Der Bagua-Spiegel ist ein chinesisches Schutzobjekt aus einem achteckigen Rahmen mit den acht Trigrammen und einem Spiegel in der Mitte. Über der Tür angebracht, soll er schädliche Einflüsse abwehren und vom Haus fernhalten.
Der Bagua-Spiegel ist ein verbreitetes Schutzobjekt aus China. Er besteht aus einem achteckigen Rahmen, der ein zentrales Spiegelglas umschließt. Auf dem Rahmen sind die acht Trigramme angeordnet, eine Gruppe von Zeichen aus der chinesischen Überlieferung.
Der Bagua-Spiegel wird nicht im Innenraum aufgehängt, sondern außen am Haus, meist über oder neben der Eingangstür. Von dort soll er schädliche Einflüsse abwehren, bevor sie das Haus erreichen. Er ist damit ein Zeichen des Schwellenschutzes.
Das Objekt verbindet zwei alte Schutzgedanken miteinander. Der eine ist die abwehrende Kraft des Spiegels, der das Schädliche zurückwirft. Der andere ist die ordnende Kraft der acht Trigramme, die für eine umfassende, geordnete Weltsicht stehen.
In der Religionswissenschaft und in der Beschäftigung mit chinesischer Volksreligion ist der Bagua-Spiegel ein gutes Beispiel für ein zusammengesetztes Schutzobjekt. Er ist kein einzelnes Zeichen, sondern fügt mehrere Bedeutungselemente zu einem Ganzen zusammen.
Heute ist der Bagua-Spiegel vor allem im Zusammenhang mit der Lehre von der Gestaltung des Wohnraums bekannt. Diese Lehre wird Feng Shui genannt. Innerhalb dieser Lehre gilt der Bagua-Spiegel als eines der wirksamsten Mittel der Abwehr.
Den Kern des Bagua-Spiegels bilden die acht Trigramme. Ein Trigramm ist ein Zeichen aus drei übereinanderliegenden Linien. Jede Linie ist entweder durchgehend oder in der Mitte unterbrochen. Aus diesen beiden Möglichkeiten ergeben sich genau acht verschiedene Trigramme.
Die acht Trigramme stehen für grundlegende Kräfte und Erscheinungen der Welt. Ihnen werden Himmel und Erde zugeordnet, ferner Wasser, Feuer, Donner, Wind, Berg und See. Gemeinsam decken sie die wichtigsten Bereiche des Daseins ab.
Die Trigramme stammen aus einem der ältesten Bücher der chinesischen Überlieferung, dem Buch der Wandlungen. Dieses Werk dient der Deutung von Lebenslagen und der Beratung in Entscheidungen. Die Trigramme sind seine grundlegenden Zeichen.
Auf dem Rahmen des Bagua-Spiegels sind die acht Trigramme im Kreis um das mittlere Spiegelglas angeordnet. Diese Anordnung im Achteck gibt dem Objekt seinen Namen, denn das chinesische Wort Bagua bedeutet so viel wie acht Zeichen.
Die Anordnung der Trigramme folgt einer bestimmten Ordnung. Für den Schutzzweck wird häufig eine Reihenfolge gewählt, die als die frühe oder ursprüngliche Ordnung gilt. In dieser Ordnung stehen die Zeichen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander.
Das zweite tragende Element des Bagua-Spiegels ist der Spiegel selbst. Dem Spiegel wird in vielen Kulturen eine abwehrende Kraft zugeschrieben. Diese Vorstellung beruht auf einer einfachen Beobachtung, nämlich dass ein Spiegel zurückwirft, was auf ihn trifft.
Aus dieser Eigenschaft entstand die Vorstellung, dass ein Spiegel auch schädliche Einflüsse zurückwerfen kann. Was an Unheil auf das Haus zukommt, soll am Spiegel abprallen und zu seinem Ursprung zurückkehren. Der Spiegel wehrt damit ab, indem er zurücklenkt.
Diese Vorstellung ist nicht auf China beschränkt. Auch in anderen Kulturen wurden Spiegel als Schutzobjekte verwendet. Im sibirischen Schamanismus etwa spielt der Spiegel eine Rolle, und auch in europäischen Bräuchen begegnet der Spiegel als Abwehrmittel.
Der Bagua-Spiegel verbindet diese verbreitete Spiegelvorstellung mit den chinesischen Trigrammen. Der Spiegel wirft das Schädliche zurück, und die Trigramme umgeben ihn mit der ordnenden Kraft der acht Grundzeichen. Beide Elemente verstärken einander.
