Das Dellermännle ist Geist der alpinen Sagenwelt.
Der kleine Büßer, der wegen gestohlener Enzianwurzeln geistert. Der Steckbrief ordnet ihn als Büßergeist vom Derratal im Kleinwalsertal ein.
Das Dellermännle ist ein kleiner büßender Berggeist des Kleinwalsertals: ein altes, sehr kleines Männchen in blauem Leinengewand, mit Sack und Haue über der Schulter. Es muss geisten, weil es zu Lebzeiten Enzianwurzeln stahl, und begegnet Wanderern und Sennen im Derratal.
Die Beleglage ist dünn, aber echt: Es gibt einen publizierten Erzählkern in zwei nahezu textgleichen Fassungen, bei Richard Beitl im Sagenwald von 1953 und bei Karl August Reiser sowie Hulda Eggart in den Allgäuer Sagen. Neckisch-plagend zerrt das Männchen an Haaren und wirft Sand ins Essen.
Typ: Büßender armer-Seelen-Geist in Zwergengestalt
Herkunft: Sagenüberlieferung des Kleinwalsertals
Texte: Beitl, Im Sagenwald (1953); Reiser und Eggart, Allgäuer Sagen
Zeitraum: publiziert um 1895 bis 1953
Erscheinung: altes, sehr kleines Männchen in blauem Leinengewand
Die Sagenüberlieferung wurde um 1895 bis 1953 publiziert; älter ist der Erzählkern mündlich im Kleinwalsertal verwurzelt.
Kleinwalsertal, Vorarlberg und Allgäu; das Männchen ist an das Derratal mit der Derra- oder Derrenalpe gebunden.
Dünn, aber echt: ein Erzählkern in zwei nahezu textgleichen Fassungen bei Beitl sowie bei Reiser und Eggart.
Namensherkunft: ortsgebunden, nach der Derra- oder Derrenalpe im Derratal, volkstümlich Dellera. Die Herleitung aus Delle oder Mulde ist spekulativ und unbelegt.
Erscheinung
Das Dellermännle ist ein altes, sehr kleines Männchen in blauem Leinengewand, mit Sack und Haue über der Schulter. Es verschwindet spurlos.
Wirkung
Es ist ein büßender armer-Seelen-Geist, der geisten muss, weil er zu Lebzeiten Enzianwurzeln stahl. Neckisch-plagend zerrt es an Haaren und wirft Sand ins Essen; in der Allgäu-Fassung ist es ein Omen für die Viehseuche der Flug. Einen Schätze- oder Goldbezug haben die Quellen nicht.
Die wichtigsten Aspekte des kleinen Büßergeistes auf einen Blick.
Kleiner Büßergeist der Walser Sagenwelt, ortsgebunden an das Derratal im Kleinwalsertal, typologisch bei den Vorarlberger Bergmännchen angesiedelt.
Wanderer und Sennen im Derratal; in der Allgäu-Fassung gilt sein Erscheinen als Omen für die Viehseuche der Flug.
Altes, sehr kleines Männchen in blauem Leinengewand, Sack und Haue über der Schulter; es verschwindet spurlos.
Büßende arme Seele: Das Männchen geistert wegen gestohlener Enzianwurzeln und plagt neckisch, zerrt an Haaren und wirft Sand ins Essen.
Einzig überliefert ist, dem Männle ein Vaterunser zu beten, eine Fürbitte für die arme Seele; der Plage entgeht man, indem man den Ort verlässt.
Walsermännlein, Vorarlberger und Walliser Bergmännchen sowie typologisch die kleinen Erd- und Zwergenmännchen; kein Wildmann.
Der Name des Dellermännle ist ortsgebunden: Er verweist auf die Derra- oder Derrenalpe im Derratal, volkstümlich Dellera. Die gelegentlich vorgeschlagene Herleitung aus Delle oder Mulde ist spekulativ und unbelegt.
Die Überlieferung besteht aus zwei nahezu textgleichen Fassungen, bei Richard Beitl im Sagenwald von 1953 und bei Karl August Reiser sowie Hulda Eggart in den Allgäuer Sagen von 1914. Es handelt sich also um einen einzigen Erzählkern, nicht um zwei unabhängige Traditionen. Gerade diese dünne, aber saubere Beleglage macht das Dellermännle zu einem lehrreichen Fall: Was die Quellen hergeben, ist klar umrissen, und alles darüber hinaus ist spätere Zutat.
Digital ist das Dellermännle vor allem über Sagenportale präsent; Alpenverein und Tourismus greifen die Figur populär auf.
Religionswissenschaftlich ist das Dellermännle ein Beispiel für den dünn belegten alpinen Büßergeist. Wichtige Klarstellungen: Ein Schätze-Geist ist unbelegt, Sack und Haue verweisen auf Enzianwurzeln. Die Bezeichnung Wildmännchen ist irreführend, es ist ein büßender armer-Seelen-Geist in Zwergengestalt. Und es handelt sich nicht um zwei unabhängige Traditionen, sondern um einen Erzählkern in zwei Fassungen.
Eine Abwehr im engeren Sinn ist weitgehend unbelegt. Einzig überliefert ist, einem solchen Männle ein Vaterunser zu beten, eine Fürbitte für die arme Seele, die geisten muss; der Plage entgeht man schlicht, indem man den Ort verlässt. Amulette oder Bannsprüche nennen die Quellen nicht. Der Umgang mit dem Dellermännle ist damit kein Schutzritual gegen einen Feind, sondern seelsorgliche Hilfe für einen Büßer.
Das Dellermännle steht neben Walsermännlein und Vorarlberger und Walliser Bergmännchen und typologisch den kleinen Erd- und Zwergenmännchen, ist aber nicht deckungsgleich mit dem Wildmann. Im Alpenraum gehört es in eine Reihe mit dem Nörgel als kleinem Erdgeist, während die Salige Frau und die wilden Fänggen die großen Gegenpole der Sagenlandschaft bilden.
Was ist das Dellermännle?
Ein kleiner büßender Berggeist des Kleinwalsertals, der wegen gestohlener Enzianwurzeln geisten muss.
Ist es ein Schätze-Geist?
Nein. Sack und Haue verweisen auf Enzianwurzeln; ein Gold- oder Schätze-Bezug ist unbelegt.
Wie entgeht man ihm?
Indem man den Ort verlässt; überliefert ist zudem, ein Vaterunser für die arme Seele zu beten.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als büßender armer-Seelen-Geist in Zwergengestalt gehört das Dellermännle zu den kleinen Vorarlberger Bergmännchen: kein Schatzhüter, sondern eine ruhelose Seele, die eine alte Schuld im Derratal abträgt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
Verwandte Wesen

Die Gwyllion, die unheimlichen weiblichen Berggeister von Wales. Herkunft, die Abwehr durch Eisen...

Der Trasgu, der asturische Hauskobold mit dem Loch in der Hand. Herkunft, das Loswerden und die r...

Mahakala, Schutzherr der buddhistischen Lehre und tantrischer Wächter Tibets. Sechsarmige Form, S...

Lilinoe, die hawaiische Göttin des feinen Nebels. Herkunft, ihre Bindung an Mauna Kea und Haleaka...

Der Dvorovoi, der ostslawische Hofgeist. Herkunft, das Verhältnis zum Domovoi und die religionswi...

Black Shuck, der schwarze Höllenhund von East Anglia. Herkunft, die Sage von 1577, die glühenden ...