Myling ist Geist der nordischen Überlieferung.
Der Geist eines ausgesetzten Kindes, der ein Grab verlangt. Der Steckbrief beleuchtet seinen Platz auf dem Rücken des Wanderers.
Der Myling, in Norwegen Utburd, ist im skandinavischen Volksglauben der Geist eines ungetauft gestorbenen, heimlich getöteten oder ausgesetzten Kindes. Nachts verfolgt er einsame Wanderer, springt ihnen auf den Rücken und verlangt, zu geweihtem Boden getragen zu werden, wobei er mit jedem Schritt schwerer wird.
Der schwedische Name Myling und der norwegische Utburd bezeichnen dasselbe Wesen, auf Island Útburður. Das Sagenmaterial ist im Umfeld der norwegischen Volksmärchen- und Sagensammlungen von Asbjørnsen und Moe verzeichnet. Eine Bestattung in geweihter Erde erlöst den ruhelosen Kindergeist.
Typ: Geist eines ungetauft gestorbenen oder ausgesetzten Kindes
Herkunft: Skandinavischer Volksglaube um Kindstötung und Bestattung
Texte: Sagenmaterial im Umfeld von Asbjørnsen und Moe
Zeitraum: Volksüberlieferung, im Sagenmaterial verzeichnet
Erscheinung: meist nur als nächtliches Schreien wahrnehmbar
Skandinavische Volksüberlieferung: Der Glaube ist im Sagenmaterial verzeichnet, besonders im Umfeld der norwegischen Sammlungen von Asbjørnsen und Moe.
Norwegen als Utburd, Schweden als Myling, Island als Útburður. Bevorzugter Ort der Erscheinung sind einsame Wege bei Nacht.
Gut: eine breite Volksüberlieferung und das gesammelte Sagenmaterial der skandinavischen Länder.
Sprache: Der schwedische Name Myling geht auf Mord zurück und meint den kleinen Ermordeten; der norwegische Utburd bedeutet das Hinausgetragene, das zum Sterben ausgesetzte Kind. Die isländische Form lautet Útburður.
Erscheinung
Der Myling ist oft nur als Schreien in der Nacht wahrnehmbar und wird selten leibhaftig gesehen. Wo er sichtbar wird, erscheint er als das tote Kind, das sich dem Wanderer anklammert.
Wirkung
Er verfolgt nächtliche Wanderer, springt ihnen auf den Rücken und fordert ein Begräbnis. Auf dem Weg zum geweihten Boden wird er immer schwerer; versagen die Kräfte des Trägers, kann er ihn bedrängen und in Gefahr bringen.
Die wichtigsten Aspekte des skandinavischen Kindergeistes auf einen Blick.
Skandinavischer Volksglaube um ungetaufte, unbestattete Kinder, verzeichnet im norwegischen und schwedischen Sagenmaterial.
Nächtliche Wanderer und einsame Reisende, denen der Geist sich auf den Rücken wirft und ein Grab abverlangt.
Meist unsichtbar und nur als Schreien hörbar; wo greifbar, als anklammerndes totes Kind, das mit der Nähe zum Friedhof schwerer wird.
Mahnung und Forderung: Sein Erscheinen verlangt das nachgeholte Begräbnis des unrein oder unerlöst Verstorbenen.
Dem Kind einen Namen geben und den Leichnam in geweihter Erde bestatten; die nachgeholte Taufe beruhigt den Geist.
Der Gjenganger und der germanische Wiedergänger als weitere ruhelose Tote, dazu die slawischen Nav als Seelen früh Verstorbener.
Die Mylinge entstehen aus unehelichen, ungetauften oder aus Armut getöteten und ausgesetzten Kindern, in Zeiten, in denen Abtreibung verboten und uneheliche Geburt schändlich war. Der Geist findet keine Ruhe, weil ihm der Übergang durch Taufe und Bestattung verwehrt blieb.
Das Motiv des Schwerer-Werdens beim Näherkommen an den Friedhof trägt die Last der ungesühnten Kindstötung sinnbildlich aus: Je näher die Erlösung rückt, desto drückender wird das Gewicht auf dem Träger. Das Sagenmaterial ist im Umfeld der norwegischen Sammlungen von Asbjørnsen und Moe überliefert.
Der Myling ist ein fester Bestandteil der skandinavischen Grusel- und Sagenkultur und erscheint in moderner Folklore-Literatur und Populärkultur als eines der bekannteren nordischen Kindergeist-Motive.
Religionswissenschaftlich verbindet er Totenfurcht, das Tabu der Kindstötung und das Tauf- und Bestattungsritual: Der ungetaufte, unbestattete Tote findet keine Ruhe. Sozialgeschichtlich spiegelt er Not, uneheliche Geburt und Kirchendisziplin und gehört zum Typus des unrein oder unerlöst Verstorbenen.
Quellenfest ist nicht die Abwehr, sondern die Erlösung durch das rituelle Nachholen des Übergangs. Dem Kind einen Namen zu geben, es gleichsam zu taufen, beruhigt es; den Leichnam zu finden und in geweihter Erde zu bestatten, erlöst den Geist. An diese erlösende Taufe knüpft das Weihwasser an, während die Schutzkerze das Licht der Totenwache trägt und Salz als Reinigungsmittel im Umgang mit dem unerlösten Toten gilt.
Der Myling ist eine Sonderform des unerlösten Wiedergängers, hier eines Kindes. Eine enge slawische Sinnparallele bilden die Nav, die Seelen ungetauft oder vor der Zeit gestorbener Kinder. Von den leibhaftigen Grabtoten wie dem Gjenganger unterscheidet ihn, dass nicht Vernichtung, sondern Bestattung ihn zur Ruhe bringt. Die Namensvarianten Utburd und Útburður bezeichnen dasselbe Wesen.
Wie erlöst man einen Myling?
Durch Namensgebung und die Bestattung in geweihter Erde, welche die versäumte Taufe und den Übergang nachholen.
Warum wird er beim Tragen schwerer?
Je näher der Friedhof rückt, desto drängender und schwerer die Last, die nach Erlösung verlangt.
Ist der Myling ein Vampir?
Nein, er ist ein unerlöster Kindergeist und Wiedergänger, kein Blutsauger.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Utburd ist der Myling der Geist eines ausgesetzten Kindes im wörtlichsten Sinn: kein Blutsauger, sondern ein unerlöster Toter, der erst dann Ruhe findet, wenn ihm Name und Grab gegeben werden.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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