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Wila, Geist der slawischen Tradition

Der weibliche Naturgeist der Berge, Wälder und Quellen. Die Wila gilt als weiblicher Geist der slawischen Tradition und bewohnt Berge, Wälder und Quellen.

Inhaltsverzeichnis

Wila

Die Wila (südslawisch Vila, bulgarisch Samodiwa oder Samowila) ist eine weibliche Naturgeisterin, die vor allem in der serbischen, kroatischen, bulgarischen und slowenischen Überlieferung zu Hause ist.

Wilen erscheinen als schöne junge Frauen mit langem, offenem Haar, oft geflügelt oder in weißen Gewändern, und bewohnen Berge, Wälder, Wolken, Quellen und Seen. Sie sind weder eindeutig gut noch eindeutig böse und verkörpern die unberechenbare Macht der wilden Natur.

Wilen können heilen, prophezeien und Helden beistehen, in der serbischen Heldenepik ist die Wila die Wahlschwester und Helferin des Marko Kraljević. Zugleich sind sie gefährlich: Wer ihren Reigen (das Kolo) stört, ihre Quelle verunreinigt oder sie belauscht, wird mit Krankheit, Lähmung oder dem Tanz bis zum Tod bestraft.

Manche Überlieferungen deuten die Wila als Seele eines Mädchens, das ungetauft oder zwischen Verlobung und Hochzeit gestorben ist.

Im Überblick: Wila

Typ: weiblicher Naturgeist, ambivalent (heilend und gefährlich)
Herkunft: südslawischer Naturglaube, teils Seelen ungetauft Verstorbener
Texte: südslawische Heldenepik, Volkslieder, Ethnografien des 19. Jh.
Zeitraum: vorchristlich bis Gegenwart
Wohnort: Berge, Wälder, Wolken, Quellen, Seen

Historische Einordnung

Zeitraum der Texte

Vorchristliche südslawische Tradition, reich überliefert in der mündlichen Heldenepik und im Volkslied. Zentrale Sammlungsphase im 19. Jahrhundert durch Vuk Stefanović Karadžić; bis heute in der Folkloristik des Balkans dokumentiert.

Verbreitungsraum

Südslawisches Kerngebiet: Serbien, Kroatien, Bosnien, Bulgarien (dort Samodiwa), Slowenien, Nordmazedonien. Verwandte Figuren reichen bis in die west- und ostslawische Welt; die geflügelte, tanzende Bergfrau ist jedoch südslawisch am dichtesten ausgeprägt.

Quellenlage

Serbische Heldenlieder (Karadžić), bulgarische und mazedonische Volksliedsammlungen, kroatische und slowenische Ethnografien, moderne Balkan-Folkloristik.

Bezeichnung und Schreibweisen

Serbisch/Kroatisch: Vila, Plural Vile.
Bulgarisch/Mazedonisch: Samodiwa, Samowila.
Slowenisch: Vila. Im deutschen Sprachraum eingebürgert als Wila.
Etymologie: umstritten; diskutiert werden Verbindungen zu urslawisch viti („winden, wirbeln“), mit Bezug auf den Wirbelwind und den Reigentanz.

Der bulgarische Name Samodiwa wird volksetymologisch als „die für sich Wilde/Göttliche“ gedeutet und betont die Eigenständigkeit und Unzähmbarkeit der Figur gegenüber der menschlichen Ordnung.

Wesenszüge

Erscheinung

Schöne junge Frauen mit langem, offenem Haar, meist in weißen Gewändern, oft geflügelt oder mit der Fähigkeit zu fliegen. In manchen Überlieferungen haben sie Ziegen- oder Pferdefüße, die sie unter dem Kleid verbergen.

Verhalten

Sie tanzen den Reigen (Kolo) auf Bergwiesen, singen, heilen mit Kräutern und prophezeien. Gestört, belauscht oder beleidigt, strafen sie mit Krankheit, Lähmung, Verlust der Stimme oder dem Tanz bis zur Erschöpfung.

