Shimenawa ist ein geflochtenes Seil aus Reisstroh, das in der japanischen Religion heilige Bereiche abgrenzt. Mit weißen Papierstreifen behängt, zieht es eine sichtbare Grenze zwischen dem Reinen und dem Unreinen und hält Unheilvolles fern. Das geflochtene Strohseil markiert in der japanischen Religion die Grenze zwischen dem Reinen und dem Unreinen.
Shimenawa ist ein heiliges Seil aus der religiösen Welt von Japan. Es besteht aus Reisstroh, das zu einem dicken Strang geflochten wird.
Die Aufgabe des Shimenawa ist die Abgrenzung. Es zieht eine Grenze um einen Bereich, einen Gegenstand oder einen Ort und kennzeichnet diesen als heilig, als rein und als der Verehrung gewidmet.
Das Shimenawa gehört in den Shinto, die einheimische Religion Japans. Im Shinto hat die Unterscheidung zwischen dem Reinen und dem Unreinen einen hohen Rang, und das Shimenawa macht diese Unterscheidung sichtbar.
Häufig ist das Seil mit weißen, zickzackförmig gefalteten Papierstreifen behängt. Diese Streifen heißen shide und gehören fest zum Erscheinungsbild des Shimenawa.
In der Religionswissenschaft ist das Shimenawa ein gutes Beispiel für ein Grenzzeichen. Es schützt nicht durch ein Schreckbild, sondern indem es eine Schwelle zieht, die das Unreine nicht überschreiten soll.
Diese Seite behandelt das Shimenawa als Schutz- und Grenzzeichen. Es gehört zu einer Gruppe von Schwellenzeichen, die in vielen Kulturen den Übergang zwischen einem gewöhnlichen und einem geschützten Bereich kennzeichnen.
Das Shimenawa ist ein Seil, doch ein Seil von besonderer Art. Es besteht aus Reisstroh, dem getrockneten Halm der Reispflanze.
Das Stroh wird zu Strängen gedreht und diese Stränge werden miteinander verflochten. Dadurch entsteht ein dickes, festes Seil. Manche Shimenawa sind schlank, andere von beträchtlichem Umfang und Gewicht.
Eine Eigenheit des Shimenawa ist die Richtung der Flechtung. Es wird oft entgegen der gewöhnlichen Drehrichtung geflochten. Damit ist das Seil schon durch seine Machart als etwas Besonderes, dem Alltäglichen Entgegengesetztes gekennzeichnet.
Viele Shimenawa verjüngen sich zu den Enden hin oder sind in der Mitte am dicksten. Aus dem geflochtenen Seil hängen häufig Büschel losen Strohs herab, was dem Shimenawa sein kennzeichnendes Aussehen gibt.
An dem Seil sind in regelmäßigen Abständen die weißen Papierstreifen befestigt, die shide. Ihre zickzackförmige Faltung lässt sie wie kleine Blitze erscheinen und macht das Shimenawa schon von Weitem erkennbar.
Das Material ist von Bedeutung. Reis ist in Japan die wichtigste Feldfrucht und das Reisstroh ein vertrauter, mit dem Leben und der Nahrung verbundener Stoff. Aus diesem alltäglichen Material wird das heilige Seil gefertigt.
Die wichtigste Aufgabe des Shimenawa ist das Ziehen einer Grenze. Wo ein Shimenawa angebracht ist, beginnt ein Bereich, der als heilig und als rein gilt.
Diese Grenze ist im Shinto wesentlich. Der Shinto unterscheidet streng zwischen dem Reinen und dem Unreinen. Heilige Orte sollen rein gehalten werden, und das Unreine soll von ihnen ferngehalten werden.
Das Shimenawa macht diese Unterscheidung sichtbar. Es markiert die Linie, an der das Gewöhnliche endet und das Heilige beginnt. Wer das Seil sieht, weiß, dass er einen besonderen Bereich betritt.
Diese Grenze ist nicht aus festem Stoff gebaut. Ein Shimenawa hält niemanden körperlich auf. Seine Grenze ist eine Grenze der Bedeutung, eine sichtbare Aufforderung, den Bereich mit Achtung zu behandeln.
Vor allem soll die Grenze das Unreine und das Unheilvolle fernhalten. Was dem heiligen Bereich schaden könnte, soll das Seil nicht überschreiten. In diesem Sinne ist das Shimenawa ein Schutzzeichen.
