Anchimayen ist Geist der Mapuche-Überlieferung.
Ein totes Kind als Lockfeuer im Dienst eines Hexers.
Anchimayen ist ein kleiner Diener-Geist der Mapuche, der als leuchtendes Kind oder als fliegende Feuerkugel durch die Dämmerung und die Nacht zieht. Aus dem Leichnam eines verstorbenen Kindes geschaffen, dient er einem Kalku, einem bösen Hexer, und richtet in dessen Auftrag Schaden an.
Als Lichtorb reist er nachts, erschreckt Reisende und wirft sie mitunter vom Pferd, ähnlich einem Irrlicht, und führt Kinder in die Irre, die dem Licht zum Waldrand folgen.
Typ: Dienstbarer Geist eines toten Kindes im Auftrag eines Kalku
Herkunft: Indigene Geisterwelt der Mapuche Süd-Chiles und Argentiniens
Texte: Mapuche-Mündlichkeit, erfasst in mythologischen Übersichten
Zeitraum: mündliche Überlieferung bis in die Gegenwart
Erscheinung: leuchtendes Kind oder fliegende Feuerkugel
Mündliche Mapuche-Überlieferung, die in mythologischen Übersichten erfasst ist und bis in die Gegenwart, unter anderem in Videospielen, weitergetragen wird.
Die Mapuche-Gebiete Süd-Chiles und Argentiniens, insbesondere waldnahe Siedlungen, in deren Nähe das Licht abends erscheinen soll.
Dünn, aber konsistent: Es gibt kein Einzelwerk speziell zum Anchimayen, doch die Kontextliteratur zur Mapuche-Religion, etwa bei Latcham und Guevara, ist solide.
Mapudungun: Der Name stammt aus dem Mapudungun, der Sprache der Mapuche; die spanische Form lautet Anchimallén.
Erscheinung
Das leuchtende Kind und die fliegende Feuerkugel verbinden ein Unschuldsbild mit einer Bedrohung; das Licht in der Dämmerung ist Lockmittel und Vorzeichen von Unheil zugleich.
Wirkung
Als Lichtorb reist der Anchimayen nachts, schreckt und wirft Reisende teils vom Pferd, ähnlich einem Irrlicht, und führt Kinder in die Irre. Als Werkzeug des Kalku vollzieht er dessen bösen Willen und verursacht Krankheit.
Die wichtigsten Aspekte des Lichtgeists auf einen Blick.
Element der indigenen Mapuche-Geisterwelt, Teil des wekufe-Komplexes der schädlichen Geistwesen im Dienst der Kalku.
Kinder, die dem Licht zum Wald folgen, und nächtliche Reisende, die es vom Pferd wirft oder in die Irre führt.
Leuchtendes Kind oder fliegende Feuerkugel, in der teils die Gestalt eines Kindes erkennbar bleibt.
Locken, Erschrecken und Krankheit im Auftrag des Kalku: gefährlich vor allem als Werkzeug fremden Willens.
Wachsamkeit der Gemeinschaft, die Kinder vom nächtlichen Licht fernhält, und die Bekämpfung des Kalku durch die heilkundige Machi.
Der Kalku, dem der Anchimayen dient, und das europäische Will-o‘-the-wisp als irrlichtartige Parallele.
Der Name stammt aus dem Mapudungun; die spanische Form lautet Anchimallén. Nach der Überlieferung wird das Wesen aus dem Leichnam eines verstorbenen Kindes erschaffen und einem Kalku als dienstbarer Geist unterstellt.
Der Anchimayen ist fest in der indigenen Mapuche-Geisterwelt verankert, dem Kosmos der schädlichen wekufe. Als Werkzeug des Kalku trägt er dessen bösen Willen in die Nacht hinaus, gebunden an einen Herrn, dem er nicht aus eigenem Antrieb dient.
Der Anchimayen ist in modernen Bearbeitungen der Mapuche-Mythologie präsent, unter anderem in Videospielen, in denen der Kalku ihn als Diener hat. Seine Rezeption ist schwächer als die des verwandten Chonchon.
Religionswissenschaftlich ist der Anchimayen ein Element der indigenen Mapuche-Geisterwelt: ein dienstbarer, aus einem Kinderleichnam geschaffener Geist im Dienst des schwarzmagischen Kalku und Teil des wekufe-Komplexes der schädlichen Geistwesen. Funktional ähnelt er einem nächtlichen Locklicht, bleibt dabei jedoch fest in die Kalku- und wekufe-Welt der Mapuche eingebettet.
In den Warnerzählungen schützt vor allem die Wachsamkeit der Gemeinschaft davor, dass Kinder dem Licht in den Wald folgen. Konkrete, ritualisierte Einzel-Abwehrmittel sind für den Anchimayen nur schwach belegt; der eigentliche Schutz liegt eher in der Bekämpfung des dahinterstehenden Kalku durch die heilkundige Machi. Als allgemeine Abwehr auf dem nächtlichen Weg gilt eine Schutzkerze, deren eigenes Licht dem trügerischen Lockfeuer entgegengesetzt wird, dazu ein getragenes Amulett als Schutzzeichen und Beifuß, wie ihn die Machi im Umgang mit den wekufe verwendet.
Der Anchimayen wird ausdrücklich als irrlichtartiges Wesen beschrieben und entspricht damit dem europäischen Will-o‘-the-wisp, dem nächtlichen Geisterlicht, das Wanderer vom Weg lockt. Als aus einem toten Kind geschaffener Diener-Geist unter einem Magier ist er zugleich eine direkte Parallele zum malaiischen Toyol, der ebenfalls einem lebenden Meister dient, wenn auch als Dieb statt als Lockfeuer. Innerhalb der Mapuche-Geisterwelt steht er neben dem verwandten Chonchon und im Dienst des Kalku.
Was ist ein Anchimayen?
Ein kleiner Diener-Geist, der als leuchtendes Kind oder Feuerkugel erscheint und einem Kalku dient.
Woraus entsteht er?
Nach der Überlieferung aus dem Leichnam eines verstorbenen Kindes.
Ist er dasselbe wie ein Irrlicht?
Funktional ähnlich als nächtliches Locklicht, aber eingebettet in die Kalku- und wekufe-Welt der Mapuche.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Anchimallén bekannt, bleibt der Anchimayen ein Diener des Kalku, der als leuchtendes Kind Mapuche-Wälder durchstreift und mit seinem Licht Kinder wie Reisende in Gefahr führt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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