Wichtig ist die Vorstellung, dass der Bagua-Spiegel kräftig wirkt. Gerade deshalb wird er außen angebracht und nicht im Wohnraum. Im Inneren des Hauses gilt seine zurückwerfende Wirkung als zu stark. Der Bagua-Spiegel ist ein Mittel für die Außenseite der Schwelle.
Der Bagua-Spiegel hat eine klare, immer wiederkehrende Gestalt. Sein Rahmen ist achteckig, was unmittelbar auf die acht Trigramme verweist. Das Achteck ist die Grundform, an der das Objekt sofort zu erkennen ist.
Der Rahmen besteht häufig aus Holz, daneben gibt es Ausführungen aus Metall. Auf dem Rahmen sind die acht Trigramme aufgemalt, eingeschnitzt oder als Beschlag angebracht. Sie sind gleichmäßig um das Achteck verteilt, ein Trigramm auf jeder Seite.
In der Mitte des Rahmens sitzt das Spiegelglas. Es ist der eigentliche Wirkkern des Objekts, der das Schädliche zurückwirft. Die Trigramme bilden den ordnenden Rahmen um diesen Kern.
Häufig ist der Bagua-Spiegel zusätzlich mit Farben gestaltet. Rot, Gold und Schwarz sind verbreitet, denn diesen Farben werden in der chinesischen Tradition eigene Bedeutungen zugeschrieben. Manche Bagua-Spiegel tragen außerdem weitere Schutzzeichen.
Die Größe der Bagua-Spiegel ist unterschiedlich. Es gibt kleine, unauffällige Stücke ebenso wie größere, deutlich sichtbare Ausführungen. Allen gemeinsam bleibt der achteckige Rahmen mit den Trigrammen und dem mittigen Spiegel.
Der Bagua-Spiegel kommt in drei verschiedenen Ausführungen vor, die sich durch die Form des Spiegelglases unterscheiden. Diese drei Formen haben unterschiedliche Wirkungen und werden für unterschiedliche Zwecke verwendet.
Die erste Form ist der flache Spiegel. Ein flacher Spiegel wirft das Schädliche unverändert zurück. Er lenkt einen ungünstigen Einfluss in die Richtung zurück, aus der er gekommen ist. Der flache Bagua-Spiegel ist die am häufigsten verwendete Form.
Die zweite Form ist der konkave, also nach innen gewölbte Spiegel. Ihm wird zugeschrieben, einen Einfluss aufzunehmen und zu sammeln. Er wird eingesetzt, wenn ein bestimmter Einfluss nicht zurückgeworfen, sondern abgeschwächt werden soll.
Die dritte Form ist der konvexe, nach außen gewölbte Spiegel. Er zerstreut den auftreffenden Einfluss in viele Richtungen. Statt ihn gebündelt zurückzuwerfen, löst er ihn auf. Auch diese Form hat ihren bestimmten Anwendungsbereich.
Die Unterscheidung dieser drei Formen zeigt, dass der Bagua-Spiegel kein grobes Werkzeug ist. Die Tradition kennt verschiedene Wirkungen und ordnet ihnen verschiedene Spiegelformen zu. Welche Form gewählt wird, hängt von der jeweiligen Lage des Hauses ab.
Der typische Ort für den Bagua-Spiegel ist die Außenseite der Eingangstür. Er wird über der Tür oder unmittelbar daneben angebracht. Diese Stelle ist nicht beliebig gewählt, denn die Tür ist die entscheidende Schwelle des Hauses.
Die Tür ist der Punkt, an dem das Außen und das Innen aufeinandertreffen. Was dem Haus schadet, muss diese Schwelle überwinden. Genau hier setzt der Bagua-Spiegel an. Er sichert die Grenze, bevor das Schädliche eindringen kann.
Damit gehört der Bagua-Spiegel zur großen Gruppe der Schwellenschutzzeichen. In sehr vielen Kulturen konzentriert sich der Schutz auf Türen, Fenster und Tore. Der Bagua-Spiegel ist die chinesische Ausprägung dieses verbreiteten Gedankens.
Bei der Anbringung wird darauf geachtet, worauf der Spiegel weist. Häufig wird er einer als ungünstig empfundenen Stelle gegenübergestellt, etwa einer scharfen Kante oder einer auf die Tür zulaufenden Linie. Der Spiegel weist dem Schädlichen gleichsam entgegen.
Wichtig bleibt, dass der Bagua-Spiegel außen bleibt. Er gehört auf die der Welt zugewandte Seite des Hauses. Im Inneren wird er nicht aufgehängt, da seine Wirkung dort als unpassend und zu kräftig gilt.
