Pan ist Gott der griechischen Tradition.
Der Hirtengott Arkadiens, Urheber des panischen Schreckens. Im Titel erscheint Pan als griechischer Gott der Hirten und Wälder.
Pan ist der arkadische Gott der Hirten, der Herden und der wilden Bergnatur, kenntlich an Ziegenbeinen, Hörnern und der Rohrflöte Syrinx. Von ihm leitet sich das Wort Panik ab, der plötzliche Schrecken ohne sichtbare Ursache. Nach der Schlacht von Marathon nahm Athen ihn offiziell in den Stadtkult auf.
Anders als die Satyrn seines Umfelds ist Pan Gott mit ordentlichem Kult, mit Opfern, Grotten und Heiligtümern; als einziger bedeutender Gott Griechenlands trägt er dabei halbe Tiergestalt.
Typ: Gott der Hirten, Herden und der wilden Bergnatur
Herkunft: Arkadien, ab dem 5. Jahrhundert Attika und die gesamte griechische Welt
Texte: Homerischer Hymnos 19, Herodot, Theokrit, Weihreliefs, Grottenheiligtümer
Zeitraum: 6. Jahrhundert v. Chr. bis Spätantike, Kultausbreitung nach 490 v. Chr.
Erscheinung: Mischgestalt mit Ziegenbeinen, Hörnern und Bart, Syrinx in der Hand
Bezeugt vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis in die Spätantike; die Kultausbreitung nach der Schlacht von Marathon 490 v. Chr. ist historisch datierbar.
Heimat ist Arkadien, das Hirtenland der Peloponnes; ab dem 5. Jahrhundert verbreitete sich der Grottenkult über Attika und die gesamte griechische Welt.
Sehr gut bezeugt: der Homerische Hymnos 19, Herodot und Theokrit, dazu Weihreliefs und Grottenheiligtümer von der Akropolis bis zum Parnass.
Griechisch: Pan. Der Homerische Hymnos deutet den Namen volksetymologisch aus pan, alles, weil das Kind allen Göttern gefiel; die Sprachwissenschaft führt ihn eher auf ein altes Wort für Hüten und Weiden zurück.
Erscheinung
Pan ist der einzige bedeutende Gott Griechenlands in halber Tiergestalt: Bocksbeine und Hörner, oft ein Zottelfell, dazu Syrinx, Hirtenstab (Lagobolon) und Pinienkranz. Die Syrinx trägt eine eigene Sage: Die Nymphe Syrinx entzieht sich dem Gott durch Verwandlung in Schilfrohr, aus dem er die Flöte schneidet. Auf attischen Weihreliefs springt er klein und bocksfüßig am Rand des Nymphenreigens.
Wirkung
Pan schützt Herden, mehrt die Fruchtbarkeit von Ziegen und Schafen und schenkt Jagdglück. Seine gefürchtete Wirkung ist der panische Schrecken: eine plötzliche, ansteckende Angst, die ohne erkennbaren Grund Herden in wilde Flucht und Heerlager in Auflösung treibt. Daneben galt Pan als Urheber beklemmender Mittagserscheinungen und unruhiger Träume; die Mittagsstunde ist seine Ruhezeit, in der man ihn nicht stören darf.
Die wichtigsten Aspekte des Hirtengottes auf einen Blick.
Arkadischer Gott der Wildnis, der 490 v. Chr. offiziell in den athenischen Stadtkult aufgenommen wurde: ein seltener Fall dokumentierter Kultausbreitung.
Hirten, Jäger, Soldaten und Wanderer: Herdensegen, Jagdglück und der Schrecken, der Heere des Gegners in Auflösung treibt.
Mischgestalt mit Bocksbeinen, Hörnern und Bart, oft Zottelfell; Attribute sind die Syrinx, der Hirtenstab und der Pinienkranz.
Fels, Weide, Grotte und Mittagshitze: die Schwelle zwischen Mensch und Tier, zwischen Kulturland und Wildnis.
Grottenkult mit Hermes und den Nymphen: Opfer von Milch, Honig, Käse und Böcken, in Athen jährliche Opfer und ein Fackellauf an der Akropolis-Grotte.
Pans Heimat ist Arkadien, das Hirtenland im Inneren der Peloponnes. Der Homerische Hymnos 19 erzählt seine Geburt: Hermes zeugt ihn mit einer Tochter des Dryops; das Kind kommt mit Hörnern, Bart und Bocksfüßen zur Welt, die Amme flieht entsetzt, doch Hermes trägt den Sohn auf den Olymp, wo er allen Göttern gefällt. Historisch greifbar wird der Kult durch Herodot: Vor der Schlacht von Marathon 490 v. Chr. begegnet der Läufer Philippides auf dem Parthenion-Gebirge dem Gott, der fragt, warum die Athener ihn nicht ehren, obwohl er ihnen wohlgesinnt sei.
