Die Orang Bunian sind Geister der malaiischen Tradition.
Das verborgene Volk, das im tiefen Wald neben den Menschen lebt. Im Zentrum steht das Dasein der unsichtbaren Nachbarn im Regenwald.
Orang Bunian ist das unsichtbare, elfen- und feenartige Waldvolk Malaysias, das in tiefen Wäldern und Bergen parallel zu den Menschen lebt. Schön und meist unsichtbar, kann es mit Menschen Freundschaft schließen, sie aber auch entführen oder mit ihnen einheiraten.
Die Orang Bunian sind überwiegend wohlwollend und unterstützen Heiler und Schamanen. Wer aber in ihr Reich gerät, kann für Jahre aus der Menschenwelt verschwinden; die Zeitdehnung ist ein festes Motiv, denn Stunden bei den Bunian entsprechen Tagen in der Menschenwelt.
Typ: Verborgenes, elfenartiges Parallelvolk des Waldes
Herkunft: Alte malaiische Überlieferung im islamisch-animistischen Synkretismus
Texte: Wissenschaftlich fixiert um 1900 bei Skeat, dazu Winstedt
Zeitraum: bis heute lebendig
Erscheinung: menschenähnlich, schön, in altertümlicher Kleidung, für die meisten Menschen unsichtbar
Die Überlieferung ist alt-malaiisch und bis heute lebendig; wissenschaftlich fixiert wurde sie um 1900 durch Walter William Skeat.
Die malaiische Halbinsel, Sumatra und Borneo, der malaiische Kulturraum insgesamt; das Volk wohnt in tiefen Wäldern und Bergen.
Gut dokumentiert: Skeats Malay Magic von 1900 und Winstedts Studie zum malaiischen Magier.
Malaiisch: orang, Mensch oder Volk, und bunian, meist gedeutet als verborgen, also verborgenes Volk, oder als pfeifend, da man ihre Anwesenheit an Geräuschen ohne sichtbare Quelle erkennt.
Erscheinung
Die Orang Bunian sind schön und wohlhabend und haben eine eigene Gesellschaftsordnung mit Familien, Sippen und Adel, die der altmalaiischen ähnelt. Sie bewohnen eine parallele, verborgene Welt, teils sogar dieselben Häuser wie Menschen; das fehlende Philtrum, die Rinne zwischen Nase und Oberlippe, markiert ihre feine Andersartigkeit trotz nahezu identischen Aussehens.
Wirkung
Die Orang Bunian sind überwiegend wohlwollend und unterstützen Heiler und Schamanen. Wer aber in ihr Reich gerät oder einheiratet, kann für Jahre aus der Menschenwelt verschwinden; Stunden bei den Bunian entsprechen Tagen in der Menschenwelt.
Die wichtigsten Aspekte des verborgenen Volkes auf einen Blick.
Islamisch-animistischer Synkretismus: vorislamischen Ursprungs, teils mit den Jinn parallelisiert, aber als eigenes verborgenes Volk eigenständig.
Waldbesucher, Wanderer und Kinder sowie Heiler und Schamanen, die von den Bunian unterstützt werden.
Menschenähnlich, schön, in altertümlicher Kleidung und meist unsichtbar; einziges körperliches Kennzeichen ist das fehlende Philtrum.
Hilfe und Freundschaft für Respektvolle; Entführung, Einheirat und Zeitdehnung als Gefahr für Grenzüberschreiter.
Respekt im Wald: höflich und leise auftreten, um Erlaubnis bitten, keine Pflanzen achtlos abreißen und den Wald nicht verunreinigen.
Der Name verbindet orang, Mensch oder Volk, und bunian, meist gedeutet als verborgen, also verborgenes Volk, oder als pfeifend, da man ihre Anwesenheit an Geräuschen ohne sichtbare Quelle erkennt. Der Hintergrund ist ein islamisch-animistischer Synkretismus: Vorislamisch-animistischen Ursprungs, wird das Volk im islamischen Malaiischen teils mit den Jinn parallelisiert, bleibt aber als eigenes verborgenes Volk eigenständig.
Erstmals wissenschaftlich fixiert wurde die Überlieferung um 1900 bei Walter William Skeat. Die Bunian-Gesellschaft spiegelt die altmalaiische Ordnung mit Familien, Sippen und Adel; ihre Welt liegt parallel zur menschlichen, teils in denselben Häusern.
Die Orang Bunian sind ein fester Bestandteil malaiischer Alltagskultur und in Erzählungen, Medien und Reiseliteratur präsent. Vermisstenfälle in Wäldern werden volkstümlich mit einer Entführung durch Orang Bunian erklärt; diese Zuschreibung ist eine Glaubensvorstellung, keine Tatsache.
Religionswissenschaftlich sind die Orang Bunian der Typus des verborgenen Parallelvolks im islamisch-animistischen Synkretismus. Funktional vermitteln sie eine Naturschutz-Ethik, den Respekt vor dem Wald, über den Geisterglauben.
Quellenfest sind der Respekt im Wald, also höflich und leise aufzutreten und nicht zu lärmen, das Bitten um Erlaubnis beim Betreten bestimmter Orte, das Nicht-achtlose-Abreißen von Pflanzen und die Vermeidung von Verunreinigung des Waldes. Naturführer und Eltern geben diese Regeln des Dschungels ausdrücklich weiter; der Schutz vor den Bunian ist damit zugleich ein Verhaltenskodex für den Wald selbst.
Die Orang Bunian entsprechen den europäischen Elfen und dem Feenvolk, den irisch-schottischen Aos Sí und dem skandinavischen Huldrefolk, dem verborgenen Volk um die Huldra; gemeinsame Motive sind Unsichtbarkeit, Parallelwelt, Entführung und Zeitdehnung. Im eigenen Kulturraum stehen ihnen die philippinischen Diwata als wohlwollende Naturwesen nahe.
Was bedeutet Orang Bunian?
Verborgenes Volk oder Pfeifvolk: von bunian, verborgen, oder von den pfeifenden Geräuschen ohne sichtbare Quelle.
Sind sie böse?
Meist wohlwollend; gefährlich vor allem durch Entführung und Zeitverlust, nicht aus Bosheit.
Wie schützt man sich?
Durch Respekt im Wald, das Bitten um Erlaubnis, das Meiden von Lärm und das Nicht-Verunreinigen.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als verborgenes Volk Malaysias und unsichtbares Waldvolk zugleich verkörpern die Orang Bunian die stille Übereinkunft zwischen Mensch und Wald: Wer die Regeln des Dschungels achtet, hat gute Nachbarn; wer sie bricht, riskiert Jahre in einer anderen Welt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
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