Das Shimenawa schützt damit, indem es ordnet. Es teilt den Raum in einen heiligen und einen gewöhnlichen Bereich und schirmt den heiligen Bereich vor dem ab, was nicht in ihn gehört.
Der häufigste Ort des Shimenawa ist der Schrein. An den Schreinen des Shinto ist das heilige Seil vielfach zu sehen.
Oft hängt ein Shimenawa über dem Eingang zum Schreinbereich oder am Tor, das im Japanischen torii heißt. Damit kennzeichnet es die Schwelle, die der Besucher beim Betreten des heiligen Bezirks überschreitet.
Auch an den Gebäuden des Schreins selbst sind Shimenawa angebracht. Manche Schreine sind für besonders große und schwere Shimenawa bekannt, deren Anfertigung viel Reisstroh und große Sorgfalt erfordert.
Innerhalb des Schreinbereichs grenzt das Shimenawa die besonders heiligen Stellen ab. Es kennzeichnet den Ort, an dem die Gottheit gegenwärtig gedacht wird, und schirmt ihn von den weniger heiligen Bereichen ab.
Das Shimenawa gliedert damit den Schrein. Es führt den Besucher von Schwelle zu Schwelle, von einem Bereich geringerer in einen Bereich größerer Heiligkeit, und macht diese Abstufung sichtbar.
Am Schrein erfüllt das Shimenawa damit seine Grundaufgabe in vollem Umfang. Es ordnet den heiligen Raum, kennzeichnet seine Grenzen und schirmt die heiligsten Stellen vor dem Unreinen ab.
Das Shimenawa ist nicht auf den Schrein beschränkt. Es kennzeichnet auch heilige Gegenstände der Natur, die außerhalb der Schreine liegen.
Im Shinto können einzelne Bäume, Felsen oder andere Naturgegenstände als Sitz einer Gottheit gelten. Ein solcher heiliger Baum oder Felsen wird häufig mit einem Shimenawa umwunden.
Das Seil hebt diesen Baum oder Felsen aus seiner natürlichen Umgebung heraus. Es zeigt an, dass hier nicht ein gewöhnlicher Gegenstand der Natur steht, sondern ein heiliger, mit einer Gottheit verbundener Ort.
Bekannt sind auch zwei durch ein Shimenawa verbundene Felsen, die als Paar verehrt werden. Das Seil drückt hier die heilige Verbindung der beiden Felsen aus.
Eine eigene, weit verbreitete Verwendung hat das Shimenawa zum japanischen Neujahr. In dieser Zeit werden kleinere Shimenawa, oft mit weiterem Schmuck versehen, an den Eingängen der Häuser angebracht.
Dieser Neujahrsschmuck soll das Haus rein halten und das Unheil fernhalten, damit die Gottheit des neuen Jahres willkommen geheißen werden kann. So zieht das Shimenawa zum Jahreswechsel auch um die Häuser der Menschen seine schützende Grenze.
Zum Shimenawa gehören in den meisten Fällen die weißen Papierstreifen, die shide. Sie sind ein eigenes Zeichen mit eigener Bedeutung.
Die shide sind Streifen aus weißem Papier, die auf eine bestimmte Weise gefaltet werden. Durch die zickzackförmige Faltung erhalten sie eine kennzeichnende, an einen Blitz erinnernde Gestalt.
Das weiße Papier verweist auf die Reinheit. Die Farbe Weiß ist im Shinto eng mit der Reinheit verbunden, und die shide bringen diesen Gedanken am Shimenawa zum Ausdruck.
Die shide werden in regelmäßigen Abständen an das Seil gehängt. Damit unterstreichen sie die Aufgabe des Shimenawa. Sie betonen, dass jenseits des Seils ein reiner Bereich beginnt.
Dieselben Papierstreifen finden sich auch an anderen Stellen des Shinto. Sie hängen an einem Stab, der bei der rituellen Reinigung verwendet wird, und gehören damit fest zum Bild der Reinigung und der Heiligung.
Shimenawa und shide bilden gemeinsam ein Zeichen. Das Seil zieht die Grenze, die Papierstreifen betonen die Reinheit jenseits dieser Grenze. Erst zusammen geben sie das vollständige Bild des heiligen, abgegrenzten Bereichs.