Nach dem Sieg richtete Athen ihm die Grotte am Nordhang der Akropolis ein, mit jährlichen Opfern und einem Fackellauf. Von dort verbreitete sich der Grottenkult über ganz Griechenland, etwa nach Vari, Phyle und Marathon sowie in die Korykische Grotte am Parnass, stets in Gemeinschaft mit Hermes und den Nymphen. Plutarch schließlich überliefert die berühmte Erzählung, der Steuermann Thamus habe unter Kaiser Tiberius über das Meer den Ruf vernommen: Der große Pan ist tot.
Die christliche Ikonographie lieh sich für den Teufel Hörner und Bocksbeine, Züge, die aus dem Bild Pans und der Satyrn stammen; der Gott wurde damit nachträglich dämonisiert, in der Antike selbst war er ein Gott mit ordentlichem Kult. Plutarchs Erzählung vom Tod des großen Pan las man seit der Renaissance als Chiffre für das Ende des Heidentums. Um 1900 erlebte Pan eine literarische Wiederkehr, von Arthur Machens Schauergeschichte The Great God Pan (1894) bis zum Kapitel The Piper at the Gates of Dawn in Kenneth Grahames The Wind in the Willows (1908). Im modernen Neuheidentum lebt er im Bild des Gehörnten Gottes fort.
Religionswissenschaftlich ordnet Walter Burkert Pan den Rand- und Außenseitergöttern zu, die die Wildnis jenseits der Polis besetzen; seine halbe Tiergestalt markiert genau diese Schwelle. Philippe Borgeaud hat gezeigt, wie der Kult reale Erfahrungen institutionalisiert: Massenpanik und Mittagsangst erhalten mit Pan einen Namen, einen Ort, ein Ritual und einen Adressaten. Bemerkenswert ist die datierbare Kultaufnahme in Athen 490 v. Chr., dazu Plutarchs Notiz als einziges antikes Zeugnis vom Sterben eines griechischen Gottes.
Der überlieferte Umgang mit Pan ist Kultpflege und Rücksicht. Athen sicherte sich seine Gunst institutionell durch jährliche Opfer und den Fackellauf an der Akropolis-Grotte, wie Herodot berichtet. Hirten brachten einfache Gaben in Grotten und an Felsaltären dar, Milch, Honig, Käse, gelegentlich einen Bock, dazu Weihreliefs an Pan, Hermes und die Nymphen. Als Verhaltensregel galt die Mittagsruhe: In der heißen Stunde des Gottes wurde weder geflötet noch gelärmt; um Mittag flöten wir nicht, warnt der Hirte bei Theokrit, wir fürchten Pan. Vor Schlachten suchte man Pan günstig zu stimmen, damit der Schrecken den Gegner treffe und nicht das eigene Heer. Einen Bannzauber gegen Pan kennt die Antike nicht; Schutz bestand darin, den Gott zum Verbündeten zu machen.
Der bocksgestaltige Herr von Weide und Wildnis hat Verwandte in mehreren Traditionen. Rom identifizierte Pan mit Faunus und kannte in Silvanus einen eigenen Waldhüter; einen Überblick gibt die Kulturseite Rom. Der keltische Cernunnos, der gehörnte Herr der Tiere, zeigt einen verwandten Typus, siehe die Kulturseite Keltisch. Funktional am nächsten steht der slawische Leshy: Herr des Waldes und des Wilds, der Menschen schreckt und in die Irre führt, sich aber mit Gaben besänftigen lässt.
Warum heißt die Panik nach Pan?
Die Griechen führten plötzliche, grundlose Massenangst bei Herden und Heeren auf den Gott zurück; man sprach von panischen Schrecken (panika deimata). Über das Lateinische ging das Wort in die europäischen Sprachen ein. Gemeint war ursprünglich eine göttliche Einwirkung, nicht bloß ein Gefühl.
Ist Pan ein Dämon?
Nein, in der Antike war Pan ein Gott mit ordentlichem Kult, mit Opfern und Heiligtümern. Die Übertragung seiner Gestalt auf den Teufel ist eine spätere christliche Umdeutung. Auf iwell-guard.com wird er darum unter den Göttern geführt.
Was bedeutet der Satz vom Tod des großen Pan?
Plutarch erzählt, ein Steuermann habe unter Kaiser Tiberius den Ruf über das Meer gehört und weitergegeben. Seit der Renaissance gilt der Satz als Sinnbild für das Ende der alten Götterwelt; historisch bezeugt der Text vor allem, wie ernst die Antike das Verstummen von Orakeln und Kulten nahm.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Der Hirtengott Pan gehört zu den wenigen Göttern, deren Wirkung sprichwörtlich wurde: Was als panischer Schrecken Herden und Heere erfasste, trägt seinen Namen bis in die Gegenwart, vom antiken Schlachtfeld bis zum Wörterbuch.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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