Der Bagua-Spiegel ist heute eng mit dem Feng Shui verbunden. Feng Shui ist die chinesische Lehre von der Gestaltung von Räumen und Orten. Ihr Name bedeutet wörtlich Wind und Wasser. Sie befasst sich mit dem Fluss von Kräften durch die Umgebung.
Im Feng Shui spielt die Vorstellung einer Lebenskraft eine zentrale Rolle, die durch Räume und Landschaften strömt. Diese Kraft kann günstig oder ungünstig fließen. Ein ungünstiger, gleichsam scharfer Strom gilt als schädlich für das Haus und seine Bewohner.
Solche schädlichen Ströme werden oft mit bestimmten Merkmalen der Umgebung verbunden. Eine scharfe Hausecke gegenüber, eine gerade auf die Tür zulaufende Straße oder ein bedrohlich wirkendes Gebäude können als Quelle eines ungünstigen Einflusses gelten.
An dieser Stelle kommt der Bagua-Spiegel zum Einsatz. Er wird der ungünstigen Stelle gegenübergehängt und soll deren Einfluss abwehren. Im Rahmen des Feng Shui ist er damit ein gezieltes Mittel gegen eine genau bestimmte Belastung.
Der Bagua-Spiegel ist innerhalb des Feng Shui ein vergleichsweise starkes Mittel. Die Lehre rät zu einem überlegten Gebrauch. Er soll dort eingesetzt werden, wo tatsächlich ein ungünstiger Einfluss vorliegt, nicht beliebig und nicht im Übermaß.
Die Wurzeln des Bagua-Spiegels reichen tief in die chinesische Geistesgeschichte. Die acht Trigramme gehören zum Buch der Wandlungen, einem der grundlegenden Werke der chinesischen Überlieferung. Dieses Buch hat über Jahrtausende das chinesische Denken geprägt.
Der Überlieferung nach gehen die Trigramme auf eine legendäre Gestalt der chinesischen Frühzeit zurück. Ihr wird zugeschrieben, die acht Zeichen erkannt und geordnet zu haben. Diese Erzählung verbindet die Trigramme mit dem Ursprung der chinesischen Kultur selbst.
Die Trigramme und das Buch der Wandlungen sind eng mit dem Daoismus verbunden. Der Daoismus ist eine der großen Traditionen Chinas. Er befasst sich mit dem Dao, dem Weg, und mit dem rechten Einklang des Menschen mit der Ordnung der Welt.
Im daoistisch geprägten Denken sind die acht Trigramme ein Bild der geordneten Welt. Sie zeigen, wie die Grundkräfte des Daseins zusammenwirken. Ein Gegenstand, der diese Zeichen trägt, ist damit von der Vorstellung einer umfassenden Ordnung umgeben.
Der Bagua-Spiegel steht damit in einer langen Linie. Er ist kein bloßes volkstümliches Mittel ohne Hintergrund, sondern verbindet sich mit dem Buch der Wandlungen und mit dem daoistischen Denken. In ihm wirkt ein altes, durchdachtes Weltbild fort.
Der Bagua-Spiegel ist heute weit über China hinaus bekannt. Mit der weltweiten Verbreitung des Feng Shui wurde auch der Bagua-Spiegel in vielen Ländern vertraut. Er gehört zu den bekanntesten Gegenständen dieser Lehre.
In China und in den chinesisch geprägten Regionen ist der Bagua-Spiegel weiterhin im Gebrauch. An vielen Häusern ist er über der Tür zu sehen. Dort gehört er zum vertrauten Bild der Straße und zur selbstverständlichen Vorsorge für das Haus.
Außerhalb des chinesischen Raums wird der Bagua-Spiegel teils als ernst genommenes Schutzobjekt verwendet, teils als dekoratives Zeichen. In dieser Verwendung tritt der genaue Hintergrund der Trigramme oft zurück. Der Spiegel wird dann allgemein als Schutzzeichen verstanden.
Bei aller Verbreitung bleibt der Grundgedanke gleich. Der Bagua-Spiegel ist ein Mittel des Schwellenschutzes. Er sichert die Grenze des Hauses und wehrt ab, was ihm schaden könnte. Dieser Zweck ist über alle Zeiten und Orte hinweg derselbe geblieben.
Der Bagua-Spiegel ist damit ein gutes Beispiel für ein Schutzobjekt, das altes Denken und praktischen Gebrauch verbindet. In ihm treffen das Buch der Wandlungen, die Vorstellung vom abwehrenden Spiegel und die Sorge um das eigene Haus in einem einzigen, leicht erkennbaren Gegenstand zusammen.
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