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Apu Ampato und die Eismumie Juanita

Apu Ampato ist Berggott der Quechua-Tradition.

Der Gipfel, auf dem 1995 die Eismumie Juanita gefunden wurde.

GottQuechua

Inhaltsverzeichnis

Apu Ampato, der Berggott der Eismumie Juanita
Apu Ampato

Apu Ampato ist ein etwa 6288 Meter hoher, ruhender Vulkan in der Region Arequipa in Südperu und der bekannteste Capacocha-Fundort des Landes. 1995 entdeckten Johan Reinhard und Miguel Zárate an seinem Gipfel die Gefriermumie Juanita, die Dama de Ampato, ein um 1440 bis 1480 geopfertes Mädchen.

Damit ist Ampato der Berg, an dem das inkazeitliche Hochgebirgsopfer nicht nur ethnografisch erschlossen, sondern archäologisch direkt dokumentiert ist. Als Apu gilt er dem Umland als Spender von Schmelzwasser und Fruchtbarkeit; die Inka-Staatsreligion machte ihn zum Empfänger ihrer höchsten Opfer.

Auf einen Blick: Apu Ampato

Typ: Apu, wasser- und fruchtbarkeitsspendender Schutzberg
Herkunft: Region Arequipa, Südperu
Texte: inkazeitliche Capacocha, moderne Archäologie seit Reinhard 1995
Zeitraum: Inkazeit bis Gegenwart
Erscheinung: schneebedeckter Vulkankegel, etwa 6288 Meter hoch

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Die Quellen setzen mit der inkazeitlichen Capacocha ein und reichen bis in die moderne Archäologie; der Gipfelfund von 1995 bildet den Kern der Dokumentation.

Verbreitungsraum

Region Arequipa in Südperu. Ampato erhebt sich über der Puna, in unmittelbarer Nachbarschaft des aktiven Vulkans Sabancaya.

Quellenlage

Sehr gut: Die Grabungen seit Reinhard 1995 dokumentieren das Gipfelheiligtum direkt, ergänzt durch neuere Studien wie Socha und Reinhard 2021.

Name und Varianten

Quechua: hampatu bedeutet Kröte oder Frosch, weshalb Ampato oft als Krötenberg gedeutet wird; zwingend gesichert ist diese Herleitung nicht. Als Apu ist Ampato eine lebendige Berggottheit, keine bloße Erhebung im Gelände.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Ampato ist ein schneebedeckter, ruhender Vulkankegel von etwa 6288 Metern Höhe. Vulkanische Aschefälle des benachbarten Sabancaya ließen die Eisdecke des Gipfels antauen und trugen so zur Freilegung der Mumie bei, die der Berg über fünf Jahrhunderte bewahrt hatte.

Wirkung

Als Apu spendet Ampato das Schmelzwasser, von dem die Landwirtschaft des Umlands lebt, und empfing dafür die höchsten Staatsopfer der Inka.

Steckbrief: Apu Ampato

Die Kerndaten des Capacocha-Berges auf einen Blick.

Kulturkontext

Apu der Quechua-Tradition und Heiligtum der Inka-Staatsreligion; zugleich der bekannteste Capacocha-Fundort Perus.

Zuständig für

Wasser und Fruchtbarkeit des Umlands: Sein Schmelzwasser speist die Felder der Region Arequipa.

Darstellung

Schneebedeckter Vulkankegel, als Apu personifiziert; ein Kultbild braucht der Berg nicht, er ist selbst die Gottheit.

Funktion

Empfänger des Capacocha, des höchsten Staatsopfers der Inka, mit Menschenopfer, Edelmetallfigürchen und Textilien.

Kult

Inkazeitlich das Capacocha am Gipfel; heute Despacho- und Pago-Gaben, in denen Kokablätter, Lama-Fett und Chicha an den Apu gerichtet werden.

Vergleichbares

Die Capacocha-Gipfel Llullaillaco, Misti und El Plomo mit demselben Opfermuster; als Apu das Quechua-Gegenstück zum Achachila der Aymara.

