitzeinschlag konnte ein solches Haus rasch in Brand setzen. Das Feuer konnte auf das ganze Dorf übergreifen.

Gegen diese Gefahr gab es keine sichere Abwehr im heutigen Sinn. Der Schutz durch ein Zeichen, durch die Anrufung des Donnergottes, war eine der Antworten, die die slawische Volksreligion bereithielt.

Das Donnerzeichen wurde darum an den Stellen angebracht, die als gefährdet galten. Sein häufigster Platz war der Giebel und der oberste Dachbalken, also der höchste Punkt des Hauses, den der Blitz zuerst treffen würde.

Die Vorstellung dahinter war, dass das Zeichen des Donnergottes den Blitz von dem so gekennzeichneten Haus abwende. Perun sollte sein Gewitter nicht gegen ein Haus richten, das sein eigenes Zeichen trug.

Das Donnerzeichen gehört damit zu den Schutzzeichen, die auf eine konkrete, benannte Gefahr antworten. Es ist nicht ein allgemeines Abwehrzeichen, sondern ein gezielter Schutz gegen den Blitz.

Das Zeichen am Haus

Das Donnerzeichen war ein Zeichen des Hauses. Es wurde nicht am Körper getragen, sondern fest an das Gebäude angebracht.

Sein Platz waren die hervorgehobenen Teile des Hauses. Besonders der Giebel, das dreieckige Feld unter dem Dach, trug häufig ein Donnerzeichen. Auch die Dachbalken und die Türrahmen wurden mit dem Zeichen versehen.

Diese Stellen waren bewusst gewählt. Der Giebel ist der höchste, am stärksten dem Himmel zugewandte Teil des Hauses. Die Tür ist die Schwelle, an der das Unheil eintreten könnte.

Das Donnerzeichen sicherte damit das Haus an seinen wichtigsten Punkten. Es gehörte zur Ausstattung des Hauses, oft schon von seiner Errichtung an.

Häufig war das Donnerzeichen nicht das einzige Schutzzeichen am Haus. Es konnte mit anderen geschnitzten Zeichen, mit Mustern und mit weiteren Schutzelementen verbunden sein.

Das Donnerzeichen gehört damit zur großen Gruppe der Schwellen- und Hausschutzzeichen. Wie der Bagua-Spiegel in China oder das Hufeisen in Europa sicherte es das Haus an seinen Grenzen und an seinen herausgehobenen Stellen.

Die sechsteilige Rosette in Europa

Das sechsspeichige Rosettenmuster ist nicht auf den slawischen Raum beschränkt. Es ist ein sehr weit verbreitetes Zeichen, das in vielen Teilen Europas begegnet.

Die Rosette aus sechs mit dem Zirkel geschlagenen Bögen ist eine der einfachsten regelmäßigen Figuren. Sie entsteht beinahe von selbst, sobald jemand mit einem Zirkel arbeitet.

Aus diesem Grund findet sich das sechsteilige Rosettenmuster in der Volkskunst vieler Völker. Es erscheint auf Möbeln, an Häusern, auf Geräten und in der Verzierung über ganz Europa hinweg.

An vielen Orten wurde diesem Muster eine schützende Bedeutung zugeschrieben. Als sogenanntes Sechsblatt oder als apotropäisches Ritzzeichen sollte es Unheil abwehren. Es gehört damit zur Familie der einfachen, weit verbreiteten Schutzmuster.

Das slawische Donnerzeichen ist eine bestimmte Ausprägung dieses verbreiteten Musters. Im slawischen Raum wurde die sechsteilige Rosette mit dem Donner und mit Perun verbunden.

Diese Einordnung ist wichtig. Das Donnerzeichen ist nicht ein völlig eigenständiges, nur slawisches Zeichen. Es ist die slawische Deutung eines Musters, das in ganz Europa als einfaches Schutzzeichen bekannt war.

Alte Wurzel und moderne Deutung

Beim Donnerzeichen ist, wie bei anderen slawischen Zeichen, zwischen der alten Wurzel und der modernen Deutung zu unterscheiden.

Die alte Wurzel ist gut belegt. Sechsteilige Rosetten an Häusern, besonders an Giebeln und Balken, sind im slawischen Raum über lange Zeit nachweisbar. Auch die Vorstellung, dass solche Zeichen vor dem Blitz schützen, ist im Volksglauben verankert.

Ebenso ist der Donnergott Perun eine echte Gestalt der vorchristlichen slawischen Religion. Die Verbindung von Gewitter, Blitz und einem Donnergott gehört zum gesicherten Bestand des slawischen Glaubens.

