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Cŵn Annwn und die Wilde Jagd über Cadair Idris

Cŵn Annwn sind Geister der walisischen Überlieferung.

Weiße Hunde mit roten Ohren, die Seelen der Toten geleiten.

Inhaltsverzeichnis

Cŵn Annwn, Geist der keltischen Überlieferung
Cŵn Annwn

Die Cwn Annwn, die Hunde von Annwn, sind die geisterhaften Jagdhunde der walisischen Anderswelt. Mit weißem Fell und roten Ohren jagen sie in der Wilden Jagd über den Nachthimmel und geleiten die Seelen der Toten. Wer ihr Heulen hört, dem gilt es als Todeswarnung.

Ihr ältester Beleg steht im Mabinogion: Im Ersten Zweig, Pwyll, sind sie die Jagdhunde des Arawn, König von Annwn. In der späteren Volksüberlieferung, belegt bei John Rhys, führt Gwyn ap Nudd als Herr der Anderswelt die Jagd an, begleitet von der Hexe Mallt-y-Nos.

Auf einen Blick: Cŵn Annwn

Typ: Geisterhafte Jagdhunde der walisischen Anderswelt
Herkunft: Mittelalterliches Mabinogi, spätere Volksüberlieferung
Texte: Mabinogion (Pwyll), John Rhys
Zeitraum: mittelalterlich bis in die neuzeitliche Sage
Erscheinung: Hunde mit weißem Fell und roten Ohren

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Wurzel im mittelalterlichen Mabinogi, ausgebaut in der späteren walisischen Volksüberlieferung, wie sie John Rhys verzeichnet.

Verbreitungsraum

Ganz Wales, mit einem besonderen Revier am Berg Cadair Idris, über dem ihr Heulen als Todesankündigung gilt.

Quellenlage

Gut: die Cwn Annwn zählen zu den ältesten der walisischen Todesgestalten und sind vom Mabinogion bis zur neuzeitlichen Sage belegt.

Name und Varianten

Sprache: Der Name ist walisisch aus cŵn, Hunde, und Annwn, der Anderswelt der walisischen Mythologie, also Hunde von Annwn. Eine regionale Nebenform lautet Cwn Wybir, Himmelshunde.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Die Cwn Annwn tragen leuchtend weißes Fell und rote Ohren, das keltische Farbschema der Anderswelt-Tiere. Ihr akustisches Kennzeichen ist eigentümlich: Ihr Heulen ist am lautesten in der Ferne und wird leiser, je näher sie kommen.

Wirkung

Sie jagen in der spektralen Wilden Jagd, meist im Herbst und Winter und an Schwellennächten wie den Vorabenden von Allerheiligen, Weihnachten und Neujahr. Als Seelenjäger führen sie die Toten in die Anderswelt und sind damit aktiver Teil des Totengeleits.

Steckbrief: Cŵn Annwn

Die wichtigsten Aspekte der walisischen Anderswelt-Hunde auf einen Blick.

Tradition

Walisische Mythologie und Volksüberlieferung, vom Mabinogion bis zu den Sagen um Gwyn ap Nudd.

Bezogen auf

Wer ihr Heulen hört, sowie die Seelen der Toten, die sie in die Anderswelt Annwn geleiten.

Darstellung

Meute leuchtend weißer Jagdhunde mit roten Ohren, angeführt von Arawn oder Gwyn ap Nudd über den Nachthimmel.

Funktion

Todesomen und Seelengeleit zugleich: Ihr Ruf warnt vor dem Tod, ihre Jagd führt die Seelen ins Jenseits.

Umgang

Sich nicht in die Jagd einmischen, wie Pwylls Buße zeigt; in den kalendarischen Jagdnächten blieb man besser zu Hause.

Verwandtes

Die englischen Geisterhunde Black Shuck und Barghest als Todesboten der Britischen Inseln, dazu der bretonische Totenführer Ankou.

Die Hunde des Arawn und die Jagd des Gwyn ap Nudd

Im Ersten Zweig des Mabinogion verjagt Pwyll die Hunde des Arawn von einem erlegten Hirsch und muss zur Buße an Arawns Stelle gegen dessen Widersacher Hafgan kämpfen. Schon hier gehören die Hunde dem König der Anderswelt und stehen für die Ordnung zwischen Diesseits und Annwn.

In der späteren Volksüberlieferung führt Gwyn ap Nudd als Herr der Anderswelt die Jagd an, begleitet von der Hexe Mallt-y-Nos. In der christlichen Umdeutung wurden die Hunde zu Höllenhunden, ursprünglich aber gehören sie der Anderswelt Annwn an, einem Ort der Fülle, nicht der Strafe.

Rezeption und Einordnung

Die Cwn Annwn und die Wilde Jagd sind ein wiederkehrendes Motiv der modernen Fantasy, der Rollenspiele und der Musik; Glenn Danzigs Album Black Aria von 1992 schließt mit einem Stück namens Cwn Annwn. In Formaten zur keltischen Anderswelt sind sie breit vertreten.

Religionswissenschaftlich verbinden die Cwn Annwn das Motiv des Seelengeleits, den Psychopompos, mit dem Todesomen und der Wilden Jagd. Wichtig ist, dass Annwn in der mittelalterlichen walisischen Tradition ein Ort der Fülle und ewigen Jugend ist, keine christliche Strafhölle; die Deutung als Höllenhunde ist eine spätere Umdeutung.

Die Jagd nicht stören

Zur eigentlichen Abwehr ist die Quellenlage dünn. Überliefert ist vor allem, sich nicht in die Jagd einzumischen, wie das Beispiel Pwylls zeigt, der für sein Eingreifen büßen muss. Gegen die als Höllenhunde umgedeuteten Jäger dienten christliche Zeichen: Weihwasser, der Klang geweihter Glocken in den Schwellennächten und das Licht der Schutzkerze als Wache in den gefürchteten Jagdnächten.

Die Wilde Jagd von Wales bis in die Bretagne

Die Cwn Annwn sind die walisische Wilde Jagd, die eigene Ausprägung des gesamteuropäischen Motivs. In Nordengland entsprechen ihnen die spektralen Luftmeuten, denen auch der Black Shuck und der Barghest als schwarze Geisterhunde nahestehen; in der Bretagne führt der Ankou den Totenzug. Ein verwandter walisischer Geisterhund ist der Gwyllgi.

Häufige Fragen zu Cŵn Annwn

Wer führt die Cwn Annwn an?

In der ältesten Überlieferung Arawn, König von Annwn, in der späteren Volksüberlieferung Gwyn ap Nudd, begleitet von der Hexe Mallt-y-Nos.

Warum wird ihr Heulen leiser, je näher sie kommen?

Das ist ihr charakteristisches, unheimliches Merkmal: am lautesten in der Ferne, leiser bei Annäherung.

Sind die Cwn Annwn Höllenhunde?

Nur in der christlichen Umdeutung. Ursprünglich sind sie Hunde der Anderswelt Annwn, eines Ortes der Fülle, nicht der Strafe.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Das Mabinogion. Erster Zweig, Pwyll Pendefig Dyfed. Mittelalterlich.
  • Rhys, John: Celtic Folklore. Welsh and Manx. Oxford 1901.
  • MacKillop, James: Dictionary of Celtic Mythology. Oxford 1998.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Hunde von Annwn und Meute der walisischen Wilden Jagd sind die Cŵn Annwn beides zugleich: ein Todesomen, dessen fernes Heulen den Tod ankündigt, und ein Seelengeleit, das die Toten in die Anderswelt führt.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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