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Nisse, der Hofwächter mit der roten Zipfelmütze

Der Nisse ist Geist der norwegisch-dänischen Volksüberlieferung.

Hüter von Hof und Vieh, der den Julegrøt verlangt. Mit der roten Zipfelmütze zählt der Nisse zu den bekanntesten Hofgeistern Norwegens und Dänemarks.

Inhaltsverzeichnis

Nisse, der Hofgeist Norwegens und Dänemarks
Nisse

Der Nisse ist der norwegisch-dänische Hof- und Stallgeist, das Pendant zum schwedischen Tomte. Mit den einheimischen Namen Gardvord, Tunkall oder Tuftekall hütet er Bauernhof, Vieh und Familie und verrichtet nachts die Stallarbeit.

Sein Lohn ist der Julegrøt, der Weihnachtsbrei mit Butterklecks. Wer ihn achtet, dem sichert er den Wohlstand des Hofes; wer ihn beleidigt, muss mit seiner Rache rechnen, von Prügeln bis zur Viehtötung.

Auf einen Blick: Nisse

Typ: Hof- und Stallgeist
Herkunft: Norwegen und Dänemark; die einheimischen Namen sind alt, der Sammelname Nisse kam aus Dänemark
Texte: Volksüberlieferung bei Stokker und Kvideland, literarisch bei Asbjørnsen und Andersen
Zeitraum: alter Volksglaube, als Julenisse bis heute lebendig
Erscheinung: kindsgroßer grauer Wicht mit roter Zipfelmütze

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Die einheimischen Namen wie Gardvord und Tunkall sind alt. Der Sammelname Nisse kam aus Dänemark in die norwegische Tradition; die Datierung ist umstritten, zwischen einem Import des 17. Jahrhunderts und einem älteren Vorkommen.

Verbreitungsraum

Norwegen und Dänemark: Der Nisse gehört zu den Bauernhöfen beider Länder und ist an Hof, Stall und Familie gebunden.

Quellenlage

Gut dokumentiert: die Sammlungen von Stokker und Kvideland, dazu die literarische Tradierung durch Asbjørnsen und Hans Christian Andersen.

Name und Varianten

Nordisch: Die verbreitetste Herleitung, unter anderem bei Jacob Grimm, sieht Nisse als Koseform von Nils, der Kurzform von Nikolaus. Ältere einheimische Namen sind tufte, gardvord (Hofwächter) und tunkall (Hof-Bursche). Der Sammelname kam aus Dänemark, wohl als schmeichelnder Deckname; die Ableitung von einem Wassergeist ist zweifelhaft.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Der Nisse ist kindsgroß, grau gekleidet und trägt die rote Zipfelmütze. In Dänemark ist er oft langbärtig, doch gilt der Bart nach Olrik und Ellekilde als spätere Veränderung; ursprünglich war er bartlos. Er kann sich in Tiere verwandeln und besitzt trotz seiner Kleinheit immense Stärke.

Wirkung

Der Nisse ist Hüter von Hof, Vieh und Familie. Er verrichtet nachts die Stallarbeit und sichert den Wohlstand des Hofes. Zugleich wacht er über die Ordnung: Der Stallknecht musste pünktlich füttern, sonst drohten Prügel.

Steckbrief: Nisse

Die wichtigsten Aspekte des Hofgeistes auf einen Blick.

Tradition

Norwegisch-dänischer Hofgeist mit alten einheimischen Namen wie Gardvord und Tunkall; das Gegenstück zum schwedischen Tomte.

Zuständig für

Hof, Vieh und Familie: Der Nisse hütet die Tiere, verrichtet nachts die Stallarbeit und sichert den Wohlstand des Hofes.

Darstellung

Kindsgroßer grauer Wicht mit roter Zipfelmütze, ursprünglich bartlos; der lange Bart der dänischen Bilder ist eine spätere Zutat.

Funktion

Schutz und heimliche Arbeit für den Hof; bei Kränkung Rache, von Prügeln über Viehtötung bis zum Verlassen des Hofes samt Glück.