Was dagegen mit Vorsicht zu behandeln ist, ist die geschlossene, ausführliche Deutung, die das Donnerzeichen heute oft begleitet. Die genaue Verbindung der sechsteiligen Rosette mit Perun ist nicht in allen Einzelheiten durch alte Quellen belegt.

Wie beim Kolowrat haben moderne slawische Bewegungen das alte Volksmuster aufgegriffen und es zu einem klar benannten, ausgedeuteten Zeichen ausgearbeitet. Ein Teil der heutigen Deutung gehört dieser modernen Ausarbeitung an.

Eine ehrliche Darstellung hält beides fest. Die sechsteilige Schutzrosette am Haus ist ein echter, alter Volksbrauch. Die geschlossene Deutung als Perun-Zeichen verbindet alte Wurzeln mit moderner Ausgestaltung.

Schutz durch das Zeichen des Gottes

Das Donnerzeichen folgt einem bestimmten Schutzgedanken. Es wehrt nicht durch ein Schreckbild ab, und es ist kein heiliges Schriftzeichen. Es schützt, indem es das Zeichen des zuständigen Gottes trägt.

Diesem Gedanken liegt eine einfache Überlegung zugrunde. Der Blitz ist das Wirken des Donnergottes. Wer das Zeichen dieses Gottes an seinem Haus anbringt, stellt das Haus unter seinen Schutz.

Das Donnerzeichen ist damit gleichsam eine Botschaft an den Gott. Es zeigt an, dass dieses Haus dem Donnergott zugewandt ist und seinen Schutz sucht. Der Gott möge darum sein Gewitter von ihm fernhalten.

Dieser Gedanke, das Zeichen einer Macht zu verwenden, um sich unter ihren Schutz zu stellen, ist weit verbreitet. Auch das christliche Kreuz schützt nach diesem Muster, indem es auf Christus verweist.

Das Donnerzeichen verbindet diesen Gedanken mit der sechsteiligen Rosette. Das einfache, leicht herzustellende Muster wird zum Zeichen des Donnergottes und damit zum Mittel, sein Haus unter dessen Schutz zu stellen.

Das Donnerzeichen ist damit ein gutes Beispiel für ein Schutzzeichen, das auf der Verbindung mit einer Gottheit beruht. Sein Schutz ist die Zuwendung zum Herrn des Gewitters.

Heutige Rezeption

Das Donnerzeichen ist heute vor allem im slawischen Raum bekannt. Alte sechsteilige Rosetten sind an erhaltenen Holzhäusern und in der Volkskunst noch zu sehen und werden als Teil des kulturellen Erbes geschätzt.

In den slawischen neuheidnischen Bewegungen hat das Donnerzeichen, ähnlich wie der Kolowrat, einen festen Platz gefunden. Dort wird es als Zeichen Peruns und als Schutzzeichen verwendet.

Über diese Bewegungen hinaus wird das Donnerzeichen als Schmuck und als Motiv aufgegriffen. In dieser Verwendung steht es allgemein für das slawische Erbe und für den Schutz.

Wie bei anderen slawischen Zeichen ist auch beim Donnerzeichen die sachliche Einordnung wichtig. Die alte Schutzrosette am Haus ist ein echter Volksbrauch, die geschlossene Deutung als Perun-Zeichen verbindet Altes und Modernes.

Das Donnerzeichen bleibt damit ein eindrückliches Beispiel für ein Hausschutzzeichen. Es zeigt, wie ein einfaches, mit dem Zirkel gezeichnetes Muster zum Schutzzeichen gegen eine konkrete Naturgefahr werden konnte.

In ihm verbinden sich die Furcht vor dem Blitz, die Verehrung des Donnergottes und ein leicht herzustellendes Zeichen. Das Donnerzeichen ist die slawische Antwort auf eine Gefahr, die über den Häusern des Dorfes stets gegenwärtig war.

Literatur (Auswahl)

  • Aleksander Gieysztor: Mitologia Słowian (1982)
  • Zdeněk Váňa: Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker (1992)
  • Boris Rybakov: Studien zur slawischen Volkskunst und Religion
  • Kazimierz Moszyński: Kultura ludowa Słowian (1929)
  • Hans-Peter Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen und Slawen (Studien)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Donnerzeichen Perun Sechsblatt Rosette Blitz Hausschutz Giebel slawisch.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch das Donnerzeichen gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.