Will-o‘-the-wisp ist Geist der englischen Tradition.
Ein Licht, das Wanderer tiefer ins Moor lockt.
Will-o‘-the-wisp ist das lockende Irrlicht über Moor und Sumpf, ein flackerndes, oft bläuliches Licht, das nächtliche Wanderer vom sicheren Weg ins Verderben führt. In der Volksdeutung gilt es als trügerische Seele, naturwissenschaftlich als entzündetes Sumpfgas.
Der lateinische Name ignis fatuus, törichtes Feuer, ist alt und weltweit breit belegt; weitere britische Bezeichnungen sind Jack-o‘-lantern, friar’s lantern und hinkypunk. Das Licht weicht bei Annäherung stets zurück und lockt sein Opfer so immer tiefer ins Moor, wo Verirren und Ertrinken drohen.
Typ: Flackerndes Irrlicht über Moor und Sumpf, lateinisch ignis fatuus
Herkunft: Britischer, besonders ostenglischer Sumpf- und Moorglaube
Texte: Sehr gut, volkskundlich wie naturwissenschaftlich breit dokumentiert
Zeitraum: Alte, weltweit belegte Überlieferung
Erscheinung: Flackerndes, oft bläuliches Licht über Sümpfen und Feuchtgebieten
Alt und weltweit belegt: Historisch war die Überlieferung besonders in den ostenglischen Fenlands stark verbreitet.
Weltweit, hier in britischer Ausprägung. Die Sichtungen konzentrierten sich auf Sumpf- und Moorgebiete wie die ostenglischen Fenlands.
Sehr gut: Die Überlieferung ist sowohl volkskundlich als auch naturwissenschaftlich breit dokumentiert.
Englisch: Der lateinische Name ignis fatuus bedeutet törichtes Feuer. Will-o‘-the-wisp meint das Strohbündel oder die Fackel des Will, Jack-o‘-lantern den Jack mit der Laterne; weitere britische Namen sind friar’s lantern und hinkypunk.
Erscheinung
Das Irrlicht erscheint als flackerndes Licht wie eine Laterne oder Kerze, oft bläulich, über Sümpfen und Feuchtgebieten. Es bewegt sich hin und her, weicht bei Annäherung zurück und folgt beim Zurückweichen des Beobachters.
Wirkung
Es lockt nächtliche Wanderer vom sicheren Weg ab, tiefer ins Moor, wo sie sich verirren oder ertrinken können, und bleibt dabei stets knapp außer Reichweite.
Die wichtigsten Aspekte des Irrlichts auf einen Blick.
Weltweit belegtes Naturphänomen mit reicher britischer Bezeichnungstradition, darunter ignis fatuus.
Nächtliche Wanderer über Moor und Sumpf, die vom sicheren Weg abgebracht werden.
Flackerndes, oft bläuliches Licht wie eine Laterne, das über Sümpfen und Feuchtgebieten schwebt.
Irreführung mit realer Todesgefahr: Verirren und Ertrinken im Moor.
Dem Licht nicht folgen und auf dem bekannten Weg bleiben; auf Guernsey Mütze oder Mantel auf links tragen.
Die walisische Leichenkerze Canwyll Corff deutet Licht ebenfalls als Todeszeichen, dazu Black Shuck und die Cwn Annwn als weitere britische Nachtgestalten.
Der lateinische Name ignis fatuus, törichtes Feuer, steht neben mehreren britischen Bezeichnungen wie Jack-o‘-lantern und hinkypunk. In der Volksdeutung stecken hinter dem Licht Seelen Verstorbener, oft ungetaufter Kinder, seltener auch wohlwollende Geister.
Naturwissenschaftlich entsteht das Licht durch entzündete Sumpfgase: Beim Zerfall organischen Materials entstehen Methan sowie Phosphin und Diphosphin, die sich an der Luft selbst entzünden und bläulich leuchten können. Da viele Sümpfe, darunter die ostenglischen Fenlands, inzwischen trockengelegt wurden, sind Sichtungen heute selten geworden.
Will-o‘-the-wisp ist in der Populärkultur breit präsent, von Zeichentrickfilmen über Fantasy-Literatur bis zu Videospielen, und hat die Redewendung geprägt, mit der ein trügerisches, unerreichbares Ziel gemeint ist. Es ist zudem Namensgeber des Kürbis-Jack-o‘-lantern zu Halloween.
Religionswissenschaftlich ist Will-o‘-the-wisp ein Musterbeispiel eines Naturphänomens, des entzündeten Sumpfgases, das weltweit als Seelenlicht oder tückischer Geist gedeutet wurde. Die Nähe zu ungetauften Seelen in der Volksdeutung zeigt die christliche Überformung eines universellen Lichtmotivs.
Die Schutzformen sind vergleichsweise gut belegt: Auf Guernsey soll man beim Anblick der Erscheinung Mütze oder Mantel auf links, nach außen gewendet, tragen, ein verbreitetes Schutzmotiv gegen irreführende Geister. Allgemein gilt, dem Licht nicht zu folgen und auf dem bekannten Weg zu bleiben. Als Schutzmittel galten daneben kaltes Eisen gegen irreführende Geister, geweihtes Wasser als christliches Zeichen gegen die verführende Lichterscheinung und das eigene, sichere Kerzenlicht als Gegenstück zum trügerischen Moorlicht.
Das Irrlicht ist weltweit belegt: als Boi-tata in Brasilien, als Luz mala in Argentinien und Uruguay, als Aleya in Bengalen, als Hitodama in Japan und als Aarnivalkea in Finnland. Innerhalb der britischen Überlieferung steht ihm die walisische Leichenkerze Canwyll Corff am nächsten, die als todesdeutende Variante gilt, dazu Nachtgestalten wie Black Shuck und die Cwn Annwn.
Was ist ein Will-o‘-the-wisp naturwissenschaftlich?
Entzündetes Sumpfgas: Beim Zerfall organischen Materials entstehen Methan sowie Phosphin und Diphosphin, die sich an der Luft selbst entzünden und ein flackerndes, oft bläuliches Licht erzeugen.
Warum sieht man es heute kaum noch?
Weil viele Sümpfe und Moore trockengelegt wurden, darunter die ostenglischen Fenlands.
Wie schützt man sich der Überlieferung nach?
Indem man dem Licht nicht folgt und auf dem bekannten Weg bleibt. Auf Guernsey wendet man Mütze oder Mantel auf links.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Irrlicht bleibt das Will-o‘-the-wisp das anschaulichste Beispiel dafür, wie ein und dasselbe Licht zugleich Naturphänomen und Warnung sein kann: ignis fatuus für die Wissenschaft, verführerische Seele für den Volksglauben, in jedem Fall aber ein Licht, dem man auf dem sicheren Weg besser nicht folgt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
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