Umgang

Der Julegrøt an Heiligabend und Donnerstagabend, in Norwegen der Sauerrahmbrei rømmegrøt, in Dänemark ein süßer Buchweizenbrei, immer mit Butterklecks.

Verwandtes

Tomte, Tonttu und Brownie; sein Schiffsableger ist der Klabautermann, der skibsnisse.

Vom Tunkall zum Nisse

Hinter dem heute geläufigen Namen stehen ältere einheimische Bezeichnungen: tufte, gardvord, der Hofwächter, und tunkall, der Hof-Bursche. Der Sammelname Nisse kam aus Dänemark in die norwegische Tradition, wohl als schmeichelnder Deckname, mit dem man den Geist nicht bei seinem eigentlichen Namen rief.

Wann das geschah, ist umstritten: Die Vorschläge reichen von einem Import des 17. Jahrhunderts bis zu einem älteren Vorkommen. Die verbreitetste Herleitung des Wortes selbst, unter anderem bei Jacob Grimm, sieht darin die Koseform von Nils, der Kurzform von Nikolaus.

Vom Hofgeist zum Julenisse

Der Nisse wandelte sich parallel zum schwedischen Jultomte zum Julenisse und wurde an Santa Claus angeglichen; anders als dieser wohnt er aber nicht am Nordpol und kommt durch die Vordertür. Literarisch tradierten ihn Asbjørnsen und Hans Christian Andersen.

Religionswissenschaftlich ist der Nisse wie der Tomte wohlwollend, aber rachsüchtig bei Kränkung, mit Prügeln, Viehtötung oder dem Verlassen des Hofes samt Glück. Wichtige Klarstellungen: Er ist nicht der Weihnachtsmann, das ist eine späte Umdeutung. Der Name ist spät aus dem Dänischen entlehnt, die einheimischen Namen sind älter. Und die Ableitung von einem Wassergeist ist zweifelhaft.

Der Julegrøt und die Ordnung des Hofes

Quellenfest ist der Julegrøt: in Norwegen traditionell der Sauerrahmbrei rømmegrøt, in Dänemark ein süßer Buchweizenbrei, immer mit einem Butterklecks, aufgestellt an Heiligabend und Donnerstagabend. Es gilt dieselbe Butter-Geschichte wie beim Tomte, denn der Geist prüft die Gabe genau. Eine Warnerzählung berichtet, wie eine Magd den Brei des Nisse selbst isst und dafür fast totgeprügelt wird: Die Gabe an den Hofgeist ist keine Dekoration, sondern eine Verpflichtung.

Verwandte Hofgeister Europas

Der Nisse entspricht dem schwedischen Tomte, dem finnischen Tonttu, dem englischen Brownie, dem norddeutschen Niß Puk und dem slawischen Domovoi. Sein Schiffsableger ist der Klabautermann, der skibsnisse, der denselben Dienst an Bord versieht wie der Nisse auf dem Hof.

Häufige Fragen zum Nisse

Was ist ein Nisse?

Der norwegisch-dänische Hof- und Stallgeist, das Pendant zum schwedischen Tomte. Er hütet Hof, Vieh und Familie und verrichtet nachts die Stallarbeit.

Was verlangt er als Gabe?

Den Julegrøt, in Norwegen den Sauerrahmbrei rømmegrøt, immer mit Butter obenauf.

Ist der Nisse der Weihnachtsmann?

Nein. Das ist eine späte Umdeutung; der Nisse ist ein ganzjähriger Hofgeist, der weder am Nordpol wohnt noch durch den Schornstein kommt.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Stokker, Kathleen: Keeping Christmas. St. Paul 2000.
  • Kvideland, Reimund / Sehmsdorf, Henning K. (Hg.): Scandinavian Folk Belief and Legend. Minneapolis 1988.
  • Asbjørnsen, Peter Christen: Eventyrbog for Børn. Kopenhagen 1884.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als norwegischer Hofgeist und Stallgeist der Bauernhöfe verkörpert der Nisse das alte Bündnis zwischen Haus und Geisterwelt: nächtliche Arbeit und Schutz gegen eine Schale Brei mit Butter und den gebotenen Respekt.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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