Juanita und das Capacocha vom Ampato

Quechua hampatu heißt Kröte oder Frosch; ob Ampato deshalb wirklich Krötenberg bedeutet, ist nicht zwingend gesichert. Seine überragende Stellung verdankt der Berg ohnehin nicht dem Namen, sondern dem Capacocha, dem inkazeitlichen Hochgebirgsopfer, das an ihm archäologisch direkt dokumentiert ist.

1995 fanden Johan Reinhard und Miguel Zárate am Gipfel die Gefriermumie eines Mädchens, das um 1440 bis 1480 geopfert worden war: Juanita, die Dama de Ampato. Aschefälle des Nachbarvulkans Sabancaya hatten das Eis antauen lassen und den Fund freigelegt. Seit 1996 ist die Mumie im Museo Santuarios Andinos der Universidad Católica de Santa María in Arequipa ausgestellt.

Weltweite Resonanz und Einordnung

Der Fund von 1995 hatte weltweite Medienresonanz; die Mumie gehört seit 1996 zu den bekanntesten Exponaten der Andenarchäologie und ist in Arequipa zu sehen.

Religionswissenschaftlich ist Apu Ampato der Musterfall des archäologisch belegten inkazeitlichen Gipfelopfers. Zwei Klarstellungen sind wichtig: Juanita ist ein moderner Spitzname und kein inkazeitlicher Name, der echte Name des Mädchens ist unbekannt. Und Ampato war der Opferort, nicht zwingend die Zielgottheit jeder einzelnen Gabe.

Vom Staatsopfer zum Despacho

Quellenfest ist das Capacocha: das Menschenopfer, dazu Miniaturfigürchen aus Gold, Silber und Spondylus sowie Textilien, am Ampato nicht nur ethnografisch erschlossen, sondern archäologisch direkt dokumentiert. Die heutige Verehrung ist unblutig: Sie folgt den allgemeinen Despacho- und Pago-Formen, bei denen Kokablätter als zentraler Vermittler an den Apu dienen, begleitet von Lama-Fett und Chicha.

Capacocha-Gipfel im Vergleich

Apu Ampato steht in einer Reihe mit den anderen Capacocha-Gipfeln, die dasselbe Gipfelopfer-Muster zeigen: mit dem Apu Misti in derselben Region, mit Llullaillaco und El Plomo weiter im Süden, und mit dem Apu Pichu Pichu, dessen Opferfunde dieselbe Fachstudie behandelt. Als Apu hat er sein Gegenstück im Achachila der Aymara; eng verbunden bleibt er mit der Erdmutter Pachamama.

Häufige Fragen zum Apu Ampato

Wer ist Juanita?

Der moderne Spitzname der um 1440 bis 1480 geopferten Gefriermumie eines Mädchens vom Gipfel des Ampato. Ihr echter Name ist unbekannt.

Was bedeutet Ampato?

Wahrscheinlich Krötenberg, zu hampatu, Kröte oder Frosch; die Deutung ist nicht zwingend gesichert.

Wie wurde das Opfer gefunden?

1995 durch Johan Reinhard und Miguel Zárate, freigelegt durch Aschefälle des Nachbarvulkans Sabancaya, die das Gipfeleis antauen ließen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Reinhard, Johan: The Ice Maiden. Inca Mummies, Mountain Gods, and Sacred Sites in the Andes. Washington 2005.
  • Reinhard, Johan: Discovering the Inca Ice Maiden. Washington 1998.
  • Socha, Dagmar M. / Reinhard, Johan u. a.: Inca human sacrifices from the Ampato and Pichu Pichu volcanoes. In: Archaeological and Anthropological Sciences 13. 2021.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Berggott Arequipas steht Apu Ampato für die seltene Nähe von Mythos und Befund: Was andernorts Überlieferung bleibt, liegt hier mit der Mumie Juanita greifbar vor, geborgen aus dem Eis seines Gipfels.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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