Das Shimenawa lässt sich im größeren Zusammenhang der Schwellenzeichen betrachten. Die Kennzeichnung von Grenzen und Schwellen ist in vielen Kulturen bedeutsam.
In zahlreichen Traditionen wird die Schwelle, der Übergang von einem Bereich in einen anderen, als besonders bedeutsam und als besonders gefährdet erlebt. An der Schwelle wird darum häufig ein Schutzzeichen angebracht.
Die jüdische Tradition kennt die Mesusa am Türpfosten, die islamische Tradition die Schutztexte über der Tür, viele europäische Bräuche kennen Zeichen an der Schwelle des Hauses. Stets geht es um den geschützten Übergang.
Das Shimenawa gehört zu dieser Gruppe. Es ist das japanische Schwellenzeichen, das den Übergang vom gewöhnlichen in den heiligen Bereich kennzeichnet und schützt.
Das Besondere am Shimenawa ist sein Grundgedanke. Es schützt nicht durch ein Bild oder einen Text, sondern allein durch das Ziehen einer Grenze. Es ist gleichsam reine, sichtbar gemachte Schwelle.
Das Shimenawa zeigt damit, dass der Gedanke der schützenden Grenze über die Kulturen hinweg verbreitet ist. Seine japanische Ausprägung verbindet diesen Gedanken mit dem hohen Wert der Reinheit, der den Shinto bestimmt.
Das Shimenawa ist ohne den Gedanken der Reinheit nicht zu verstehen. Die Reinheit ist einer der zentralen Begriffe des Shinto.
Der Shinto kennt die Unterscheidung zwischen einem reinen und einem unreinen Zustand. Das Unreine ist mit dem Tod, mit Krankheit und mit Verunreinigung verbunden, das Reine mit dem Leben, mit der Gesundheit und mit der Nähe zu den Gottheiten.
Heilige Orte und heilige Handlungen verlangen die Reinheit. Vor dem Betreten eines Schreins reinigen sich die Besucher, indem sie Hände und Mund mit Wasser spülen. Die Reinheit ist die Voraussetzung der Verehrung.
Das Shimenawa fügt sich in diese Ordnung ein. Es kennzeichnet den reinen, heiligen Bereich und grenzt ihn vom gewöhnlichen ab. Es ist gleichsam die sichtbare Linie der Reinheit.
Damit ist das Shimenawa weniger ein abwehrendes Schutzmittel als ein ordnendes Zeichen. Es wehrt das Unreine nicht ab, indem es ihm einen Schrecken einjagt, sondern indem es eine klare Ordnung des Raumes herstellt.
Das Shimenawa ist damit ein gutes Beispiel für ein Schutzverständnis, das auf der Ordnung beruht. Der Schutz liegt in der klaren Trennung des Reinen vom Unreinen, und das Shimenawa macht diese Trennung sichtbar.
Das Shimenawa ist im heutigen Japan überall gegenwärtig. An den Schreinen, an heiligen Bäumen und Felsen und zum Neujahr an den Häusern ist das heilige Seil vielfach zu sehen.
Die großen Shimenawa berühmter Schreine sind über Japan hinaus bekannt. Ihre Anfertigung ist eine handwerkliche Leistung, und ihre Erneuerung wird häufig als gemeinschaftliches Ereignis begangen.
Zum Jahreswechsel gehört der Shimenawa-Schmuck an der Haustür für viele Menschen zum festen Brauch. Auch wer dem Shinto nicht eng verbunden ist, bringt häufig zum Neujahr ein solches Seil an.
Das Shimenawa ist auch ein vertrautes Bild der japanischen Kultur geworden. Es erscheint in Darstellungen Japans, in der Kunst und in der Gestaltung als ein Zeichen des Heiligen und der Tradition.
Eine sachliche Darstellung benennt das Shimenawa als das, was es ist, ein Grenz- und Reinheitszeichen des Shinto. Es zieht eine Grenze der Bedeutung, keine Grenze, die körperlich aufhielte.
Das Shimenawa bleibt damit ein lebendiges Zeichen der japanischen Religion. In ihm verbinden sich der hohe Wert der Reinheit, der Gedanke der schützenden Grenze und der Wunsch, das Heilige sichtbar vom Gewöhnlichen zu trennen.
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