Marbendill, das dreifache Lachen des Meermanns
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Marbendill ist ein Geist der germanischen/nordischen Tradition.
Gefangen lacht er dreimal und deckt verborgene Wahrheit auf. Das dreifache Lachen des gefangenen Meermanns steht im Zentrum der Marbendill-Überlieferung. Marbendill zählt zu den markantesten Meermännern der isländischen Sagen.
Als isländischer Wassergeist ist der Marbendill Meermann und Weissager zugleich. Fischer ziehen ihn aus dem Meer; wer ihn freilässt, wird reich belohnt.
Bekannt ist sein dreifaches Lachen, das jedes Mal eine verborgene Wahrheit ans Licht bringt.
Typ: weissagender Meermann
Herkunft: Island
Texte: Landnámabók, Jón Árnason
Zeitraum: 12. Jh. bis heute
Erscheinung: bärtiger Meermann
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
12. Jh. (Landnámabók) bis heute.
Verbreitungsraum
Island.
Belegdichte
Landnámabók und Jón Árnason.
Name und Varianten
Sprache: Altnordisch mar-mennill, See-Männlein, aus marr, Meer, und einer Verkleinerungsform von Mann.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Bärtiger Meermann, aus dem Meer gezogen, zunächst nur durch sein Lachen auffällig.
Wirkung
Sein Lachen deckt Schein und Sein auf; die Freilassung bringt sieben meergraue Kühe und Wohlstand.
Steckbrief: Marbendill
Die wichtigsten Aspekte des weissagenden Meermanns auf einen Blick.
Isländische Sage seit der Landnámabók (12. Jh.).
Fischer und Bauern, die ihn aus dem Meer ziehen.
Bärtiger Meermann mit rätselhaftem, dreifachem Lachen.
Weissagung und Wohlstand für den, der ihn freilässt.
Kein Abwehrritus: Entscheidend ist das gegebene Wort.
Der Fang, das Lachen und der Lohn
Die Landnámabók des 12. Jahrhunderts berichtet von einem gefischten, weissagenden Marmennill. Jón Árnason sammelte die bekannteste Fassung: Ein Bauer trägt einen gefangenen Marbendill heimwärts, der dreimal lacht, beim Schlagen des Hundes, beim Sturz über den verfluchten Hügel und bei der Umarmung seiner Frau. Erst nach dem Freilassungsversprechen nennt er die Gründe: Freude, Schatz, Untreue.
Vom Sprichwort zum Sagenmotiv
Dass der Marbendill lachte, wurde in Island sprichwörtlich für plötzliches, spöttisches Auflachen. Er gehört zum Typus des gefangenen Wesens, das gegen Freilassung Segen gewährt, eine Erzählung über Erkenntnis und Selbsttäuschung.
Wortbruch statt Bannspruch
Meermänner und Wortverwandte Nordeuropas
Häufige Fragen zu Marbendill
Warum lacht der Meermann dreimal?
Er sieht verborgene Wahrheit: echte Freude, einen Schatz, falsche Zuneigung.
Ist der Marbendill gefährlich?
Nein, ein Wissensträger; entscheidend ist, ihn wie versprochen freizulassen.
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als isländischer Wassergeist bleibt der Marbendill Meermann und Weissager zugleich: Wer sein Wort hält, dem dankt er mit Wohlstand aus dem Meer statt mit Gewalt.