Wirkungsbereich

Berggipfel, Waldlichtungen, Wolken, Quellen und Seen. Bestimmte Orte, Kreistänze im Gras, einzelne Bäume, Quellen, gelten als Wilen-Orte, die der Mensch meiden oder mit Respekt betreten sollte.

Mythologische Einordnung

Die Wila gehört zu den ambivalenten weiblichen Naturgeistern der slawischen Welt, verwandt mit der ostslawischen Rusalka. Sie verbindet zwei Schichten: die Seele einer unerlöst Verstorbenen und die personifizierte Macht der wilden Natur.

Steckbrief: Wila

Die wichtigsten Aspekte der Wila auf einen Blick.

Kulturkontext

Weiblicher Naturgeist der südslawischen Volksreligion, ambivalent zwischen Heilung und Strafe. Verwandt mit der ostslawischen Rusalka.

Bezogen auf

Wanderer, Hirten und Helden in den Bergen, besonders, wer ihren Reigen stört, ihre Quelle verunreinigt oder sie belauscht.

Wilas Erscheinung

Schöne junge Frau mit langem offenem Haar, weißes Gewand, geflügelt oder fliegend; mitunter mit verborgenen Tierfüßen.

Wilas Wirkung

Heilt, prophezeit und hilft Helden; gestört straft sie mit Krankheit, Lähmung oder dem Tanz bis zur Erschöpfung.

Wilas Abwehr

Wilen-Orte meiden, ihren Reigen nicht stören, Quellen rein halten. Gaben von Blumen, Kuchen und Bändern an Wilen-Bäumen galten als Versöhnung.

Verwandte Wesen

Rusalka, die bulgarische Samodiwa, Nymphen der antiken Tradition, fee- und elbenartige Naturgeister Europas.

Jahreslauf und Abwehr

Wilen-Zeiten

Als gefährlichste Zeiten galten Mittag und Mitternacht sowie die Wochen um Pfingsten und Johanni, in denen die Wilen besonders aktiv tanzen. Hirten und Wanderer mieden dann die hochgelegenen Wiesen und einzelne Bäume.

Abwehr- und Versöhnungspraxis

Man umging Wilen-Orte, störte keinen Kreistanz im Gras und hielt Quellen sauber. Zur Versöhnung legte man Blumen, Kuchen, Honig oder bunte Bänder an Wilen-Bäumen nieder. Kräuterkundige Frauen galten als fähig, von Wilen geschlagene Krankheiten zu lösen.

Wila als Helferin

Nicht jede Begegnung war bedrohlich: In der Heldenepik wird die Wila zur Wahlschwester (posestrima) des Helden, warnt ihn, heilt seine Wunden und leiht ihm ihr Wissen. Der respektvolle Umgang konnte aus der gefährlichen Macht eine Verbündete machen.

Literatur und Rezeption

Südslawische Heldenepik: In den von Vuk Karadžić gesammelten serbischen Heldenliedern ist die Wila die ständige Begleiterin des Marko Kraljević, Helferin, Warnerin und Wahlschwester. Damit ist sie eine der prägenden Figuren der Balkan-Epik.

Volkslied und Brauch: Bulgarische und mazedonische Samodiwa-Lieder halten die Figur bis ins 20. Jahrhundert lebendig; ethnografische Sammlungen dokumentieren zahlreiche regionale Varianten.

Gegenwartskultur

Die Wila ist in der Literatur, im Tanz und in der populären Kultur des Balkans präsent und wird in Neopaganismus und Esoterik als Symbol weiblicher Naturmacht rezipiert.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Arbeiten zur Wila:

  • Karadžić, Vuk Stefanović: Srpske narodne pjesme. Wien 1841, 1862.
  • Pócs, Éva: Fairies and Witches at the Boundary of South-Eastern and Central Europe. Helsinki 1989.
  • Đorđević, Tihomir: Veštica i vila u našem narodnom verovanju. Belgrad 1953.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

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Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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