Hitodama ist Geist der japanischen Tradition.
Die Seele eines Menschen, sichtbar als schwebende Flamme.
Hitodama, wörtlich Menschenseele, ist im japanischen Volksglauben die als schwebende Flamme sichtbare Seele eines Menschen. Solche bläulich oder rötlich leuchtenden Feuerkugeln mit Schweif sollen den Körper von Sterbenden oder frisch Verstorbenen verlassen und über Friedhöfen und Feuchtgebieten schweben.
Der Glaube ist alt und schon in der klassischen Literatur angedeutet, etwa in der Man’yoshu-Dichtung. Die Hitodama gehört zu den zahlreichen Feuerlichtern des japanischen Volksglaubens und wurde in der Edo-Zeit vielfach bildlich dargestellt. Anders als andere Nachtlichter greift sie in der Regel niemanden an: Sie ist Zeichen, nicht Angreiferin, ein Beleg dafür, dass eine Seele den Körper verlassen hat.
Typ: Seelenflamme, die sichtbar gewordene Seele eines Menschen
Herkunft: Japanischer Volksglaube um Tod und Seele
Texte: Andeutungen in der Man’yoshu-Dichtung, breite Volksüberlieferung, Edo-zeitliche Kunst
Zeitraum: klassisch bis modern
Erscheinung: schwebende bläuliche oder rötliche Flammenkugel mit Schweif
Klassisch bis modern: Der Glaube ist im Volksglauben und in der Literatur seit dem Mittelalter greifbar und bereits in der Man’yoshu-Dichtung angedeutet.
Ganz Japan. Bevorzugte Orte der Erscheinung sind Friedhöfe, Sümpfe und Feuchtgebiete sowie die Nähe Sterbender.
Gut: eine breite Volksüberlieferung und die Kunst der Edo-Zeit, dazu die Übersichtswerke von Foster und Komatsu.
Japanisch: hito bedeutet Mensch, tama Seele oder Kugel: Hitodama ist die Menschenseele als sichtbares Feuer. Der Name benennt damit genau das, was der Volksglaube in der Erscheinung sah, die Seele selbst in Gestalt einer leuchtenden Kugel.
Erscheinung
Die Hitodama erscheint als leuchtende Kugel in bläulichem, weißlichem oder rötlichem Ton, oft mit einem langen Schweif, die niedrig und langsam durch die Luft schwebt.
Wirkung
Sie gilt als sichtbar gewordene Seele und ist ein Zeichen des Todes oder der Nähe des Todes. Lautlos und meist bei Nacht schwebt sie über Friedhöfen, Sümpfen und in der Nähe Sterbender. Sie ist in der Regel nicht angreifend, gilt aber als unheimliches Vorzeichen.
Die wichtigsten Aspekte der Seelenflamme auf einen Blick.
Eines der zahlreichen Feuerlichter des japanischen Volksglaubens, gedeutet im Rahmen der japanischen Seelenvorstellung.
Sterbende und frisch Verstorbene: Die Flamme gilt als deren Seele, die den Körper verlässt und noch eine Weile sichtbar bleibt.
Bläuliche, weißliche oder rötliche Flammenkugel mit langem Schweif, in der Edo-Zeit vielfach im Bild festgehalten.
Todeszeichen: Ihr Erscheinen belegt im Volksglauben, dass eine Seele den Körper verlassen hat oder der Tod nahe ist.
Gebete und buddhistische Totenriten für die betreffende Seele; unheimliche Orte mied man bei Nacht.
Der Name führt direkt zum Kern des Glaubens: hito, Mensch, und tama, Seele oder Kugel, ergeben die Menschenseele als sichtbares Feuer. Die Vorstellung ist alt und in der klassischen Literatur angedeutet, etwa in der Man’yoshu-Dichtung, deren Verse das Seelenlicht bereits kennen.
Innerhalb der japanischen Glaubenswelt steht die Hitodama in einer ganzen Familie von Feuerlichtern, behielt aber ihre eigene, klar umrissene Deutung: Sie ist keine fremde Macht und kein Trugbild, sondern der Mensch selbst im Augenblick des Übergangs. In der Edo-Zeit wurde sie vielfach bildlich dargestellt und gehörte fest zum Repertoire der unheimlichen Nachtmotive.
Die Hitodama ist in der japanischen Kunst der Edo-Zeit, im Volksglauben und in der modernen Popkultur, etwa in Anime, Manga und Videospielen, allgegenwärtig als schwebendes Seelenlicht. Sie zählt zu den bekanntesten Feuererscheinungen Japans.
Religionswissenschaftlich ist die Hitodama ein Musterbeispiel für die weltweit verbreitete Deutung schwebender Lichter als Seelen der Toten. Naturphänomene wie Faulgase über Feuchtgebieten und Sinnestäuschungen bei Nacht wurden im Rahmen der japanischen Seelenvorstellung gedeutet.
Die Hitodama ist ein Erscheinungs- und Deutungsphänomen, kein Kultwesen. Der Umgang mit ihr gehört zum Totenbrauch: Ihr Erscheinen wurde als Zeichen gedeutet, das Gebete und Totenriten für die betreffende Seele nach sich zog. Gegen unheimliche Lichter im Allgemeinen dienten im Volksglauben Gebete, buddhistische Totenriten und das Meiden bestimmter Orte bei Nacht.
Die Hitodama entspricht dem europäischen Irrlicht und den Seelenlichtern anderer Kulturen, die als Feuer der Toten gedeutet werden. Innerhalb Japans steht sie neben dem Onibi, dem Dämonenfeuer, und dem Kitsunebi, dem Fuchsfeuer, mit denen sie oft verwechselt oder gleichgesetzt wird. Die Unterscheidung liegt in der Herkunft der Lichter: Die Hitodama ist die Seele eines Menschen, das Onibi entsteht aus Groll und Totenresten, das Kitsunebi ist das Werk der Füchse.
Was ist ein Hitodama?
Die als schwebende Flamme sichtbare Seele eines Menschen im japanischen Volksglauben. Der Name bedeutet wörtlich Menschenseele.
Wann erscheint es?
Meist bei Nacht in der Nähe Sterbender oder frisch Verstorbener sowie über Friedhöfen und Feuchtgebieten, wo die Flamme niedrig und langsam schwebt.
Ist es gefährlich?
In der Regel nicht angreifend, aber es gilt als unheimliches Todeszeichen und als Beleg, dass eine Seele den Körper verlassen hat.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als japanische Seelenflamme ist die Hitodama das Feuer der toten Seelen im wörtlichsten Sinn: kein fremdes Wesen, sondern der Mensch selbst, für einen Augenblick als Licht sichtbar.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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